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Lindners Anfängerfehler: Wie der Bund UniCredit die Tür öffnete

15. Oktober 2026 - Anton Voglmaier in Allgemein | Keine Kommentare »

Die Europäische Zentralbank hat UniCredit grünes Licht gegeben, die Kontrolle über die Commerzbank zu übernehmen. Noch ist die Übernahme nicht vollzogen. Aber die entscheidende aufsichtsrechtliche Hürde ist gefallen. Rund 40.000 Beschäftigte müssen sich fragen, was das für ihre Zukunft bedeutet.

Wer hat den Italienern die Tür geöffnet? Die Spur führt zurück in den September 2024 – zu Bundesfinanzminister Christian Lindner.

Damals verkaufte der Bund 4,49 Prozent der Commerzbank-Aktien. UniCredit erhielt das gesamte Paket für 702 Millionen Euro. Zusammen mit bereits erworbenen Anteilen hielten die Italiener anschließend gut neun Prozent. Der Ausgangspunkt für einen Übernahmeversuch war geschaffen.

Und das alles bei einer Bank, die für die Finanzierung des deutschen Mittelstands eine zentrale Rolle spielt.

Besonders ärgerlich: Der Bund nutzte ein beschleunigtes Platzierungsverfahren. UniCredit bot am meisten und bekam sämtliche Aktien. Finanziell war der Verkauf keineswegs ein Schnäppchen für die Käufer: Sie zahlten mehr als den vorherigen Börsenkurs. Strategisch aber war das Paket Gold wert.

Natürlich war ein Ausstieg des Staates aus der Commerzbank grundsätzlich richtig. Der Bund war während der Finanzkrise eingesprungen, nicht um auf Dauer Bankaktionär zu bleiben. Aber wer eine Beteiligung dieser Größenordnung verkauft, muss vorher durchspielen, wer zugreifen könnte und welche Folgen das hätte.

Die Bundesregierung wurde nach eigener Darstellung vom Einstieg der UniCredit überrascht. Das ist keine Entschuldigung. Es ist der Kern des Problems.

Die Entscheidung über das Verkaufsverfahren fiel in einem interministeriellen Ausschuss. Lindner hat die Aktien nicht persönlich an UniCredit verkauft. Doch als Finanzminister trug er die politische Verantwortung für den Ausstieg. Gerade von einem FDP-Minister, der wirtschaftliche Kompetenz für sich beanspruchte, durfte man mehr strategischen Weitblick erwarten.

Kurz darauf kritisierte Lindner das Vorgehen der Italiener. Erst ermöglicht der Bund einem potenziellen Übernehmer den entscheidenden Einstieg, dann beklagt die Politik dessen Ambitionen. Professionelle Beteiligungspolitik sieht anders aus.

Ob eine europäische Bankenfusion wirtschaftlich sinnvoll ist, ist eine andere Frage. UniCredit ist eine erfahrene Großbank. Eine Übernahme muss für die Commerzbank nicht zwangsläufig schlecht sein.

Aber das entlastet die damalige Bundesregierung nicht. Sie wollte ihre Aktien verkaufen, ohne die strategischen Folgen ausreichend im Griff zu haben.

UniCredit hat die Gelegenheit erkannt und genutzt. Lindners Finanzministerium hat sie eröffnet. Das ist der eigentliche politische Skandal.

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