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Wird der US-Anleihemarkt zur Gefahr für das globale Finanzsystem?

29. August 2026 - Anton Voglmaier in Allgemein | Keine Kommentare »

Im Januar 2025 schrieb ich: Die Zukunft der USA wird auf dem Anleihemarkt entschieden.

Im Juli 2026 griff ich diese These erneut auf. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen war wieder auf 4,7 Prozent gestiegen – ein Niveau, das die Finanzierungskosten der USA stärker in den Fokus rückte.

Gestern warnte auch die NZZ unter der Überschrift „Die 40-Billionen-Dollar-Bedrohung“ davor, dass der Markt für US-Staatsanleihen selbst zu einem Risiko für die globale Finanzstabilität werden könnte.

Inzwischen hat die US-Staatsverschuldung erstmals 40 Billionen Dollar überschritten. In den ersten zehn Monaten des laufenden Fiskaljahres lag das Haushaltsdefizit laut CBO bei 1,8 Billionen Dollar. Für 2026 projiziert das CBO Nettozinsausgaben von rund einer Billion Dollar.

Washington muss deshalb enorme Mengen neuer Staatsanleihen ausgeben – um fällig werdende Schulden zu refinanzieren und zugleich laufende Defizite zu finanzieren. Dafür braucht es Käufer.

Und die Konditionen bestimmt der Markt. Am 28. August schloss die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen bei 4,722 Prozent.

Damit rückt das markante Hoch vom Januar 2025 bei knapp 4,8 Prozent wieder näher. Erst bei einem nachhaltigen Ausbruch darüber würde auch die Marke von 5 Prozent stärker in den Blick rücken.

Doch die eigentliche Frage reicht inzwischen weit über diese charttechnische Marke hinaus.

US-Staatsanleihen sind zentral für das globale Finanzsystem: Anlage, Sicherheit und Referenzpreis für zahlreiche Finanzgeschäfte.

Zugleich spielen Hedgefonds am Treasury-Markt eine erhebliche Rolle. Laut Federal Reserve hielten große Hedgefonds zuletzt rund 8,5 Prozent der ausstehenden Treasuries.

Der Basis-Trade – die Ausnutzung kleiner Preisunterschiede zwischen Staatsanleihen und Futures – hatte ein geschätztes Volumen von rund 830 Milliarden Dollar. Solche Strategien arbeiten häufig mit hoher Hebelung.

Geraten solche Positionen unter Druck, können erzwungene Verkäufe Marktbewegungen verstärken. Die Fed sieht darin Potenzial für systemischen Stress.

Auch das US-Finanzministerium erhöht ab 9. September seine Liquiditäts-Rückkäufe länger laufender Staatsanleihen von maximal 2 auf mindestens 4 Milliarden Dollar je Operation. Offiziell soll damit die Marktliquidität unterstützt werden.

Noch bedeutet all das keine bevorstehende Finanzkrise.

Im Januar 2025 sah ich im Renditeanstieg einen möglichen allmählichen Vertrauensverlust in die künftige Politik Donald Trumps. Im Juli 2026 schrieb ich: 4,7 Prozent sind noch kein Beweis für einen umfassenden Vertrauensverlust – aber ein Warnsignal.

Inzwischen geht die Frage noch einen Schritt weiter: Könnten größere Verwerfungen am Markt für US-Staatsanleihen selbst zu einem Risiko für die Stabilität des globalen Finanzsystems werden?

Meine Einschätzung vom Januar 2025 gilt weiterhin:

Die Zukunft der USA wird auf dem Anleihemarkt entschieden.

Und möglicherweise nicht nur die der USA.

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