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Was ist los an den Märkten?

12. April 2016 - Raimund Brichta in Allgemein | 8 Kommentare

Die Markteinschätzung des Wahre-Werte-Teams: Einer ist besorgt, zwei bleiben entspannt 😉

Heute haben wir im Team über die aktuelle Marktlage diskutiert. Und weil wir Transparenz so groß schreiben, lassen wir unsere Leser hiermit an der Diskussion teilhaben:


Anton Voglmaier:

Liebes Team,
mir gefällt die Entwicklung an vielen Märkten derzeit nicht:
Yen/$
DOW
DAX
Die Ausnahme ist nur die Entwicklung am Rohölmarkt.
Was meint Ihr?


Volker Schilling:

Ich denke wir bewegen uns nach der Gegenbewegung an den Märkten irgendwo zwischen Baum und Borke. Was meine ich damit:

1) Q1 war performancetechnisch für viele ein Desaster. Risikobudgets aufgebraucht, Verluste eingeloggt und Korrektur nach oben verpasst. Mit kleinen „Wetten“ versucht man jetzt wieder Boden gut zu machen und investiert sukzessive kleine Anteile in den Aktienmarkt.

2) Die Berichtssaison für Q1 beginnt, dort sind die Erwartungen inzwischen so tief geschraubt (im Durchschnitt -10% für US Firmen!), dass es aus meiner Sicht eher zu positiven Überraschungen kommt. Interessanterweise haben die US Indizes zum Ende Q1 trotz zwischenzeitlicher Verluste (-11%) noch positiv geschlossen. Da würde beispielsweise der aktuelle Depotvorschlag Alphabet gut passen.

3) Die europäischen Märkte dagegen haben mal wieder Q1 negativ beendet und die maximal Verluste lagen mit -21% auch doppelt so hoch wie in den USA. #Aktienkultur!

4) Eine kurzfristige Konsolidierung, wie wir sie aktuell sehen, wäre aus meiner Sicht noch im typischen Muster für weitere Erholungen. Der sich stabilsierende Ölpreis könnte dafür auch ein Indiz sein. Zumal ich das Gefühl habe, dass man Aktienwerten derzeit etwas zu stark mißtraut aufgrund der kurzfristigen Q1 Erfahrung.

5) In unserem Depot gefallen mir unabhängig von der derzeitigen Entwicklung an den Märkten folgende Werte ganz gut: ZKB Gold, Henderson Pan Eurp. Property, Unilever, Reckitt Benckiser, Fielmann, Fuchs Petrolub, J&J, Hormel Foods und Chruch & Dwight. Bei Nike und Nestle lese ich den Chart etwas kritischer, allerdings bin ich nicht der Techniker. Kann Raimund vielleicht etwas dazu sagen. Lindt und Novo Nordisk sind für mich auch noch ok.

Fazit: Aus meiner Sicht gibt der Markt derzeit noch keine Signal, für welche Richtung er sich entscheiden will. Ich glaube schlichtweg, dass auch die meisten Marktteilnehmer derzeit einfach nur vorsichtig agieren. Die anstehende Berichtssaison zu Q1 gibt uns vielleicht etwas mehr Aufschluss.


Raimund Brichta:

$/Yen:
Bei 105 liegt eine wichtige Unterstützung. Es ist also anzunehmen, dass es spätestens dort demnächst zu einer merklichen Gegenbewegung kommt.

DOW:
Was missfällt Dir da eigentlich, Anton? Der DOW hat sogar einen Abwärtstrend vom 2015er-Rekord gebrochen. Eine Rounding-top-Formation, die noch zum Jahreswechsel aufdringlich erschien, ist damit wieder unwahrscheinlicher geworden.

DAX:
Hier gilt der Baum-und-Borke-Vergleich. Das Abprallen an der 10.000er-Marke kann derzeit noch als neues Anlaufnehmen gewertet werden. Weiteres wird sich erst in den nächsten Wochen entscheiden.

Nike:
Hier scheinen wir tatsächlich einen ungünstigen Einstiegszeitpunkt erwischt zu haben. Allerdings ist der maßgebliche Aufwärtstrend noch in Takt – selbst in Euro gerechnet, wo der zuletzt schwächere Dollar zusätzlich belastet. Solange dieser Trend nicht gebrochen wird, sollten wir dabei bleiben.

Nestle:
Testet in sfr gerade seine Tiefststände von Herbst und Frühjahr zum vierten Mal. Auch hier ist der maßgebliche Aufwärtstrend noch in Takt. Handlungsempfehlung wie bei Nike.

Insgesamt gefällt mir unsere gesamte Depot-Performance seit dem Wiedereinstieg allerdings nicht. Neben Nike ist dafür vor allem Hormel Foods verantwortlich. Auch hier haben wir offensichtlich einen ungünstigen Einstiegszeitpunkt erwischt.

Ich denke, in den nächsten Wochen werden wir klarer sehen.

———————-

P.S.
Die Diskussion fand statt, bevor die Wall Street zu ihrem abendlichen Höhenflug ansetzte.

8 Kommentare

  1. Nun, ich lese hier öfters und habe auch die Flopps von Stefan Riße verfolgt, den ich für besser halte, als seine Ergebnisse es zeigen. Ich sage das, weil Hr. Brichta ihn kennt. Es ist schwer zu sagen, wann ein Markt zu teuer ist.

    1998 war der Markt auch zu teuer, war aber noch weit entfernt vom Big Thing, dem großen Niedergang.
    Wäre jemand 1998 short gegangen, so wäre er down gegangen.

    Allerdings kenne wir die Geschichte:

    Daraus ergeben sich ein paar Regeln:

    Japan wurde kein Börsenboom in den letzte 20 Jahren.
    Und sie hatten das, was wir nun haben.

    Nur was sehr schwer wird: Zu erkennen, wann der Tag der Erkenntnis kommt.

    Japan hat schon bewiesen, dass die Bewertungen nicht in den Himmel wachsen werden,auch wenn die Zinsen bei Null sind.

    Es kommt eher das Gegenteil. Die Frage ist nur, wann es anfängt. Ich denke, es kommt ein wahnsinniger Boom, der dann irgendwann böse crashed. Und in 10 Jahren sieht der besser aus, der Geld zu 0 Prozent Zinsen anlegen konnte.
    Warum?
    Nun, ich denke, dass sich alle Trends fortsetzen werden.

    Dazu gehört auch, dass die Einkommen in einer weichen Depression bleiben und die Altersarmut steigt. Und das wird langfristig kein Wachstum bringen, wenn die Kredite nicht mehr steigen. Aber das gilt nicht heute. Es gilt erst in 10..oder 30 Jahren. Alles, was gerade läuft, ist nur ein Zeichen von Verzweiflung: Auf keinen Fall ist Null Zins Politik oder gar negativer Zins ein erfolgreicher Weg. Daraus folgt allerdings, das er langfristig unerfolgreich ist. Das sollte man nicht vergessen. Aber man darf nicht darauf spekulieren

    • Zunächst einmal teile ich Ihre Einschätzung zu meinem geschätzten Ex-Kollegen Stefan voll und ganz!

      Anders als Sie bin ich aber der Ansicht, dass man schon erkennen kann, wann ein Markt zu teuer ist. Wobei dies nicht bedeutet, dass man dann gleich short gehen sollte, weil die Kurse nur noch fallen können. Gut Ding braucht eben Weile. Und short gehen, ist ohnehin nicht jedermanns Sache.

      Aber das von Ihnen genannte Beispiel 1998 zeigt es sehr deutlich: Im Frühsommer 1998 lag das DAX-KGV bei etwa 28 – das war eindeutig zu teuer. Daraufhin fiel der DAX bis in den Herbst 98 hinein um rund 40 Prozent! Das war in etwa dasselbe Ausmaß wie beim legendären 87er-Crash. 1998 hätte man mit Short gehen also sogar richtig Kohle gemacht.

      Nach dem Crash im Herbst 1998 lag das DAX-KGV dann nur noch bei vergleichsweise moderaten 18, bevor es sich dann wieder bis zum Frühjahr 2000 auf 30 emporschwang. Jetzt liegt das DAX-KGV bei 12 und ist damit weit davon entfernt, zu teuer zu sein.

      Japanische Verhältnisse hatten wir in dieser Hinsicht übrigens noch nie: Vor dem dortigen Kurs-Einbruch lag das KGV über lange Zeit bei 70 bis 100. Und immer wieder erzählten mir die so genannten Experten, japanische Unternehmen seien eben mit anderen Maßstäben zu messen 😉

      So ein Unsinn. Heute liegt das KGV in Tokio bei 12 und damit auf DAX-Niveau. Das ist eine gesunde Bewertung.

  2. Persönlich bin ich verhalten optimistisch für den Aktienmarkt. Ich begründe meinen Optimismus damit, dass uns aktuell die herkömmlichen Anlageklassen wie Anleihen oder Immobilien immer mehr wegfallen und Aktien damit zwangsläufig in den Fokus rücken. Die Lage aktuell betrachte ich auch als eher diffus, eine klare Richtung gibt es nicht. Persönlich stört es mich nicht, wenn wir auf einen Trend noch ein wenig warten müssen. Für das Wahre-Werte-Depot sollte es kein Problem sein.

    Allerdings überlege ich, ob es nicht vielleicht ein Gedanke wert wäre, den Gold-Anteil im Depot zu erhöhen. Ich stelle fest, dass in den letzten Monaten immer häufiger kritisch über den Wert unseres Giralgeldes berichtet wird. Ich kann mir schon vorstellen, dass Gold in immer breiteren Bevölkerungssichten ein Thema wird und dass die Nachfrage steigen wird.

    • Danke für Ihren Vorschlag, lieber Herr Eigenbrodt.

      Dazu die Info, dass wir seit vergangenem Sommer unsere Goldposition regelmäßig aufstocken. Und zwar alle zwei Monate um ein ZKB-Gold-Zertifikat im Wert von derzeit 1.070 EUR. Diese Käufe, mit denen wir uns einen Durchschnittskurs rund um das von uns erwartete (und bis jetzt bestätigte) Preistief von ca. 1.000 $ je Feinunze sichern wollten, behalten wir bis auf Weiteres bei.

  3. Die Hormel Foods Aktie scheint nun auch eine Korrekturphase einzulegen. Sie muss die Kursgewinne des vergangenen Jahres wohl erst einmal verdauen. Das KGV ist auch historisch hoch. Längere Seitwärtsphasen gab es auch früher in der Kurshistorie. Der Chart scheint aber noch intakt zu sein, sofern die jüngsten Tiefs nicht deutlich nach unten durchschritten werden.

    • Sie HAT diese Phase schon eingelegt. Und richtig, der Chart ist noch in Ordnung.

  4. Hallo Volker! Gut, dass wir beide letzte Woche standhaft geblieben sind. Gerade jetzt nämlich kommt unser Depot ins Laufen 😉

  5. Nun ja, könnte auch sein, dass wir alle demnächst vom Markt gefickt werden. Seit Herbst 2014 hat der Markt nichts mehr gewonnen. Die bösen Monate kommen erst noch. Dax 7000 bis Herbst hat keiner auf der Liste. Ich denke, man kann an der Börse nichts einschätzen.
    Aber an der EZB Politik kann man erkennen, dass es ganz große böse Probleme gibt.

    Für Dax 11000 brauchen wir jetzte einen seltenen Sommer Run. Sonst droht uns Dax 8000 oder tiefer.

    Auch wenn es keiner hören mag. Seit Herbst 2014 sind die Märkte Tod. Und wenn man ein totes Pferd reitet, sollte man vielleicht absteigen und weg gehen. Oft ist ein totes Pferd tatsächlich nur tot. Verglichen mit früheren Zeiten stehen wir vor einem fetten Crash. Natürlich nur, wenn der Sommer kein Aktienrun wird. Aber das glaube ich nicht

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