Categories Menu

DAX wieder auf Rekordkurs?

9. August 2015 - Raimund Brichta in Allgemein | 9 Kommentare

Auch wenn der DAX in den vergangenen Tagen oft sommerlich müde daherkam, hat er nach meiner Einschätzung gerade jetzt ein interessantes Stadium erreicht. Deshalb ist es Zeit für ein DAX-Update.

Vorweg dies:
Lassen Sie sich nicht vom täglichen Nachrichtenwirrwar rund ums Börsengeschehen in die Irre führen. Dieses sorgt allenfalls für Begleitmusik, nicht jedoch für den Grundton der Kursentwicklung. Ein Beispiel: Als die DAX-Korrektur im April begann, spielte das Thema Griechenland als Grund dafür noch keine Rolle. Trotzdem begann die Korrektur, und erst später dienten die Nachrichten rund um das Athener Schuldengezerre immer wieder als Anlässe für die Ab- und Aufschwünge der Kurse.

Aber das ist immer so an der Börse. Wenn es nicht Griechenland gewesen wäre, hätte es andere Nachrichten gegeben, die dafür verantwortlich gemacht worden wären. Entscheidend ist, was hinten rauskommt: Und das ist in diesem Fall ein sauberer, nicht allzu steiler Abwärtstrend, wie er in einem Lehrbuch stehen könnte (siehe DAX-Grafik). Ein solcher Trend mit gemäßigter Abwärtsneigung, der auf einen vorangegangenen starken Aufwärtstrend folgt, gilt an der Börse als klar trendbestätigend. Das heißt, dass sich in der Mehrzahl der Fälle danach der Aufwärtstrend fortsetzt. Deshalb ist dies auch hier mein bevorzugtes Szenario.

image

Im Prinzip handelt es sich um ein ganz normales Verschnaufen nach einem vorangegangenen starken Anstieg – ähnlich wie bei einer Bergtour in den Alpen. Da legt man nach einem steilen Bergabschnitt auch erst mal eine Rast ein, bevor man sich weiter auf den Weg nach oben macht.

Wie lange eine solche Rast an der Börse dauert, steht im Vorhinein zwar nie fest, das weiß man immer erst im Nachhinein. Es gibt aber Erfahrungswerte, und danach wären für eine Situation wie der derzeitigen runde drei Monate durchaus angemessen.

Womit wir bei der aktuellen Lage wären: Ein Abwärtstrend zeichnet sich dadurch aus, dass in ihm Tiefpunkte ausgebildet werden, die stets unter den vorherigen Tiefpunkten liegen (siehe Grafik). Entsprechendes gilt auch für die Hochpunkte. Solange es also fallende Hoch- und fallende Tiefpunkte gibt, ist ein Abwärtstrend in Takt.

Die ersten Signale sind da

Und hier wird es jetzt interessant: Der letzte Hochpunkt im Juli lag nämlich über dem vorherigen Hoch, und danach folgte ein Tief, das ebenfalls über dem vorausgegangenen Tief lag. Damit ist zum ersten Mal seit April die Serie fallender Hoch- und Tiefpunkte gebrochen – ein Signal, das auf ein Ende dieses Abwärtstrends hindeutet. Die Normalerwartung wäre nun, dass sich daran ein Aufwärtstrend anschließt, der sich durch ansteigende Hoch- und Tiefpunkte auszeichnet.

Wer das alles für Kaffeesatzleserei hält, der hat nicht verstanden, wie Börse funktioniert. Denn die Kurse werden hauptsächlich durch das Verhalten und die Psychologie der Massen bestimmt, also durch die Empfindungen, Einschätzungen und Erwartungen aller Marktteilnehmer – die selbstverständlich sehr unterschiedlich sind. Zum Beispiel gibt es fast immer Leute, die an steigende Kurse glauben, genauso wie solche, die auf fallende Kurse setzen. Trotz dieser Gegensätze ergeben sich aus dieser Gemengelage aber stets Trends wie der gezeigte, und Trendwenden erkennt man zuerst an solchen Signalen, wie ich sie beschrieben habe. Wer diese Signale beobachtet und analysiert, betreibt also weniger Kaffeesatzleserei als vielmehr Verhaltensforschung. Nach meiner Erfahrung ist das die beste Art, um das Börsengeschehen einigermaßen gut abschätzen zu können.

Wie geht es aber nun weiter? Jetzt muss natürlich strikt darauf geachtet werden, ob sich die Signale bestätigen oder nicht. Die größere Wahrscheinlichkeit sehe ich momentan eindeutig in einer Bestätigung. Das heißt, der nächste markante Hochpunkt sollte über dem vorangegangenen liegen und der nächste Tiefpunkt (denn auch fallende Kurse wird es in einem Aufwärtstrend geben) über dem zuletzt gesehenen Tief.

Apropos: Beim vorletzten Tiefpunkt spielte die Griechenkrise noch die Hauptrolle. Da stand es gerade Spitz auf Knopf, und viele rechneten mit einem baldigen Grexit (ich nicht). Für das darauffolgende markante Tief war dann der China-Crash verantwortlich. Aber dieses Tief lag schon deutlich höher als sein Vorgänger. Sie sehen also: Anlässe für Hochs und Tiefs gibt es immer, an der Börse kommt es aber mehr auf die grundlegenden Trends im Hintergrund an. All dies spielte sich zudem ungefähr drei Monate nach Beginn der Korrektur ab. Zufall?

Die Mehrheit liegt oft daneben

Zugegeben: Selbst wenn sich nun tatsächlich ein Aufwärtstrend ausbilden sollte, wäre die im April gestartete Korrekturphase damit noch nicht zwangsläufig vorbei. Theoretisch könnte der DAX im Lauf dieses Trends sogar bis an seine Allzeithochs aus dem Frühjahr heranlaufen. Sollte er danach wieder nach unten abdrehen, ohne diese Hochs markant zu überspringen, wäre längerfristig noch nicht viel gewonnen. Dann hätten wir es sogar mit einer unangenehmen doppelten Spitze zu tun, die im Anschluss noch einmal deutlich tiefere Kurse provozieren würde.

Darüber hinaus gibt es zurzeit viele Analysten, die vor neuen Börsenturbulenzen im kommenden Herbst warnen. Für Oktober sagt Börsenguru Martin Armstrong sogar einen regelrechten Crash voraus.

Klar, an der Börse ist alles möglich – selbst das Gegenteil. Und wenn jetzt schon Oktober wäre, wäre auch ich noch sicherer bei meiner Prognose eines bevorstehenden Aufwärtstrends. Aber es ist, wie es ist: Jetzt stehen die ersten Signale, auch wenn wir erst August schreiben.

Außerdem gab es die üblichen Herbstturbulenzen, auf die so viele Beobachter warten, doch erst im letzten Jahr. Warum sollten sie also in diesem Jahr schon wieder kommen? Wie gesagt: Solche Schwächen gibt es oft, aber eben nicht immer. Und sie kommen vor allem dann selten, wenn sie von vielen erwartet oder „herbeigeschrieben“ werden.

Im letzten Jahr war das anders. Da keimten um diese Zeit bei vielen Anlegern schon wieder Hoffnungen auf neue Rekordhochs. Damals riet ich dazu, erst den Herbst abzuwarten, in dem die Kurse dann tatsächlich noch einmal ordentlich ins Rutschen kamen. Im Oktober war ich dann aber umso sicherer, dort das Tief beobachtet zu haben, von dem aus es wieder in Richtung 10.000 DAX-Punkte gehen dürfte.

Damals schrieb ich: „Ja, es ist sehr wahrscheinlich, dass wir am 16. Oktober bei 8.355 Punkten das DAX-Tief gesehen haben.“ (http://www.diewahrheituebergeld.de/das-wars/) Und so war es dann auch. Dass ich damals einigen Widerspruch bekam von Leuten, die noch tiefere Kurse erwarteten, machte mich umso sicherer. Die Mehrheit bekommt eben selten recht an der Börse.

Deshalb halte ich auch in diesem Jahr dagegen: Viel zu viele setzen derzeit auf die „übliche“ große Herbstschwäche. Was ist aber, wenn sie nicht kommt, so wie sie auch 2013 ausgeblieben ist? Für mich besteht das wahrscheinlichere Szenario eher aus neuen Höchstständen im Herbst.

Ende Januar schrieb ich, dass die 12.000 Punkte in diesem Jahr nun Pflicht seien. Außerdem schätzte ich damals die Wahrscheinlichkeit sehr hoch ein, „dass es spürbar mehr werden als die besagten 12.000.“ (http://www.teleboerse.de/kolumnen/12-000-Punkte-sind-jetzt-Pflicht-article14389971.html) Der erste Teil ging schon in Erfüllung, jetzt wartet Teil zwei auf seine Bestätigung,

meint Ihr
Raimund Brichta

9 Kommentare

  1. Nachdem der sich abzeichnende kurzfristige Aufwärtstrend nun doch schon gebrochen wurde, gilt für mich jetzt eine mittelfristige Bodenbildung als das favorisierte Szenario. Und zwar deshalb, weil sich mit den zwischenzeitlich höheren Hochs und Tiefs eine Veränderung des Marktverhaltens angedeutet hat. Das bleibt erst einmal Fakt, und auf solche Signale achte ich sehr.

    Der Markt ist nach meiner Analyse also gerade dabei, eine Verhaltensänderung einzupreisen. Diese geht offensichtlich nicht – wie von mir ursprünglich erwartet – in einen sofortigen Aufwärtstrend über, aber eben dann in eine Bodenbildung. Änderung ist Änderung. Wie genau diese sich manifestiert, weiß man immer erst im Nachhinein. Nur wenn es jetzt tatsächlich zu neuen markanten Tiefstständen käme, würde ich dieses Szenario ad acta legen.

    • Letzte Woche schrieb ich auf Facebook:

      Wenn ich mir was wünschen dürfte, wäre es, dass der DAX vorübergehend unter 10.000 fällt, um danach wieder nach oben abzudrehen. Danach hätte man jedenfalls die größte methodische Sicherheit, denn ein solches Fehlsignal wäre ein umso stärkeres Signal in die andere Richtung. Aber die Börse ist halt kein Wunschkonzert.

      Heute ist Teil 1 dieses Wunsches in Erfüllung gegangen, und nun warte ich auf Teil 2.

      In der Zwischenzeit haben wir für unser Musterdepot schon mal zugekauft.

  2. Lassen Sie es Herr Brichta Sie liegen daneben so wie alle anderen Finanzepxerten und Chartmärchenleser

    • Diesen Rat werde ich ausdrücklich nicht beherzigen, werte(r) Baumgart 😉 Denn mit meiner Trefferquote von 70 Prozent bei meinen Jahresprognosen in den vergangenen zehn Jahren (7 mal genau ins Schwarze, dreimal daneben), liege ich nachweislich gar nicht schlecht. Dieses Jahr, das elfte, habe ich dabei noch gar nicht mitgezählt. Ich prognostizierte im Januar für dieses Jahr einen DAX von „mindestens 12.000 Punkten“ und wurde dafür von vielen ausgelacht.

      Und Sie werden es kaum glauben, aber je mehr Widerspruch ich bei meinen Prognosen bekomme, desto ruhiger werde ich. Denn die Mehrheit liegt ja bekanntlich meistens daneben 😉

      Scharf gerechnet, habe ich also auch im elften Jahr wieder einen Volltreffer gelandet. Damit erhöht sich meine Trefferquote also auf 73% (8 aus 11). Aber ich bin bescheiden und warte für eine endgültige Bewertung das Jahresende ab, um zu sehen, wo der DAX dann steht. Erst dann werde ich entscheiden, ob das Jahr als Volltreffer gilt oder nicht.

      Dessenungeachtet bleibt es natürlich dabei, dass meine o. g. Kolumne vom 8. August mit Ihrer positiven Grundtendenz ca. 2 Wochen zu früh erschien. Der sich abzeichnende neue Aufwärtstrend wurde kurze Zeit später kassiert (worauf ich in meinen Kommentaren sofort eingegangen bin).

      Die Grundaussage aber, dass sich mit der Kurs-Entwicklung im Juli/August eine Änderung des Marktverhaltens abzeichnete, die auf eine Beendigung des Korrekturtrends seit April hindeutete, bleibt in Kraft. Die Änderung besteht nur darin, dass sich daran nicht sofort ein neuer Aufwärtstrend anschloss, wie erhofft, sondern sich nun erst eine Bodenbildung vollzieht, die etwas länger dauert. Auch das ist ein durchaus typisches Marktverhalten.

      Da der Aufwärtstrend nun also von tieferem Niveau aus beginnt, wird das Erreichen neuer Höchststände bereits im Herbst schwieriger, aber nicht unmöglich. Und wenn es die neuen Höchststände erst im Winter geben sollte, wäre es auch gut. Entscheidend ist schließlich, was hinten rauskommt.

  3. Lieber Herr Brichta,
    es macht mir Spaß, solche Kolumnen zu lesen. Früher gab es bei n-tv doch viel mehr davon. Schade, dass das nicht mehr so ist. Ich liebe auch Kaffesatzleserei, allerdings hätte es mir besser gefallen, von Ihnen ein Horrorszenario präsentiert zu bekommen. Ich greife nämlich immer „in ein fallendes Messer“, der bekannten Börsenregel und aller Charttechnik zuwider. Das hatte sich bisher immer gelohnt. Auf Aufwärtstrends aufzuspringen, dagegen nur selten. Wenn die Panik grassiert, bin ich in Feierlaune. Umso trauriger war ich, dass der jüngste „Black Monday“-Spaß so schnell wieder vorbei war, aber vielleicht geht ja noch etwas. In der Finanzkrise 2008/2009 hatte ich sehr nahe am Tiefpunkt viel investiert und auch am „Black Monday“ vergangener Woche habe ich wieder etwas zugelangt. Sollte Ihr Kollege Frank Meier demnächst mal wieder vom „Wahnsinn in Tüten“ berichten, würde ich mich daher nun auch darüber ein wenig freuen. Um in ein „fallendes Messer“ zu greifen, muss man natürlich abschätzen können, wie tief es fällt. Und dazu habe ich meine eigene Bauernregel, die ich Ihnen jetzt mal verrate. Die funktioniert auch gegen die Charttechnik. Dass sich gute und schlechte Zeiten, Über- und Untertreibungen abwechseln, ist so sicher wie der Tod. Historisch legt der DAX-Performance-Index durchschnittlich etwa 8% p.a. zu. Darauf basiert meine Bauernregel: Ich lege eine Exponentialkurve, die einer Verzinsung von ca. 8% p.a. entspricht, über den Dax-Chart. Und zwar so, dass sie in etwa durch die Tiefpunkte vergangener Crashs verläuft. Sinkt der DAX auf einen Stand, der nahe bei der 8%-Kurve liegt, dann weiß ich: Höchste Zeit zu kaufen. Aktuell gibt es noch etwas Abstand nach unten. Gemessen daran, sind die Kurse aber durchaus relativ günstig. Würde der DAX die nächsten 2-3 Jahre bei ca. 10000 Punkten seitwärts verlaufen, wäre der Abstand zur 8%-Kurve nahezu abgebaut.

    • Eine sehr witzige Bauernregel, lieber Guru. Hoffentlich verkaufen Sie dann auch, wenn der DAX weit über der Kurve liegt, grins.

      Auf jeden Fall ist der DAX auch nach meiner Bauernregel nicht teuer, und deshalb wird er in den nächsten Jahren noch kräftig steigen, um dann teuer zu werden. So funktioniert Börse nunmal. Erst 2017/18 wird er dann wieder richtig billig werden 😉

      • Ja, mit Ihrer Einschätzung liegen Sie auch nach meiner Ansicht goldrichtig. Für den prognostizierten Absturz 2017/18 wird dann schon irgendein Grund gesucht und gefunden werden. Im Zweifelsfall wieder Griechenland/Eurokrise. Irgendwie werden an der Börse immer wieder die gleichen Spiele gespielt. Ich habe mir mittlerweile einmal das „Wahre-Werte-Depot“ angeschaut (bin nur über Umwege auf dieser Website gelandet). Das finde ich sehr interessant. Ich bin mal gespannt, ob Sie damit W. Buffet oder typische Value-Fonds schlagen können.

  4. Na – wo bleiben sie denn, die neuen Rekordkurse? Hoffentlich folgen Ihren „Tradingstipps“ nicht so viele …

    • Nun wird es noch ein bisschen dauern. Aber aufgeschoben, ist nicht aufgehoben. Im Übrigen gebe ich keine „Trading-Tipps“, sondern fahre mit den Wahre-Werte-Depot eine langfristige Strategie. Nichtsdestotrotz habe ich auch kurzfristige Markteinschätzungen und lag damit eben einmal daneben 😉

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

wp-puzzle.com logo