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Depotvorschlag: Henkel

17. November 2015 - Gastbeitrag von Sandro in Allgemein | 4 Kommentare

Henkel ist im DAX gelistet und hierzulande nahezu jedermann bekannt. Im eigenen Haushalt finde ich gleich mehrere Artikel dieses Unternehmens. Folgende Marken werden als die bekanntesten des Unternehmens genannt (Quelle Comdirect): Bref, Fa, Pattex, Persil, Perwoll, Pril, Pritt, Schauma, Sil, Somat, Spee und taft. Das Produktsortiment wird wie folgt beschrieben (Quelle Comdirect): Kleb- und Dichtstoffe, Wasch- und Reinigungsmittel, Haarwasch- und Pflegemittel, Hautpflegeprodukte, Deodorants, Bade- und Duschzusätze und Zahnpflegeprodukte. Der umsatzstärkste Bereich ist allerdings das Klebstoffgeschäft: In dieser Sparte sind 27000 von 50200 Mitarbeitern beschäftigt. Zuletzt (2. Quartal 2015) schwächelte dieser Bereich etwas bzw. wuchs langsamer als erwartet. Daraufhin kündigte Henkel den Abbau von 1000 Stellen (hauptsächlich in Asien) an, der bis März 2016 vollzogen sein soll, aber ohnehin geplant war und nun etwas vorgezogen wurde.

Mit seinen starken Marken und vielen Artikeln des alltäglichen Konsums steht das Unternehmen in einer Reihe mit anderen Unternehmen, die bereits im Wahre-Werte-Depot enthalten sind, erscheint mir daher potenziell interessant. Das Unternehmen wird auch als Konkurrent von Procter & Gamble bezeichnet, und die Aktie weist eine beeindruckende Performance über die letzten 20 Jahre auf. In der Focus Money (Ausgabe vom 2. Sept. 2015) wurde die Henkel-Aktie als „Dauerempfehlung für Risikoscheue“ angepriesen.

Performance-Kennzahlen laut Comdirect (Stand: 25.10.2015): In den letzten 5 Jahren stieg der Wert der Aktie um 133,84% (um den Zinseszinseffekt bereinigt entspräche dies einer Steigerungsrate von etwa 18,52% p.a.). Auf 3-Jahressicht stieg der Wert um 63,4% und auf 1-Jahressicht um 31,42%. (Die starken Kursschwankungen seit Mitte August mögen diese Zahlen allerdings deutlich beeinflussen). Auch im Zeitraum davor ist die Performance im Durchschnitt dem DAX deutlich überlegen, wenn auch nicht ganz so stark wie in den letzten 5 Jahren. Hätte man die Aktie vor über 20 Jahren am 01.01.1995 gekauft, wäre man damit heute mehr als 1000% im Plus (in der Spitze vom April dieses Jahres sogar fast 1200%). Damit ist die Performance besser als bspw. diejenige von Procter & Gamble (in USD), bleibt aber hinter denjenigen der kürzlich in das Wahre-Werte-Depot aufgenommenen Aktien Church & Dwight sowie Fuchs Petrolub zurück.

Als Vorteil gegenüber einer Church & Dwight werte ich das niedrigere KGV (Stand vom 25.20.2015: KGVe = 20,6), was den im Vergleich nicht ganz so enormen Wachstumsraten Rechnung trägt. Als weiteren Vorteil werte ich, dass es sich um einen deutschen Wert handelt, d. h. der Kurs nicht direkt an die Entwicklung einer Fremdwährung gekoppelt ist. Ich gehe allerdings von einem langfristig weiter fallenden Euro aus (der leichte Euro-Anstieg der letzten Monate war wohl nur ein Intermezzo) und denke, dass die Ertragsaussichten davon profitieren könnten. Die hohe Präsenz auf Wachstumsmärkten (Schwellenländer) mag man sowohl als Risiko als auch als Chance werten. Man bedenke die aktuellen Probleme in den Schwellenländern und die zuletzt gezeigte Schwäche im Klebstoffbereich, die von Analysten mit der globalen Konjunkturschwäche bzw. der Schwellenländerproblematik in Verbindung gebracht wird. Attraktiv erscheint die Eigenkapitalquote von 56,2%, die für das 2014 genannt wird. Sie ist die Jahre zuvor kontinuierlich gestiegen.

Laut Web-Informationen von Henkel machten im Jahr 2014 die Top-10 Marken 59% des Umsatzes aus – Loctite, Persil und Schwarzkopf alleine rund 5 Mrd. Zudem machte 2014 der Anteil an den Wachstumsmärkten 44% aus. Unternehmenszukäufe betrugen im Jahr 2014 1,8 Mrd. € (vgl. den Umsatz 2014: 16,43 Mrd.), während das organische Umsatzwachstum im Jahr 2014 3,4% betrug. Diese und weitere Infos unter http://www.henkel.de/.

Ist das Unternehmen gut gegen Krisen gerüstet? Von der Produktpallette, der Produktdiversifizierung, der Markenstärke und der hohen Eigenkapitalquote her könnte man meinen: ja. Der Kursverlauf in Krisenjahren spiegelt das aber nicht unbedingt wieder. In der Finanzkrise 2008-2009 lief die Aktie ungefähr mit dem DAX mit, nahm dabei aber den DAX-Einbruch etwas vorweg (Unternehmensdaten und Analysen aus dem Zeitraum liegen mir nicht vor, vielleicht gibt es auch andere Gründe). Die „kleine Krise“ 2011 überstand der Aktienkurs etwas besser als der DAX. Ich glaube aber auch nicht, dass „Markenstärke“ wirklich ein gutes Argument für Krisensicherheit ist. In Krisenzeiten (für die das Wahre Werte-Depot ja gerüstet sein soll) würde ich selber bei persönlich unsicherer Zukunftsperspektive jedenfalls eher sparen wollen und bevorzugt zu Discounterware statt zur Markenware greifen. (Artikel des „kleinen Luxus“, wie z.B. Produkte von Lindt & Sprüngli, ebenfalls im Wahre Werte-Depot vertreten, würde ich bei finanzieller Not meiden). Oft stammen aber auch die no-name-Produkte von Markenherstellen (manchmal sind sie sogar bis auf die Verpackung identisch). Starke Marken sind aber vielleicht ein gutes Argument für das Potenzial eines Unternehmens, sich von einer Krise wieder gut und schnell erholen zu können.

Im August brach die Henkel-Aktie nach Quartalszahlen zunächst etwas stärker ein als der DAX, was aber wohl weniger an den Zahlen lag als an den zuvor zu hoch angesetzten Erwartungen der Anleger, die nicht ganz erfüllt wurden. Aktuelle Analystenmeinungen: 11=buy/11=hold/2=sell, d.h. 38% sagen „kaufen“. Das ist zwar nicht ganz wenig, aber auch nicht viel. Ich meine aber, wenn in Bezug auf die Langfristperspektive nichts gegen eine ähnlich gute Performance wie in der Vergangenheit spricht, dann sind die derzeit etwas weniger optimistischen Analystenempfehlungen sogar ein Kaufanreiz. Denn diese Analystenempfehlungen sind doch eher kurz- und mittelfristig ausgerichtet, und auf Heraufstufungen der wichtigsten Analysten folgt in der Regel auch ein direktes Kursplus. Wenn erst einmal alle „kaufen“ sagen, dann ist ein Teil der Ralley schon vorbei. Nach dem kürzlichen Einbruch ist der langfristige Aufwärtstrend noch intakt. In den letzten 10 Handelstagen hat sich der Aktienkurs sehr kräftig erholt, lief dabei etwas besser als der DAX. Die beste Kaufgelegenheit ist zwar vorbei, aber ich denke: Beim derzeitigen Kurs von knapp unter 100 € ist die Aktie noch nicht überteuert und wäre ein Kauf (vielleicht gibt es demnächst auch noch einmal vorübergehend günstigere Einstiegskurse). Persönlich erwäge ich, mein eigenes Depot umzuschichten und die Aktie als Langfristinvestment aufzunehmen.

Manche Leute meinen, wenn eine Aktie schon in der Vergangenheit sehr stark lief, sei nicht mehr viel zu holen und scheuen dann den Kauf. Gelegentlich sagen Leute, der Kursverlauf der Vergangenheit könne doch keinerlei Aufschluss über den zukünftigen Kursverlauf geben. Herr Brichta hat solcher Argumentation bereits in seinem Kommentar zu Church & Dwight widersprochen. Auch ich meine, dass eine positive Kursentwicklung der Vergangenheit eher optimistisch für die Zukunft stimmen sollte, denn die fundamentalen Gründe, die hinter einer starken Ertragsentwicklung und einer entsprechenden Kursentwicklung in der Vergangenheit stehen, bleiben oft über einen längeren Zeitraum erhalten und wirken dann auch in der Zukunft weiter. Diese Ansicht bestätigte mir kürzlich auch ein Artikel der Focus-Money von Anfang August, in dem die Strategie erwogen wurde, immer auf den Vorjahres-DAX-Sieger zu setzen. Das ist zwar sicherlich keine optimale Strategie, doch hätte man bei konsequenter jährlicher Umsetzung in den letzten 15 Jahre den DAX insgesamt deutlich geschlagen, trotz zwischenzeitlicher (teils auch herber) Rückschläge. Von daher ist die gute Entwicklung der Vergangenheit für mich ein Kaufargument, auch ohne den Wert im Detail analysieren zu können.

Ich würde mich freuen, wenn noch jemand weitere Argumente in Bezug auf die langfristige Ertragsentwicklung (als „Evergreen“) und die unterstellte Krisenresistenz liefern könnte (pro oder contra).

Was könnte gegen die Aufnahme von Henkel in das Wahre Werte-Depot sprechen? Man könnte vielleicht argumentieren, dass bereits ähnliche und ggf. bessere Werte im Depot vorhanden sind.

Gruß, Sandro.
(Dies ist nicht mein richtiger Name. Ich bleibe lieber pseudonym).

4 Kommentare

  1. Vielen Dank, lieber Pseudo-Sandro, für Ihren Vorschlag und für Ihre ausführliche Begründung. Nicht jeder Vorschlagende gibt sich hier soviel Mühe wie Sie. Das ist eine besondere Würdigung wert.

    Auch ich beobachte die Henkel-Aktie schon seit Langem mit großem Wohlwollen. Und außer der mittlerweile doch recht hohen Bewertung (KGV >20, wenn auch zugegebenermaßen noch niedriger als bei Church & Dwight) und außer der mehr als ein Jahrzehnt langen Kursflaute zwischen 1998 und 2010 (die hatte der DAX auch) spricht tatsächlich sehr viel dafür, dass dies ein wahrer Wert ist.

    Dazu gehört – neben den von Ihnen genannten Argumenten – nicht zuletzt der große Einfluss der Henkel-Familie. Diese hat zwar über 100 Mitglieder, die sich nach einem Aktienbindungsvertrag zudem vom nächsten Jahr an von ihren Aktien trennen dürfen, aber ich schätze ihre Treue zum Unternehmen als nach wie vor sehr stark ein.

    Es spricht also Vieles für Henkel – wenn da nicht die DAX-Mitgliedschaft wäre: Wie schon bei den Depotvorschlägen BASF und Deutsche Post erwähnt, möchte ich nur ungern neben unserem DAX-Engagement zusätzlich Positionen in einzelnen DAX-Mitgliedern aufbauen. Zumal es zu den Zielen dieses Depots gehört, die Welt der wahren Werte außerhalb des engen DAX-Kreises zu erschließen. Was wir am DAX haben – und an seinen Mitgliedern -, das wissen wir doch schon.

    Es gibt also mit Sicherheit noch viel zu entdecken in der großen Welt der wahren Werte außerhalb des DAX und außerhalb Deutschlands. Lassen Sie uns gemeinsam auf Entdeckungstour gehen! Einverstanden?

    Herzlicher Gruß
    Raimund Brichta

    • Einverstanden! Ein paar Dinge muss ich noch loswerden.

      Die Hintergründe zum Wahre-Werte-Depot sind mir durchaus bekannt. Ich habe mir nämlich vor einiger Zeit Ihr Buch gekauft, es gelesen und fand es großartig. Ich finde auch das Wahre-Werte-Depot eine tolle Sache, und bewundere auch die Hingabe, mit der Sie sich Ihren Lesern zuwenden. Das musste einfach einmal gesagt werden.

      Zu Henkel: Mein Vorschlag ist ja schon einige Wochen her. Als der Kurs kürzlich noch einmal zurückging, habe ich die Henkel-Aktie (vor dem 3. Quartalsbericht) tatsächlich in mein eigenes Depot aufgenommen und durfte mich anschließend über ein kräftiges Kursplus freuen. Den Unkenrufen zum Trotz hat sich Henkel wieder einmal als „Stehaufmännchen“ behauptet. Das hatte sie auch, nachdem 2014 die Sorgen um die Ukraine-Krise vorübergehend die Kurse drückten. Demzufolge, was nach dem 3.Quartalsbericht in jüngsten Kommentaren zu lesen war, fühle ich mich bestätigt.

      Ich verstehe, dass sie ein Doppelinvestment in den DAX vermeiden wollen. Mit dem DAX halte ich es etwas anders als Sie: Anstelle eines DAX-ETFs habe ich mir eine kleinere Auswahl von DAX-Werten ins Depot gelegt, darunter diejenigen, denen ich am ehesten Wahre-Werte-Charakter zuschreibe. Das hat natürlich den Nachteil, dass ich dadurch weniger flexibel bin. Um aus dem DAX auszusteigen müsste ich alle Werte einzeln verkaufen und deshalb höhere Transaktionskosten in Kauf nehmen. Insofern kann ich Ihre Wahl des DAX-ETFs auch gut nachvollziehen.

      • Vielen Dank für Ihr Verständnis. Für die späte Bearbeitung der Depotvorschläge muss ich mich bei Ihnen – und bei all den anderen – noch einmal ausdrücklich entschuldigen. Das liegt ganz einfach daran, dass ich diese Seite im Alleingang redaktionell betreue – und das auch nur als Steckenpferd nebenher. Deshalb schalte ich die Vorschläge nur nach und nach frei, um sie dann gemeinsam mit Volker Schilling der Reihe nach abarbeiten zu können. Wichtig: Es soll kein Vorschlag unter den Tisch fallen.

        Inhaltlich warten wir jetzt einfach mal ab, wie es mit unserem DAX-Engagement weitergeht.

  2. Hallo zusammen,

    ich denke das Wichtigste wurde bereits sehr ausführlich von Sandro genannt – und wie ich ebenfalls finde – erstklassig dargelegt. Und in der Tat spricht vieles für die Hnekel Aktie. Und ebenso wie Sandro würde ich diese Aktie bei jedem Markt-Rücksetzer kaufen, ähnlich wie ich es bei meinem Kommentar für BASF geschrieben habe. Im Wesentlichen sticht für mich ein einziges fundamentales Argument: Haushaltswaren! Dieses schöne deutsche Wort bringt für mich das Geschäftsmodell von Henkel auf den Punkt. Und das Geschäftsmodell ist stabil. Es mag mal weniger, mal mehr Umsatz geben, aber es wird immer einen signifikanten Umsatz geben mit dem man Geld verdient. Und das ist in der Tat krisensicher. Und wenn der Aktienkurs dies in schwierigen Marktphasen an der Börse leider nicht spiegelt, dann nur, weil zuviele Marktteilnehmer Volatilität als Risiko, denn als Chance begreifen. Und Aktien sind einfach zu liquide, um in Krisenphasen nicht darauf zurück zu greifen. Mir gefällt Henkel. Ich finde sie auch passend für unser Depot. Aber ich sehe die Argumente unseres Homebias und der Abdeckung desselbigen über unseren guten alten Dax. Eines möchte ich noch loswerden: Die Tatsache, dass Finanzmagazine ein Unternehmen als „Dauerinvestment für Risikoscheue“ bezeichnen halte ich für kontraproduktiv, denn die „Witwen und Waisenpapiere“ EON und RWE haben wohl deutlich gezeigt, dass nichts von Dauer ist. Gruß Volker Schilling

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