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Depotvorschläge: 3 Lebensmittel-Aktien

25. Januar 2016 - Gastbeitrag von Sandro in Allgemein | 16 Kommentare

Genauso, wie sich die Dame auf unserem Beitragsbild am Kopf kratzt ob der Riesenauswahl, die ihr das Lebensmittelregal bietet, dürften sich viele Anleger kratzen, wenn es um die Entscheidung für die richtigen Aktien geht. Welche Aktie ist ein wahrer Wert und welche nicht?

 

Unser Leser Sandro, der nach wie vor „sandronym“ bleiben möchte, hat diese Frage für sich beantwortet und 3 Lebensmittel-Aktien auserkoren. Hier seine Argumente:

 

Beim Stöbern in Lebensmittelaktien sind mir drei Werte besonders aufgefallen: 1. Brown-Forman Corporation 2. Hormel Foods Corporation, 3. Kerry Group.

Das Nestle-Motto „gegessen wird immer“ klingt zwar sehr gut, doch die Aktienkurse der meisten Lebensmittelhersteller sind trotzdem sehr volatil. Viele haben offenbar mit zyklischen Margen zu kämpfen und sind Risiken ausgesetzt, wie etwa der Abhängigkeit von klimatischen Verhältnissen, von Ernteausfällen, Tier-Seuchen oder auch von der Wasserqualität (z.B. Fischzüchter, Seafood-Erzeuger). Am stabilsten entwickeln sich nach meinem Eindruck die Aktienwerte der Erzeuger von weiterverarbeiteten Lebensmitteln, zu denen neben den drei o.g. Unternehmen auch der Depot-Wert Nestle gehört. In den letzten Jahren haben Aktien von Lebensmittelherstellen recht stark aufgewertet. Entsprechende Branchenindizes schlagen DAX und Dow. Wehrmutstropfen: hohe KGVs.

1. Brown-Forman Corporation

Ich weiß zwar nicht, ob in einer Krise mehr gesoffen wird als üblich, aber Aktien des Spirituosenherstellers Brown Forman (Sitz: Louisville, KY, USA) haben sich in den letzten Jahrzehnten fast immer als sehr gute Wahl erwiesen. Im Zeitraum 2006-2010 sorgte aber nicht nur der Angels‘ share für Verluste. Ab 2006 war der Aktienkurs in Schwierigkeiten, machte den steilen Anstieg von DAX und Dow in den 2 Jahren vor Ausbruch der Finanzkrise nicht mit, verlor im Anschluss in der Finanzkrise dann aber weniger als DAX und Dow. Danach ging es „hochprozentig“ weiter, vor allem mit dem Aktienkurs des Herstellers von Whisky, Wein, Champagner, Vodka, Tequila und Likör. Das Unternehmen stellt die Jahresabschlussberichte der Vergangenheit auf der Homepage als pdf-Download zur Verfügung. Daraus geht auf den ersten Blick hervor, dass ab 2006 Umsatz und Gewinn keineswegs zurückgingen, wohl aber die Margen. Einzig im Jahr 2009 musste das Unternehmen leichte Umsatz- und Gewinneinbußen verbuchen, keineswegs aber einen schweren Einbruch von Umsatz und Gewinn. 2009 wurde allerdings auch 6% der Belegschaft entlassen. Von den Jahren 2006-2010 abgesehen, machte der Aktienkurs in der Langzeitbetrachtung von den 70er Jahren bis heute viel Freude. Vom Ende des zweiten Weltkriegs an ist das Unternehmen ein Musterbeispiel für beständige Wertentwicklung. Es überlebte die Weltwirtschaftkrise und zuvor die Prohibition mit medizinischem Alkohol. Ich halte das Unternehmen daher für eine wahren Wert und unterstelle die Widerstandsfähigkeit gegen eine Finanzkrise unter Vorbehalt, da im Verlustzeitraum 2008-2009 nicht nur die Finanzkrise wirkte, sondern offenbar zuvor und zeitgleich andere negative Effekte hinzukamen, die, wie gesagt, tatsächlich nur im Jahr 2009 zu leichten Umsatz- und Gewinneinbußen führten (wenn ich die Zeit finde, mache ich mir gerne die Mühe, mehr darüber herauszufinden). Aktuelle Daten: Umsatz 2014: 4,1 Mrd. USD, Eigenkapitalquote 2014: 49,52%. Seit 2009 stetiges Umsatz- und Dividendenwachstum. In den letzten 5 Jahren 135,11% Kursplus (58,89% Kursplus relativ zum S & P 500). Annualisierte Kursrendite über 2 Dekaden: 12,28% p.a. Freefloat = 92,66%. Leider liegt das KGV zum 1. Dez. 2015 bei etwa 30, wobei der Kurs etwa 7% unter dem Jahreshoch notiert.

2. Hormel Foods:

Die Hormel Foods Corporation mit Sitz in Austin, Minnesota, USA, gegründet 1891, produziert Fleischprodukte, Teigwaren, Eier und Speiseöle. Bekannt ist das Unternehmen vor allem in den USA und vor allem für die Fleischprodukte. Wurst, Frühstücksschinken, Fertiggerichte und Delikatessen: Alles dabei. Das Unternehmen besitzt eine Reihe von Eigenmarken. Kunden sind der Einzel- und Großhandel, Restaurants und öffentliche Einrichtungen. Umsatz 2014: 9,32 Mrd. USD. Eigenkapitalquote im Jahr 2014: 66,09%. Aktionärsstruktur: Freefloat= 50,97%, 48,56% im Besitz der Hormel Foundation. Wie der Wert fast aller Aktien, musste auch derjenige der Hormel Foods-Aktie in der Finanzkrise 2008-2009 einbüßen, jedoch weniger als DAX und Dow. Davon abgesehen, steigt und steigt und steigt der Kurs: In USD verteuerte sich die Aktie innerhalb von 20 Jahren um 1123% (annualisiert 11,3% p.a.), innerhalb von 5 Jahren um 205,3% und in den letzten 10 Tagen um mehr als 12%. Das Unternehmen zahlt seit dem Börsengang im Jahr 1928 immer eine Dividende. Sie wurde das 50. Jahr in Folge (!) erhöht (Quelle: http://www.finanzen.net/nachricht/aktien/Hormel-Foods-steigert-die-Dividende-das-50-Jahr-in-Folge-4621967 ). Die auf der Website von Hormel angegebene Dividenhistorie reicht von 1991 bis 2015. Nachgerechnet stieg die Dividende demnach über 25 Jahre durchschnittlich um 10,7% p.a. Laut Web-Information von Hormel stieg sie in den letzten 5 Jahren sogar um 17,3% p.a. Nach der steilen Kursrally liegt das KGV leider mittlerweile (am 1. Dez. 2015) bei 28,4.

3. Kerry Group:

Gegründet 1972, Hauptsitz in Tralee, Irland, ist Kerry Group Weltmarktführer für Nahrungsmittelzusatzstoffe und Aromen, beliefert große Supermarktketten und Discounter, vor allem in GB, Irland und USA. Aber auch Aldi und Lidl werden auf der Homepage von Kerry als Kunden genannt, und auch andere Lebensmittelhersteller sind Kunden. Das Unternehmen besitzt zudem diverse Eigenmarken. Im Portfolio sind u.a. Milch- und Fleischprodukte, vor allem Fertiggerichte und außerdem auch Delikatessen. Insgesamt stelle das Unternehmen 15000 unterschiedliche Produkte her, behauptet finanzen.net (laut Wikipedia sind es „nur“ 10000 Produkte). Erwarteter Umsatz im Jahr 2015: 5,96 Mrd. Euro (sagt Comdirect). Die Kurshistorie der Aktie kennt im Wesentlichen nur eine Richtung: Aufwärts. In der Finanzkrise 2008-2009 verlor die Aktie an Wert, schlug sich aber besser als DAX, Dow und FTSE. Die Eigenkapitalquote betrug im Jahr 2014 37,46% und liegt damit wohl eher am unteren Ende der Skala für einen wahren Wert. In den Jahren zuvor stieg sie allerdings meist und wird sich wohl (Prognosen zufolge) auch in den nächsten Jahren – zumindest leicht – verbessern. Gewinn und Umsatz entwickelten sich zuletzt nicht ganz so stetig wie bei den anderen beiden o.g. Unternehmen und gingen in den letzten Jahren – im Gegensatz zur Entwicklung des Aktienkurses – gelegentlich auch mal zurück. In der Langzeitbetrachtung wächst das Unternehmen sehr beständig. Die Dividende ist sehr niedrig, wird aber stetig angehoben. Sie stieg innerhalb von 28 Jahren von 0,375 p. (=0,48 ct., record date 13/05/1987) auf 45 ct. (record date 10/04/2015). Dies entspricht einer Dividendensteigerungsrate von 17,6% p.a. Ohne das verzerrende Jahr 1986-1987 ergibt sich eine Dividendensteigerungsrate von etwa 13,63 % p.a. über 27 Jahre. Siehe dazu das folgende pdf-Dokument des Unternehmens mit der Darstellung von versch. Wachstumsraten: http://www.kerrygroup.com/docs/Business-Description-Aug-2015.pdf . (Anmerkung: Die nicht im pdf sondern direkt auf der Homepage dargestellte Dividendenhistorie erscheint fehlerhaft. Die dortigen Einträge für die letzten Jahre entsprechen anscheinend GBp statt EURO-cent). Der Aktienkurs stieg innerhalb von 20 Jahren um 923,7 % (annualisiert: 12,3% p.a.), seit 2009 allerdings deutlich stärker als zuvor. Das KGV hat sich seit 2009 (wie bei vielen Aktien) ebenfalls deutlich erhöht, aktuell (1. Dez. 2015) beträgt es etwa 25. Aktionärsstruktur: Freefloat = 86,33 %.

Angesichts der KGVs habe ich Zweifel, ob die 3 o.g. Aktien für ein Wahre-Werte-Depot geeignet sind. Ich meine aber, es könnte sich lohnen, diese Aktien weiter zu beobachten. Ich habe mir selbst bislang nur einen der drei Werte ins Depot gelegt.

16 Kommentare

  1. Update: Aktuelle KGV-Schätzungen für 2016:

    Brown-Forman: KGVe = 24,52
    Hormel Foods: KGVe = 25,97
    Kerry: KGVe = 21,97

    Weitere Anmerkungen:

    1. Ich hatte meinen Beitrag am 1. Dez verfasst, bevor es mit den Kursen wieder deutlich abwärts ging. Hormel und Kerry haben sich seitdem gut geschlagen (kaum verloren) und scheinen sich als wahre Werte zu behaupten. Brown-Forman hat inzwischen deutlicher verloren: Die Aktie ist vielleicht – immer noch – zu teuer.

    2. Um mehr über die möglichen Probleme von Brown-Forman in den Jahren 2006-2010 herauszufinden, lohnt vielleicht auch ein Blick auf die Bruder-Aktie Constellation Brands: Sie steckte im gleichen Zeitraum noch deutlicher in Problemen. (Aktuell ist deren Kurs allerdings entgegen der aktuellen Marktstimmung unbeirrt im Höhenflug, konnte aber in der Vergangenheit nicht eine vergleichbare Beständigkeit wie der Kurs von Brown-Forman aufweisen).

    • Aufgrund meiner vielfältigen Verpflichtungen kann es tatsächlich vorkommen, dass Depotvorschläge längere Zeit in der Warteschlange hängen. Da die Beurteilung von wahren Werten ohnehin nur auf langfristigen Einschätzungen beruht, stellt dies m. E. aber kein Problem dar. Eventuelle Ergänzungen können – wie in Ihrem Fall – nach Veröffentlichung jederzeit nachgereicht werden.

      Wichtig zu wissen ist auf jeden Fall, dass JEDER Vorschlag von uns veröffentlicht und diskutiert wird.

      • Ich hatte mir schon gedacht, dass es bei drei Vorschlägen auf einmal sehr lange dauern würde, zumal es ja nicht meine ersten Vorschläge waren und ich daher auch vollstes Verständnis habe, wenn in so einem Fall erst einmal andere Vorschläge vorgezogen werden. Aber das Schöne an „Wahren Werten“ ist ja, dass sie auch weiterhin wahre Werte bleiben, anderenfalls sind sie ja nicht wirklich wahre Werte – da ist es dann auch gar nicht so eilig 😉 .

        P.S. Das Bild mit der Riesenauswahl im Supermarktregal ist wirklich sehr treffend. 😉

        • Ja, große Auswahl an Produkten stimmt, aber angeboten von nur wenigen großen Playern. Das macht diese Branche für mich so interessant!

  2. Wenn ich davon ausgehe, dass wir maximal einen Ihrer drei Vorschläge ins Depot aufnehmen, lieber Sandro, gibt es für mich einen klaren Favoriten:

    Hormel Foods (WKN 850875)

    Das Unternehmen hat sowohl eine beeindruckende Aktienkurs-Historie als auch eine überzeugende Eigenkapitalquote von 65 %. Auch das KGV von 26 halte ich im Vergleich zu unseren anderen Depotkandidaten für akzeptabel – zumal sich dieses KGV bis zu einer endgültigen Depotaufnahme noch reduzieren könnte, wenn der Kurs noch etwas fallen sollte.

    Die Kerry Group hat dagegen nur eine Eigenkapitalquote von 37 %, was für unsere Ansprüche zu wenig ist. Zugegeben, damit steht sie noch besser da als unser Depotkandidat Colgate-Palmolive, aber dieser sollte die absolute Ausnahme in unserem Depot darstellen. Colgate hat vor allem deshalb unsere Gnade gefunden, weil die Firma weltweit eine so überragende Marktstellung aufweist. In dieser Hinsicht kann Kerry nicht ganz mithalten.

    Bei Brown-Forman liegt die Eigenkapitalquote mit 45% auch nur am untersten Rand des akzeptablen Bereichs. Hier stört mich außerdem eine Reihe von „Hicksern“ im langfristigen Chart. Ich meine die unmotivierten Abrutscher, die an einen Betrunkenen erinnern, der von Zeit zu Zeit zu Boden fällt. Ich weiß zwar nicht, was die jeweiligen Ursachen waren, aber eine solche Aktie muss ich nicht unbedingt im Depot haben. Strittig ist auch, ob Alkohol einen wahren Wert verkörpert – auch wenn ich das für Champagner bejahen würde 😉

    Also: Von meiner Seite Daumen hoch für Hormel Foods!

    • Die perfekte Aktie ist schwer zu finden. Ich fand, dass jede dieser drei Aktien trotz der Makel etwas zu bieten hat, was viele andere Aktien nicht bieten können:

      Bei Brown-Forman ist es die Tatsache, dass sich diese Aktie über ein halbes Jahrhundert überdurchschnittlich entwickelt, trotz der „Hickser“. Ich erinnerte mich an eine Zeit, als mich gleich mehrere Anlageberater zur Unterschrift unter Renten-, Lebensversicherungs- und Riesterverträge bewegen wollten. Allein die hohe Provision, die bei solch einem Abschluss fällig wird, in solch eine Aktie investiert, würde auch ohne weitere Zuzahlungen nach 3-4 Jahrzehnten vermutlich schon fast genauso viel erwirtschaften wie manche solcher Knebelverträge. Über den wahren Wert des Alkohols kann sicher streiten. Manche meinen: In vino veritas… manche Leute geben jederzeit nahezu alles, was sie besitzen, dafür aus. Zu Kriegszeiten soll das Weinregal in manchen Fällen angeblich als wichtiger Kalorienlieferant gedient haben (auch wenn es der Leber wohl nicht gefiel). Die meisten alkoholischen Getränke sind jedenfalls sehr lange haltbar, auch über den Zeitraum einer Krise hinweg, und so manches Tröpfchen aus den Zeiten vor der Weltwirtschaftskrise der 20er und 30er Jahre wäre (ist) Sammlern heute sicher ein Vermögen wert.

      Bei Kerry ist es die beständige Kursentwicklung mit nur sehr kurzen Verslustzeiträumen, falls man einen falschen Einstiegspunkt erwischt hat. Dies in Kombination mit überdurchschnittlichen Kursrenditen und günstigerer Bewertung.

      Bei Hormel passte für mich eigentlich alles bis auf das KGV. Aber auch mir scheint sie unter diesen drei Werten die Creme de la Creme zu sein.

      • Im Prinzip scheinen wir uns einig zu sein, lieber Sandro: Das Bessere ist der Feind des Guten 😉 Und so favorisieren wir beide die Hormel-Aktie.

        Sie hatten geschrieben, dass Sie derzeit auch nur eine der drei im Depot haben. Liege ich richtig in der Annahme, dass dies Hormel Foods ist?

        • Ja und nein. Mittlerweile bin ich nicht nur in einer dieser Aktien investiert. Vor dem Verfassen meines Beitrags habe ich mir bei einem Tagesrücksetzer im Aktienkurs zuerst Kerry geschnappt, Hormel folgte dann kurze Zeit später, als sich eine ähnliche Rücksetzer-Gelegenheit bot. Bei anderen Kursverläufen hätte ich es umgekehrt gemacht. Ich hatte vorsichtig zunächst nur sehr kleine Beträge investiert und verbuche trotz der Börsenturbulenzen im Dezember und Januar damit ein geringfügiges Kursplus in beiden Werten. Bei Gelegenheit werde ich Hormel wohl aufstocken – vielleicht warte ich dazu einfach den Depotalarm ab, falls Sie sich entscheiden, die Aktie aufzunehmen.

          • Gerne, aber bitte bedenken Sie, dass wir nicht den Anspruch erheben, den günstigsten Kurs zu erwischen 😉

  3. Wer den Single Malt nicht ehrt, ist des Champagners nicht wert 😉

    • Gilt das auch umgekehrt?

      • Klar,
        mit Champagner begieße ich das Jahr, mein Single Malt muss 2-3 mal die Woche ran.

        • Bei mir ist es umgekehrt 😉

  4. So, da sich hier niemand meiner Kollegen dazu äußert, ist der Depotvorschlag Hormel Foods hiermit angenommen. Die Aufnahme erfolgt, wenn wir die Sicherheitsgurte lösen und unser Depot wieder bestücken. Depotanteil: ca 5.000 Euro.

    • Hormel bleibt derzeit (immer noch) erstaunlich stabil. Selbst am heutigen schwarzen Tag steigt sie sogar leicht.

      • Ei destewesche lesche mir uns die ja aach zu 😉

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