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„Ich halte Herrn Brichta für naiv“

26. August 2015 von Raimund Brichta in Allgemein | 15 Kommentare

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Ich weiß, dass man es als Moderator selten allen recht machen kann. Selbst dann nicht, wenn man einen Volltreffer landet. Ein Zuschauer beschwert sich zum Beispiel heute über eine Äußerung von mir am vergangenen Freitag. Hier seine Zuschrift und meine Antwort darauf (seine Tippfehler habe ich nicht korrigiert):

Sehr geehrter Herr Brichta,

Ihre Moderation, übrigens auch die Ihrer Kollegen, in der Telebörse verwundert mich etwas. Am Freitag sagten Sie : “ Am Montag gibt es noch den großen Ausverkauf, dann sollte das Schlimmste aber überstanden sein“. Ich halte das für reichlich naiv. Wie lange sind Sie denn eigentlich schon bei der Telebörse ? Also, ich kenne Sie seit 1997. Sie sollten mit dem Geschehen an der Börse einigermaßen vertaut sein. Die Kurse sind nun eingebrochen, nun ist wieder besseres Wetter angesagt? Dies zu glauben, halte ich für blanke Dummheit. Richtig, die Kurse sind heute stark gestiegen, also freuen wir uns auf morgen! Was ist denn übermorgen? Diese Korrektur wird uns noch bis in das nächste Jahr beschäftigen. Sie hat gerade erst begonnen und ist noch lange nicht beendet.

Fragen Sie doch mal Hans Bernecker, mit dem zusammen Sie so viele Sendungen gemacht haben. Den wollten damals die Zuschauer nicht mehr sehen, weil er in der Euphoriephase des neuen Marktes öfters mal was von sich halbierenden Kursen erzählt hat. Recht hatte er aber trotzdem.

Fragen Sie ihn mal, ob er denn jetzt schon gute Papiere zu günstigen Kursen einsammelt. Der Dax hat Potential bis 8000Pkt, der Dow bis 14700 Pkt, dies hat er heute in seinem täglichen Börsenkommentar geschrieben.

Sie brauchen nicht zu glauben, daß sich jetzt noch jemand für Zinssenkungen in China oder Arbeitsmarktzahlen in Amerika interessiert. Haben Sie schon einmal aufgescheuchte Hühner im Hühnerhof gesehen? Der Mensch in der Masse und in Panik reagiert ähnlich!

Seit 1985 beobachte und handele ich an der Börse. Völlig fassungslos, weil unerfahren, erlebte ich die scharfe Korrektur von 1987 mit. Alle folgenden Korrekturen seitdem erlebte ich ebenfalls mit. Alle verliefen sie nach dem gleichen Schema. Daher glaube ich zu wissen, wie der kommende Herbst abläuft. Ich bin übrigens Short, ich bin bisher sehr zufrieden. Ich habe letzten Freitag einen Großteil meiner Papiere verkauft.

Ich bin übrigens auch der Meinung, dass z.B. Daimler eine gute Aktie ist. Trotzdem wird auch sie weiter fallen. Sie sollten in Ihren Sendungen mehr Realisten, Leute wie Hans Bernecker zu Wort kommen lassen.

Mit feundlichen Grüßen

Raimund Brichta antwortet:

Lieber Herr ….. ,

ich bin lange genug im Geschäft um zu wissen, dass es stets sowohl Kritiker als auch Befürworter des eigenen Handelns gibt (ein Gegenbeispiel zu Ihnen finden Sie unten). Dies gilt selbst dann, wenn man einen Volltreffer gelandet hat, wie ich es in diesem Fall für mich in Anspruch nehme. Aber ich nehme alle Zuschriften ernst, besonders auch die kritischen, weshalb ich mich auch mit Ihnen ausführlich auseinandersetze.

Zuerst: Das, was Sie für „naiv“ halten, war – wie schon erwähnt – die zutreffendste Aussage, die man in dieser Situation am vergangenen Freitag machen konnte. Dank meiner inzwischen jahrzehntelangen Börsenerfahrung weiß ich nämlich, dass solche irrational-panischen Situationen einen Sellout darstellen, nachdem sich in aller Regel die Lage erst einmal beruhigt. Dafür gibt es massenpsychologische Gründe, auf die ich hier nicht näher eingehen will. Fakt ist aber, dass es in der Mehrheit der Fälle so ist.

Auf nichts Anderes habe ich mit der von Ihnen angesprochenen Bemerkung hingewiesen – und zwar RECHTZEITIG und nicht erst im Nachhinein, wie es keine Kunst gewesen wäre. Sie haben mich im Übrigen nicht korrekt zitiert, denn wenn ich mich richtig erinnere, habe ich gesagt, „dann sollte fürs Erste das Schlimmste überstanden sein“. Dies war – wie gesagt – in dieser Situation das wahrscheinlichste Szenario, welches auf meinen Erfahrungswerten basiert.

Selbstverständlich habe auch ich keine Glaskugel, und in Ausnahmefällen wäre auch ein sofortiger weiterer Kursverfall denkbar. Aber erstens liegt nach meiner Analyse ein solcher Ausnahmefall nicht vor, und zweitens habe ich dieser Restunsicherheit – die IMMER besteht, wenn es um Aussagen zur Zukunft geht – dadurch Rechnung getragen, das ich nicht gesagt habe „wird“, sondern „sollte“.

So, und jetzt zu dem, was in der Realität passiert ist: Tatsächlich hat sich meine Äußerung schon jetzt zu hundert Prozent bestätigt. Denn tatsächlich ist nach dem großen Ausverkauf am Montag (selbst dieser ist genauso wie erwartet eingetreten, obwohl ich mit Sicherheit nicht gesagt habe, dass es ihn am Montag „gibt“, wie Sie mich wieder falsch zitieren, sondern ich habe eine unbestimmtere Formulierung wie „könnte“ oder „dürfte“ o. ä. verwendet), tatsächlich ist also nach diesem Ausverkauf zunächst das „Schlimmste überstanden“.

Ablesbar ist dies am DAX, der momentan fast 700 Punkte über seinem Tiefststand vom Montag notiert. Und selbst wenn er in den nächsten Tagen noch einmal auf diesen Tiefststand oder leicht darunter fallen würde, wäre die Aussage immer noch ein Volltreffer, denn „das Schlimmste“ wäre dann immer noch zunächst überstanden. Nichts Anderes habe ich gesagt.

Und nun zu den weiteren Aussichten, die Sie mit dem Blick auf meine Bemerkung vom Freitag zu sehr mit der augenblicklichen Situation vermischen: Was NACH der nun eingetretenen Beruhigung passieren wird, ist nämlich eine ganz andere Frage. Hier gibt es selbstverständlich mehrere Möglichkeiten.

So ist es durchaus möglich, aber bei weitem nicht zwingend, dass die jüngsten Tiefstände erneut getestet werden. Und dieser Test, wenn er erfolgen sollte, kann erfolgreich verlaufen oder nicht. Ich habe in dieser Beziehung zwar meine Erwartungen, aber diese tun hier nichts zur Sache, weil sie nichts mit meiner Äußerung am Freitag zu tun haben.

Sie allerdings sind, wie Sie selbst zugeben, short positioniert, d. h. Sie spekulieren auf weiter fallende Kurse. Stoßen Sie sich vielleicht auch deshalb so an meiner Äußerung? Etwa weil sie Ihnen nicht in Ihr eigenes Konzept passt, das Sie sich zurechtgelegt haben?

Und nun zu Herrn Bernecker senior, den ich sehr schätze und der sogar noch einige Jährchen Börsenerfahrung mehr auf dem Buckel hat als ich. Ich kenne seine aktuelle Markteinschätzung nicht und weiß nicht, in welchem konkreten Zusammenhang er das DAX-Potential bis 8.000 Punkte erwähnt hat. Fakt ist aber, dass markttechnisch nach der 10.000er-Marke der 8.000er-Bereich die nächste große und sogar noch wichtigere Unterstützung darstellt.

Sofern Herr Bernecker diese Marke rein hypothetisch als nächste große Unterstützung in den Raum gestellt haben sollte, bis zu der das MAXIMALE Potential dieser Abwärtsphase reichen könnte, stimmen wir überein. Sollte er dagegen geschrieben haben, dass der DAX nach seiner Erwartung in dieser Abwärtsphase noch bis dorthin fallen „wird“ oder „dürfte“ oder „sollte“, dann wären wir unterschiedlicher Ansicht. Aber auch das ist an der Börse nicht schlimm, sondern gehört zum alltäglichen „Geplapper“. Die Börse lebt von unterschiedlichen Erwartungen, und in einigen Monaten werden wir sehen, wer richtig gelegen hat.

Ich jedenfalls fühle mich mit meiner Einschätzung, dass es in dieser Phase nicht dazu kommen wird, recht wohl. Aber noch einmal: Diese Einschätzung hat nichts mit meiner Äußerung am vergangenen Freitag zu tun. Diese hat auf jeden Fall Bestand, so oder so.

By the way: Auch für mich könnte diese 8.000er-Marke in den nächsten Jahren noch einmal eine wichtige Rolle spielen, wenn es zu dem von mir erwarteten richtigen Crash kommen sollte. Aber eher 2017 oder 2018, wenn der DAX bis dahin noch einmal richtig stark steigt und dann tatsächlich in eine Phase der Überhitzung hineinkommt. Im Zuge eines solchen Crashs könnte er sich durchaus halbieren.

Das, was wir jetzt erleben, ist jedenfalls kein richtiger Crash, da das, was wir zuvor gesehen haben, auch keine richtig große Übertreibung war. Zumindest nicht im DAX, über den wir hier reden. Aber das ist alles Zukunftsmusik und spielt im Zusammenhang mit meiner Äußerung vom Freitag keine Rolle.

Nun möchte ich Ihnen noch zeigen, dass man meine Äußerung auch ganz anders kommentieren kann, wie es ein Zuschauer auf meiner Facebook-Seite getan hat. Hier sein Kommentar, meine Antwort darauf und dann noch seine Replik:

Thomas Bolte schreibt:
Sehr geehrter Herr Brichta, danke an dieser Stelle für das sehr erhellende Gespräch mit Markus Koch am vergangenen Freitag. Daraus habe ich meine Strategie für den Umgang mit dieser kleinen Börsenkrise abgeleitet und gestern ziemlich am Tiefpunkt gekauft.

Raimund Brichta antwortet:
Das freut mich, lieber Thomas Bolte. Eine gewisse Börsenerfahrung zahlt sich eben manchmal aus. Aber trotzdem muss ich darauf hinweisen, dass auch wir keine Glaskugel besitzen und jegliche Handlungen, die Sie aus solchen Gesprächen oder aus meinen Blogveröffentlichungen ableiten, einzig und allein IHRE Entscheidungen sind. Wir verstehen uns bewusst nicht als Börsenratgeber, sondern als journalistisch-analytische Marktbeobachter, die Marktsituationen nach bestem Wissen und Gewissen beurteilen, dabei aber nicht immer richtig liegen müssen.

Thomas Bolte schreibt:
Genau diesen Anspruch erfüllen Sie und Ihre Kollegen bestens, Herr Brichta. Und mehr als das erwarte ich auch nicht. Die Ruhe, die Besonnenheit, die Fragen nach den tatsächlich Ursachen, die Gespräche mit erfahrenen Analysten und der Blick auf die wirtschaftlichen Fakten – all das war inmitten der Panik der vergangenen Tage sehr wohltuend, um als Privatanleger selbst eine gut überlegte Entscheidung treffen zu können…

Quelle:

https://www.facebook.com/raimund.brichta.3

Na bitte, das zeigt zumindest, dass die Welt und meine Zuschauerschaft sehr facettenreich ist 😉

Herzlicher Gruß
Raimund Brichta

15 Kommentare

  1. Sehr geehrter Herr Doktor,

    Herr Brichta will es mir überlassen, ob ich anonym bleiben möchte, oder ob ich mich an der Diskussion beteiligen will. Ich habe mich für die zweite Variante entschieden. Ich oute mich hiermit als der Verfasser der gegenständlichen Zuschrift.
    Für das, was ich getan habe, empfinde ich tiefe Scham, und ich würde es wieder tun.
    Ich habe mich aber weder bei, noch über Herrn Brichta beschwert, dies weise ich entschieden zurück. Ich habe nur meine Meinung schriftlich geäußert.
    Herr Brichta braucht es mir auch nicht recht zu machen. Er hat eine Meinung, ich aber auch. Er sagt sie, ich aber auch.
    Herr Brichta hat eine lange Erfahrung an der Börse, ich aber auch. Daher kann ich nicht glauben, dass es dies schon gewesen ist. Dazu habe ich schon zu viele heftige Korrekturen miterlebt. Ich äußerte die Vermutung, dass die Korrektur bis in den Bereich von 8000 Pkt. im Dax gehen könnte. Argumente dafür habe ich. In der Telebörse wurde öfter schon vom Tennisball-Effekt gesprochen. Damit bin ich einverstanden, wenn der Tennisball die Kellertreppe hinunter hüpft.
    Ich bin weder Optimist, noch Pessimist. Ich bemühe mich ein Realist zu sein.
    Ich bin kein Rechthaber. Sollte ich mich irren, kann ich das auch einräumen. Wir werden es sehen. Jetzt kommt der September, dann kommt der Oktober. Das waren schon oft keine guten Börsenmonate. Dies Getue um die Zinserhöhung nervt mich langsam.
    Ich würde mich außerdem auch noch nicht mit dem Crash 2017/18 beschäftigen, wo der Dax von 16000 auf 8000 Pkt. fällt. Da könnte der Wunsch der Vater des Gedankens gewesen sein.

    MfG
    Harald Schröder

    • Lieber Herr Schröder,

      haben Sie denn nicht gemerkt, dass es mir in meiner Antwort gar nicht darum ging, wer von uns beiden mit seiner mittel- bis längerfistigen Markterwartung nun “recht” hat oder nicht? Das war nicht mein Thema, denn das wird erst die Zukunft entscheiden. Mir ging es vielmehr darum, erst einmal Ihr (bewusstes oder unbewusstes) Missverstehen aufzuzeigen, dass Sie in Bezug auf meine Äußerung an den Tag gelegt hatten. Denn meine Äußerung “Danach dürfte fürs Erste das Schlimmste überstanden sein”, ist genau so zu verstehen, wie sie gemacht wurde. Nämlich so: Nach dem Ausverkauf dürfte das passieren, WAS IN DEN MEISTEN DIESER FÄLLE GESCHIEHT (selbstverständlich nicht in allen, das ist die Restunsicherheit). Und es ist tatsächlich genau das, was sich seit dem späten Nachmittag des 24.8. in der Realität abspielt. Die Lage hat sich beruhigt, und damit ist das Schlimmste fürs Erste überstanden. Nicht mehr und nicht weniger hatte ich am Freitag davor avisiert. Volltreffer also.

      Was die weitere Entwicklung anbelangt, können wir hier nun gerne darüber weiter diskutieren: Die Erfahrung zeigt, dass nach einem solchen Ausverkauf, den sie offenbar als solchen nicht erkannt haben, SCHLIMMSTENFALLS ca. 6-8 Wochen später ein erneuter Test dieses Paniktiefs erfolgt (das wäre im Oktober), der in einigen Fällen noch einmal 3-5% niedrigere Kurse bringen kann. In anderen Fällen erfolgt der Test erfolgreich, und in wiederum anderen Fällen kommt es zu diesem Test gar nicht mehr.

      Ich rechne schlimmstenfalls mit der Variante ‘erfolgreicher Test’, da es sich hier um eine Korrektur im längerfristigen Aufwärtstrend handelt und nicht um eine Baisse. Ich schließe es aber auch betont nicht aus, dass es zu diesem Test in diesem Jahr gar nicht mehr kommt.

      “In diesem Jahr” schreibe ich deshalb, weil ich mir im Gegensatz zu Ihnen auch Gedanken über die längerfristige Zyklik mache. Und diese Zyklik legt es tatsächlich nahe, dass es nach einem kräftigen Aufschwung bis 2017/18 auch wieder einmal zu einem veritablen Crash oder Baisse-Markt kommen sollte. In der Regel passiert das aber erst, wenn auch die Bewertungen in eine Übertreibungsphase hineingelaufen sind. Soweit sind wir hierzulande erwiesenermaßen noch lange nicht.

      Freundlicher Gruß
      Raimund Brichta

      P.S.
      Der Tennisball kann auch auf höherer Ebene liegenbleiben, wenn er zum Beispiel in einen Tennisballkorb gesprungen ist.

  2. Sehr geehrter Herr Brichta,

    Sie haben Ihre Antwort an mich veröffentlicht. Soweit, so gut. Nur, beide Versionen sind nicht identisch, wie ich gerade feststelle.
    Folgende Passage wurde in der veröffentlichen Version hinzugefügt, die in der Antwort an mich fehlt.

    “Sie allerdings sind, wie Sie selbst zugeben, short positioniert, d. h. Sie spekulieren auf weiter fallende Kurse. Stoßen Sie sich vielleicht auch deshalb so an meiner Äußerung? Etwa weil sie Ihnen nicht in Ihr eigenes Konzept passt, das Sie sich zurechtgelegt haben?”

    Hier wird es aber für mich dann schon problematisch. Ist das Ihre Auffassung von sauberem Journalismus? Ich überlasse es Ihnen, ob Sie sich vielleicht entschuldigen wollen!

    Da ich auf einer CFD-Plattform handeln kann, war ich Freitag und Montag short. Das ist richtig. Sie wissen, dass Positionen hier auch sehr schnell wieder glatt gestellt werden können. Ich habe Einschatzungen, Erwartungen, ich beobachte den Markt und handle dann, wenn ich es für richtig halte. Ich lege mir doch kein Konzept zurecht.
    Nochmals, ich stoße mich nicht an Ihren Äußerungen, ich habe Ihnen meine Ansicht mitgeteilt.

    Übrigens, Donnerstag habe ich im ZDF das Dokumentarspiel über Uli Hoeness gesehen. Das war schon der Härtefall, wie er da mit seinem Börsenpager rumspielte. n-tv wurde auch erwähnt. Jeder ist für sich verantwortlich, dass es bei ihm nicht soweit kommt.

    MfG
    Harald Schröder

    • Jetzt wird es aber abstrus, lieber Herr Schröder.

      Was sollte meine pure Frage, ob Sie sich vielleicht auch aufgrund Ihrer Shortpositionierung an meiner Äußerung so gestoßen haben, mit unsauberem Journalismus zu tun haben? Es handelt sich vielmehr um eine Fragestellung, die sich aufgrund der Faktenlage und aufgrund meiner Erfahrungen aus der Vergangenheit geradezu aufdrängt. Im Laufe meiner Moderatoren- und Börsenreporter-Karriere bin ich nämlich schon des öfteren für Äußerungen kritisiert worden, die entweder für zu optimistisch oder für zu pessimistisch gehalten wurden. Und selbstverständlich kam diese Kritik stets von Leuten, die gerade in die jeweils andere Richtung positioniert waren. Anstatt mich zu entschuldigen, bekräftige ich diese Frage also noch einmal.

      Zumal Ihre Einlassung dazu wenig überzeugend klingt: Sie waren Freitag und Montag short, richtig? Also waren Sie auch zum Zeitpunkt meiner Äußerung am Freitag short, richtig? Ein Shortseller spekuliert auf fallende Kurse, richtig? Folglich passte meine Äußerung nicht in Ihr Konzept, das Sie zu dem Zeitpunkt hatten, als ich die Äußerung machte, richtig?

      Und wenn Sie mit entschuldigen die Tatsache meinen, dass die betreffende Passage in der Version, die Ihnen mit separater Mail zuging, nicht enthalten war, so liegt das ganz einfach daran, dass ich den Text mehrmals hin- und herkopieren musste, so dass Ihnen offenbar nicht die letzte Fassung zuging. Aber das ist überhaupt kein Problem, da ich Sie in der veröffentlichten Version nicht mit Namen genannt hatte und diese deshalb für jeden x-beliebigen Adressaten hätte bestimmt sein können.

      Außerdem gibt es auch in Ihren Texten erhebliche Unterschiede zwischen Ihrer persönlichen E-Mail-Antwort an mich und der Version, die Sie hier auf dieser Seite eingestellt haben. Sollten Sie sich dafür etwa entschuldigen müssen? Mitnichten! Und ich glaube, dass ich dies auch nicht muss.

      Aber jetzt noch einmal zu Ihrer Einlassung zurück: Sie haben in dieser nicht geschrieben, dass Sie Ihre Shortpositionierung danach beendet hätten. Sondern Sie haben nur geschrieben, “dass Positionen … auch sehr schnell wieder glatt gestellt werden können”. Warum haben Sie wohl hier diese allgemeingültige Formulierung gewählt, während Sie zuvor noch konkret schrieben, dass SIE an beiden Tagen short waren? Ein Schelm, wer böses dabei denkt 😉

      Konkreter: In Ihrer ersten Mail an mich, gesendet am Mittwoch, den 26. August 2015 um 00:49 Uhr, schrieben Sie ebenfalls eindeutig: “Ich bin übrigens Short”. Sie schrieben nicht ‘ich WAR’, sondern “ich BIN”. Das heißt, wenn Sie da nicht gelogen haben, waren Sie auch zwei Tage später short. Auch zu diesem Zeitpunkt hat meine Äußerung demnach nicht in Ihr Konzept gepasst.

      Daran ändern auch Ihre, eher an Allgemeinplätze erinnernden Formulierungen nichts wie: Sie hätten nur “Einschatzungen” und “Erwartungen”, würden den Markt beobachten und dann handeln, wenn Sie es für richtig hielten. Das tut vermutlich jeder, der sich an der Börse engagiert. Wichtig ist aber, was hinten rauskommt, und das ist in Ihrem Fall der Plan, auf fallende Kurse zu wetten.

      Der Duden definiert die von mir gebrauchte Formulierung im Übrigen korrekt wie folgt: “jemandem nicht ins Konzept passen = mit jemandes Plänen o. Ä. nicht zusammenstimmen”. Genau dies ist hier der Fall: Meine Äußerung stimmte nicht mit Ihren Plänen zusammen. Das ist doch offensichtlich, und ich verstehe deshalb gar nicht, wieso Sie sich mit Formulierungen wie “ich lege mir doch kein Konzept zurecht” herauszureden versuchen.

      Und wenn ich persönlich Ihre Formulierungen, sie seien über meine Äußerung “verwundert” und hielten die dahinter stehende Einschätzung für “reichlich naiv”, ja sogar für “blanke Dummheit”, umschrieben habe mit, dass Sie sich daran “stoßen”, so ist das meine Interpretation, die durchaus nachvollziehbar ist. Auch hier hilft Ihnen vielleicht ein Blick in den Duden, der diese Umschreibung gleichsetzt mit “jemandes Unwillen hervorrufen.” Wer Ihre erste Mail an mich unvoreingenommen liest, der kann tatsächlich zu der Einschätzung gelangen, dass meine Äußerung Ihren Unwillen hervorgerufen haben könnte 😉

      • Noch etwas: Der Unterschied zwischen uns ist auch, dass Sie den Eindruck erwecken können, Sie hätten Ihre Shortposition rechtzeitig glattgestellt (was vermutlich nicht der Fall war), während ich zwar nicht persönlich an der Börse spekuliere, aber ein Musterdepot unterhalte und veröffentliche. Deshalb ist dort für jedermann nachvollziehbar, dass wir am Abend des 24.8. zu Schlusskursen bestimmte Positionen aufgestockt, d. h. virtuell ge-kauft haben. Das lässt sich im Nachhinein nicht beschönigen oder vertuschen. Entweder, es war eine gute Entscheidung (wovon ich ausgehe), oder nicht. So etwas nennt man, glaube ich, Transparenz 😉

  3. Hallo Herr Brichta,

    machen Sie es doch nicht so kompliziert. Sie hätten Jura studieren sollen, Sie wären sicher ein guter Advokat geworden. Den Duden brauchen Sie nicht gegen mich zu verwenden.
    Zunächst, Sie haben mir eine Antwort geschickt, diese Antwort stimmt nicht mit der veröffentlichten Antwort überein. Das ist Fakt. Das macht man eigentlich nicht. Wenn Ihnen das unbeabsichtigt passiert ist, dann ist die Sache doch erledigt.
    Als Börsenreporter sollten Sie Ihren Zuschauern auch nicht nach dem Mund reden. Der Börsenreporter sollte mit innerer Distanz die Fakten sammeln, analysieren und dann sachlich nach bestem Wissen ausgewogen berichten. Egal, was der Zuschauer davon hält. Alles Andere wäre Hofberichterstattung.
    Ich habe auch nur meine Meinung geäußert, sonst nichts. Ich wollte Sie weder beleidigen, noch kritisieren.
    Ich war Freitag und Montag short und ich habe auch realisiert. Das wollten Sie doch wissen. Wollen Sie jetzt auch noch den Betrag wissen, den ich gewonnen habe. Ich denke, darüber decken wir mal den Mantel des Schweigens. Ich bin Privatmann, Ich erhebe keinen Anspruch auf Transparenz. Ich bin nur transparent für das Finanzamt.

    Ich bleibe Ihnen wohlgesonnen!

    MfG

    Harald Schröder

    • Lieber Herr Schröder,

      ich denke, dass es sinvoll sein kann, Worte nach Ihrer Bedeutung hin abzuklopfen – und zwar gerade in der Öffentlichkeit und gerade dann, wenn es unterschiedliche Interpretationen zu geben scheint wie in diesem Fall. Nichts anderes habe ich getan. Dass dies Juristen auch tun müssen, gerade wenn es um die Auslegung von Gesetzestexten geht, steht auf einem anderen Blatt. Ich persönlich jedenfalls fühle mich in meinem Beruf wohler 😉

      Die Sache mit dem fehlenden Absatz haben wir jetzt wohl hinreichend besprochen, so dass sie keiner weiteren Worte mehr bedarf.

      Und was Ihre persönlichen Spekulationsgeschäfte anbelangt, habe ich nichts anderes erwartet, als dass Sie mir hier über einen erfolgreichen Abschluss berichten werden 😉 Es bleibt aber dabei, dass Sie mir noch am MITTWOCH schrieben, dass Sie short sind. Auch jetzt schreiben Sie nur, dass Sie realisiert hätten, aber nicht wann. Drücken Sie sich mit Absicht so ungenau aus?

  4. Hallo Herr Brichta,

    zunächst, ich habe schon zwei Zuschriften geschickt, die beide nicht freigegeben wurden. Ich finde das nicht in Ordnung. Ich kann mich beim besten Willen nicht daran erinnern, irgend etwas beleidigendes geschrieben zu haben. Ich bekenne hiermit , dass ich der Verfasser der besagten Zuschrift bin.
    Was ich geschrieben habe: ich halte Ihre Aussage für naiv! Das will ich aber nicht so verstanden wissen, das ich Sie für naiv halte.
    Weiter, Sie stellen eine Antwort ins Netz, die mit der Antwort an mich nicht übereinstimmt. Das ist nicht in Ordnung. Das macht man nicht. Das habe ich Ihnen auch geschrieben.
    Jetzt zu Ihrer Aussage, die Bären würden sich aber schwertun. Der Tageschartverlauf der letzten Tage sieht nicht optimistisch aus. Die nächsten Tage werden es zeigen, welche Richtung er nun nimmt. Darüber brauchen wir uns nicht zu streiten, wir warten es einfach ab.
    Für Optimismus besteht für mich aber kein Anlass. Ich hatte Ihnen ebenfalls geschrieben, Sie mögen sich bitte einmal den Verlauf des Tagescharts im Dax während der letzten Korrektur im August 2011 ansehnen. Die beschreibt einen Tennisball, der die Kellertreppe runterhüpft. Das würde bedeutet, wir werden noch weitere Tiefs sehen.
    Mal schauen, wer nun recht hat.

    MfG

    Harald Schröder

    • Lieber Harald Schröder,

      Ihre Aufregung ist etwas übertrieben.

      1. Ihre beanstandeten Kommentare sind inzwischen freigeschaltet worden. Da es sich hier redaktionell um eine One-man-Show handelt, mag es manchmal etwas dauern, weil ich auch anderweitig noch vielfältige Aufgaben habe. Sie können aber sicher sein, dass nichts verloren geht, und jeder an die Reihe kommt.

      2. Ihre Einschränkung, dass Sie meine Aussage für naiv hielten und nicht mich, ist akzeptiert. Für die Überschrift erschien mir aber diese Version kürzer und knackiger. Ich bitte um Verständnis 😉 Andererseits müssen Sie mich ja zumindest in diesem Moment, in dem ich die Aussage traf, auch für naiv gehalten haben, oder? Dann würde es wieder passen.

      Im Übrigen haben Sie mir, wenn ich mich richtig erinnere, an anderer Stelle einmal Wortklauberei vorgeworfen, als ich mich darum bemühte, die Bedeutung meiner Wortwahl genauer zu erläutern. Dies tun Sie mit dieser Unterscheidung nun auch. Insofern herrscht jetzt also wieder Gleichstand 😉

      3. Warum ein Absatz, der in meiner Antwort hier erschien, in der persönlichen Mail an Sie fehlte, habe ich bereits erklärt. Ich denke, damit sollte auch dieser Vorwurf aus dem Weg geräumt sein. Oder?

      4. Sie haben Ihren obigen Kommentar bereits am 5.9. eingereicht. Leider komme ich erst jetzt dazu, mich um ihn zu kümmern. Bitte entschuldigen Sie dies. Andererseits kann es auch von Vorteil sein, wenn man eine Angelegenheit mit etwas mehr zeitlichem Abstand betrachtet – vor allem an der Börse.

      So schrieben Sie am 5.9., der Chart “der letzten Tage” (also von Anfang September) sehe “nicht optimistisch aus”. Nun haben wir Ende September, und es ist immer noch nichts gravierend Neues passiert. Das heißt, im Prinzip ist genau das eingetreten, was ich am 21.8. im Vorhinein avisiert hatte, und was Sie damals als “naiv” bezeichneten: Nach dem Paniktief am 21.8. (welches ebenfalls von mir vorausschauend avisiert wurde) kam es in den Wochen danach zu der von mir erwarteten Beruhigung.

      Ein nochmaliger Test des Paniktiefs einige Wochen später gehört ebenfalls zu den erwartbaren Börsenreaktionen – und in dieser Phase befinden wir uns jetzt. Warten wir also einfach mal ab, wie dieser Test ausgeht. Klar ist, dass die Bären jetzt gefordert sind, da sich das saisonale Zeitfenster für neue Tiefs im Lauf des Oktober schließen wird. Das heißt, WENN der Durchbruch gelingen soll, dann sollte dies bis spätestens Ende Oktober geschehen.

      5. Und noch etwas: Am letzten Wochenende traf ich Hans Bernecker zufällig am Frankfurter Flughafen. Ich sprach ihn darauf an, dass er angeblich einen Rutsch bis 8.300 DAX-Punkten prognostiziert habe (was Sie mir schrieben), er konnte sich daran aber nicht erinnern und sprach mir gegenüber von 9.300.

  5. Hallo Herr Brichta,

    anbei ein Auszug aus der AB daily vom 25.8, die ich auf die Schnelle finden konnte. Da können Sie es nachlesen. Er nennt hier ganz klar den Bereich von 8400/8600, allerdings als worst case, aus seiner Sicht. Das möge reichen. Niemand kann in die Zukunft schauen. Auch Herr Bernecker nicht. Entsprechend sind alle Prognosen zu behandeln. Die Prognosen von Herrn Bernecker stimmen auch nicht immer. Den durchaus erreichbaren 8000-Bereich ( das heißt nicht genau 8000 Punkte) habe ich aber auch schon von anderen Analysten gehört. Es kann auch noch weiter runtergehen. Schaun wir mal, was kommt.

    Ich kann den Dax nicht runterreden und Sie können ihn nicht raufreden. Wir schauen nun aber nicht mehr zurück, sondern nach vorne. Um die Jahreswende wissen wir mehr.

    Nur soviel noch, die Bären müssen sich anstrengen, im Oktober schließt sich das Zeitfenster?? Schaun Sie sich den Chartverlauf vom letzten Oktober doch mal an, dann wissen Sie auch, wie weit der Dax in Oktobern noch fallen kann. Das Laub fällt im Einklang mit dem Dax. Ich kann nun sehr eindeutig beweisen, dass es Korrekturen gegeben hat, wo dem ersten Tief zumindest ein weiteres, wenn nicht mehrere tiefere Tiefs folgten, siehe z.B. 2011 !!

    Ich bleibe Ihnen und ihrer Sendung wohlgesonnen.

    Mit feundlichem Gruß

    Harald Schröder

    Auszug aus AB daily vom 25.8.:
    Das genaue Chartbild im DAX entnehmen Sie bitte der nächsten „Actien-Börse“, wozu die Zeit gut reicht. Es gibt zwei Haltepunkte, nämlich 9.200/9.400 im DAX oder 8.400/8.600 Zähler als Worst-Case und extrem günstige Einstiegschance. Für den Dow Jones dürfte die erste Auffanglinie bei 14.750 liegen Für alle anderen Indizes gibt es keine klaren technischen Indikationen. Das Ganze ist mit ruhiger Hand abwarten. Wir haben also Zeit.

    • Das liest sich vollkommen anders als bei Ihnen:

      Sie: „Der Dax hat Potential bis 8000Pkt, der Dow bis 14700 Pkt, dies hat er (Bernecker) heute in seinem täglichen Börsenkommentar geschrieben.“

      Tatsächlich heißt es aber bei Bernecker: „Es gibt zwei Haltepunkte, nämlich 9.200/9.400 im DAX oder 8.400/8.600 Zähler als Worst-Case und extrem günstige Einstiegschance. “

      Also im Mittel: 9.300 (da hat er gehalten) oder im Worst Case 8.500 (nicht 8.000 wie Sie behaupten). Und dann aber als „günstige Einstiegschance“.

      Im übrigen bewertet Bernecker das Tief vom 21.8. ähnlich wie ich, nämlich als Paniktief, das er mit dem 16.10.14 vergleicht. Also: Sie sollten erst mal nachdenken, bevor Sie in die Tasten hauen 😉

      Herzlicher Gruß
      Raimund Brichta

      P.S. Was Sie jetzt immer noch nicht klar und deutlich gesagt haben, ist: WANN haben Sie Ihre Shortpositionen aufgelöst?

  6. Hallo Herr Brichta,

    dann sage ich es Ihnen jetzt ganz klar und deutlich. Das geht Sie einen „Feuchten Kehricht“ an! Hätte ich das bloß nicht geschrieben?
    Was verdienen Sie denn so bei n-tv? Das hätte ich dann auch gerne auch mal gewußt?

    MfG

    Harald Schröder

    • Warum sind Sie plötzlich so indigniert? Ich habe Sie doch nicht nach der Höhe Ihrer Gewinne gefragt, sondern nur nach dem Datum Ihrer Glattstellung, da Sie sich zuvor damit gebrüstet hatten, „rechtzeitig“ wieder ausgestiegen zu sein. Und da hatte ich eben einen Widerspruch zu den Angaben in Ihrer ersten Mail entdeckt, in der Sie schrieben, dass Sie immer noch short seien. Ts, ts …

  7. Hallo Herr Brichta,

    Also sind wir wieder freundlich. Ob long, ob short, ich liebe alle Frauen! Lassen wir das Thema! Konzentrieren wir uns mal nur auf die Indizees. Was sollte ich dazu sagen, wenn ich n-tv nicht hätte! Ich bleibe weiter pessimistisch. Ich halte ein Abgleiten in den Bereich von 8400-8600 Pkt. weiterhin für möglich. Das bisherige Verlaufstief vom 24.8 wurde ja schon unterboten, wenn auch nur kurz. Es muß aber nicht so kommen, das weiß ich auch. Die Zeit läuft, mal schauen wer recht hat. Der Oktober ist noch lang.

    MfG
    Harald Schröder

    • Und genau der Fehlausbruch auf der Unterseite, den Sie beschreiben, sollte Ihnen zu denken geben, werter Herr Schröder. Das Zeitfenster für die Bären wird immer enger, und viele von Ihnen flüchten bereits, indem sie ihre Positionen schließen…

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