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Depotvorschlag: Hermès International

15. Januar 2022 - Christian Wolf in Depotvorschlag | 14 Kommentare

Hallo Raimund, Dein Fläschchen ist wohlbehalten angekommen. Nochmals vielen Dank dafür. Wie versprochen, möchte ich mich mit einem Depotvorschlag dafür revanchieren:

Da das Wahre Werte Depot schon sehr US-lastig ist, freut es mich besonders, ein europäisches Unternehmen präsentieren zu können. Die meisten Topunternehmen sind einfach in den USA Zuhause. Passend zu Deinem Champagner möchte ich Hermès International SA (WKN 886670) vorstellen. Das Familienunternehmen mit Sitz in Paris wurde 1837 von Thierry Hermès gegründet. Begonnen hat alles mit hochwertigen Pferde-Geschirr und Zaumzeug. Später folgten Sättel, Koffer, Ledertaschen, Parfüm, Uhren, Schmuck, Mode, Porzellan und Geschirr. Hermès Artikel werden in mehr als 300 exklusiven Geschäften, davon in über 200 eigenen Boutiquen wie auch über eigene Internetshops weltweit verkauft.

2020 wurde damit ein Umsatz von 6,39 Mrd. € erwirtschaftet. Das erste Halbjahr 2021 lag immerhin 70% gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Rund 60% der 17.000 Mitarbeiter sind in Frankreich beschäftigt. Hermès besitzt in Frankreich 43 von insgesamt 55 Manufakturen. Ich bin mir nicht sicher, ob ein Hersteller von Luxusartikel dem ethischen Gedanken des Wahre Werte Depots entspricht. Zumindest Steyler bewertet die Nachhaltigkeitsperformance mit gut.

Nachhaltig ist sicherlich, dass die Produkte von Hermès Sammlerstücke sind und keine Wegwerfartikel. Gute Unternehmen sind meist hoch bewertet. Das trifft auch auf Hermès mit einem 2022 KGVe von 58 zu. Auch die Dividende mit rd. einem halben Prozent ist nicht besonders hoch. Dafür entschädigt die EK-Quote von 67% in 2020. Was momentan sicherlich für diesen Wert spricht, ist die außergewöhnlich hohe Preisfestsetzungskraft. Inflation ist deshalb kein Problem für Hermès.

Die letzten Monate ist Hermès kräftig gestiegen und liegt ein gutes Stück über der 200-Tage-Linie. Nach einer Korrektur wäre die Aktie vielleicht eine Alternative für das Wahre Werte Depot.

Marktkapital.: 143 Mrd. € Gewinn / Aktie (in EUR) 2018: 13,48 – 2019: 14,66 – 2020: 13,27 – 2021: 22,17 – 2022e: 24,62 – 2023e: 27,41 Umsatzrendite Brutto (in %) 2018: 34,58 – 2019: 32,98 – 2020: 31,09

 

14 Kommentare

  1. Vielen Dank für Deinen gut recherchierten Vorschlag, lieber Christian.

    Luxus widerspricht keineswegs dem ethischen Grundgedanken des Wahre-Werte-Depots. Wenn es so wäre, hätte ich für mein Suchrätsel in der vergangenen Woche kein Schampusfläschchen ausgelobt. Und da Du schon die Einschätzung der Steyler-Experten zum nachhaltigen Wirtschaften von Hermès in Erfahrung gebracht hast, hast Du uns diese Arbeit abgenommen.

    Alle anderen Argumente sprechen für sich, inkl. der langfristigen Kursperformance. Ich schlage also vor, Hermès aufs Bänkchen zu setzen und ins Spiel zu bringen, sobald sich dafür eine Gelegenheit bietet. Wärst Du so lieb, ebenfalls ein Auge auf den Kurs zu haben und uns hier Bescheid zu geben, wenn Du die Zeit zum Einwechseln für gekommen hältst?

    Was halten die anderen Wahre-Werte-Fans von Hermès?

    • P.S. Die Aktie hat in den vergangen Tagen exakt auf die 200-Tage-Linie korrigiert. Wäre das ein Einstiegssignal? Was meint ihr?

      • Gedulden bewahren. Faktor Geld wird negativ werden. Dann gibt es tolle Unternehmen günstiger. Geduld Geduld…

  2. Spannendes Unternehmen, aber m. E. noch immer zu hoch bewertet – laut Aktienfinder.net liegt der Kurs am 14.1.2022 wie folgt jeweils über dem langjährigen durchschnittlichen fairen Wert:
    +88% bereinigter Gewinn
    +53% bilanzierter Gewinn
    +44,3% Cash Flow
    +276% Dividenden
    Das sind schon heftige Kursaufschläge gegenüber der Vergangenheit. Auch der Vergleich mit dem KGV, zu dem der Wert in der Vergangenheit zu haben war, zeigt die Übertreibung: KGV bereinigter Gewinn in den letzten 10 Jahre –> 44,17; KGV bilanzierter Gewinn –> 40. Da sind aktuell jeweils KGV von 52 üppig. Wir sollten warten.

  3. Mir gefällt die Aktie. (Formale) Bewertungsaufschläge bei Dauerläufer-Qualitätsaktien sind m. E. keine Seltenheit. Die haben sicherlich auch andere Werte des WWD. Das heißt aber nicht, das auf kürzere oder mittlere Sicht unbedingt mit einem Abbau dieser Bewertungsaufschläge zu rechnen wäre. Anders würde ich das sehen, wenn es keine Dauerläufer-Aktie wäre.

    Vom Bauchgefühl habe ich aber Zweifel, ob der richtige Einstiegszeitpunkt schon da ist. Der Kurs ist wie ein Stein auf die 200-Tagelinie gefallen, und der Kursverlauf in den Monaten Juni bis Oktober 2021 stellt so etwas wie eine flache linke Schulter dar.

    • Was die angesprochenen Bewertungsaufschläge (z. B. „+88% bereinigter Gewinn“) betrifft, lege ich noch einmal nach. Solche Bewertungsaufschläge kommen dadurch zustande, dass Erwartungen für die Zukunft bereits eingepreist sind. Man braucht sich aber nicht einzubilden, dass andere Aktien keine Bewertungsaufschläge oder -abschläge für zukünftige Erwartungen haben bzw. fairer bewertet sind. Das wäre ein Denkfehler. Wenn es bei einer anderen Aktie keinen Aufschlag von 88% zum langjähiren Durchschnitt gibt, dann hat sie diesen im Unterschied zur hier betrachteten Aktie womöglich auch gar nicht verdient. D. h. die vermeintliche Überbewertung ist womöglich gar keine Überbewertung. Natürlich ist das auch mit vielen Fragen verbunden, z. B.: Sind die Erwartungen gerechtfertigt? Wie fundiert sind die Erwartungen? An welche Bedingungen sind sie geknüpft? Wurde die Aktie zuletzt gehyped? Welchen Zeithorizont betreffen die Erwartungen? Wie lange blickt die Börse bei der Aktie in die Zukunft?

      • Hallo Sandro, ich denke, deine Fragen in deinem Beitrag sind der Grund für die Effiziente-Märkte-Theorie. (Alle bekannten Fakten sind bereits eingepreist.)
        Gäbe es aber nicht solche Leute wie dich, die genau recherchieren, wären die Märkte in ihren Bewertungen nicht effizient.

        • Na ja. Man könnte z. B. auch sagen, dass die Aktie eigentlich mindestens drei Preisschilder bräuchte: Ein erstes für einen kurzfristigen Anlagehorizont, ein zweites für einen mittelfristigen Anlagehorizont und ein drittes für einen langfristigen Anlagehorizont. Ich vermute, Eugene Fama würde diese Idee nicht gefallen… 😉

  4. Der Rückfall auf die 200-Tage-Linie wäre sicherlich ein möglicher Einstiegszeitpunkt, da hat Raimund recht. In 2020 hat der Kurs 3 mal auf der 200-Tage-Linie nach oben gedreht. Andererseits hat sich der Kursanstieg in 2021 deutlich beschleunigt. Ich selbst habe den Einstieg Anfang 2021 verpasst und warte noch immer auf eine günstige Gelegenheit. Die könnte sich im Laufe dieses Jahr ergeben, wenn es rumpelig werden sollte. Ich persönlich glaube, dass man mit dieser Aktie langfristig nicht viel falsch machen kann. Auch die besten Aktien können mal eine längere Schwächefase haben. In so einer Schwächefase muss mann sicherlich nicht einsteigen, siehe Cerner.
    Gedult ist gefragt, das musste ich erst mal lernen.

    • Vielleicht beim Kurs von 1200 (oder gringfügig darüber) kaufen (Unterstützung)? Das wären noch 8% nach unten.

    • @ Christian Wolf
      @ Raimund Brichta

      KuVs, KGVsm,Bw noch hoeher als bei den etablierten Internetkonzernen. Allein es ist ein Hersteller von Mode mit Abhaengigkeit von China …

      Mit dieser Aktie wird man nicht alt, sondern grau .

      • Hallo Lies,
        ja, die Aktie ist teuer. Die muss noch ein Stück günstig werden bevor ich kauf. Aber ich persönlich glaube an weiteres Wachstum bei Hermès. Das Unternehmen
        ist kein herkömmliches Modeunternehmen. Die Firma weckt noch immer besondere Begehrlichkeiten bei deren Kundschaft. Für einige Taschen gibt es teils jahrelange Wartezeiten. Das ist so ähnlich wie früher die Warteschlangen vor dem Apple-Store wenn ein neues Handy auf den Markt kam. Es werden ja immer mehr Reiche (und leider auch Arme). So gesehen, sehe ich langfristiges Potential.

        Risiko China kann sein, muss aber nicht. Du hast ja schon bei anderen Diskussionen einige Risiken für 2022 aufgeführt. Risiken gab es in jedem der vergangen Jahre und wird es auch nächstes und übernächstes Jahr geben. So gesehen, dürfte man niemals in Aktien investieren. Ein Teil der Risiken tritt erst gar nicht ein oder ist nur minimal relevant für die Börsen. Alle paar Jahre gibt es dann mal einen Crash, das wird auch ganz sicher wieder so sein. Ich denke langfristig und kann mir erlauben, Rückschläge auszusitzen. Und wenn es mal günstig ist, greife ich gerne wieder zu.

        • @ Christian Wolf

          Richtig, die verknappen kuenstlich das Abgebot dieser Taschen um Mythos und Preise kuenstlich hoch zu halten. –
          Ich habe denen einige Guertel fuer mich abgekauft. Die sind derartig zeitlos und halten zudem ewig, da brauche ich nie wieder neue … –
          Wenn ich Dich richtig verstehe verzichtest Du auf Stopp Losses, laesst alles und zu jeder Zeit laufen und wenn’s Dir passt kaufst Du zu.
          Okay,dann schleppst Du aber viele Depotleichen mit Dir herum. – Interessant, auch laesst das auf ein von den Volumina her eher ueberschaubares Depot schliessen.Ist die Jahrhunderthausse einmal vorbei duerfte sich das peu à peu weiter verzwergen.

    • Heute erstmal ein Abpraller an der 200-Tage-Linie: Fast 4% plus!

      Manchmal mache ich’s so, dass ich ein sehr niedriges Limit setze. Und wenn’s dann nicht geklappt hat, sage ich mir: Es gibt noch 1000 andere gute Aktien, die man kaufen kann. Man muss ich allerdings die Mühe machen, sie zu finden.

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