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Der Fonds

Seit Oktober 2016 hat die Wahre-Werte-Idee einen weiteren Vertreter: den Wahre-Werte-Fonds. Was für ein Fonds das ist, warum er nach unserem Konzept agiert und wie das alles zustande kam, erfahren Sie von Raimund Brichta hier der Reihe nach:

Leser haben uns in der Vergangenheit des Öfteren gefragt, ob man in unser Depot investieren könne. Auch verschiedene Finanzdienstleister äußerten den Wunsch, ihren Kunden das Wahre-Werte-Konzept als Produkt anbieten zu können. Darauf haben wir immer geantwortet, dass es jedem Anleger natürlich freisteht, sich in seinen Entscheidungen an unserem virtuellen Depot zu orientieren, wenn er das will. Ein Anlageprodukt ist unser Wahre-Werte-Depot allerdings nicht.

Da es jedoch Interesse an einem solchen Produkt gibt, entwickelte Volker Schilling, der mit seiner Greiff AG schon Erfahrung in der Portfolioverwaltung hat, die Idee eines Wahre-Werte-Fonds. Ganz ehrlich: Für mich kam dieser Gedanke etwas zu früh, weil erst noch zu beweisen ist, ob wir auch langfristig erfolgreich sein können. Zwei Jahre Laufzeit sind im langfristigen Vergleich nicht viel. Zumal unsere richtige Feuertaufe erst noch bevorsteht, wenn die nächste Finanzkrise kommt.

Aber das Interesse war vorhanden, und deshalb setzten wir uns mit der Idee auseinander. Ich fragte mich zum Beispiel, wie sich so etwas überhaupt umsetzen ließe? Schließlich bin ich Finanzjournalist, der ein Musterdepot mitgestaltet, wie dies auch etliche Kollegen tun. Ein Fondsmanager bin ich nicht. Für mich gilt der Leitspruch: Schuster, bleib bei deinen Leisten.

Daneben bezweifle ich, dass man als Fondsmanager jederzeit so unabhängige Entscheidungen treffen könnte, wie wir das in unserem Musterdepot tun. Ein Fonds ist schließlich ganz anderen Zwängen ausgesetzt, und er hat unzählige Regulierungen zu beachten.

 

Das Modell

Ein Fonds kam für mich also nicht in Frage. Aber was wäre, wenn wir das blieben, was wir sind, nämlich ein simples Musterdepot, und wenn ein Fonds lediglich nach unserem Konzept agieren würde? Letzteres dürfte schwierig genug werden, weil wir auch vor unkonventionellen Entscheidungen nicht zurückschrecken. Gibt es etwa einen Fonds, der schon einmal unsere Parole „Alles muss raus – außer Gold!“ umgesetzt hätte? Ich kenne keinen. Die praktische Umsetzung wäre in diesem Fall aber Sache des Fonds und nicht unser Problem 😉

Unter diesem Aspekt begann ich, mich mit dem Gedanken anzufreunden: Lasst einen Fonds nach dem gleichen Konzept agieren wie wir, aber lasst uns selbst kein Fonds sein! Und weil sich auch Volker Schilling und die Greiff AG damit anfreunden konnten, war die Grundlage für dieses Modell gelegt.

Deshalb managt Greiff den Wahre-Werte-Fonds. Eins zu eins zu unserem Depot kann der Fonds dabei ohnehin nicht handeln, weil Fonds – wie erwähnt – ganz anderen Einschränkungen unterliegen als wir im Musterdepot. Der Fonds wird also seine eigenen Anlageentscheidungen unabhängig vom Depot treffen. Auf einige Unterschiede zwischen Depot und Fonds gehe ich weiter unten  noch einmal in einem gesonderten Beitrag ein.

 

Die Partner

Zu einem Fonds gehört aber mehr als ein Unternehmen, das ihn managt. Es bedarf auch einer Kapitalanlagegesellschaft, die den Fonds unter ihrem Dach auflegt. Hier hat Greiff die Fondsgesellschaft Monega als Partner ausgewählt, die recht gut zum Wahre-Werte-Gedanken passt. Denn Monega ist überwiegend in Besitz der genossenschaftlich organisierten Sparda-Banken und der DEVK-Versicherungen, die wiederum ihren Versicherten gehören. Es handelt sich also um Genossenschaften und Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit, die jeweils solide Eigentümerstrukturen aufweisen.

Ähnliches gilt für die Depotbank als weiterer Partner. Eine solche Bank braucht jeder Fonds, um dort sein Wertpapierdepot führen zu lassen. Greiff und Monega haben sich hier für die Kreissparkasse Köln entschieden.

 

Der Fonds

Der Wahre-Werte-Fonds selbst besteht aus zwei Tranchen mit jeweils eigener Wertpapier-Kennnummer: Eine Tranche für Privatanleger ohne Mindestanlagebetrag, die laut Fondsexperten in der Regel beratungs- und betreuungsintensiver ist und deshalb etwas höhere Gebühren hat. Eine zweite Tranche ist für institutionelle Investoren bestimmt und für Privatanleger, die mindestens 100.000 € investieren können. Da diese Anleger in der Regel besser informiert sind, fällt hier kein Beratungs- und Betreuungsaufwand an, weshalb die Fondsgebühr etwas geringer ausfällt.

Eine solche Zweiteilung mag zwar gewöhnungsbedürftig sein, weil sie an eine Zweiklassengesellschaft erinnert. Sie ist in der Fondsbranche aber durchaus üblich. Außerdem wäre der Fonds ohne eine Profi-Tranche – so versichern mir Experten – für institutionelle Investoren uninteressant. Dabei könnte unser Konzept mit dem Ziel, Abschwünge möglichst zu glätten, gerade für bestimmte Institutionen wie Stiftungen sehr attraktiv sein.

Eine weitere Besonderheit ist, dass die Privatanleger-Tranche als „thesaurierend“ ausgelegt ist. Das heißt, Erträge wie Zinsen und Dividenden werden innerhalb des Fonds wieder angelegt und erhöhen damit den Wert der Fondsanteile. Die institutionelle Tranche dagegen ist als „ausschüttend“ konzipiert, weil – so sagen mir Experten – einige Institutionen auf regelmäßige Ausschüttungen Wert legen. Wer auch als „Insti“ Ausschüttungen nicht haben möchte, kann das zufließende Geld einfach wieder in neuen Fondsanteilen anlegen und sich so den „thesaurierenden” Privatanlegern gleichstellen. Daneben kann natürlich jeder Anleger jederzeit Fondsanteile verkaufen, wenn er dies will.

Zur Webseite des Wahre-Werte-Fonds geht es hier.

 

Das Depot

Im Wahre-Werte-Depot selbst bleibt alles beim Alten: Anton Voglmaier, Volker Schilling und ich treffen unabhängig unsere Entscheidungen. Ich betreue diese Webseite redaktionell, fülle sie mit journalistischen Inhalten und bereite die Team-Entscheidungen vor – Letzteres gemeinsam mit Ihnen, werte Leser, und Ihren Depotvorschlägen. Da wir das Wahre-Werte-Depot kostenlos anbieten, gab es anfangs aber keine Einnahmen, die eine Bezahlung meiner redaktionellen Arbeit zugelassen hätten. Dies hat sich durch den Fonds insofern geändert, als dass er eine Gebühr an die Webseite zahlt. Deshalb bekomme ich für meine journalistische Tätigkeit nun ein Honorar. Für Sie, liebe Leserinnen und Leser, ist damit auch langfristig sichergestellt, dass die Wahren Werte kostenlos bleiben.

Auf die Zukunft können wir nun jedenfalls doppelt gespannt sein: Wie wird sich zum einen unser Depot entwickeln und wie zum anderen der Fonds? Stay tuned!

 

Depot und Fonds – die Unterschiede

 

Wie erwähnt, kann der Fonds nicht genauso handeln kann wie wir im Depot, denn Fonds unterliegen generell größeren Einschränkungen, die der Sicherheit der Investoren zu Gute kommen sollen. Der Fonds trifft also seine eigenen Anlageentscheidungen unabhängig vom Depot. Über wesentliche Unterschiede zwischen Depot und Fonds erfahren Sie hier mehr:

 

1 . Der wichtigste Unterschied

Unser Musterdepot ist im Oktober 2014 mit einem fiktiven Betrag von 100.000 Euro an den Start gegangen. Es fließt kein weiteres Kapital zu und es wird auch nichts entnommen. Damit ändert sich das Depotvolumen ausschließlich aufgrund von Wertschwankungen der enthaltenen Depotwerte sowie aufgrund von Transaktionskosten und Dividendenzuflüssen.

Bei einem offenen Fonds ist das anders: Mittelzuflüsse haben zur Folge, dass neu investiert werden muss, während bei Mittelabflüssen eventuell Depotwerte (teil)verkauft werden müssen. Zudem ändern sich durch Käufe und Verkäufe die durchschnittlichen Einstandskurse. Dies alles, während im Depot möglicherweise nichts geschieht.

Darüber hinaus ist es bei einem permanent schwankenden Fondsvolumen eine große Herausforderung, laufend die gleiche prozentuale Verteilung des Anlagekuchens sicherzustellen wie im Depot, dessen Volumen viel weniger stark schwankt.
All dies kann beim Fonds zu positiven oder negativen Abweichungen gegenüber der Depotentwicklung führen. Möglicherweise gleichen sich diese langfristig aus, wir werden sehen.

Es gibt aber noch weitere Unterschiede:

2. Kosten

Dem Fonds werden Kosten belastet, die im Depot nicht anfallen. Somit würden sich Fonds und Depot in Bezug auf die Performance von vornherein durch die Fondsgebühren unterscheiden. Um in diesem Punkt eine bessere Vergleichbarkeit herzustellen haben wir uns entschlossen, im Depot fiktive Gebühren in Höhe von 1% p. a. zu berücksichtigen. Ähnlich verfahren wir schon länger bei den Transaktionskosten, indem wir bei jedem Kauf und Verkauf fiktive Kosten zu Lasten der Kasse entnehmen. Die fiktive Fondsgebühr entnehmen wir nun monatlich der Kasse, und zwar in Höhe von einem Zwölftel eines Prozents des jeweiligen Depotvolumens.

Wir haben uns wirklich gut überlegt, ob wir in diesen sauren Apfel beißen sollen. Doch am Ende kamen wir zu dem Schluss, dass diese Entscheidung folgerichtig ist: Auch aus steuerlicher Sicht orientieren wir uns bereits an der Behandlung von Fonds, indem wir realisierte Gewinne steuerfrei verbuchen. Warum sollten wir also auf der einen Seite von den Vorteilen eines Fonds profitieren wollen (steuerfreie Realisierung von Kursgewinnen), ohne gleichzeitig die Nachteile eines Fonds (Gebühren) in Kauf nehmen zu müssen?

 

3. Höchstgrenzen für einzelne Positionen

Ein Fonds darf nur bis zu bestimmten Höchstgrenzen in einzelne Wertpapiere investieren. Unser Musterdepot unterliegt dieser Einschränkung nicht. Da wir uns aber auch im Depot nicht zu sehr von bestimmten Werten abhängig machen wollen, achten wir ohnehin darauf, dass der Anteil einzelner Positionen am Gesamtdepot nicht zu groß wird. Diese Strategie werden wir auch künftig fortsetzen, so dass es in dieser Hinsicht keine größeren Konflikte zwischen Depot und Fonds geben dürfte.

Für die fernere Zukunft, insbesondere für den Fall einer Systemkrise, sind solche Konflikte allerdings nicht auszuschließen.

In einem anderen Punkt tritt ein Konflikt schon jetzt zutage:

 

4. Höchstgrenzen für die Anlage in Fonds

Ein Fonds, der dafür zugelassen sein will, dass seine Anteile auch von Dachfonds gekauft werden dürfen, hat eine weitere Einschränkung zu beachten. (Dachfonds sind Fonds, die das Kapital von Anlegern in andere Fonds investieren.) Ein Dachfonds darf nur in solchen Fonds investiert sein, die nicht mehr als 10% ihres Vermögens wiederum in Fonds angelegt haben.

Diese Grenze überschreiten wir im Depot deutlich. Und da wir uns mit unseren Fondspositionen wohlfühlen, wollen wir daran auch nichts ändern.

Die Greiff AG, die den Wahre-Werte-Fonds managt, hat wiederum das Ziel, die Investorengruppe der Dachfonds nicht von vornherein aus dem Anlegerkreis auszuschließen. Dies ist zwar nachvollziehbar, zieht aber Kompromisse nach sich, über die uns am besten Volker Schilling Auskunft gib. Denn er ist Vorstand der Greiff AG. Folgendes Gespräch habe ich mit ihm geführt:

 

Raimund Brichta:

Volker, zunächst einmal darf auch der Wahre-Werte-Fonds, nennen wir ihn kurz WWF, bis zu 10% in Fonds investiert sein. Welche Position aus dem Depot drängt sich dafür am stärksten auf?

 

Volker Schilling:

Ganz klar diejenige Position, die sich am schlechtesten mit anderen Instrumenten darstellen lässt: die Immobilien. Aus gutem Grund sieht auch der Fonds Immobilien als wahre Werte an. Wie das Depot kann aber auch der Fonds keine einzelnen Immobilien erwerben. Denn der Fonds darf in der Hauptsache nur in solche Instrumente investieren, die an einer Börse gehandelt werden. Immobilien werden in der Regel aber nicht an Börsen gehandelt.

Dazu kommt, dass man sich die Expertise von Immobilienfachleuten am besten über Immobilienfonds hereinholt, die auf die Branche spezialisiert sind. Deshalb setzt der WWF im Immobilienbereich auf die Fondskarte – genauso wie das Depot.

 

Raimund Brichta:

Und beim Gold?

 

Volker Schilling:

Genauso wie uns im Depot wäre es auch dem WWF am liebsten, direkt in Goldbarren zu investieren. Dies ist aber nicht möglich, da physisches Gold nicht an der Börse gehandelt wird. Als Kompromiss böte sich zwar wie im Depot der ZKB-Gold-Fonds an, aber zusammen mit der Immobilienfonds-Position wäre dann die 10% -Obergrenze für Anlagen in Fonds verletzt.

 

Raimund Brichta:

Und was ist die Lösung?

 

Volker Schilling:

Hier muss der WWF auf Xetra-Gold der Deutschen Börse ausweichen. Das ist erlaubt, weil es sich bei Xetra-Gold nicht um einen Fonds handelt, sondern um Schuldverschreibungen der Deutschen Börse. Xetra-Gold ist damit zwar nur eine Art Papiergold, aber der WWF wird durch die Regularien gezwungen, einen solchen Kompromiss einzugehen. Andernfalls könnten wir die Goldposition nicht darstellen.

 

Raimund Brichta:

Was ist mit dem Bonitätsrisiko der Deutschen Börse?

 

Volker Schilling:

Das müssen wir selbstverständlich stets im Auge behalten.

 

Raimund Brichta:

Und wie stellt der Fonds den DAX-ETF dar, sofern wir ihn im Depot haben?

 

Volker Schilling:

Hier weichen wir auf den Terminmarkt aus. Den DAX selbst nachzubauen, wäre zu aufwendig, und einen DAX-Aktienfonds darf der WWF nicht kaufen. Die Lösung ist in diesem Fall der DAX-Future, der immerhin zu den weltweit am meisten gehandelten Terminkontrakten gehört.

 

Raimund Brichta:

Ausgerechnet ein Derivat? Das scheint mir für einen Fonds, der auf wahre Werte setzt, aber ungeeignet zu sein.

 

Volker Schilling:

Solche Vorbehalte teilt Greiff durchaus. Der WWF würde – wie gesagt – liebend gerne ebenfalls in einen DAX-ETF investieren. Der Gesetzgeber und die Aufsichtsbehörden lassen dies aber nicht zu.

Außerdem ist das Risiko, dass Kontrahenten ausfallen, beim DAX-Future sehr gering.

 

Raimund Brichta:

Kommen wir noch zu einem anderen wichtigen Punkt, nämlich

 

5. der Kassenhaltung:

Ist der WWF in der Lage, Situationen zu meistern, in denen wir im Depot alles verkaufen? Wieviel Kasse darf der Fonds halten?

 

Volker Schilling:

Ja, der WWF ist auf solche Situationen bestens vorbereitet, er kann bis zu 100% Kasse halten. Aber auch hier müssen bestimmte Einschränkungen beachtet werden. Aus Sicherheitsgründen dürfen nämlich bei einer einzelnen Bank höchstens 20% des Fondsvermögens als Kontoguthaben gehalten werden. Der WWF hat also Vorsorge getroffen, damit er Guthaben im Notfall rasch auf mehrere Banken verteilen kann.
Raimund Brichta:

Wir alle wissen aber, dass im Krisenfall das Geld bei keiner Geschäftsbank sicher ist. Wie sieht es mit Bargeld aus? Und wie mit einem Konto bei der Bundesbank?

 

Volker Schilling:

Bargeldhaltung ist einem Fonds verboten. Ein Konto bei der Bundesbank wäre dem WWF zwar gesetzlich erlaubt, aber leider sträubt sich die Bundesbank dagegen.