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Crash-Angst: Kommt da noch was?

26. März 2018 - Raimund Brichta in Allgemein | 28 Kommentare

Dieses Börsenjahr wird insgesamt unruhiger als das vergangene – so lautet inzwischen die vorherrschende Meinung unter Experten. Nun könnte man argumentieren, dass das, was die Mehrheit erwartet, in den seltensten Fällen tatsächlich eintrifft. Auch in diesem Fall ist das natürlich möglich. Und wer diese Ansicht vertritt, der braucht jetzt nicht weiterzulesen.

Denn gleich kommt der Link zu einem Video mit Jared Dillian, der Herausgeber eines Börsendienstes ist und ehemals Chefhändler der ehemaligen Investmentbank Lehman Brothers war. Dillian ist der Meinung, dass der Februar-Minicrash nur eine Vorankündigung war für das, was den Börsen noch bevorsteht.

Sein Credo: Ursache allen Übels sei die erst seit einigen Jahren an den Finanzmärkten mögliche Strategie, im großen Stil auf eine sinkende Schwankungsanfälligkeit (Volatiliät) der Börsen zu wetten. Je mehr Marktteilnehmer dies täten, desto größer werde die Crashgefahr. Und der Trend zu dieser Strategie sei ungebrochen – trotz des Schocks im Februar.

Zu beachten ist, dass Dillian mit dem Video vor allem einen pekuniären Zweck verfolgt: Die Zuseher sollen seinen – nicht gerade preiswerten – Börsendienst The Daily Dirtnap abonnieren. Deshalb erklärt er im Video nur, warum er den Crash erwartet. Wie man sich darauf vorbereiten kann, will er nur seinen Abonnenten verraten.

Da ich kein Abonnent bin, weiß ich nicht, wozu er rät. Sollte es  lediglich eine hohe Kassenhaltung sein, wie auch wir sie augenblicklich im Wahre-Werte-Depot praktizieren, könnte man sich das Geld für den Dienst sparen. Aber so simpel kann es doch nicht sein, oder?

Wie dem auch sei: Sollte jemand unter unseren Lesern das Geld für The Daily Dirtnap ausgeben wollen, wäre es nett, anschließend uns alle an den gewonnen Erkenntnissen teilhaben zu lassen, schmunzel.

In einem Punkt stimme ich mit Dillians Analyse im Video übrigens überein: Der Anlass für Börsenbewegungen ist in der Regel zweitrangig. Im Zweifel machen nämlich Kurse die Nachrichten und nicht umgekehrt. Im Februar zum Beispiel waren es angeblich die steigenden Zinsen am Anleihemarkt, die den Minicrash auslösten. Inzwischen sind die Anleihe-Renditen zwar wieder deutlich niedriger als Anfang Februar, trotzdem fielen die US-Börsen in der vergangenen Woche erneut heftig. Diesmal mussten eben andere „Ursachen“ als Begründung herhalten:  Handelskriegsängste und der Facebook-Datenskandal.

Hier geht‘s zu Dillians Video (ca. 10 Min.).

 

28 Kommentare

  1. Sehr geehrter Herr Brichta,

    teilen Sie eigentlich die Einschätzung von Dirk Müller zum Thema China „größte Blase der Weltwirtschaftsgeschichte“. Sind die hohen Unternehmensschulden oder eventuelle Kapitalabflüsse aufgrund steigender US-Zinsen etwas, was der chinesische Staat bzw. die Zentralbank durch Interventionen welcher Art auch immer abfangen können, oder werden sie machtlos zusehen müssen, wenn es kracht? Ein solcher Crash würde sicherlich auch die Heimatbörsen an denen Ihre Depotpositionen gehandelt werden betreffen.
    Ich bin unter anderem auch in JD.com investiert aufgrund des rasanten Umsatzwachstums und des klugen Kopierens der Amazon Strategie. Wenn die chinesische Wirtschaft in eine Rezession rutschen sollte, würde dies das Unternehmen sicherlich hart treffen, da es am Konsum der Bürger hängt. Würden Sie generell gesehen in chinesische Unternehmen investieren und wenn nein warum?

    • Für mich ist China generell zu undurchsichtig, weshalb ich mit Investitionen dort sehr vorsichtig wäre. Die Börse zum Beispiel scheint mir stark manipuliert. Ist Ihnen aufgefallen, wie träge die Kursentwicklung dort verlief, während der Volkskongress tagte? Erst nachdem der Kongress beendet worden war, ging es vergangene Woche stärker nach unten.

      Was die Unternehmens-Verschuldung betrifft, reißt der Staat nun langsam das Heft wieder an sich (Anbang u.a.). Noch ist Peking zu mächtig, um gegen den Staat in größerem Ausmaß spekulieren zu können. Das könnte sich zwar irgendwann ändern, noch aber scheint mir die Zeit dafür nicht reif zu sein. Xi Jinpings neue Machtfülle dürfte ebenfalls zur Stabilisierung beitragen.

  2. Spätestens der Osterhase bringt uns doch hoffentlich wieder höhere Notierungen. Aber sicherlich wird man mit den derzeit beliebten Themen wie Euro oder dem, was Mr. Trump uns jüngst dargeboten hat, noch ein wenig die Verunsicherungskarte spielen.

  3. Ich hatte bisher noch keine Aktie, die direkt in China gehandelt wird, sondern nur ADRs. Dass der chinesische Staat in den dortigen Börsenhandel eingreift glaube ich durchaus.

    Stellt sich die Frage, ob eine Kursmanipulation auch möglich (oder gewollt) wäre, wenn es zu einem Dual-Listing von JD.com oder auch Alibaba in den USA und China kommt!? In China sollen CDRs der beiden Unternehmen gehandelt werden, also auch keine Aktien im eigentlichen Sinne.

    Ich hoffe nur, dass es in China zu keiner Kettenreaktion kommt, wo ein Unternehmen/Bank nach dem anderen pleite geht und der Staat das nicht mehr abfedern kann. Mir fehlt das Wissen und die Vorstellungskraft, um das System als Ganzes so zu erfassen, dass ich einschätzen könnte, ob der chinesische Staat das unter Kontrolle hätte oder nicht. Aber das Wirtschafts- und Finanzsystem haben wahrscheinlich nur die wenigsten Menschen vollends gedanklich durchdrungen.

  4. Es sieht zu mindestens so aus, dass der Unterhaltungswert an der Börse steigt. Selbst versuche ich, meine Anlagestrategie durchzuziehen: ich bin mit ca. 60% meiner freien Mittel investiert, werde es vorerst auch bleiben. Die Diskussion über einen möglichen Crash verfolge ich interessiert, hat aber vorerst keinen Einfluss auf meine Strategie.

  5. Hi @ all, wenn der Crash kommt und ich im besten Falle alles glat gestellt habe, wie kann ich trotz Crash noch investieren? LG

  6. jedenfalls hat bridgewater die shortpositionen auf den dax wohl vor 3 tg wieder erhöht.das die kurse die nachrichten machen hhm., naja im zweifel, kommt auf die nachrichten an. das nachrichten nach einer mehrjährigen aufwärtsphase, wenn viele an gewinnmitnahmen denken bzw. dachten, anders wahrgenommen werden als in einer seitwärtsphase ist wohl sehr wahrscheinlich. zu den spekulationen auf die volatilität war am im februar im Effektenspiegel ausführlich zu lesen, daß manipulierte order auf den vix – weit v. mittelwert enfernt- zu einem kurssturz beigetragen haben sollen. die anwaltskanzlei zuckerman law soll den whistleblower vertreten, der seit über 20 jahren in der finanzbranche tätig ist u. hochrangige positionen innegehabt haben soll. zur frage, ob ein weiterer kurssturz folgt traue ich mir derzeit keine antwort zu. es gibt nur wenige sondersituationen ( z.b. offensichtl.psychoübertreibungen), in denen dies mittelfristig m.e. möglich ist. deshalb stehe ich timingüberlegungen „alles rauS“ etwas zurückhaltend gegenüber und versuche über eine an den kursverlauf angepasste barreserve bzw. verkäufe und käufe in meheren partien mein glück. wenn ich mich entscheiden müßte, würde ich derzeit v. einer bodenbildung mit anschl. aufwärtstrend ausgehen (ohne obligo). dax 11.900 22 uhr

    • Sehr geehrter Herr Czeck,
      ich glaube inzwischen, daß die Nachrichten durch die Kurse gemacht werden und die Kurse durch Bridgewater 😉

      Bridgewater hält und handelt seit dem 26.1.18 die größten Leerverkaufs-Positionen auf DAX-Konzerne seit mindestens 5 Jahren.
      Die anstehende Kurserholung zur Bilanz/Dividendensaison wird dann durch kurstreibende Shortseller-Eindeckungen unterstützt: Auf Tagesbasis konnte man diesen Effekt gestern und heute im DJ+DAX beobachten.
      Ich meine, derzeit wird an den Börsen von Bridgewater& Co die Generalprobe für den kommenden Crash inszeniert.

      • danke f. d. info. neben bridgewater & co gibt es ja noch andere sehr große marktteilnehmer (z.b.pensionsfonds, staatsfonds, blackrock, wwd usw.). ob die marktmacht v. bridewater & co ausreicht, um einen crash herbeizuführen weiß ich nicht. ein großteil der altersversorgung der amerikanischen bevölkerung erfolgt ja über pensionsfonds. da könnte bei einem riesencrash auch die fed oder die politik dazwischen funken (z.b.börse zu) crash ist ja nicht crash. ein crash wie z.b. 1987 ist rückblickend betrachtet nur ein kleiner knick im aufwärtstrend. bezügl. eines resetcrahs schließe ich mich der ansicht von Herrn Brichta im neusten thread oben an. bin gespannt, wann Herr Brichta wieder einsteigt. ich verfolge das wwd, weil ich wissen will, ob timing -entgegen der meinung anderer angesehener börsenexperten mit jahrzehntelanger erfahrung- vielleicht doch funktioniert.

        • Sehr geehrter Herr Czeck,
          sie haben natürlich Recht – Hedgefonds alleine sind nur ein Faktor unter vielen.
          Ich meinte zugespitzt, daß Bridgewater&Co gehörig Unruhe stiften können und demnächst (aber jetzt noch nicht) in diesem komplexen Zusammenspiel eine Kettenreaktion auslösen:
          Für reichlich „zittrige Hände“ haben ihre Leerverkäufe bereits gesorgt, für Panik braucht es noch sicher viel mehr:
          http://money.cnn.com/data/fear-and-greed/

          Was den richtigen Kaufzeitpunkt anbetrifft, orientiere ich mich neben SSeller- Positionen u.a. an medialen Untergangsszenerien, die „den Tod der Aktie“ ausrufen – danach sind die Kaufkurse nah.
          2008 war das z. B. nicht nach der Lehman-Pleite der Fall, sondern erst viel später am letzten Freitag im November 2008 und im März 2009 (zumindest für die Daimler-Aktien mit 19 Euro! > 80% unter Höchstkurs).
          Tiefstkurse kann man mit viel Glück und Geduld erwischen. Sie tauchen unerwartet dann auf, wenn „Experten“ peinlich berührt verstummen und die Bridgewaters dieser Welt final zuschlagen
          (= finaler Ausverkauf, einfach nur ein großartiges Ereignis für Börsianer, die noch auf „Cash“ sitzen). 😉

          • ja, wenn die märkte ohnehin schön nervös oder gar in panikstimmung sind, können nachrichten über große shortpositionen eine abwärtsbewegung wohl beschleunigen. im übrigen stimme ich zu. antizykl. einstiege in den markt, insbesondere nach einem crash, sind ideale einstiegszeitpunkte. das setzt -wie Sie zu recht ausführen- voraus, daß man genügend reserven vorhält. zu Ihrem obigen Daimlerbeispiel gibt es noch viele andere. z.b. allianz waren während der finanzkrise unter 50 E zu haben. die risiken f. allianz waren damals allerdings erheblich, aber auch die chancen. in sochen situationen sage ich mir aber immer, was solls, wenn alles zusammenkracht ists eh wurscht. naja besser ists wohl dann kein finanzwerte zu halten vgl. die sog. altbanken z.b. commerzbankrestquote. aktuell ist interessant, daß die us zinsen f. zehnjährige relativ deutl. zurückgekommen sind – trotz leitzinserhöhung – stand heute morgen.

  7. Der Typ will Kunden gewinnen.
    Wenn er vorher so extrem erfolgreich war, warum braucht er dann das Geld der anderen ?
    Wieso / weshalb / warum ?
    Er hat doch genug Kleingeld um auf solche Crash-Situationen sich vorzubereiten… Er kann doch gehebelt ran gehen oder was auch immer er will.
    Ich halte es für Geschwätz im zuge von Kundengewinnung.
    Komplexe Sachverhalte versucht einfach an den Mann/Frau zu bringen.
    Just for my 2 Cents.

    • Dass er Kunden akquirieren will, ist klar. Das ändert aber nichts daran, dass seine Ausführungen zu den Short-Vola-Strategien Hand und Fuß haben. Ich rate hier deshalb von einem Schwarz-Weiß-Denken ab.

    • danke, zur ergänzung 2 neue börsenkommentare v. R. Halver. einfach bei google „halver börse“ eingeben. sehr informativ und unterhaltsam.

      • Vielen Dank für Ihre Info.
        Ihnen + Herrn Brichta und allen Lesern ein frohes Osterfest!

  8. und viel LUX 😉

  9. Hallo Herr Brichta,
    wie schätzen Sie die Lage jetzt ein. Kommt es bei den sich abzeichnenden Handelskrieg zum chrash?
    Mit freundlichen Grüßen
    Gunther Haller

    • Momentan ist das noch nicht absehbar. Die Anlässe wie Handelskrieg, Zinsangst etc. sind ohnehin nicht von Bedeutung. Es kommt auf die Märkte selbst an. Und hier haben die Bullen in den vergangenen Tagen gezeigt, dass sie sich noch nicht geschlagen geben. Wenn es den Bären nicht gelingt, den US-Markt unter sein Februartief zu drücken, wird der Crash vorerst abgeblasen. Bis jetzt haben sie es nicht geschafft. Es bleibt spannend.

      • Hallo Herr Brichta,
        Vielen Dank für ihre Antwort. Ich
        bin gespannt, ob die ganze Diskussion bezüglich der Zolle Auswirkungen auf die chinesischen Märkte haben und dies dann auf die Markte in den usa. Der Shanghai composite ist ja schon angeschlagen. Es könnte die nächsten Monate spannend werden.
        MFG
        G.Haller

        • Richtig, beim Shanghaier Index muss man aber immer damit rechnen, dass er manipulativ gestützt wird.

      • „Zinsängste ohne Bedeutung“? Ich stimme dahingehend zu, als dass die Zinsängste als Erklärung für überfällige Korrekturen dienen. Denn dass
        a) die Zinsen steigen
        b) aber nur marginal steigen dürfen, da bspw. 4% Zinsen die westlichen Staatshaushalte (Bsp.: USA 20.000 Milliarden USD) und erst Recht nicht die privaten Schulden nicht verkraften
        ist dem Markt seit Monaten bekannt.

        Beim sog. „Handelskrieg“ sieht es anders aus. Unbekannt ist der Ausgang des geostrategischen Spiels, was derzeit läuft. Sich wirtschaftlich und medial mit Russland anlegen ist machbar, wie man heute sieht (US-Sanktionen, von Russland bereits vor Wochen angekündigter C-Waffenvorfall in Syrien). China ist aber eine andere Hausnummer.

        Die Politik des maximalen Drucks seitens der USA, um einen Deal auszuhandeln, scheint in den Punkten 1 und 2 aufzugehen.
        1) Nordkorea: Ist-Seite: Direkte Verhandlungen
        2) EU/Russland: Mögl. Szenario: Verschärfung der Sanktionsspirale; Stopp von North Stream 2, dafür EU-Bezug von US-Frackinggas zwecks Abbau des US-Amerikanischen Handelsdefizits. Nicht umsonst reist Merkel am 27.4. in die USA. Nicht umsonst haben wir dieser Tage medial vorgetragene C-Waffen-Geschichten (warum das syrische Militär ausgerechnet dann einen C-Waffen-Angriff starten sollte, nachdem 90% von Ostgutha bereits eingenommen wurden, erschließt sich mir nicht- „Cui bono?“).
        3) Aber China: ???

        Der Vollständigkeit halber: Nicht nur der Shanghaier Index wird möglicherweise manipulativ gestützt, sondern auch der S&P500 durch die FED und die europ. Indizes durch die EZB.

        • Es gab in der Vergangenheit immer mal wieder Berichte, dass die New Yorker Börse durch ein „plunge protection committee“ gestützt würde, das jeweils in der letzten Handelsstunde mit Käufen in Erscheinung getreten sei. Für Zeiten wie in der Finanzkrise halte ich das auch für durchaus möglich. Derzeit aber eher nicht. Hier unterstützt die Fed eher mal indirekt, indem sie die Rückführung ihrer Bilanzsumme vorübergehend aussetzt, wie im Februar geschehen,

          Derzeit halte ich die Eingriffe des chinesischen Staates an der dortigen Börse für bedeutsamer, zumal es in punkto Kapitalmarktfreiheit ohnehin (noch) starke Unterschiede zwischen China und der westlichen Welt gibt. Um es vorsichtig auszudrücken, ist der Freiheitsgrad in China weitaus geringer als im Westen. Hinweise auf dortige Manipulationen mit der Bemerkung zu beantworten, manipuliert werde schließlich auch bei uns, halte ich deshalb für wenig zielführend. Es kommt auf den Grad der Manipulation an.

          Und was die „Begründungen“ für Kursveränderungen anbelangt, bleibe ich bei meiner Einschätzung, dass diese immer gefunden und im Notfall nachgeliefert werden.

          • Sehe ich selbstverständlich auch so, dass in den allermeisten Fällen die Nachrichten nachgeliefert werden.

            Bei der Auseinandersetzung USA vs. China sorgt aber die rhetorische Abrüstung der Protagonisten für nun wieder steigende Kurse und Aufholpotential an den Börsen.

            China gibt offiziell nach, ist sehr clever.
            – Die Einfuhrzölle für US-Autos kann China bedenkenlos senken, denn diese werden von den Chinesen trotzdem nicht gekauft.
            – Und auch das westliche „geistige Eigentum“ kann China nun offiziell stärker schützen, da die Chinesen technologisch auf der Überholspur sind. Die jungen chinesischen Ingenieure sind schlau, lernbegierig und fleißig.

            Trump hat einen Sieg verbuchen können, der in der Geschichte als Phyrrussieg eingehen dürfte – denn das Rad dreht sich weiter.

            Welche Player am Markt mit wieviel Milliarden manipulieren ist tatsächlich eine irrelevante Diskussion…;-)

  10. Mein letzter Versuch mit Markttiming war Sommer 2014. Ich fühlte mich zuerst wie ein Riese, weil die Märkte fielen. Dann kam der Spurt 2015 und es wurde echter Horror. Der Markt rannte und ich war nicht dabei. Das tat mehr weh als jeder Crash. Zu meinem Glück konnte ich im Februar 2016 wieder einsteigen. Eine witzige Sache unterscheidet nämlich diesen Bullenmarkt von alten Bullenmärkten. Gefühlte 75 Prozent aller Aktien haben in den letzten drei Jahren nichts gemacht. Es gab weder eine große Bewegung nach oben noch nach unten. Viele Unternehmen stehen besser da als vor drei Jahren- nur halt nicht im Kurs.

    Und trotzdem haben wir Crash Angst. Man könnte beinah schreiben, es drohe die Gefahr, dass wir auf 13000 fallen. Denn während alle über den Crash sprechen, steigt der Markt langsam.

    Ich möchte eine andere Perspektive nahe legen. Wer im Sommer 1987 Aktien gekauft hatte, erlebte 2 böse Jahre für sein Depot. Wenn er bis heute nicht verkauft hat, ist er allerdings ein Gewinner. Natürlich nur, wenn er gute Unternehmen gekauft hatte.

    Die größte Gefahr bleibt, nicht eingestiegen zu sein.
    In den letzten 100 Jahren gab es nur drei böse Bärenmärkte, wo nach 5 Jahren keine neuen Höchstkurse angegangen wurden. Es hatte dann etwas weniger als 15 Jahre gedauert. Und auch da galt: Mit den guten Unternehmen hatte es nicht solange gedauert.

    Wichtiger als Marktiming ist die Frage, was man kauft.
    Und mal so nebenbei erwähnt. Aktien sind meistens zu teuer: Das galt auch im Sommer 1987 oder 1996. Sie können immer um 50 Prozent oder mehr fallen. Aber niemand kann das zweimal erfolgreich timen.

    Und während wir alle auf den Crash warten: Was machen wir eigentlich, wenn die nächste große Bewegung nach oben geht? 75 Prozent aller Aktien könnten auch Nachholbedarf haben.

    Mein Depot ist heute auf Sicht zum Jahresanfang mit 1,4 Prozent im Minus.

    • Die Börse hat immer recht, und deshalb halte ich es für angebracht, möglichst zeitnah zu reagieren, sobald die befürchtete Marktentwicklung mit hoher Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden kann. Dies ist m. E. aktuell der Fall, weshalb wir dabei sind, das Depot sukzessive wieder aufzufüllen.

      Interessant ist Ihre Einschätzung im Jahr 2014. Die Märkte fielen damals bis Mitte Oktober. Hatten Sie denn in dieser Zeit die damalige Kapitulation nicht als solche gedeutet? Ich frage dies deshalb, weil wir genau dies damals als Kapitulation interpretiert hatten und deshalb unser Depot just Mitte Oktober 2014 an den Start schickten.

  11. Nö, ich wollte einen fetten Bärenmarkt timen, der meiner Meinung damals seine erste Welle hatte. Es war ja im Nachhinein nur eine 3 Monatskorrektur. Man darf auch nicht vergessen, dass ich von 2 k und 2008 geprägt bin, wie viele hier. Jene Bärenmärkte fingen an wie Korrekturen und endeten nur nicht so. Ich hatte mich damals auf den rasanten Anstieg der Wertpapierkredite fokusiert. Der Anstieg war genauso so rasant wie vor 2k und 2008. Der Markt machte dieses mal nur etwas anderes.
    https://www.advisorperspectives.com/dshort/updates/2018/04/02/margin-debt-and-the-market

    Man beachte die rasanten Anstiege vor 2000, 2008 und 2014. Die US Margin Depts brachen dieses mal halt nur nicht ein, sondern konsolidierten und stiegen dann mit dem Markt weiter.
    Ich erwartete also eine Wintererholung, die dann im Januar in neue Kurseinbrüchen wechseln sollte. Es kam anders. Der US Markt stagnierte und der DAX ging durch die Decke. Im Frühjahr ging der Dax dann auf Tauschstation, 9 Monate Bärenmarkt.
    Dann beschäftigte ich mich allerdings mit der Frage, wie gefährlich es wirklich sein würde, wenn man mit guten Aktien in einen Bärenmarkt geht. So kam ich dann auch zu wahre Werte.
    Ich untersuchte u.a. Nestle nach folgender Fragestellung. Wie schlimm wäre die 2008er Krise für mich gewesen, wenn ich Nestle 10 Prozent unter ihrem Hoch gekauft hätte: Antwort: Ca. November 2009 wäre ich kurstechnisch bei plus minus Null, dazu zweimal Dividende. Das gab mir dann den Mut, 2016 schrittweise wieder einzusteigen. Allerdings nicht alles auf einmal. Ich habe schrittweise die Quote erhöht. Ein wichtiger Ansatz dabei war, dass nur sehr wenige Krisen so böse sind, dass man mehr als 5 Jahre braucht, um wieder im Plus zu sein und ich der letzte bin, der einen Markt timen kann.
    Die letzte Neuerung in meinem Anlageverhalten kommt aus der Fragestellung, warum ETF so erfolgreich sind.
    https://www.boerse.de/aktien/Henkel-St-Aktie/DE0006048408

    Ich nehme die 5 und 3 Aktien Jahresrendite und teile den Wert durch zwei.
    Der Wert für jede Aktie bringt mein Depot in eine Rangliste. Nun muss ich die Werte aufstocken, die in der Rangliste vorne stehen, sofern es einen größeren Wert vor ihnen gibt.
    Dadurch kamen z.B Mastercard, Becton Dickinson und Adidas in mein Depot (auch American Water Works), Procter & Gamble und Nestle flogen raus.
    Ich muss zwar nicht verkaufen, aber es steht somit fest, was ich kaufen muss.

    Ich nehme 5 Jahre und 3 Jahre, weil Aktien auch Schwächephasen haben dürfen.
    Der Grundgedanke dahinter ist, dass wie bei einem ETF erfolgreiche Aktien aufgestockt werden und an Bedeutung gewinnen.

  12. Meine Rangliste sieht zu Zeit so aus

    Adidas
    Mastercard
    Visa
    Texas Roadhouse
    Amercican Water Works
    Becton Dickinson
    Fresenius
    Hormel
    Nike
    Johnson&Johnson
    Unilever
    Reckitt Benckiser
    ChruchDwight
    Henkel
    McCormick
    Fuchs ST
    BASF
    BMW Vz.
    Air Liquide

    Natürlich werde ich noch lange an der richtigen Gewichtung arbeiten müssen.

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