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Depotvorschlag: Church & Dwight

1. Oktober 2015 - Gastbeitrag von Dr. Steffen Assmann in Allgemein | 5 Kommentare

Sehr geehrter Herr Brichta,
sehr geehrter Herr Schilling,

schön, dass Sie meinem Vorschlag „Johnson & Johnson“ nach intensiver Diskussion und Abwägung der Stärken und Schwächen final gefolgt sind und das Wahre-Werte Depot per 19. August entsprechend verstärkt wurde (Gratulation auch zum sehr günstigen Einstiegskurs !).

Gerne möchte ich hiermit einen weiteren Vorschlag unterbreiten: Betrachtet man die derzeitige Zusammensetzung, so könnte nach meiner Einschätzung ein „klassischer“ US-Konsumwert eine weitere sinnvolle Ergänzung der Länder- und Branchenmischung im Wahre-Werte Depot darstellen.

Zweifelsfrei nimmt der allgegenwärtige „Pampers-Riese“ P&G (Procter & Gamble, Marktkapitalisierung ca. 167 Milliarden Euro), mit seinen umfassenden Milliarden-Marken (z.B. Oral-B, Always, Old Spice, Tampax, MACH3, Herbal Essences, Gillette, Braun, Swiffer, Ariel, Wick, Pampers, Charmin) hier eine exponierte Marktstellung ein, welche durchaus eine interessante „Wahre-Werte Diskussion“ rechtfertigen könnte – dies insbesondere vor dem Hintergrund des aktuell gedrückten Kursniveaus und einer Dividendenrendite von ca. 3.8%.

Ich möchte hiermit das Augenmerk jedoch auf „Church & Dwight“ (C&D) und damit einen ebenfalls äußert wachstumsstarken US-Konsumgüterhersteller richten, welcher aufgrund seiner Größe (Marktkapitalisierung ca. 10 Milliarden Euro) auch gerne als „kleine“ P&G bezeichnet wird.

Church & Dwight fertigt und vermarktet eine breite Palette an Produkten in den Segmenten „Pflege, Haushalt und Spezialprodukte“. Vertrieben werden die Erzeugnisse z.B. unter den Marken Arm & Hammer, Oxi Clean, Nair, Spinbrush, Troyan, Xtra, Orajel oder First Response (bekannter im US-amerikanischen Raum als in Europa).

Hier ein paar interessante „Eckdaten“:
Im abgelaufenen Quartal hat der bereits 1846 gegründete Konzern seinen Umsatz um fünf Prozent und den um Einmaleffekte bereinigten Gewinn um zwölf Prozent gesteigert.

1) Kurssteigerung in den letzten 5 Jahren: ca. 21% p.a. [in US $]

2) Kurssteigerung in den letzten 10 Jahren: ca. 16% p.a. [in US $]

3) Kurssteigerung in den letzten 20 Jahren: ca. 17% p.a. [in US $]

4) Aktuelle Dividendenrendite: ca. 1,5 %

5) Dividendensteigerungsrate in den letzten 10 Jahren: ca. 27 % pro Jahr (sollte diese Rate beibehalten werden verdoppelt sich die individuelle Dividendenrendite ca. alle 2,5 Jahre)

6) Dividendenzahlungen erfolgen mittlerweile ohne Unterbrechung seit 114 Jahren (!)

7) Eigenkapitalquote: ca. 48 % (GJ 2014)

Nun ist mit Colgate-Palmolive zweifelsohne schon ein sehr guter Konsumwert mit den Hauptgeschäftsfeldern „Mundhygiene, Körperpflege, Haushalts-Oberflächen-Hygiene, Textilpflege und Haustiernahrung“ im Wahre-Werte Depot enthalten. Auch die Markennamen erfreuen sich großer Bekannt- und Beliebtheit (Colgate, Palmolive, Sorriso, Ajax, Softsoap etc. pp).

Trotz gewisser „Überschneidungen“ des Produktportfolios von Colgate und „C&D“ könnte die Investition in „C&D“ neben dem – weitgehend konjunkturunabhängigen – Wachstumspotential jedoch insbesondere deshalb sinnvoll sein, da die jeweiligen Konsumenten-Zielgruppen („C&D“: eher günstiges Preissegment, „Colgate“: eher hochpreisig) sich sehr gut ergänzen.

Auf Ihre Einschätzung zu „Church & Dwight“ bin ich schon gespannt und freue mich bereits jetzt auf eine mögliche weiterführende Diskussion des Investments.

Mit den besten Grüßen
Ihr
Dr. Steffen Assmann

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Raimund Brichta antwortet:

Herzlichen Dank, lieber Herr Assmann, für Ihren neuen Depotvorschlag.

Zuerst muss ich an dieser Stelle noch einmal betonen, welch großen Wert ich auf die Kurshistorie von Aktien lege. Der oft zu hörende Einwand, fürs Gehabte gebe es nichts, für ein Investment sei einzig und allein die Zukunft ausschlaggebend und nicht die Vergangenheit, läuft für mich ins Leere. Denn ich halte entgegen: Wenn eine Aktie es nicht einmal in der Vergangenheit gezeigt hat, dass sie ein wahrer Wert ist, in den zu investieren es sich lohnt, wieso sollte ihr dies dann ausgerechnet von nun an gelingen?

Mit anderen Worten: Wer bisher schon versagt hat, muss umso stärkere Argumente dafür liefern, dass die Zukunft anders wird. Wer aber schon bisher überzeugen konnte, dem traut man auch eher zu, dass sich dies fortsetzt.

Genau deshalb habe ich unter Ihren Vorschlag den langfristigen Kursverlauf von Church & Dwight gestellt. Die Aktie (und damit das Unternehmen) braucht sich nämlich nicht zu verstecken. Zwar gab es auch hier in der Vergangenheit dunkle Flecken (wo gibt es die nicht?), aber diese liegen schon so lange zurück, dass ich geneigt bin, sie in diesem Falle zu vernachlässigen.

Seit 1989 – und damit seit mehr als einem Vierteljahrhundert (!) – liegt die Church-&-Dwight-Aktie in einem sauberen Aufwärtstrend. Das ist länger, als es jede andere Aktie vorweisen kann, die ich kenne. Und darin liegt vermutlich auch schon das erste Problem: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis ist mit ca. 26 über-ambitioniert hoch, und es liegt damit auch weit über dem Wert von rund 18, den die von Ihnen genannte Procter & Gamble vorweist.

Ansonsten aber schlägt die „Kleine“ die „Große“ um Längen. Dies gilt insbesondere für die Wertentwicklung in den letzten zwei Jahrzehnten, wie dieser Vergleich zeigt (blau= C&D, rot= P&G):

Church Dwight

Seit 1990 hat sich Church & Dwight in etwa vervierzigfacht, während P&G „nur“ auf eine Verzehnfachung kommt. Vor allem in den letzten anderthalb Jahrzehnten merkt man, dass die  P&G-Aktie so langsam an ihre Grenzen zu kommen scheint. Aktuell liegt sie – in Dollar – nur wenig höher als vor zehn Jahren.

Auch in der letzten Finanzkrise hielt sich Church & Dwight besser: Der maximale Kursverlust lag bei rund 26%, bei P&G waren es 36%. Bei der Verschuldung liegen beide in etwa gleich auf: C&D kommt auf eine Eigenkapitalquote von 48%, Procter und Gamble erreicht 49%.

„Church und was…?“ 

An dieser Stelle noch ein kleiner Erlebnisbericht: Bei einer Investorenkonferenz der Deutschen Asset und Wealth Management, auf der wir unser Wahre-Werte-Depot vorstellten, nannte ich vor Kurzem  den Namen Church and Dwight und fragte, ob jemand im Saal dieses Unternehmen kenne? Allenthalben betretenes Schweigen… keiner der rund 100 anwesenden Berater sowie Fonds- und Vermögensverwalter hatte von dieser Firma jemals zuvor gehört. Manch einer dachte an irgendetwas Kirchliches … Umso größer dann das Raunen, als ich den Chart dazu einblendete.

Was zeigt uns das? Dass die Aktie – trotz ihres eigentlich viel zu hohen KGVs – noch nicht ausgereizt sein muss. Sie ist in der weltweiten Anlegergemeinde noch weitgehend unbekannt und könnte von so manchem Investor erst noch „entdeckt“ werden. Deshalb plädiere ich für eine Aufnahme der Aktie in unser Depot – allerdings mit der strikten Maßgabe, den Aufwärtstrend genauestens zu beobachten und die Aktie wieder aus dem Depot zu entfernen, sobald sich das Chartbild wesentlich verschlechtern sollte.

5 Kommentare

  1. Hab ich auch erst neulich in mein Depot gebucht(obwohl ich an noch niedrigere Kurse glaube),toller Wert!

  2. 09.10.2015

    Lieber Herr Brichta,

    vielen Dank für Ihren Kommentar und die weiterführenden Erläuterungen zu C&D. In der Tat ist es absolut unverständlich, dass dieser Wert (noch) keine weitere Beachtung bei den sogenannten „Experten“ findet (wie die von Ihnen zitierten Berater sowie Fonds- und Vermögensverwalter der Deutschen Asset- und Wealth Management).

    Zum Thema „Vermögensverwalter“ (und ob man sie wirklich braucht) hier noch ein kleines persönliches „Aha“-Erlebnis: Bei der Lektüre eines Buches Ihres geschätzten Kollegen Max Otte hat sich bei mir vor einigen Jahren die folgende an den Leser adressierte Aufforderung nachhaltig eingeprägt (hier sinngemäß wiedergegeben): „Finanzentscheidungen sind Chefsache – und der Chef sind Sie !“.

    Selbstverständlich ist es keine einfache Sache als Privat- (und Direkt-) Anleger in unserer heutigen Medienlandschaft mit einem Überangebot an (Finanz-) Informationen das Wichtige vom Unwichtigen zu trennen und „des Pudels Kern“ herauszuschälen (was zugegebenermaßen leider auch nicht immer zu 100% gelingt).

    Ihr „Wahre-Werte Depot“ bietet hier nach meiner Einschätzung für das private Direktinvestment eine sehr gute Orientierung im „Anlage-Dschungel“, insbesondere da nicht nur Aktien sondern auch andere Anlageklassen berücksichtigt werden (und das Depot demnach – hier jedoch sehr transparent – einem Ansatz des klassischen „Wealth-Management“ folgt).

    In diesem Sinne: Weiter so und schön, dass Sie meiner Empfehlung C&D folgen !

    Herzliche Grüße

    Ihr Dr. Steffen Assmann

    P.S. Interessanterweise steht Ihre letzte Depotergänzung (Fuchs Petrolub) seit längerem auf meiner „Beobachtungsliste“ – nun haben Sie mir sozusagen das finale „Go“ gegeben, mein Depot auch in diese Richtung entsprechend zu ergänzen 😉

    • Interessantes Zitat von Max Otte, lieber Herr Assmann. Vor allem im Lichte der Tatsache, dass Herr Otte mit seinem Fonds nun ja ebenfalls eine Art Vermögensverwaltung anbietet 😉

      • Ach ja, nur um es klarzustellen: Die bei der Tagung versammelten Berater, Fondsmanager und Vermögensverwalter waren allesamt selbständig und unabhängig. Die Deutsche Assset und Wealth Management war lediglich die Veranstalterin des Investmentforums.

  3. Lieber Herr Assmann,

    der „wahre Wert“ sind Sie! Sie und die anderen eifriegen Teilnehmer an unserem Wahre Werte Projekt. Warum? Wir haben uns erhofft, dass eine Vielzahl an Interessierten bessere Ideen hervorbringen können, als wir scheubeklappten Finanzexperten. Und was soll ich sagen: Ihr Vorschlag von Church & Dwight ist das beste Beispiel, dass es keine große Researchabteilung mit hunderten von Analysten braucht, um lukrative Wertpapiere und Unternehmen zu finden. Das Wissen und die Erfahrung unserer Leser und Mitmacher ist der eigentliche Wahre Wert unseres Depots.

    Ich will es kurz machen: Es ließe sich noch einiges zum Unternehmen Church & Dwight hinzufügen, allerdings allesamt Informationen, die der geneigte Leser sich auch selbst au dem netz ziehen kann. Deshalb mein Votum: Genau das, was wir suchen! Ich schließe mich der Empfehlung Raimunds an und plädiere für eine Aufnahme zum 15. Oktober mit einer 3%igen Gewichtung in unserem Portfolio. LG Volker Schilling

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