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Depotalarm: Lenzing spielt mit!

8. November 2017 - Raimund Brichta in Allgemein | 6 Kommentare

Wir haben den Kursrückschlag der vergangenen Monate bei Lenzing dazu genutzt, diese Aktie ins Depot zu nehmen, und zwar zunächst mit halber Kraft. Nun wollen wir abwarten, ob die in meinem Depotvorschlag gezeigte Unterstützung hält oder nicht.

Die Firma Lenzing ist ein österreichischer Zellulosefaserproduzent. Er stellt aus zerkleinertem Holz zunächst Zellstoff her und macht daraus dann Fasern, die in Klamotten, Teppichen oder Hygieneartikeln verarbeitet werden. Die Fasern finden sich zum Beispiel in Jeans- und Blusenstoffen, in Arbeitskleidung, in Unterwäsche oder als Vliesstoff in Kosmetikartikeln.

Fast alle vergleichbaren Unternehmen in Europa haben inzwischen ihren Betrieb eingestellt, Lenzing ist dagegen Weltmarktführer bei holzbasierten Zellulosefasern. Ein Grund dafür ist der Erfindungsreichtum der Österreicher bei der Weiterentwicklung der Fasern mit zahlreichen Patenten auf diesem Gebiet.

Noch ist der Anteil holzbasierter Zellulosefasern am gesamten Fasermarkt zwar gering, er liegt bei weniger als 10 Prozent. Aber er wächst stetig, weil zum einen die Weltbevölkerung und der Wohlstand wachsen und der Trend zu Naturfasern anhält und weil zum anderen die Baumwollproduktion nicht in gleichem Maße mitwachsen kann. Deren Anbauflächen sind begrenzt, weil sie auf Gegenden beschränkt sind, die bestimmte klimatische Voraussetzungen erfüllen. Holz dagegen wächst fast überall.

Seinen Herstellungsprozess bezeichnet Lenzing selbst als umweltfreundlich. Neben Zellulose und Wasser wird bei der Herstellung zwar ein chemisches Lösungsmittel verwendet, aber Lenzing verweist darauf, dass dieses fast vollständig in den Produktionskreislauf zurückgeführt werde. Der Rest werde aus der Faser herausgewaschen und in eigenen Kläranlagen abgebaut.

Zudem gelten die Lenzing-Fasern als hygienisch vorteilhaft, weil Mikroorganismen darauf nicht so wachsen können wie auf anderen Materialien. Das macht diese Fasern besonders interessant für den Einsatz in Regionen, in denen die Hygienestandards nicht so hoch sind wie bei uns.

Vor Kurzem hat Lenzing in Paris eine neuartige Faser vorgestellt, die als Mischung aus Seide und Kaschmir bezeichnet wird und laut Lenzing weit ökologischer hergestellt werden kann als Seide. Sie soll vor allem in China und bei Luxusmodefirmen Anklang finden.

Die Geschäftsentwicklung von Lenzing war 2013 und 2014 unbefriedigend, befindet sich seitdem aber wieder im Aufwind. Die Eigenkapitalquote hat sich in den vergangenen Jahren stetig gebessert und liegt inzwischen deutlich über 50 Prozent.

Der Kurs der Lenzing-Aktie wird unter anderem  beeinflusst vom Preis der Baumwolle als Konkurrenzprodukt. Da der Baumwollpreis in den vergangenen Monaten fiel und zusätzlich der Eurokurs stieg, ist die Lenzing-Aktie vom Top im Sommer um mehr als 30 Prozent zurückgekommen. Dadurch hat sich das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf ein moderates Niveau von 11 verringert.

Der Kurs ist zudem genau auf das Hoch von 2011 zurückgefallen und testet damit eine mögliche Unterstützung. Für uns war dies die Gelegenheit zuzuschlagen. Unser Einstandskurs inkl. Transaktionskosten lag bei 119,85 €.

6 Kommentare

  1. Sehr gute Idee 👍🏼. Die hatte ich schon aus den Augen verloren.

  2. Hallo Herr Brichta, gut so! Ich denke, dass wird ein Selbsläufer. Obwohl ich jetzt einen Kommentar gelesen habe, der besagt dass die Aktie so gefallen sei, weil fallende Viskosepreise für die Zukunft angenommen werden, und China in dem Bereich derzeit ganz enorm auf- und ausbaut. Daher wird der Preisdruck immer größer, die Gewinne würden in der Zukunft einbrechen und Lenzing würde nicht mehr die zuvor erreichten Ergebnisse erzielen. Ich glaube aber auf lange Sicht trotzdem an ein gutes Wachstum, auch weil Lenzing jetzt auch im Luxuxsegmet Fasern herstellt und anbietet.
    Gruß aus Speyer
    Ulrike

  3. Zahlen von Lenzing sind wohl ganz ordentlich, aber der Ausblick ist wohl nicht so besonders gut angekommen. Schade, kein guter Einstieg gewesen, hinterher ist man immer schlauer. Welcher Kurs wäre denn technisch ein Alarmsignal, der dann eher wieder auf Ausstieg hindeutet?

    • Wir werden darüber im Team diskutieren und uns dann melden. Stay tuned!

      • So fix kann‘s gehen: Wir haben gerade im Team darüber gesprochen und waren uns einig darin, dass der Anlass, aus dem wir zu diesem Zeitpunkt eingestiegen sind – nämlich das Setzen darauf, dass die Unterstützung in Form des markanten Hochpunkts aus dem Jahr 2011 hält -, mit dem Durchbruch nach unten entfallen ist. Konsequenterweise halten wir nun nicht mehr an Lenzing fest.

        Die Frage ist nur, ob man sofort aussteigen sollte oder erst eine zu vermutende Gegenbewegung abwartet? Auch die Möglichkeit eines eventuellen Fehlsignals ist zu beachten. Unter diesen Aspekten warten wir momentan noch ab. Stay tuned!

        Übrigens haben wir auch kurz über die allgemeine Marktlage gesprochen und waren uns ebenfalls einig darin, dass wir aktuell keinen Handlungsbedarf sehen. Wir werten die aktuelle Korrektur als eher kurzfristige Marktbereinigung und damit als vorübergehendes Phänomen.

        • Ich habe diese Gelegenheit eher als Chance um aufzustocken benutzt.
          Fundamental ist die Lenzing Aktie attraktiv bewertet. Das Geschäft läuft gut, gutes Management und gutes Marketing.
          Falls die Situation sich ändern würde, finde ich trotzdem die Reaktion der Börse übertrieben.

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