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Depotvorschlag: Chemed Corp.

28. November 2021 - Sandro in Depotvorschlag | 5 Kommentare

Das US-amerikanische Unternehmen Chemed (WKN A0CBF4) beschäftigt 15444 Mitarbeiter, hat eine Marktkapitalisierung von ca. 7,34 Mrd. US-$ und hat zwei gänzlich voneinander unabhängige Standbeine.

Das erste Standbein ist das Tochterunternehmen „Vitas Healthcare“, welches alle Geschäftsfelder der Hospiz-Pflege umfasst, bis hin zur seelischen Betreuung von Angehörigen. Dabei werden auch freiwillige Mithelfer eingebunden. Vitas hat 10.900 Mitarbeiter, davon 4400 „nurses“ und hat 49 Standorte in 14 US-Bundesstaaten + District Columbia, mit insgesamt 7 % Marktanteil an „hospice services“ in den USA (größter US-Anbieter).

Das zweite Standbein ist das Tochterunternehmen Roto-Rooter, welches 1935 gegründet wurde und in den Bereichen Rohr- /Abflussreinigung, Erdarbeiten, Klempnerdienstleistungen und Wasseraufbereitung in fast allen US-Bundesstaaten und Canada tätig ist: – Largest provider of plumbing and drain cleaning services in North America, Provides plumbing services to approximately 90% of the United States and 40% of the Canadian population, – Provides plumbing and drain cleaning services in 127 company-owned territories and 369 franchise territories – Maintains an estimated 15% of the drain cleaning market and 2-3% share of the same-day service plumbing market – Residential customers represent 69% of revenues, while commercial customers represent 23% of revenues Im Jahr 2020 erzielte Vitas 64 % des Gewinns und Roto-Rooter 36 % des Gewinns (Vorjahr 66 % und 34 %).

Seit dem Jahr 2000 befindet sich der Aktienkurs im Aufwärtstrend und schlägt seitdem auch den S & P 500 Index (siehe Grafik). Ich möchte aber auch nicht verhehlen, dass sich der Aktienkurs 3 Jahrzehnte lang zuvor seitwärts bewegte, mit einem kurzzeitigen starken Einbruch 1974. Ich denke allerdings, dass ein Beobachtungszeitraum von 20 Jahren ausreicht, um zu behaupten, dass sich das Unternehmen zu einem wahren Wert entwickelt hat. Die Eigenkapitalqoute liegt bei 59 % und ist recht stabil.

Die Geschäftsfelder sind nahezu konjunkturunabhängig. Man erkennt auch im Chart, dass sich der Kurs in den Krisenzeiträumen 2000 – 2003, sowie 2008 – 2009 entgegen dem Markttrend sehr gut behaupten konnte. Auch in der Coronakrise verlor der Kurs etwas weniger als der S&P500-Index und konnte sich viel schneller wieder erholen. Alles in allem erscheint mir die Aktie langfristig gut geeignet für ein defensiv orientiertes Depot, insb. unter dem Gesichtspunkt Krisensicherheit/Systemschutz.

Seit Januar 2021 ist der Aktienkurs allerdings in einer Korrekturphase, und es erscheint mir diskutabel, ob jetzt ein guter Einstiegszeitpunkt jetzt gekommen ist, oder ob man die weitere Entwicklung zunächst noch abwarten sollte.

Grafik: Vergleich des Chemed-Charts mit der Entwicklung des S&P500-Indexes

5 Kommentare

  1. Sowas gibt‘s wohl nur in den USA: Hospiz und Klempner/Rohrreiniger unter einem Dach! Aber die Geschäftsentwicklung und der Kursverlauf der letzten 20 Jahre sind nicht schlecht. Die Kombi scheint es in sich zu haben. Auch die Eigenkapitalausstattung ist okay.

    Diskussionswürdig ist allerdings die Frage, ob ein menschlich und gesellschaftlich so sensibler Bereich wie die Betreuung von todgeweihten Menschen in die Hände eines profitorientierten Unternehmens gehört? Darf man Hospizarbeit der Gewinnmaximierung unterwerfen? Oder sollte man solche Dienste besser karitativen oder zumindest gemeinnützigen Einrichtungen überlassen? Was meint Ihr?

    Rein charttechnisch zeigt die Aktie seit gut 2 Jahren Ermüdungserscheinungen. Ist das ein Luftholen vor dem nächsten Durchstarten oder das Zeichen einer oberen Umkehr? Bis jetzt ist es zumindest keine zwingend trendbestätigende Konsolidierungsformation wie eine Flagge.

    Falls die Wahre-Werte-Gemeinschaft das Prinzip der Gewinnerzielung mit Todgeweihten akzeptiert, würde ich den Hospiz-Klempner zumindest mal auf die Ersatzbank setzen wollen.

  2. Langfristig ist der Chart übrigens sehr gut mit Rollins vergleichbar. (Auch der Aktienkurs von Rollins bewegte sich 3 Jahrzehnte seitwärts (mit starkem Einbruch 1974) und entwickelte sich dann (parallel zum Aktienkurs vom Chemed) seit mittlerweile über 20 Jahren sehr positiv). Ein Vorteil gegenüber Rollins wäre das niedrigere KGV der Chemed-Aktie.

    Anbei noch einmal eine Grafik (s. u.) zur Kursentwicklung seit dem Corona-Tief von März 2020 – kurzfristig bleibt der Kursanstieg deutlich hinter demjenigen des S&P500-Index zurück. Das kann man als Chance sehen oder auch als Schwäche werten.

    Vielleicht klingt das etwas makaber: Hospizpflege = Geschäft mit dem Tod? Ich hätte allerdings auch kein Problem damit, im Bestattungsbereich („todsicheres“ Geschäftsmodell) zu investieren. Denn es sind Dienstleistungen, die benötigt werden und an denen nichts Verwerfliches ist. Sogar im Gegenteil: Es ist gut, dass es sie gibt, obwohl manche Leute sicher gerne einen Bogen darum machen.

    Die Frage: „Darf man Hospizarbeit der Gewinnmaximierung unterwerfen?“ kann man natürlich unterschiedlich beantworten. Die Frage nach dem Konflikt mit der Gewinnmaximierung stellt sich allerdings auch bei anderen Geschäftsfeldern, z. B. wo es um Menschenleben oder um soziale Themen geht. Auch Pharmaunternehmen sind bspw. im Zwiespalt zwischen Gewinnmaximierung und der günstigen Bereitstellung von lebensrettenden Medikamenten. Kliniken sind ebenfalls im Zweispalt, gewinnbringend lebenrettende oder die Lebensqualität stark verbessernde Behandlungen durchzuführen, die sich (insb. in den USA) nicht jeder leisten kann. Ganz nebenbei produzieren Pharmaunternehmen mit Gewinn auch Medikamente, die ebenfalls bei der Hospizpflege verabreicht werden.

    Zumindest kooperiert Chemed nach eigener Aussage ja auch mit ehrenamtlichen Mitarbeitern. Ob karikative bzw. gemeinnützige Einrichtungen alleine die Hospizarbeit überhaupt vollständig und mit gleicher Qualität/Professionalität stemmen können, wäre eine weitere Frage. Zumindest in den USA scheint das nicht der Fall zu sein, obwohl es ja gerade in den USA sehr viele wohltätige Stiftungen gibt.

    p.s.: Kurz nach dem Depotvorschlag bin ich übrigens mit einer kleinen Anfangsposition in Chemed eingestiegen, als der Kurs noch einmal nachgab. Etwas später gab es im Chart dann einen Ausbruchsversuch nach oben. Den Tiefpunkt im Oktober habe ich zwar nicht exakt getroffen, darf mich aber aktuell über 16,13 % plus freuen – nicht schlecht für den kurzen Zeitraum. Am „Black Friday“ vergangener Woche verlor Chemed 1,82 % – der kurzfristige Ausbruchsversuch scheint nun zumindest zunächst gestoppt.

  3. In meinen Augen ist das Geschäftsmodell nicht von vornherein unethisch. Natürlich wäre eine rein gemeinnützige Versorgung wünschenswert, ist aber nicht immer möglich. Und da machen Versorger einen unglaublich wichtigen Job. Nur kommt es hier sicher auf die Ausgestaltung und Governance an. Meine Empfehlung: Ersatzbank auf Bewährung.

    Bin eher gespannt ob sich langfristig diese zwei Standbeine managen lassen, es entspricht nicht unbedingt der aktuellen Managementliteratur 😉

  4. Ich habe den Wert mal durch den Aktienfinder.net gejagt, mit einigen interessanten Ergebnissen:
    – mickrige Dividende von 0,3% seit 21 Jahren nicht gesenkt, seit 13 gesteigert; Ausschüttungsquote auf Gewinn 7,4% auf Free CF 8,2% (da wird also gebunkert)
    – letzte 10 Jahre Gewinnzuwachs durchschnittlich 17%; letzte 5 Jahre 25%
    – zur Zeit in allen historischen Belangen gegenüber fairen Wert überbewertet (Gewinn, Dividende, FCF)
    – Schuldenquote 4,1%; aus FreeCF Schulden innerhalb von 7 Monaten tilgbar
    – von 2006 bis heute: ausstehende Aktien fast halbiert
    hier habe ich eine Analyse gefunden: https://aktieninvestor.net/chemed-corp-wenig-bekannte-aktie-mit-starken-zahlen/

    Ach so: als bekennender Christ habe ich nichts gegen Hospizpflege gegen Entgelt, wenn – wie hier – der Regelfall die Abrechnung beim Versicherungsträger ist

  5. Tja, die Aktienkurse purzeln heute wieder, aber der Chemed-Kurs stemmt sich dagegen. Holt gerade wieder zu einem Ausbruchsversuch aus, was mich im Glauben um den defensiven Charakter der Chemed-Aktie bestärkt (mal sehen, ob das noch heute nachmittag hält, wenn die Nyse eröffnet).

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