Die Eliten wollen uns früher sterben lassen?
16. August 2026 - Anton Voglmaier in Allgemein | Keine Kommentare »
Nach 2:08 Minuten wollte ich dieses Video abschalten.
Solch hanebüchender Unsinn war kaum noch erträglich.
Ich habe es trotzdem bis zum Ende angesehen.
Catherine Austin Fitts, ehemalige Assistant Secretary im US-Wohnungsministerium und Federal Housing Commissioner unter George H. W. Bush, sitzt bei Tucker Carlson und entwickelt eine ungeheuerliche These:
Amerikas Eliten hätten sich bewusst dafür entschieden, die Lebenserwartung der Bevölkerung zu senken.
Warum?
Weil Menschen, die früher sterben, weniger Renten kosten. Weil Automatisierung viele Menschen überflüssig mache. Weil eine kleinere Bevölkerung leichter zu kontrollieren sei. Und weil die Reichen selbst durch neue Technologien viel länger leben könnten.
Das Erstaunliche: Fitts arbeitet dabei immer wieder mit Tatsachen.
So führt sie die Zulassung von OxyContin Ende 1995 als Teil dieser angeblichen Strategie an. Die Opioidkrise trug später nachweislich zur sinkenden Lebenserwartung in den USA bei.
Jared Kushner sagte 2022 tatsächlich, seine Generation könne durch wissenschaftlichen Fortschritt vielleicht die erste sein, die ewig lebt – oder die letzte, die stirbt.
Und Sean Parker, der erste Präsident von Facebook, scherzte tatsächlich darüber, dank seines Reichtums 160 Jahre alt und Teil einer „Klasse unsterblicher Herrscher“ zu werden.
Aber genau hier beginnt das Problem.
Aus Tatsachen wird Absicht.
OxyContin wurde zugelassen – also sollte die Lebenserwartung sinken.
Reiche Menschen sprechen über Lebensverlängerung – also wollen sie weniger andere Menschen.
Die Lebenserwartung sank während Corona – also sei auch das Teil derselben Entwicklung.
Automatisierung ersetzt Arbeit – also brauchen „die Eliten“ die Menschen nicht mehr.
Am Ende erzählt Fitts sogar von angeblichen Überlegungen während der Iran-Contra-Affäre, eine Kofferatombombe mitten in Chicago zu zünden, um abzulenken.
Der Beleg? Eine Geschichte, die ihr jemand erzählt haben soll.
Das ist keine Beweiskette.
Es ist eine Erzählkette.
Reale Ereignisse werden miteinander verbunden, dazwischen werden Motive unterstellt – und aus Korrelation wird Kausalität, aus Vermutung Gewissheit und schließlich aus einzelnen Tatsachen eine gigantische Verschwörung.
Genau darin liegt für mich das eigentliche Problem dieses Interviews.
Je größer die Behauptung, desto stärker müssten die Beweise sein.
Hier ist es umgekehrt: Die Behauptungen werden immer ungeheuerlicher – die Beweise bleiben aus.
Nach 2:08 Minuten wollte ich abschalten.
Ich habe trotzdem bis zum Ende weitergehört.
Die Behauptungen wurden größer. Die Beweise nicht.
Hier das Video – schauen Sie es sich selbst an und bilden Sie sich eine eigene Meinung:
