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Märkte: Geht’s jetzt den Bach runter?

19. Mai 2016 - Raimund Brichta in Allgemein | 3 Kommentare

Die allgemeine Marktlage ist gerade wieder spannend. Dazu folgende Diskussion, die ich mit unserem Leser Thomas Redeker geführt habe.


Thomas Redeker:

Hallo Herr Brichta, zum Thema „Lineal Schieben“, es wäre vielleicht durchaus angebracht, das Lineal mal wieder anzulegen, die Charts sehen eher nach DAX 7000 oder tiefer aus, als nach 12000 !? Aber wir werden sehen, vielleicht habe ich das Lineal auch falsch angelegt?

 

Ich persönlich denke, dass unter 9000 eine Welle nach unten losgeht, über die man noch lange sprechen wird, Ziel 7000 und dann Richtung 5000, aber so weit ist es ja noch nicht. Manchmal schlägt der Markt auch nur einen Haken und täuscht Böses vor, um noch heftiger zu explodieren (1998-2000). Es bleibt spannend …


Raimund Brichta:

Richtig ist, lieber Herr Redeker, dass sich auch nach meiner Einschätzung die Marktlage eintrübt. (Siehe dazu unseren neuen Depotalarm.) Noch deutet sich aber Ihr Szenario nicht aufdringlich genug an. Die fehlende Aufdringlichkeit ist der Unterschied zu Anfang Januar. Damals erschien es für mich sehr wahrscheinlich, dass die August-/September-Tiefs des letzten Jahres zumindest noch einmal getestet werden. Was dann auch geschehen ist.

 

Nun gibt es zwei Szenarien:

1. Die Januar-/Februar-Tiefs stellen das zweite, finale Standbein der laufenden Abwärtsbewegung dar (wie 2003 und 2009).

2. Oder sie sind erst der zweite Akt in einem länger anhaltenden Drama, das noch zu deutlich tieferen Kursen führen wird.

Für 2. wäre eine neue, veritable Finanzkrise nötig, die ich – aus übergeordneten Gründen – für dieses Jahr eigentlich noch nicht auf dem Schirm habe, sondern erst für später. Deshalb favorisiere ich jetzt noch Szenario 1.

Ich bin jedoch jederzeit bereit, mich von Szenario 2 überzeugen zu lassen. Die nächsten Wochen werden weitere Aufschlüsse dazu liefern.

3 Kommentare

  1. Hallo Herr Brichta,

    „Für 2. wäre eine neue, veritable Finanzkrise nötig“ – mit Verlaub: wenn Notenbanken den Zins ins negative drücken und sich mit einer Erhöhung um 0,25% sooo schwer tun, kann man ja schon mal fragen, ob die Finanzkrise jemals wirklich vorbei war? Meine Skepsis rührt vor allem aus den sehr schwachen Unternehmenszahlen (5 Quartale in den USA hintereinander mit fallenden Gewinnen – nicht nur durch Energieunternehmen) und schwachen Ausblicke der Vorstände für die kommenden Monate.

    Die weltweiten Einzelhandelsumsätze fallen seit 39 Monaten(!!!) und jetzt schwappt dies nach oben, weil eben nicht mehr nur eine Aktie abgeschlachtet wird, sondern eine ganze Gruppe! Wie lange wollen Analysten dies „ignorieren“ oder beiseite schieben? Immerhin notiert der S&P500 nahe am ALL TIME HIGH – in Asien und Europa sieht es da natürlich nicht mehr ganz so gut aus (Chart), dafür sind die Bewertungen etwas besser.

    Ob hier die Gewinne wirklich sprudeln werden, müssen wir noch abwarten. So lange wir allerdings nicht die 10.500/800 heraus nehmen können, bleibt der Abgabedruck bestehen. Unter 9.750/70 dürfte ein Test der 9.400/500 anstehen und dann noch mal 8.900/9.000, bevor die Bulleria sich w/fehlender Risikolimite für 2016 verabschieden dürfte, wenn die 8.700 gerissen wird – Ziel dann 8.150/300 bzw. 7.450 – das sollte es dann erst mal gewesen sein.

    Mit besten Grüßen

    Roman Kurevic

    • Lieber Herr Kurevic, an der eher semantischen Diskussion, ob das alles eine Krise ist oder ob es doch mehrere Krisen sind, möchte ich mich eigentlich nicht beteiligen. Klar ist, dass sämtliche Finanzkrisen der letzten Jahrzehnte im Prinzip dieselbe Ursache hatten: das ungestüme (und systemimmanente) Wachstum der Mengen an Geldvermögen und Schulden. Und auch die nächste Krise wird wieder diese Ursache haben – egal an welcher Stelle des Systems sie ausbricht. Sie können deshalb gerne von der einen Krise (unseres Geld- und Finanzsystems) reden, ich werde – zur besseren zeitlichen Unterscheidung der einzelnen Aufs und Abs – weiterhin von den Krisen reden.

      Der nicht enden wollende Druck auf die Zinsen, den Sie ansprechen, ist im Prinzip genauso systemimmanent und ebenfalls der Tasache geschuldet, dass Geld- und Schuldenmengen ununterbrochen wachsen müssen, um das System am Leben zu erhalten. Mehr dazu lesen Sie in unserem Buch „Die Wahrheit über Geld“.

  2. Ich finde, man sollte noch einen weiteren Punkt berücksichtigen, der mich dazu bring, Aktien zu behalten, obwohl ich pessimistisch bin.

    Aktuelle Wahltrends des Westen (auch in den USA) zeigen einen Unmut zum Status Quo, der sich auch durch die Angstmacherei der Regierungen nicht mehr lange stoppen lässt.

    Wir könnten wie die DDR 1988 vor einem Umsturz stehen, den wir noch gar nicht erahnen.

    Die Chancen für Trump werden meiner Meinung nach unterschätzt. Eine Auflösung der Nato, ein Grexit und Braxit
    könnten sehr schnell erfolgen.

    Innerhalb kürzester Zeit könnten auch Spanien, Italien und Frankreich kippen.

    Ganz plötzlich haben wir einen neues Griechenland Szenario: Die Banken schließen und man kommt an sein Geld nicht mehr heran.

    Statt im Kurs eingebrochene Aktien erhält man für sein Geld überteuerte fast wertlose Bankbeteiligungen. Möglich gemacht hat man es. Ich denke, es ist ein Irrtum, wenn man davon ausgeht, dass man es kommen sehen wird.

    Auch wenn es so weiter geht wie jetzt, dann werden negative Zinsen kommen und negativer werden. Damit das Geld trotzdem auf der Bank bleibt, könnte man einen hohen Disagio für Barabhebungen erheben.

    Um es zusammen zu fassen. Man sollte nicht davon ausgehen, dass Geld auf der Bank sicherer ist als gekaufte Aktien, die vor einem Crash stehen.
    Es wäre sogar möglich, dass ein finaler Zusammenbruch der Banken mit einer Flucht in Aktien zusammenfällt.

    Bei einer neuen Finanzkrise müssten die Zentralbanken auch neue lustige Wege gehen, da die alten verbraucht sind. Auch das wird sicherlich sehr schlecht für Bargeld auf der Bank sein.

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