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Die USA sorgen mich mehr als China

12. Januar 2016 von Raimund Brichta in Allgemein | 36 Kommentare

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Mein Jahresausblick, Teil 2

Im ersten Teil meines Ausblicks habe ich die Nachrichten hinter der aktuellen Börsenlage bewusst nicht erwähnt. Denn wer sich vom täglichen Nachrichtenwirrwar beeindrucken lässt, verliert den Blick fürs Wesentliche. Schließlich kommt es einzig und allein auf das an, was die Börse daraus macht. „Gründe“ für die Marktlage werden immer gefunden, oft auch erst im Nachhinein.

 
Beispiel: Genau vor acht Jahren war es ein gewisser Jérôme Kerviel, der verantwortlich gemacht wurde für den plötzlichen Absturz der Kurse im Januar. Der Börsenhändler bei der Société Générale hatte sich nach Strich und Faden verzockt und wurde vorübergehend zu einer Art negativer Medienstar. Der DAX verlor damals im Januar mehr als zwölf Prozent.

 
Wer sich zu dieser Zeit von der Nachrichtenlage leiten ließ, konnte das Geschehen leicht als singuläres Ereignis abtun, das nicht von langer Dauer sein könne. Schließlich kommen Schieflagen dieser Art nicht andauernd vor.

 
Tatsächlich aber stellte der Januar-Schock den Beginn einer lang anhaltenden Talfahrt dar, die den Dax bis auf die Hälfte seines Ausgangswertes zusammenschrumpfen ließ. Als dann ein gutes Jahr später der Tiefpunkt erreicht war und sich die Finanzkrise voll entfaltet hatte, redete niemand mehr von Herrn Kerviel. Zu dieser Zeit bestimmten längst Namen wie Lehman Brothers und Hypo Real Estate oder Begriffe wie toxische Wertpapiere die Schlagzeilen.

 

Kurzum: Wer sich im Januar 2008 nicht von der aktuellen Nachrichtenlage irreleiten ließ, sondern sich auf das Verhalten der Börse selbst konzentrierte, hatte den besseren Riecher. Aus diesem Grund steht dieses Verhalten bei mir stets im Mittelpunkt der Überlegungen.

 
Auch aktuell bereitet mir das Börsenverhalten mehr Kopfzerbrechen als all das, was an Nachrichten bekannt ist. In einer solchen Situation, das habe ich gelernt, muss man sich besonders vor dem in Acht nehmen, was noch im Verborgenen liegt. Denn die Börsen beginnen große Störungen oft einzupreisen, bevor sie ans Tageslicht kommen.

 
Dennoch weiß ich, dass viele von Ihnen auch von mir wissen möchten, wie ich die aktuelle Nachrichtenlage einschätze. Deshalb drücke ich mich darum nicht, sondern schreibe auch dazu gerne Klartext. Zumal selbst ich die Nachrichten nicht vollkommen ignoriere. Nur nehme ich sie eher als eine Art Hintergrundrauschen wahr, in das ich das Börsenverhalten einordne.

 

China-Ängste berechtigt?

Die größten Missverständnisse kursieren gegenwärtig in Sachen China: Der Kurssturz an den dortigen Börsen signalisiere einen Konjunktureinbruch im Reich der Mitte, der die Weltwirtschaft mit nach unten ziehen werde. So oder so ähnlich lauten viele Kommentare, die sich darum bemühen, dem Laien das Geschehen „verständlich“ zu machen. Und auch, wenn es für Laien noch so plausibel klingen mag, ist es in dieser Einfachheit grober Unfug.

 
Der Börsencrash in China ist nichts anderes als das Platzen einer Kursblase, die dort in der ersten Hälfte des vergangenen Jahres aufgepumpt worden war. Innerhalb weniger Monate hatten sich die Kurse an den Börsen in Shanghai und Shenzen mehr als verdoppelt. Nach der zitierten Logik, dass die Börsenkurse die künftige Konjunkturentwicklung signalisieren, hätte man vor einem Jahr also einen regelrechten Wirtschaftsboom in China erwarten müssen.

 
Das tat aber niemand. Und jetzt, wo es in die andere Richtung geht, signalisieren die Kurse genauso wenig eine Wirtschaftskrise.

 
Der Markt folgt lediglich den Gesetzen der Börsenphysik: Eine Kursblase fällt stets in sich zusammen. Genauso, wie aus einem aufgeblasenen Luftballon die Luft immer entweicht – entweder langsam im Lauf der Zeit, indem er vor sich hin schrumpelt, oder schnell, indem er platzt. An den Börsen ist das Platzen die wahrscheinlichere Variante.

 
Das Problem ist also nicht die chinesische Wirtschaft. Die wächst weiter, wenn auch prozentual etwas langsamer. Das Problem geht vielmehr vom chinesischen Finanzmarkt aus.

 
Womit wir wieder bei den Finanzmärkten als eigentliche Hauptursachen von Krisen wären. Da diese Märkte weltweit miteinander verwoben sind, wirken sich Turbulenzen in einer Region oft auch auf andere Regionen aus. Und deshalb bekommen wir es eben auch hierzulande zu spüren, wenn in China die Börsen crashen.
Das Platzen der Chinablase ist inzwischen aber so weit fortgeschritten, dass ein Ende absehbar erscheint. Folglich sollte es auch nicht mehr allzu lange als Unruhestifter an unseren Börsen dienen.

 
Aber – wie gesagt – an den Börsen wechseln sich Argumente und Nachrichten ohnehin ständig ab. Sobald das eine Argument für fallende Kurse verbraucht ist, wird es bei Bedarf eine neue Sau geben, die man durchs Dorf treiben kann.

 

Rohstoffe als Konjunkturindikator?

Eine „alte Sau“ ist in dieser Hinsicht der Ölpreis und sein Verfall über die letzten anderthalb Jahre. Im Prinzip ist es nicht nur das Öl, sondern es sind viele Rohstoffpreise, die an den Börsen weltweit seit geraumer Zeit rutschen. Die für Laien immer wieder zu hörenden Argumente gleichen dabei jenen zum chinesischen Aktienmarkt: Fallende Rohstoffpreise signalisierten einen bevorstehenden Konjunktureinbruch. Und das sei Gift für die Aktienkurse.

 
Der Sinngehalt dieser Erklärungsversuche ist aber genauso dürftig wie bei den China-Aktien. Denn auch hier handelt es sich um nichts anderes als das Platzen vieler Preisblasen, die an den dortigen Märkten aufgepumpt worden waren. Da fast jedem Markt für reale Rohstoffe ein Wasserkopf in Form eines Finanzmarktes aufgepfropft ist, gelten hier die gleichen Gesetze wie an den Aktienbörsen. Wie das am Ölmarkt funktioniert, hatte ich beispielhaft in meinem Jahresrückblick erläutert.

 

Großanleger in Bedrängnis?

Deshalb jetzt zu den kniffligeren Argumenten für fallende Kurse, die man den Laien nicht so platt darstellen kann wie die beiden eben genannten. Deshalb sind sie auch seltener zu hören.

 
Eines davon betrifft jene Fonds, die für Ölförderländer weltweit riesige Summen in Aktien und Anleihen angelegt haben. Der fallende Ölpreis kann sie dazu zwingen, Wertpapiere zu verkaufen, damit die dahinter stehenden Staaten ihre Ausgaben nicht allzu drastisch kürzen müssen.

 

 

Solche Verkäufe dürften bereits in den vergangenen Monaten hinter dem einen oder anderen Kursrutsch gestanden haben. Allerdings lesen Sie darüber nichts in der Zeitung. Denn die Fonds hängen ihre Verkäufe nicht an die große Glocke. In der Zeitung lesen Sie dann bestenfalls etwas über China, den Ölpreis und die Konjunktur.

 

Schuldner in der Bredouille?

Ein weiteres wichtiges Argument: Anleihen und Kredite von weniger kreditwürdigen Schuldnern erfreuten sich nach der Finanzkrise großer Beliebtheit. Wegen der niedrigen Zinsen waren viele Anleger nämlich froh, hier einigermaßen ordentliche Renditen zu bekommen. Die Schuldner ihrerseits konnten sich wegen der hohen Nachfrage trotz ihrer geringen Kreditwürdigkeit zu verhältnismäßig günstigen Zinsen verschulden.

 
Schon seit 2014 steigen auf diesem Markt die Zinsen aber wieder. Wenn dieser Trend anhält, könnten die ersten Schuldner in Schwierigkeiten kommen und umfallen. Dazu kommt, dass sich unter den Schuldnern auch zahlreiche Ölfirmen befinden. Diese geraten durch den fallende Ölpreis, der ihre Einnahmen schmälert, zusätzlich unter Druck.

 
Bisweilen geht an den Börsen schon die Angst um vor einem größeren Kredit-Unfall – oder sogar mehreren. Bekannt ist bisher nur, dass im Dezember ein US-Fonds schließen musste, der in Schrottpapiere übelster Art investiert hatte.

 
Daher werden die einschlägigen Indizes von den Börsianern mit Argusaugen beobachtet. Einer davon ist der börsengehandelte Fonds $ High Yield Corporate Bond der Gesellschaft iShares. Er war im Dezember unter Druck geraten und hat damit auch die Aktienmärkte angesteckt. Zuletzt hat sich dieser Indikator zwar beruhigt, aber dafür gab es dann die China-Angst, die als Belastungsfaktor in die Bresche sprang.

 
Mir bereiten mögliche Probleme am amerikanischen Kreditmarkt momentan jedenfalls größere Sorgen als China. Der genannte iShares-Fonds wird auf jeden Fall weiter zu beobachten sein. Genauso wie jede Meldung, die darauf hindeuten könnte, dass es unter der Decke rumort.

 

Ist die Zinswende nachhaltig?

Damit rückt die amerikanische Notenbank in den Blickpunkt, die mit ihrer ersten Zinserhöhung seit Jahren die Finanzkrise doch gerade erst offiziell für beendet erklärt hat. Wird sie von den aktuellen Ereignissen schon wieder eingeholt?

 
Die Kommentatoren waren von dem Zinsschritt noch begeistert. Von „historischer Zinswende“ war die Rede und davon, dass die Märkte einen „richtigen und wichtigen Schritt“ feierten. Zum Großteil ließ man sich dabei jedoch lediglich von der ersten Börsenreaktion inspirieren. Die Kurse stiegen nämlich direkt nach der Entscheidung, da bot es sich an, diese besonders positiv zu kommentieren.

 
Dass die Sache nicht so einfach ist, zeigte sich schon am nächsten Tag: Da fielen die Kurse wieder, und die Euphorie war genauso schnell weg, wie sie gekommen war. In den Kommentarspalten konnte man dafür aber jetzt nicht mehr die Notenbank verantwortlich machen, die man am Tag vorher noch in den höchsten Tönen gelobt hatte. Also fand man flugs einen anderen Grund. Der Ölpreis fiel gerade wieder. Ein Übeltäter war also gefunden.

 
Inzwischen liegen die Aktienkurse weit unter dem Niveau, das sie vor der Zinserhöhung hatten. Was ist also tatsächlich von der Zinswende zu halten? Und ist sie wirklich historisch, wie einige meinen?
Ich meine, nein, denn solange Geldvermögen und Schulden weiter wachsen, kann es eine nachhaltige Zinswende gar nicht geben. So lange müssen die Zinsen im Trend weiter fallen. Mehr dazu lesen Sie hier.

 
In Bezug auf den amerikanischen Leitzins bin ich sogar sicher: Er wird eher wieder bei null Prozent liegen, als dass er die Marke von 4 Prozent erreicht. Spätestens im Zuge der nächsten großen Krise, die wie erwähnt unabwendbar kommt, werden Amerikas Notenbanker die Geldschleusen wieder sperrangelweit öffnen.

 
In diesem Jahr allerdings dürften sie den Leitzins in kleinen Dosierungen etwas weiter nach oben drehen – sofern die große Krise noch ausbleibt, wovon ich ausgehe. Kommt diese Krise aber doch schon 2016, wäre das Geschwätz von der historischen Zinswende früher ad absurdum geführt, als uns allen lieb ist,

meint Ihr
Raimund Brichta

 

36 Kommentare

  1. Und wieder mal ein „Brichta“… Nachdem er ja schon in kürzester Zeit den Dax bei 50.000 sah. Dieses legendäre Brichta-Statement habe ich noch ganz genau in den Ohren.
    Der Mann verbreitet nur heiße Luft, er ist Moderator und sollte sich von fachlichen Äußerungen tunlichst fern halten. Oder man führt die Haftung für falsche Journalistenaussagen ein, so wie jeder Banker oder Verkäufer von Finanzprodukten haftet…

    Thomas Lenk

    • Ich kann ja verstehen, lieber Thomas Lenk, dass bestimmte Menschen das Börsengeschehen nicht in seiner ganzen Komplexität erfassen können. Wenn man dazu gehört, sollte man aber lieber die Füße still halten und sich nicht auch noch in aller Öffentlichkeit blamieren.

      1.
      Sie schreiben, ich hätte den DAX „schon in kürzester Zeit“ bei 50.000 gesehen. Wie bitte? Schlampig recherchiert, setzen!

      In meinem Artikel vom 8. Januar 2014 steht: „Dies ist mein neues Dax-Ziel bis in die zweite Hälfte des kommenden Jahrzehnts hinein.“

      Und? Wie lange ist es noch bis dahin? Ihre beiden Händchen könnten eventuell nicht ausreichen, um dies schon in kürzester Zeit abzuzählen. Deshalb sage ich es Ihnen: Es sind noch 10 bis 14 Jahre.

      2.
      Es mag in Ihre kindlichen Vorstellungen nicht hineinpassen, aber Börsenkurse entwickeln sich nicht geradlinig wie ein Pfeil, sondern wellenförmig. Das heißt, es gibt Höhen und Tiefen. Wenn Hoch- und Tiefpunkte im Lauf der Zeit immer höher reichen, spricht man von einem Aufwärtstrend.

      Selbst ein Crash kann in einem solchen Trend enthalten sein, wie das Beispiel 1987 zeigt. Deshalb habe ich mindestens einen Crash auf dem Weg zu meinem DAX-Ziel einkalkuliert. Im letzten langfristigen Börsenaufschwung gab es sogar zwei Crashs.

      3.
      Jetzt mag Ihnen der Kopf schwirren vor lauter Hin-und-Her. Aber Börsen sind halt so. Werfen Sie bei Gelegenheit doch mal einen Blick in mein Einmaleins der Aktien.

      4.
      Eigentlich liebe ich kritische Zuschriften, weil man sich nur an seinen Kritikern messen und durch sie lernen kann. Ihr Kommentar ist aber ärgerlich wegen seiner miserablen Qualität. Der einzige der hier lernen kann, sind Sie.

      • Jeder Versuch die Börsenentwicklung vorherzusagen ist spätestens seit Einführung von Programmen, welche in Millisekunden Kauf/Verkaufsentscheidungen treffen und damit die Börsenkurse entscheidend beeinflussen in etwa das gleiche wie die Vorhersage der Zukunft anhand von Karten legen.
        Sollte dies jmd. voraussehen können währe dieser jmd. bereits reich und hätte das Veröffentlichen von Entwicklungsprognosen nicht mehr nötig. Es sei denn er möchte damit wiederum die Entwicklung durch Meinungsbildung in eine gewünschte Richtung bewegen…

        • Solche Kommentare kenne ich zur Genüge. Sie lassen mich aber kalt, weil ich sehr genau weiß, was ich kann und was ich nicht kann. Im aktuellen Fall zum Beispiel habe ich nachweislich bereits im Dezember damit begonnen, unser Wahre-Werte-Depot auf den vermuteten Kursrutsch im Frühjahr vorzubereiten. Wer die Sache nicht verfolgt hat, kann da natürlich nur Allgemeinplätze von sich geben.

          • Na herzlichen Glückwunsch. 50/50 Chance genutzt 😉

          • Welche 50/50 meinen Sie??????

    • Herr Lenk, ich kann Ihre Aussage in keinster Weise nachvollziehen. Ich stimme zwar Herrn Brichta nicht immer in allen Punkten zu, aber ich würde nie behaupten, dass er seine Schlussfolgerungen auf Grundlage „heißer Luft“ tätigt. „Heiße Luft“ wäre es, wenn Herr Brichta, bei der ersten Nachfrage schon keine Antwort mehr hätte. Da habe ich aber den Eindruck, dass Herr Brichta seine Aussagen alle fachlich fundiert begründen kann.

  2. Hallo, Herr Brichta,
    Ihr vielseitige und nüchterne Betrachtung ist lobenswert.
    In meinem Alter (83 ) fährt man „auf Sicht „.
    An Zinswerten war nichts zu holen. Also : Solide Aktien und
    tägliche Verfolgung seines Depots.Dazu Nachrichten von sachkundigen Fachleuten. Sie sind ein Sachkundiger !
    Ich lese einen guten Börsenbrief schon seit 30 Jahren.
    Aber wer,wie meine Frau und ich,eine private Altersversorgung
    abgeschlossen hatte, hat es nicht einfach.Würde mich auf Ant-
    wort von Ihnen freuen.
    Beste Grüße Heinrich Seibert, Worms

    • Danke für die Blumen, über die ich mich sehr freue :-)

  3. Hallo Herr Brichta !
    Da auch Sie nicht in die Zukunft blicken können, bleiben Ihre und auch meine Vorstellungen der Entwicklung der Märkte offen.
    Eins kann jedoch passieren, der Ölpreis steigt gewaltig und aus den CO2-Abbau-wünschen werden Zwänge, die wirtschaftlicher Natur sein könnten. Dann kommen Firmen, die sich mit dem Thema alternative Treibstoffe beschäftigen und bereits am Markt sind in den Fokus.
    Das wären z.B. Autohersteller, die sich auf Wasserstoff u. Elektroantrieb und Hersteller von Brennstoffzellentechnik vorbereitet haben, ein neues Zeitalter einläuten, dass Visionäre züge annimmt.
    Hier liegt auch die Möglichkeit die Welt zu befrieden, denn der Kampf um den Rohstoff Öl wird enden. Häuser die mit PV-anlagen bestückt sind, stellen den eigenen Brennstoff her, und nutzen Wasserstoff als Engiequelle.
    Busse sowie LKW`s fahren ebenfalls damit. Finanzmärkte investieren in diese Technologie, da sie nicht spekulativen Zwängen unterliegt, sondern ein reines Gewissen denen die nach uns kommen hinterlässt.
    Wenn der Hipe der jetzigen Zeit verflogen ist, wäre meine Empfehlung: Nehmen Sie so etwas mal in Ihre Berichterstattung auf.
    Danke und viel Spass weiterhin.
    Grüsse
    Wolfgang Schulz

    • Danke für die Anregung, lieber Herr Schulz. Ich werde das an die Kollegen weiterleiten.

      • Moin Herr Brichta,
        eines vorweg: Ich lese Ihre Kommentare sehr gerne, weil diese mir auf eine sehr verständliche Weise das „auf und ab“ und den darin bestehenden Zusammenhang erklären. Zu dem Kommentar von Herrn Wolfgang Schulz: Ich bin genau seiner Meinung und würde ebenfalls aus dieser Sicht einmal eine Berichterstattung, bzw. Marktaussicht lesen. Ich bin überzeugt davon, dass Sie dies auch schon weitergelietet haben. Ich wollte nur unterstreichen, dass Herr Schulz nicht der einzige Leser sein wird :)
        Vielen Dank und Grüße aus Friesland

    • Hallo Herr Schulz, Wirtschaftlicher Wandel läst sich schwer abschätzen, daher ist ihre Analyse der Tragweite, meiner Meinung nach, nicht ganz korrekt.
      WENN nun alle Länder das 2°C, das in Paris vereinbart wurde, erst nehmen, muss zwangsleufig der Verbrauch von Öl sehr stark reduziert werden.
      Im Moment liegt der Verbrauch niedriger als die Producktion, was zu einem Kursstürtzs geführt hat. Wenn nun die Producktion gedrosselt wird, um diesen Preis wieder anzuheben, was über kurz oder lang passieren dürfte, dann steigt der Preis wieder! Das ist Ziel so mancher Regierung!

      Nun gild es, diese beiden Wiedersprüche zu kombinieren, und daraus zu schließen, wie sich alles entwickelt.

      Es gibt 2 unterschiedlicher Möglichkeiten, ohne einen 3. Weltkrieg, die sich abzeichnen.
      1. Die Weltengemeinschafft macht ernst mit dem 2°C Ziel und Reduziert den Verbrauch, was zu einem Überangeboht und damit niedrigen Preis führen wird, oder
      2. Der Preis bleibt niedrig, für mehr als 5-10 Jahre, und der PeagOil, wird den Preis drastisch nach oben treiben.

      Solang der Markt Entschicklungen bestimmt, die vom zu ERWARTENDEN GEWINN, also Zinsen, abhängen, werden ihre Vorraussagen nur sehr langsam eintreffen. Leider

  4. Hallo Herr Brichta,

    in den letzten Tagen hatte ich einiges über die Prognosen der letzten Jahre von Experten und den Medien auf FB gepostet (vom Dez. 2007 und Dez. 2008). Erwartungen, Prognosen und die tatsächlichen Verhältnisse. Mir kommt in Ihrem Bericht so einiges bekannt vor :-)

    Grundsätzlich ist es wie Sie schreiben äußerst schwierig, gerade auch mit logischen Argumenten, einen Finanzmarkt zu prognostizieren, der von erstens unbekannten und zweitens unendlich vielen Faktoren abhängt. Könnte man die Börse berechnen, gäbe es keine Mathematiklehrer mehr, die sich verbeamten lassen.

    Jetzt zu Ihrem Bericht. Ich teile teilweise Ihre Auffassung, was China betrifft. Die Börse wurde aufgeblasen, die Börse fällt zusammen. Grundsätzlich nichts Neues und nachhaltig Dramatisches. Es fand eine große Vermögensumverteilung von der breiten Masse der kleinen Privatanleger auf einzelne, wenige statt (in der Summe ist die Börse immer ein Nullsummenspiel). Das könnte sich bei diesem gigantischen unfreiwilligen „Umverteilungsprogramm“ schon etwas auswirken, wenn man bedenkt, dass China in Zukunft mehr auf die Binnenkonjunktur setzen muss. Diese wird ja bekanntlich von der breiten Masse der Konsumenten getragen.

    Aber das ist eher ein Nebengedanke. Mal weg von der Börse in China. Fakt ist, dass die Rohstoffpreise und die Produktionskapazitäten auf der Welt durch erheblichen Anteil China`s nach oben getrieben wurde. China hat von 2011 bis 2014 mehr Beton verbaut, als die gesamte USA im 20. Jahrhundert! Die realwirtschaftliche Nachfrage aus China gab bzw. gibt es in dieser Menge tatsächlich. Aber gerade hier liegt doch die Gefahr. Diese Nachfrage ist aktuell dabei nachhaltig und in erheblichen Umfang einzubrechen. Die Rohstoffpreise sagen mehr über diese Wahrheit aus, als jede (geschönte) Statistik der Volksrepublik China über das Wirtschaftswachstum (was angeblich immer noch bei 6,9 % liegen soll).

    China als größter Handelspartner und Abnehmer deutscher Exportprodukte kann unserem Export erheblich schaden bzw. in auf das ursprüngliche Ausgangsniveau von vor ein paar Jahren drücken. Das wird sich tatsächlich sehr stark auf die Exporterlöse und damit die Bewertungen vor allem dt. Aktientitel auswirken. Die Kurse sind vorher auch aufgrund Chinas Nachfrage entsprechend gestiegen. Ferner sind viele weitere Volkswirtschaften von Schwellenländern aber auch Ländern wie Australien etc. ebenfalls sehr von China abhängig. Und zwar so, dass es sich erheblich im BIP bemerkbar macht und nicht nur eine Randerscheinung bleibt.

    China würde ich deshalb nicht auf die leichte Schulter nehmen. Abgesehen von den Dominoeffekten die China in noch unbekannten Gebieten auslösen kann. China hat z. B. die größte Kreditblase der Welt produziert, die aber dank des Staates und der nicht stattfindenden Insolvenzen (noch) unter dem Teppich bleibt. Die Währungsreserven sind im Vergleich zu den gestiegenen Schulden nichts mehr. Andere schwarze Schwäne sind jederzeit möglich. Wir werden sehen.

    Zum Thema USA, Europa und die Geldpolitik. Jeder weiß, dass es auf Dauer nicht gut gehen kann, wenn Marktkräfte außer Kraft gesetzt werden. Kapitel ist ein Produktionsfaktor. Wenn Kapital nichts mehr kostet, kommt es zu erheblichen Fehlleitungen von Ressourcen. Wir werden teuer für diese Geldpolitik bezahlen. Die Problem werden bisher nur durch die FED und EZB übertüncht aber nicht gelöst. Im Gegenteil, Reformen sind ja nicht mehr notwendig. Warum sparen und reformieren, wenn man einfach Geld drucken kann? Es kommt bald der Tag, an dem es zu so vielen Fehlleitungen gekommen ist, dass die simple Lösung „wir drucken einfach mehr Geld“ nicht mehr funktionieren wird. Hier muss ich nochmal kurz auf China zurück kommen. China lässt keine (bzw bis vor kurzem keine) Insolvenzen zu. Insolvenzen sind aber wie auch Abkühlungen in der Wirtschaft durch gut. Sie regulieren die Dinge. China hat so viele Fehlleitungen in seiner Wirtschaft durch künstliche falsche Anreize produziert, dass es nunmehr die Kontrolle verliert. Je länger die Party, desto schlimmer der Kater. Ähnliches wird uns irgendwann die Geldpolitik bringen, nur eine Frage der Zeit.

    Global leben die Länder über Ihre Verhältnisse, dass wird sich rächen. Auch an der Börse. Die Begründungen werden dann nachgeliefert. Bis dahin fließt noch einiges Wasser den Lech hinunter.

    In diesem Sinne gute Nacht und bis zum nächsten Mal !!

    Rainer Kraushaar

    • Herzlichen Dank für Ihre Anmerkungen, lieber Herr Kraushaar. Ich stimme diesen im Wesentlichen zu und möchte deshalb nur auf jene Punke eingehen, zu denen ich Ergänzendes beizusteuern habe:

      1.
      Chinas „Umverteilungsprogramm“ durch die Börse: Hier dürfen Sie den Staatseinfluss nicht vernachlässigen. Dieser wird alles daran setzen, mögliche Auswirkungen zum Großteil wieder rückgängig zu machen.

      2.
      Rohstoffpreise: Sie wiederholen damit die „Argumente“, die auf den von mir beschriebenen Rohstoff-Finanzmärkten verwendet wurden, um Entwicklungen in die eine oder andere Richtung zu begründen. In der Tendenz mögen diese auch ihre Berechtigung haben, nicht aber in den Amplituden, die damit in den Preisen bewirkt werden. Ich habe dies in meinem Jahresrückblick beispielhaft für den Ölmarkt dargelegt. Sie können dies auf alle anderen Rohstoff-Finanzmärkte übertragen – bis hin zu den Nahrungsmitteln.

      Diese Amplituden haben zur Folge, dass sich die Bewertungsauf- und -abschläge auf den „inneren Wert“ dieser Rohstoffe stark ändern (vergleichbar mit der Bewertung auf den Aktienmärkten, zum Beispiel in Form des KGVs). Gäbe es die Rohstoff-Finanzmärkte nicht, lägen die Preise immer in der Nähe ihres inneren Wertes und würden allenfalls im niedrigen Prozentbereich schwanken. Als Beispiel fällt mir hier der Preis für Mineralwasser ein, für das es nach meiner Kenntnis keinen Finanzmarkt gibt.

      3.
      Das, was Sie in diesem Zusammenhang zu den deutschen Aktien und den zurückliegenden Kursanstiegen aufgrund der China-Nachfrage schreiben, geht in die gleiche Richtung. Mit den Kursanstiegen hat sich auch die Bewertung deutscher Aktien in Form des KGV erhöht. Das heißt, die Kurse sind stärker gestiegen als die tatsächlichen Unternehmensgewinne.

      Jetzt reden wir aber noch gar nicht über einen GewinnRÜCKGANG aufgrund der Chinanachfrage, sondern allenfalls über eine geringere GewinnSTEIGERUNG (Chinas Wirtschaft wächst weiter um ca. 5%, offiziell sind es sogar 7%. Und das bei nach wie vor wachsenden absoluten Größen.) Die damit begründeten Kursrückgänge führen also zu einem geringeren KGV und damit zu einer geringeren Bewertung. Letzteres basiert auf rein psychlogischen Faktoren, wie sie für Finanzmärkte typisch sind.

      4.
      Ich werde nicht müde, dagegen anzuschreiben, dass die gegenwärtige Niedrigzinsphase alleiniges Ergebnis der Notenbankpolitik sei. Dass ich dies für einen Irrglauben halte, habe ich ausführlich im Buch begründet.

      Unser Geldsystem lässt in diesem Reifegrad vielmehr gar kein anderes Zinsniveau mehr zu, da sich in diesem System Geldvermögen und Schulden in immer größere Dimensionen nach oben schrauben. Die „Schuld“ der Notenbanken liegt nur darin, dass sie diese systembedingte Spirale mit ihrer Politik aufrecht erhalten. Ohne ihr Zutun wäre es längst zu einer krisenhaften „Bereinigung“ gekommen, in deren Verlauf Geldvermögen und Schulden pulverisiert worden wären. Danach gäbe es auch wieder Spielraum für höhere Zinsen.

  5. Lieber Herr Brichta,
    Ihre Analyse ist wie immer fundiert und ich gebe ihnen Recht, insbesondere was ihre Befürchtungen betreffend dem Platzen der Kreditblase betrifft (nicht nur in den USA durch eine 0-Zins-Politik provoziert). Die Katastrophe wird kommen, sie ist unvermeidlich. Persönlich glaube ich dass es mit einem globalem Immobilien-Crash beginnen wird, dem die überschuldeten Staaten nichts entgegenzusetzen haben. Aktien werden verkauft um „Löcher“ zu stopfen und dann folgt auch noch der Vertrauensverlust der Menschen gegenüber den Zentralbanken und ihrem wertlosen Fiatgeld.
    Leider schreiben sie nichts über das was alle Investoren bewegt. Wie sichere ich mein Vermögen in der Zeit der „Vermögenszerstörung“ ab, auch um danach wahre Werte billig einzusammeln? Hierüber sollte sie in ihrer Kolumne einmal schreiben.

    • Richtig, lieber Herr Stein. Hier handelt es sich um einen gezielten Aktienmarkt-Ausblick auf die vor uns liegenden Monate und nicht um einen Grundlagenartikel. Die Grundlagen haben wir vielmehr bereits in unserem Buch „Die Wahrheit über Geld“ beschrieben. Darin greifen wir auch die von Ihnen genannten Fragen auf.

      Und: Darauf baut unser gesamtes Konzept des Wahre-Werte-Depots auf, auf dessen Internetseite Sie hier gelandet sind.

      Ich lade Sie also ein, sich hier ein wenig umzuschauen. Sollten Sie dann noch Fragen oder Anmerkungen haben, so stehe ich dafür gerne zur Verfügung.

      Bis zu dem von Ihnen beschriebenen finalen Zusammenbruch wird es nach meiner Einschätzung noch Jahre dauern, wenn nicht Jahrzehnte. Bis dahin wird es noch eine Reihe von Chancen und Risiken geben, die wir mit unserem Depot nutzen und umschiffen wollen. Ich bin gespannt, wie gut uns das gelingt. Und auch hier lade ich Sie ein, uns dabei kritisch zu begleiten.

  6. „In Bezug auf den amerikanischen Leitzins bin ich sogar sicher: Er wird eher wieder bei null Prozent liegen, als dass er die Marke von 4 Prozent erreicht.“

    Das ist die rein wirtschaftliche Einschätzung, die für sich gesehen konsequent gedacht ist. Denn eine nennenswerte Zinserhöhung (auch in mehreren Schritten) killt das Finanzsystem und damit die Wirtschaft entweder kurz- oder mittelfristig.

    Möglicherweise ist das aber politisch gewollt? Dann sehen die Prognosen ganz aus.

    Mein Anlegerstandpunkt ist daher wie folgt: Fest steht, dass dieses auf Fiatgeld aufgebaute Finanzsystem weitgehend ausgereizt ist. Die Finanzmärkte haben sich weitgehend von der Realwirtschaft entkoppelt. Die Geldanlage in Aktien und Papierassets ist vor diesem Hintergrund reine Zockerei. Niemand kann vorausberechnen, wann das System in sich zusammenbricht und ob dies (politisch) gewollt herbeigeführt wird oder aus sich selbst heraus passiert. Deshalb gibt es keinen Handlungsbedarf in den oben angesprochen Assets. Aktien haben zudem eine nunmehr fast siebenjährige Hausse hingelegt, die zum größten Teil auf billigem Zentralbankgeld, weit weniger dagegen auf einer aus sich heraus tragfähgigen Realwirtschaft, beruht. Staatsanleihen sind völlig überbewertet. Nun muss jeder entscheiden, wie er durch diese Endphase des laufenden Kreditzyklus (Stichwort Kondratieff-Zyklus) bestmöglich hindurchkommt.

    • Vom Grundtenor stimme ich mit Ihnen überein. Ich rechne allerdings nicht damit, dass ein Zusammenbruch „politisch gewollt“ herbeigeführt wird. Das Gegenteil ist der Fall. Die an der Macht befindlichen Politiker, wollen diesen Zusammenbruch so lange wie möglich hinauszögern.

  7. Lieber Herr Brichta,
    meine Gratulation zu diesen gelungenen Artikel! Ich habe Ihren Artikel aus der Lehmann-Krise vor etwa sieben Jahren noch in Erinnerung wo es um die magische Reinwaschung der schmutzigen Finanzprodukte ging. Ich habe Ihren jetzigen Artikel mit dem gleichen Genuss wie den damaligen gelesen und meine kanadische Seite (meine Frau ist Kanadierin) hallte innerlich: „Finally, Brichta is back!“
    Im Zuge dessen ein grosses: „Please, give us more“ an Sie, und ich wünschte mir es gäbe mehr Vollblutjournalisten wie Sie die mit so viel Herz und Hirn zum Medienbild beitragen, und auch mal mutig versuchen hinter den Blätterwald der Medien zu leuchten – auch wenn man vielleicht im Nachinein einmal daneben liegen sollte. Lieber Herr Brichta, weiter so und ich freue mich schon auf Ihre zukünftigen Artikel! :)

    p.s.: bezüglich des vermeintlichen Hauptübeltäters hinter der momentanen Mini-Krise, vermute ich ebenfalls dass er tief und schmierig irgendwo im Öl steckt. Ob hinter den Fonds der Saudis, die wohl immer dringender Liquidität benötigen, oder in der leise aber doch rapide sinkenden Kreditwürdigkeit der Ölstaaten insgesamt – ich denke auch: irgendwo dort liegt der (Haupt-)Hund begraben. Und Ihr Artikel hat mich wirklich inspirert dieses Geschehen nun sehr viel gründlicher zu beobachten! :)

    • Danke, lieber Herr Hofman, für diese netten Zeilen :-)

      Und was den Ausspruch Ihrer Gattin anbelangt: Eigentlich war ich nie weg. Ich habe mich in der Zwischenzeit lediglich auf das Schreiben des Buchs „Die Wahrheit über Geld“ konzentriert das 2013 erschien. Darin finden Sie eine konsequente Fortentwicklung meiner damaligen Artikel.

      In meinen Kolumnen äußere ich mich in der Regel nur zur aktuellen Entwicklung. Auch das habe ich regelmäßig getan, aber diese war seit der Finanzkrise eben mehrheitlich nach oben gerichtet. Erst jetzt beginnt die Zeit, in der man wieder achtsamer werden muss.

  8. Hallo,

    ich verfolge die Finanzmärkte und besonders den Aktienmarkt schon seit vielen Jahren.
    Habe schon zur Zeiten des neuen Markts regelmäßig Telebörse geschaut und einige Höhen und Tiefen miterlebt.

    Ich bin eigentlich ein Anleger der hauptsächlich auf den gesamten Markt setzt, und das mit ETF`s darstellt.
    Auch nehme ich die techn. Analyse zur Hilfe, halte aber nichts vom DAY-Trading oder ähnlichem kurzzeitigen Gezocke.

    Um so mehr erscheinen mir die Ausführungen und Markt-
    einschätzungen hier als wertvolle Orientierungshilfe.

    Mein Kompliment Herr Brichta, letztes Jahr und mit Ihrem
    Ausstieg am 04.01.2016, haben Sie ein gutes Näßchen bewiesen.

    Mal schauen wie 2016 wird, charttechnisch befinden wir uns meiner Meinung nach schon in einem Abwärtstrend.
    Auf Grund mangelnder Anlagealternativen könnte der Markt aber vielleicht noch mal die Kurve kriegen.

    Ich bleibe gespannt, und beobachte wann hier wieder eingestiegen wird.

    Mit freundlichen Grüßen

    Udo Bolz

  9. Hallo Herr Brichta,

    ich teile Ihre Meinung. Nur hinsichtlich der Ölpreise sehe ich das Szenarium optimistischer.
    Es kann schon sein, dass einige Fonds sich mit ihren Engagements zuvor falsch lagen und bei weiter sinkenden Ölnotierungen leisten, d.h. verkaufen müssen.

    Doch die positiven Effekte überwiegen wahrscheinlich. Weil nun Millionen von Ölverbraucher weniger bezahlen müssen.
    Die Ersparnis (= Verlust der Ölexporteure) liegt im Milliardenbereich. Außerdem ist Papiergeld schon lange nicht mehr „werthaltig“. Anteile an Unternehmen hingegen schon.

  10. Hallo Raimund

    habe heute den Teil zum Öl aus deinem Jahresrückblick übernommen und auf wwd verlinkt.

    http://www.mmnews.de/index.php/wirtschaft/62770-oel-20-2

    Ich sehe die Ursachen im Ölpreisverfall wie du, befürchte aber darüber hinaus erhebliche geldsystematische Gefahren.

    Im Rohstoffbereich wurden Billionen an Krediten aufgenommen im Hinblick auf höhere oder gleichbleibende Preise. Die können nun alle abgeschrieben werden. Nächste Bankenkrise lässt grüßen. Das dürfte so was werden wie die Subprime-Krise.

    Mehr noch:

    Viele Staaten (Golf, Russland etc.) könnten pleite gehen, weil Kredite und Budgets einen Preis von ca. 100$ zugrunde legten.

    Es wird deshalb meines Erachtens von dieser Seite eine enorme deflatorische Spirale getriggert, die unkontrollierbar werden könnte.

    Und es ist ja nicht nur das Öl, es trifft die gesamte Rohstoffbranche. Die Krise in den Schwellenländern ist die Konsequenz. Der Südafrika-Rand wird gerade zertrümmert. Andere Währungen insb. China werden folgen.

    Das Geldsystem könnte dadurch in eine gefährliche Schieflage kommen. Was meinst du?

    Vielleicht Anlass mit deinem Sachverstand mal was drüber zu schreiben?

    Gruss Michael

    • Im Prinzip stimme ich Dir zu, lieber Michael. Meine Beschreibung des Ölmarktes soll beispielhaft für alle Rohstoff-Finanzmärkte stehen. Dies habe ich gestern in Teil 2 meines Ausblicks erläutert, und vielleicht kannst Du darauf in der Einleitung auf Deiner Seite auch noch einmal hinweisen.

      Der Preisrückgang bei allen Rohstoffen ist in diesem Ausmaß – wie beschrieben – eine rein monetär verursachte Angelegenheit. Genauso wie der vorangegangene Anstieg.

      Finanzkrisen nehmen immer dort ihren Ausgang, wo die Blasen zuvor am größten waren. Denn dort werden die meisten Kredite aufgenommen, die bei einer (erwartbaren) Umkehr des Preistrends dann aufgrund schwindender Sicherheiten ins Straucheln geraten.

      2000 waren es die Aktien, 2008 waren es die Immobilien, und jetzt sind es eben die Rohstoffe.

      Eigentlich ist das ganz einfach – oder?

      Und genauso einfach ist vorhersehbar, was passieren wird: Die Notenbanken werden erneut einschreiten, um den Zusammenbruch abzuwenden.

      Nun kann man darüber spekulieren, ob ihnen das erneut gelingt. Ich rechne damit, dass sie’s nochmal schaffen werden. Was meinst Du?

    • Nein, Herr Mross, Russland (als Beispiel) kann nicht pleite gehen. Denn die Landeswährung ist nicht der Dollar, sondern der Rubel – und dieser kann genauso grenzenlos hergestellt werden wie der Euro, der Dollar oder der Yen.
      So könnte Russland, welches gegenüber den USA einen Nachholbedarf an Rüstungsgütern hat, mit der Rubelpresse neue Hubschrauberträger vom Typ der vier Stück die Frankreich nicht liefern durfte, bauen. Das festigt die Inlandskonjunktur und deshalb kann Russland nicht „untergehen“. Bisher ist die Staatsverschuldung Russlands weitaus geringer wie die Deutschlands oder der USA.

      • Die einzige Währung auf der Welt ist der US-Dollar. Der Rubel mag zwar ewig bleiben, ob ihn aber noch jemand haben will, ist eine andere Frage. Güter auf den Weltmärkten kann man nur gegen USD kaufen.

        Aber der Dollar wird auch nicht ewig bleiben. Allerdings: er wird als letztes untergehen.

        • Nein, Widerspruch- von wegen man könne nur mit Dollar auf dem Weltmarkt kaufen!
          Die BRICS Staaten und die Erweiterung durch die SCO Staatengruppe haben schon lange vereinbart, auch Rubel und Renminbi im Handel unter einander zu akzeptieren. Auch der Iran hat in bilateralen Verträgen gleiches mit Russland vereinbart.
          Die Leitfunktion des Dollar ist in wenigen Jahren Geschichte.
          Wenn soviel von etwas gedruckt wird, wie dem Dollar, dann kann der kaum noch einen Wert haben.

  11. Der Michael, der Raimund. Jetzt noch Friedhelm und Carola und wir haben die guten,alten Telebörsezeiten zurück 😉

  12. Hurra, der Crash ist da?!

    Habe heute mal den n-tv und N24 Videotext eingeschaltet, und da sehe ich dicke Werbebanner wie: „der GROSSE CRASH beginnt?! Anruf gebührenfrei“ oder „CRASH Aktien vor -50%-Absturz?!“. Liest man so etwas nicht eigentlich, wenn der Crash längst da ist? Beginnt ein Crash nicht eigentlich in einer euphorischen Phase? Gab es etwa große Euphorie oder habe ich etwas verpasst (falls ja, dann muss diese Phase schon lange her sein)? Augenblicklich wird wieder so viel von Crash und Krise geredet, dass dieses Szenario entweder längst eingetroffen sein muss oder ausbleibt, denn wenn es alle wissen oder befürchteten, dann hätte der Aktienausverkauf im neuen Jahr noch viel heftiger sein müssen, oder nicht? Wenn man die Kursbewegungen der vergangenen 2 Wochen beobachtete, war häufiger festzustellen, dass der DAX doch eigentlich gerne steigen wollte, der Dow ihn aber immer wieder herunterzog. Vielleicht ist’s also ein Vor- oder Nachbeben, das wir gerade erleben oder erlebt haben. „The Big One“ ist es jedenfalls nicht und kann es auch gar nicht werden, denn dazu sind die Aktien viel zu günstig, vor allem, da wir längst wissen: Die Dividende ist doch der neue Zins! :) Und an eine wirklich nachhaltige Zinswende in den USA glaubt sowieso niemand mehr, oder doch? Hierzulande steht die nächste Dividendensaison bevor (in den USA mit quartalsweiser Dividende ist das natürlich anders). Und dann ist da noch etwas: Der niedrige Ölpreis soll doch angeblich ein gewaltiger Konjunkturmotor sein, oder ist er das plötzlich nicht mehr? Natürlich kommt nur ein Teil des Preisrückgangs beim Endverbraucher an und davon fließt wiederum nur ein Teil in die Wirtschaft zurück. Der Rest davon landet auf Bankkonten und auf den Finanzmärkten, was eher für als gegen Aktien spricht. Und sollte es nicht eigentlich auch viele Unternehmen/Branchen geben, die sich aufgrund niedriger Rohstoffpreise bzw. Einkaufspreise dumm und dämlich verdienen können? Diese positive Kehrseite spricht doch gerade für Aktien und nicht dagegen. Niedrig ist der Ölpreis auch nicht. Historisch ist er immer noch zu hoch. Da passt also manches nicht zusammen.

    Im August letzten Jahres hatten selbst die größten Angsthasen kaum einen tieferen Tiefpunkt als 8000 DAX-Punkte nach dem Panik-Tief prognostiziert (dies ist jedenfalls mein subjektiver Eindruck). Mittlerweile müsste man dieses Bodenreferenzniveau eigentlich sogar etwas anheben, denn europäische und amerikanische Unternehmen machten ja weiterhin gute Gewinne, oder nicht? Nachdem zu lernen war, dass die China-Krise doch keine ganz so große Rolle spielt wie vor Monaten noch befürchtet (eigentlich schwächelt das Wachstum ja schon sehr lange auf hohem Niveau), erscheint weiteres Abwärtspotenzial doch sehr begrenzt und die ersten 10% vom Boden wären schnell zurückerobert!

    Das Krisenszenario vom Zusammenbrechen ölexportierender Staaten, deren Währungen und Banken mit allen globalen Folgereaktionen erscheint realistisch, The Big One lässt aber noch länger auf sich warten, wette ich. Die Subprime-Krise hatte viele Akteure überrascht. Der fallende Ölpreis und andere fallende Rohstoffpreise hingegen sind allgegenwärtig und die Folgen brauchen die Betroffenen nicht weiter zu überraschen, nachdem die Erkenntnis gereift ist, dass die Marke 100 USD/barrel in weite Ferne gerückt ist – Zeit zu reagieren und die Krise noch eine Weile hinauszuzögern – genau das geschieht doch aktuell, oder nicht? Ich freue mich erst einmal auf die kommende Hausse.

    Mit bullischen Grüßen: Hurra, der „Crash“ ist vorbei! :)

    • Einen Crash erwarte ich auch nicht, lieber Sandro. Eher ein recht volatiles Quartal mit einem Tiefpunkt im März, der sich (hoffentlich) als finaler Tiefpunkt dieser Korrektur erweist. Schaun mer mal …

      • Ja, abwarten ist sicher noch sinnvoll (obwohl ich, wie gesagt, mittlerweile eher wieder bullisch gestimmt bin). Bis auf Weiteres bin ich froh, nach Ihrem Vorweihnachtsdepotalarm wenigstens teilweise ebenfalls rechtzeitig ausgestiegen zu sein.

        • Der Wiedereinstieg ist eine genauso schwierige Entscheidung wie der Ausstieg. Bin selbst gespannt, wie wir das meistern werden 😉

  13. Hallo Herr Brichta,
    Ich zolle ihnen meinen Respekt für die Berichte zur Wirtschaft und zur Börse.Wie man sieht erntet man schnell Kritik.Lese ihre Berichte immer gerne.
    Graturliere zum Ausstieg gutes Händchen.
    Meine Einschätzung für die Börse dieses Jahr lautet auch.
    Anschnallen aber mit Sturzhelm!

    Liebe Grüsse,
    Roland Ritter

  14. Sehr geehrter Herr Brichta,

    Wenn Herr Cryan als sehr erfolgreicher Banker schreibt, dass die Deutsche Bank zahlungsfähig ist, dann können Sie das nicht als „peinlich“ abtun.

    Peinlich waren die Positivmeldungen der Vergangenheit, die offensichtlich unzutreffend waren. Die Deutsche Bank steht schlecht da. Und nur jemand, der sich zutraut, die Bank aus dem Dilemma herauszuführen, redet auch Klartext und schafft damit das Vertrauen, dass die Bank nicht hat.

    Wenn allerdings die Journalisten in der Vergangenheit „blind“ den Aussagen der Vorstände vertraut haben und sich nun „erwischt“ fühlen, weil sie wegen offenbar schlechter Recherche vieles „nachgeplappert“ haben, was unzutreffend war. Deshalb ist es meines Erachtens äußerst „peinlich“ und auch höchst „arrogant“, wenn Journalisten dann kompetenten Leuten, wie Herrn Cryan, versuchen peinliches Verhalten vorzuwerfen.

    Leider haben Sie es meines Erachtens in der Vergangenheit nicht geschafft, ihren Zuschauern ein zutreffendes Bild der Deutschen Bank zu schildern. Das ist meines Erachtens „peinlich“!

    • Sie verstehen offenbar nicht, WAS hier peinlich ist. Wie ich geschrieben habe, ist es quasi lebensnotwendig für eine Bank, dass Kunden und Kreditgeber ihr vollstes Vertrauen entgegenbringen. Denn eine Bank, die kein Vertrauen mehr genießt, steht in der Gefahr eine Bank Runs und damit einer Pleite.

      Die Tatsache, dass die Bank diese Mitteilung machen musste, es war übrigens der Finanzvorstand und nicht Herr Cryan, wie Sie fälschlicherweise schreiben, ist deshalb peinlich, weil sie zeigt, dass dieses Vetrauen schon angeknackst ist. Sonst wäre die Mitteilung gar nicht nötig gewesen.

      Genau deshalb haben übrigens Mitarbeiter der Bank selbst diese Mitteilung als peinlich empfunden. Ihre Aufregung ist also in keiner Weise nachvollziehbar.

      Was sie ansonsten über „Jounalisten“ schreiben, tangiert mich in keiner Weise. Ich habe nämlich schon zu Zeiten der letzten Finanzkrise darauf hingewiesen, dass die Deutsche Bank mit einer damaligen mickrigen Eigenkapitalquote von 2% (heute sind es 3%) einen sehr sehr heißen Reifen fährt.

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