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Depotvorschlag: Diageo

25. Mai 2016 - Gastbeitrag von Christoph Heisterberg in Allgemein | 12 Kommentare

Um mal etwas „Hochprozentiges“ ins Depot zu bekommen 😉 Diageo hat mit Johnnie Walker, Smirnoff, Guiness, Baileys oder Captain Morgan durchaus ein paar sehr starke und bekannte Marken zu bieten und hat es daher auch selbst zu einer gewissen Bekanntheit geschafft. Von den hohen Volumenprozenten einmal abgesehen sind auch die anderen Zahlen recht passabel.

Die EK Quote ist zwar „nur“ ca 35%, aber dafür in den letzten jahren kontinuierlich gestiegen (Tendenz weiter steigend?). Ebenfalls kontinuierliche Erhöung der Dividende bei solider Ausschüttungsquote (ca. 50%). Dividendenrendite momentan über 3%.

Die Umsatzzahlen wie auch die des Jahresüberschusses lagen 2014 zum ersten mal seit langem unter Vorjahresniveau, aber die Steigerung 2015 könnte langfristig auf eine Fortstezung des Aufwärtstrends hindeuten.

Mit einem KGV von knapp 20 zwar nicht mehr ganz billig, aber das wurde ja schon an anderer Stelle diskutiert. In letzter Zeit etwas volatiler aber nach den Rückschlägen über den Jahreswechsel scheint die Erholung noch nicht so weit fortgeschritten (noch immer Kaufkurse?)

Im Falle einer Pleite wird man vermutlich (anders als beim Gold ETF) keinen direkten Zugriff auf die Spirituosen-Reserven haben (schade eigentlich), aber ob in Boom- oder Krisenzeiten: Getrunken wird ja bekanntlich immer 😉

Bin gespannt auf Ihre Einschätzung.

12 Kommentare

  1. Vielen Dank für den Vorschlag, lieber Herr Heisterberg.

    Die niedrige Eigenkapitalquote ist natürlich ein starkes Gegenargument, das nur von noch stärkeren positiven Argumenten ausgekontert werden könnte. Die kann ich aber nicht erkennen, zumal der Aktienkurs seit rund vier Jahren nur auf der Stelle tritt. Warum sollten wir in einer solchen Situation investieren?

    Sie kennen vielleich unser Credo, nur in Aktien investiert zu sein, die sich in klaren Aufwärtstrends befinden. Denn schließlich ist dies das einzige, was an der Börse zählt.

    Darüber hinaus habe ich gewisse Probleme, Alkoholika als Wahre Werte zu bezeichnen – von Schampus und Grappa vielleicht abgesehen 😉 Aber ich gebe zu, dass dies Geschmackssache ist.

    Trotzdem ist unbestritten, dass es gewisse Parallelen zu den Glimmstengelaktien gibt, die ich an dieser Stelle ebenfalls mit dem Argument abgelehnt hatte, dass die Folgen des Rauchens hohe soziale Kosten verursachen, die zu Lasten der Allgemeinheit gehen. Dies gilt mit Einschränkungen auch für Alkohol.

    Also: Leider geht mein Daumen runter zu Diageo. Aber lassen Sie sich deshalb bitte nicht entmutigen, weitere Vorschläge zu machen.

  2. Lieber Herr Brichta,

    vielen Dank für Ihre Einschätzung. Richtig, einen Aufwärtstrend sehe ich auch nicht im Chart – aber womöglich könnte er sich in den Zahlen manifestieren („schau’n mer mal“, wie man so schön sagt).

    Erlauben Sie mir zu diesem Credo eine Rückfrage (losgelöst von Diageo): Machen Sie einen Aufwärtstrend ausschließlich an der Charttechnik fest? Ich frage mich ob es denn nicht grundsätzlich besser wäre eine Aktie zu erwischen, die den Aufwärtstrend „nur“ in den Zahlen hat, die Masse (und damit auch die Charttechnik) das aber noch nicht wiederspiegeln?

    Im Falle von Diageo werde die Zahlen auf jeden Fall im Auge behalten und sollten sich Umsatz, Gewinn, Dividende und EK weiterhin im Aufwärtstrend befinden (und der Preis aber nicht), halte ich die Aktie aber für interessant.

    Ich muss an dieser Stelle auch ein großes zustimmendes Lob für die „ethische Komponente“ im WWD aussprechen (hinsichtlich Glimmstängelaktien teile ich die Meinung uneingeschränkt, bezüglich „Hochprozenter“ würde ich zu Ihren „Schampus und Grappa“ Ausnahmen aber auch gerne noch den Single Malt hinzufügen 😉

    Herzliche Grüße,
    CH

    P.S. Würde man den Ansatz (hohe soziale kosten, zu Lasten der Allgemeinheit) weiterverfolgen, müsste man dann aber nicht auch die „Süsskram-Aktien“ verbannen? Es gibt ja genug Studien zu Langzeitfolgen von Zucker…

    • Eines ist klar, lieber Herr Heisterberg: Wenn es tatsächlich einen Aufwärtstrend in den Geschäftszahlen gäbe, der sich nicht in einem Aufwärtstrend des Kurses widerspiegelt, würde ich den Zahlen äußerst großes Misstrauen entgegenbringen.

      Dies gilt umso mehr in die umgekehrte Richtung, wie folgendes Beispiel zeigt: Im Sommer 2007 präsentierte der damalige Chef der IKB-Bank bei mir in der Telebörse ein Zahlenwerk, das sich im anhaltenden Aufwärtstrend befand. Am Ende des Gesprächs blendete ich ganz simpel einen Chart der IKB-Aktie ein, auf dem zu sehen war, dass der Aufwärstrend der Aktie gebrochen war. Zudem hatte sich ein sogenanntes Doppeltop ausgebildet, also eine Umkehrformation.

      Ich schloss mit dem Fazit, dass es hier eine eindeutige Diskrepanz gebe zwischen den Worten und Zahlen des Vorstandschefs auf der einen und den charttechnischen Signalen auf der anderen Seite, und dass ich persönlich in solchen Fällen immer den Signalen des Aktienmarkts mehr Vertrauen entgegenbringe.

      Kurze Zeit später brach der IKB-Kurs im Zuge der Schieflage der Bank in der Finanzkrise ein und wurde schließlich zum Penny-Stock. Zum Zeitpunkt des Interviews hatte er noch bei 27 EUR gelegen. Als der Kurs bei 14 Euro lag, beteuerte der Vorstand immer noch, dass mit seinen Zahlen alles in Ordnung sei.

      Für Diageo gilt: Weder Kurs, noch Zahlen weisen einen ausreichend stabilen Aufwärtstrend auf. Der Gewinn ging zum Beispiel im Jahr 2014 noch zurück, bevor er 2015 wieder anstieg. Solche kurzfristigen Schwankungen bezeichne ich nicht als Trend.

      Single Malt ist zwar nicht mein Favorit, aber ich weiß, dass er für viele Genießer ein wahrer Wert ist. Deshalb sei er in den erlauchten Kreis aufgenommen 😉

      Und was die sozialen Kosten der Süßigkeiten anbelangt: Jeder übermäßige Konsum ist schädlich, das ist klar. Aber irgendwo müssen wir schließlich Grenzen ziehen zwischen ethisch fragwürdigen und ethisch akzeptablen Anlagen. Beim Rauchen ist die rote Linie für mich klar überschritten. Beim Alkohol auch, wenn auch weniger weit. Und bei Schokolade eben noch nicht.

      Das mögen andere anders einschätzen, aber unstreitig scheint mir, dass es eine abnehmende ethische Fragwürdigkeit in der Reihenfolge Tabak, Alkohol und Schokolade gibt. Oder?

  3. Hallo Herr Brichta,
    „Aber irgendwo müssen wir schließlich Grenzen ziehen zwischen ethisch fragwürdigen und ethisch akzeptablen Anlagen. Beim Rauchen ist die rote Linie für mich klar überschritten. Beim Alkohol auch, wenn auch weniger weit. Und bei Schokolade eben noch nicht.“
    Wo ist denn die Grenze? Der größte Killer der Menschheit ist der Zucker, die Folgen sind: Diabetes und Fettleibigkeit mit allen Folgen auf das Herz Kreislaufsystem. Wegen Diabetes werden mehr Extremitäten amputiert als durch die Folgen des Rauchens.
    Also, Zucker verbieten oder die verlogene Variante: Steuern drauf!
    Sorry, als Vertreter der freien Märkte bin ich auch Anhänger des freien Willens bei den Menschen.
    Ich entscheide was ich konsumiere und was nicht. Ich hasse Institutionen wie die EU dafür, so sehr in das Leben der Menschen eingreifen zu wollen.

    • Sie mögen die EU hassen, lieber Heiner, aber das kann hier nicht unser Problem sein. Wir müssen möglichst frei von Emotionen entscheiden, wo wir die ethischen Grenzen für unsere Depotwerte ziehen. Und da finden wir Schoki-Aktien eben noch akzeptabel, Tabak-Aktien nicht, und Alki-Aktien liegen – für mich persönlich – im Grenzbereich. Jeder andere kann selbstverständlich für sich andere Grenzen ziehen.

      Übrigens kommen im Straßenverkehr meines Wissens nach noch mehr Menschen um oder werden verletzt als im Schoki-Rausch. Also müsste man demnach auch alle Aktien meiden, die irgendetwas mit dem Straßenverkehr zu tun haben? Glücklicherweise hat bisher noch niemand eine solche Aktie vorgeschlagen. Ich wüsste jetzt noch nicht, wie wir zu entscheiden hätten.

  4. Lieber Herr Brichta,

    an den „Crash“ der Bank kann ich mich noch erinnern – ich hätte mir auch gerne Ihr Interview dazu angesehen, konnte es bisher im Netz aber leider nicht (mehr) aufspüren. Dies sind natürlich Extremfälle; war besagtem Herrn nicht anschließend auch ein Prozess wegen Börsenkursmanipulation anhängig?

    Auf der anderen Seite gibt es hin und wieder aber mal Situationen, in denen ein Aufwärtstrend charttechnisch gebrochen ist, der sich kurze Zeit später sich aber aufgrund geänderter Fakten (z.B. drohendes „Unheil“, bei dem die Börse klar überreagiert) wieder einstellt, da fundamental „alles in Ordnung“ ist. Aber zurück zu Diageo:

    Bewegt sich seit 2013 seitwärts (was unter Berücksichtigung der Dividende aber schon wieder gar nicht so schlecht aussieht). Der Trend lief zahlenmäßig 2009-2013 sehr gut, für 2014 haben Sie natürlich recht, wurde er leicht ge- bzw. unterbrochen (neben Währungseffekten auch dem Absatz-Rückgang in den Emerging Markets sowie einer zu hohen Cost/Income Ratio geschuldet). 2015 sieht es schon wieder besser aus – die geplanten Restrukturierungen des Konzerns sollten aber spätestens nächstes Jahr zeigen, ob es dem Unternehmen gelingt, an den früheren Trend anzuknüpfen. Fundamental sieht es m.E. noch immer gut aus. Meine Anmerkung „schaun mer mal“ war daher auch mittelfristig gemeint.

    Aber ich stimme Ihnen zu, dass, unter Berücksichtigung der genannten Daten, Diageo derzeit kein Kandidat für das WWD ist (und unter Beachtung der „moralischen Komponente“ wohl auch keins wird).

    Herzliche Grüße,
    CH

    P.S. Danke für die Aufnahme der Single Malts in die „Whitelist“ 🙂
    P.P.S. Und ja, Schokolade *kann* ja im Grunde gar nicht so schlecht sein 😉

    • Letzteres sieht Heiner aber anders, lieber Herr Heisterberg. Wie Sie unten erkennen können bekommt Heiner sogar Hassgefühle im Zusammenhang mit Schokolade 😉

      Spaß beiseite: Das Risiko, dass sich ein gebrochener Aufwärtstrend im Nachhinein als nicht schlimm herausstellt, gehe ich gerne ein, wenn ich als Gegenleistung dafür den Schutz vor Einbrüchen à la IKB bekomme. Schließlich ich mein oberstes Gebot: Verlustrisiken begrenzen.

      Darüber hinaus ist es auch für ein Depot nicht schlimm, wenn man aufgrund eines Trendbruchs ausgestiegen ist und sich der Trendbruch im Nachhinein als harmlos herausstellt. Denn erstens gibt es meistens genügend andere Aktien mit intakten Aufwärtstrends, in die man alternativ investieren kann. Und zweitens kann man selbst in dieselbe Aktie wieder investieren, sobald diese einen neuen Aufwärtstrend ausbildet. Man erhält sich also alle Chancen und vermindert gleichzeitig die Risiken, wenn man so auf die Trends schaut, wie ich es tue.

  5. „Letzteres sieht Heiner aber anders, lieber Herr Heisterberg. Wie Sie unten erkennen können bekommt Heiner sogar Hassgefühle im Zusammenhang mit Schokolade“.
    Eben nicht, das ist genau was ich meine: wo die Grenze ziehen?
    Nach Ihrer Logik kann man fast alles gegen den Menschen richten, und käme daher für das wwd nicht in Frage.
    Ich mache gerne einen Ausflug mit meinem Auto ( tötet Menschen), tanke es voll ( Umweltverschmutzung), kaufe mir für den schnellen Hunger eine Tafel Schokolade(Diabetes…). Am Ende eines schönen Tages trinke ich gerne einen Balvenie Scotch(Abhängigkeit…)und lege mich dann trotzdem völlig zufrieden ins Bett.
    Und selbstverständlich sind alle Aktien von Firmen die diese Produkte herstellen potentielle Kaufkandidaten.

    • „Nach Ihrer Logik kann man fast alles gegen den Menschen richten, und käme daher für das wwd nicht in Frage.“

      Dies ist genau NICHT meine Logik. Wie beschrieben, mache ich doch solche Unterschiede und nehme manche Aktien herein und manche nicht. Die Kriterien, nach denen ich entscheide, sind dabei durchaus subjektiv. Andere mögen andere Kriterien anlegen oder gar keine Branchen ausschließen. Das muss doch erlaubt sein, oder?

      Ich erhebe auch keinen Anspruch darauf, dass meine Kriterien allgemein gültig sein sollten.

      • P.S.

        Und solange Sie zuerst mit dem Auto fahren und danach Ihren Scotch trinken, ist doch auch in Ihrer Lebensweise alles in Ordnung 😉

  6. Nunja, vielleicht können wir uns einfach auf dunkle Schokolade einigen. Die hat nicht so viel Zucker (und passt auch besser zum Balvenie 😉

    Gruß,
    CH

    • Sehr guter Vorschlag!

      Bei einem Glas Scotch fällt es doch viel leichter, einen Kompromiss zu finden 😉

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