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BRICS-Länder und das Gerede vom neuen Glanz – Update

13. September 2026 - Anton Voglmaier in Allgemein | 11 Kommentare

Im Juni 2022 haben wir an dieser Stelle das große Wort vom „neuen Glanz der BRICS“ unter die Lupe genommen (zur Original-Kolumne). Anlass war damals der virtuelle Gipfel unter chinesischem Vorsitz, bei dem Staatspräsident Xi Jinping ankündigte, „frisches Blut“ werde der Gruppe neue Vitalität und mehr Einfluss verleihen.

Am 12. und 13. September 2026 treffen sich die BRICS-Staaten erneut – diesmal zum 18. Gipfel in Neu-Delhi, unter indischem Vorsitz und mit dem Motto „Building for Resilience, Innovation, Cooperation and Sustainability“. Xi Jinping reist dafür zum ersten Mal seit sieben Jahren wieder nach Indien. Die inzwischen auf elf Mitglieder gewachsene Gruppe verabschiedet die „Neu-Delhi-Erklärung“, die unter anderem einseitige, nicht vom UN-Sicherheitsrat autorisierte Sanktionen kritisiert. Wieder viel Rhetorik vom wachsenden Gewicht der Gruppe: rund die Hälfte der Weltbevölkerung, 40 % des globalen BIP sollen inzwischen auf die BRICS-Staaten entfallen.

Schauen wir also, wie schon 2022, auf die nackten Börsenzahlen.

FTSE BRIC 50 Index (899,64 Pkt., Stand 11.09.2026): rund 52 % unter dem Allzeithoch von 1.861,53 Punkten (Februar 2021).

• 1 Jahr: -15,92 % · 3 Jahre: +16,16 % · 5 Jahre: -33,69 % · 10 Jahre: -9,07 %

(Quelle: onvista.de)

MSCI G7 Index (4.684,21 Pkt., Stand 11.09.2026): knapp unter dem Allzeithoch von 4.771,63 Punkten (August 2026).

• 1 Jahr: +15,91 % · 3 Jahre: +67,93 % · 5 Jahre: +62,13 % · 10 Jahre: +205,43 %

(Quelle: onvista.de)

Fazit

Die Gegenüberstellung wirkt fast wie eine Karikatur ihrer selbst: Auf Jahressicht stehen sich -15,92 % beim BRIC-Index und +15,91 % beim G7-Index fast spiegelbildlich gegenüber. Über zehn Jahre klafft die Schere noch weiter auseinander: einem Minus von 9 % bei den BRICS-Werten steht ein Plus von über 200 % bei den G7-Werten gegenüber.

Politisch mag die Gruppe wachsen – von fünf auf elf Mitglieder, mit immer neuen Erklärungen zu Souveränität und multipolarer Weltordnung. Vom „frischen Blut“ und „neuen Glanz“, den Xi Jinping schon 2022 beschwor und der auch 2026 in Neu-Delhi wieder mitschwang, ist an der Börse aber weiterhin nichts zu sehen. Wirtschaftlich, gemessen an der Kursentwicklung der Unternehmen, die dort tatsächlich Werte schaffen sollen, bleibt der Abstand zu den G7 so groß wie eh und je.

11 Kommentare

  1. Eine einseitig auf die Börsenindizes fokussierte – diesbezüglich nicht falsche – Kolumne.

    Das wahre Leben spielt jedoch außerhalb der Börse, und da sind folgende harte Faktoren entscheidend:

    – BIP, nebst jährlichen Wachstumsraten
    – PISA
    – Technologien und Naturwissenschaften
    – Rohstoffe

    Wie sieht der Vergleich und die Entwicklung diesbezüglich aus?

    Die USA sind und werden stark bleiben.

    • Genau deshalb habe ich die Kolumne bewusst auf die Börse beschränkt. Natürlich kann man BRICS und G7 auch nach BIP-Wachstum, Bildung, Technologie oder Rohstoffen vergleichen – und dabei würde das Bild deutlich differenzierter ausfallen.

      Mein Punkt ist aber ein anderer: Auf den BRICS-Gipfeln wird seit Jahren das wachsende wirtschaftliche und geopolitische Gewicht der Gruppe und die Entwicklung hin zu einer multipolaren Weltordnung hervorgehoben. Ich wollte diesem politischen Narrativ ganz bewusst nur eine sehr nüchterne Messgröße gegenüberstellen: Was ist in dieser Zeit an den Aktienmärkten passiert?

      Und da fällt der Befund ziemlich eindeutig aus. Das erklärt nicht die ganze Welt – soll es aber auch nicht.

  2. Ich denke wir sind uns einig dass man hauptsächlich in US-Unternehmen investieren sollte – zumindest mache ich das.

    Aus G7 würde ich jedoch eine G1 machen – sprich die USA.

    Ein paar einzelne passable europäische Unternehmen gibt es noch. US-Konzerne kaufen europäische Unternehmen sukzessive auf, oder sie verdrängen diese mit disruptiven Entwicklungen.

    China bleibt der erfolgreiche Gegenspieler auf der anderen Seite und kann mEn von den USA nicht mehr unterworfen werden. China ist zu groß.

    Aktuell der für Trump und die USA höchst erfolgreiche Deal zu Grönland. Erinnern Sie sich noch, wie viele sich über die Posts von Trump zu Grönland lustig gemacht haben oder empört?

    The winner takes it all.

    Der Große gewinnt, der Kleine verliert. Ist seit der Evolution und im richtigen Leben schon immer so gewesen und wird so bleiben.

    Indien könnte übrigens der Verlierer aufgrund KI werden…

    • Mit der „G1“ haben Sie einen interessanten Punkt. Die Sonderstellung der USA an den Aktienmärkten ist tatsächlich enorm. Gleichzeitig ist China wirtschaftlich und technologisch längst ein gewichtiger Gegenpol.

      Nur bei „The winner takes it all“ wäre ich vorsichtiger. Größe allein garantiert noch keinen dauerhaften Erfolg.

      • Die Sonderstellung der US-Konzerne – deren Umsätze, Gewinne und somit Bewertung an den Aktienmärkten – wird auch bleiben, mEn sogar noch ausgebaut. Das ist das was wir sehen.

        Erfolgreiche Machtmittel: Militär, Finanzen (Kapital und Finanzplatz), Politik / Justiz und Geheimdienste. Darauf beziehe ich mich auch, wenn ich von „Größe“ schreibe.

        Und zwar völlig unabhängig davon wer gerade im Weißen Haus sitzt und Präsident spielen darf…

        • Bei „Präsident spielen darf“ widerspreche ich Ihnen entschieden. Falls Sie damit meinen, der jeweilige US-Präsident sei letztlich nur eine Marionette von Geheimdiensten oder anderen Kräften, halte ich das für falsch. Der Präsident verfügt über erhebliche eigene verfassungsmäßige Macht – begrenzt durch Kongress und Gerichte.

          Dass die strukturelle Stärke der USA einzelne Präsidenten überdauert: ja. Dass es deshalb völlig gleichgültig wäre, wer im Weißen Haus sitzt: ganz sicher nicht.

          • Da sind wir andere Meinung, was ja auch ok ist.

            Formal betrachtet hat der Präsident entsprechende Macht, wie Sie belegen. Er kann diese jedoch nur in einem gesetzten Rahmen – Leitplanken – ausüben.

            Solange er sich daran hält, bleibt er in seinem Amt.

            Innenpolitisch gibt es in den USA sehr wohl Unterschiede, wie das Beispiel der Einwanderungspolitik zeigt: da liegen Republikaner und Demokraten weit auseinander, auch innerhalb der sogenannten Eliten gibt es dort Differenzen.

          • Dass die Macht des Präsidenten verfassungsrechtliche und institutionelle Leitplanken hat, ist unstrittig.

            Aber bei Ihrem Satz „Solange er sich daran hält, bleibt er in seinem Amt“ werde ich hellhörig. Wenn Sie damit weiterhin meinen, dass Geheimdienste oder andere Kräfte dem Präsidenten die eigentlichen Leitplanken setzen und letztlich darüber entscheiden, ob er im Amt bleibt, dann würde mich interessieren: Wer genau soll das sein – und worauf stützen Sie diese These?

            Denn Verfassung, Kongress und Gerichte als Begrenzung präsidentieller Macht sind das eine. Eine Machtstruktur hinter den gewählten Institutionen wäre eine ganz andere Behauptung.

  3. Sie wissen doch wie das Geschäft läuft. Im Business müssen sie netzwerken, um nach „oben“ zu gelangen. Mit Fleiß alleine gewinnen Sie keinen Preis.

    In der Politik benötigen sie finanzielle Unterstützung, oder streiten Sie das etwa ab?

    Sie wissen doch, wie viele Milliarden mittlerweile dort für Wahlwerbung bzw Wahlbeeinflussung ausgegeben werden.

    Ergo sind Politiker von ihren Finanziers ab. Und diese Finanziers besitzen teilweise nebenbei auch Medienkonzerne.

    Was die USA betrifft können Sie ganz einfach recherchieren (bspw mit KI, welche ein Großteil der Arbeit abnimmt), wer mit wem wie vernetzt ist und inwieweit unterstützt.

    Das ist keine Behauptung, sondern bekannt.

    • Dass Geld und Netzwerke in der US-Politik erheblichen Einfluss haben, bestreite ich überhaupt nicht.

      Aber aus Einfluss wird nicht automatisch Kontrolle. Und aus der Bedeutung von Wahlkampffinanzierung und Netzwerken folgt für mich noch lange nicht, dass ein Präsident letztlich nur „Präsident spielen darf“ und im Amt bleibt, solange er sich an die Leitplanken seiner Finanziers oder anderer Machtzentren hält.

      Für diese weitergehende These bräuchte es mehr als den Hinweis darauf, wer mit wem vernetzt ist.

      Aber damit sind wir inzwischen auch ziemlich weit von meiner ursprünglichen Kolumne und ihrem eigentlichen Thema entfernt. Deshalb würde ich es an dieser Stelle dabei belassen.

  4. Ja, wir sind etwas abgedriftet.

    Um wieder auf das eigentliche Thema zu kommen – sprich Börsenentwicklung G7 vs BRICS:

    1) US-Aktien bleiben für mich stark übergewichtet. Die Teilnehmer der Amtseinführung des US-Präsidenten genießen Privilegien und enorme Wettbewerbsvorteile gegenüber Firmen aus BRICS und EU. Insofern kann man tiefenentspannt die bekannten Werte im Depot halten.
    2)
    – Indien ETF Gewichtung: ca 1 bis 2% (also überschaubar)
    – Indien Einzelwert: Reliance Industry (ein Gigant, der „überall seine Finger im Spiel hat“ (mächtig)
    3) China: Alibaba, ICBC und JD.com bis insgesamt 10% Gewichtung. Begründungen: Die chinesische Regierung wird mEn ein konservatives Wachstum zulassen und hat ausreichend Macht, diese Konzerne auch gegen US-Machtpolitik zu schützen
    4) Japan und Südkorea Gewichtung 5-10% (Anm.: Südkorea = Samsung)
    5) EU und GB: ca 15 bis 20%

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