Ist die Schweiz das gefährlichste Land der Welt?
9. Oktober 2026 - Anton Voglmaier in Allgemein | Keine Kommentare »
Die Schweiz gilt als Inbegriff der Stabilität. Solide Staatsfinanzen, ein verlässlicher Rechtsstaat und ein Franken, in den Anleger flüchten, wenn die Welt aus den Fugen gerät. Doch ausgerechnet dieses Land beherbergt ein Risiko, das in einer neuen Finanzkrise seine Stabilität erschüttern könnte.
Im März 2022 habe ich in meiner Kolumne „Ist der Schweizer Franken ein sicherer Hafen?“ vor den beiden Schweizer Großbanken gewarnt. Meine Befürchtung: Gerät eine von ihnen in Schwierigkeiten, könnte ihre Rettung den Schweizer Staat überfordern.
Ein Jahr später war es so weit. Die Credit Suisse verlor das Vertrauen der Märkte und musste im März 2023 von der UBS übernommen werden. Staat und Nationalbank ermöglichten die Rettung mit Garantien und Liquiditätshilfen.
Das Ergebnis: Aus zwei Großbanken wurde ein noch größerer Finanzkonzern.
Die UBS weist für Ende 2025 eine Bilanzsumme von rund 1,62 Billionen Dollar aus. Das entspricht etwa dem Anderthalbfachen der Schweizer Wirtschaftsleistung.
Der Internationale Währungsfonds bezeichnet die UBS als weltweit größte systemrelevante Bank im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung ihres Heimatlandes.
Was bedeutet das für ein Land mit gerade einmal neun Millionen Einwohnern?
Eine Bank, deren Bilanz größer ist als die Wirtschaftsleistung des Landes, kann im Ernstfall zur Gefahr für dessen finanzielle Stabilität werden.
Die Geschichte kennt solche Fälle. 2008 musste Irland seine Banken mit gewaltigen Summen stützen. Aus der Bankenkrise wurde eine Staatsschuldenkrise. 2010 benötigte Irland internationale Finanzhilfen.
Auch die Schweiz musste 2008 die UBS stabilisieren. Fünfzehn Jahre später rettete sie die Credit Suisse durch deren Übernahme durch die UBS.
Und beim nächsten Mal?
Die Schweizer Behörden wollen die Eigenkapitalanforderungen verschärfen. Doch selbst hohe Kapitalpolster bieten keine absolute Sicherheit gegen eine globale Finanzkrise.
Die UBS steht heute keineswegs vor dem Zusammenbruch. Aber das ist auch nicht der Punkt.
Was geschieht, wenn die nächste Finanzkrise das internationale Bankensystem erschüttert? Wenn Anleger ihr Vertrauen verlieren, die Refinanzierung der Banken stockt und der Staat erneut eingreifen muss?
Dann könnte die Schweiz gezwungen sein, einen Finanzkonzern zu stützen, dessen Bilanzsumme ihre Wirtschaftsleistung weit übersteigt. Nicht die gesamte Bilanz müsste gerettet werden. Doch schon ein Bruchteil davon könnte den Staat vor gewaltige finanzielle Herausforderungen stellen.
Aus einer Bankenkrise könnte eine Staatskrise werden. Und aus der Staatskrise eine Vertrauenskrise für den Schweizer Franken.
Denn was ist eine Fluchtwährung noch wert, wenn ausgerechnet das Land, das für ihre Stabilität bürgt, selbst unter Druck gerät?
Die Schweiz hat mit der Übernahme der Credit Suisse das Problem nicht beseitigt. Sie hat das Risiko in einem einzigen, noch größeren Finanzkonzern konzentriert.
Die entscheidende Frage lautet deshalb: Wer rettet die Schweiz, wenn sie ihre größte Bank retten muss?
