Kunst als Investment? Warum ich als Unternehmer meist abraten muss – und trotzdem zum Kaufen ermutige
31. Januar 2026 - Anton Voglmaier in Allgemein | Keine Kommentare »
„Kann man mit Kunst Geld verdienen?“
Diese Frage wird mir regelmäßig gestellt.
Sie kommt fast immer aus einer nachvollziehbaren Haltung:
Wer Vermögen aufbaut oder verwaltet, denkt in Diversifikation, Stabilität und Werterhalt. Kunst wirkt dabei auf den ersten Blick attraktiv – greifbar, exklusiv, vermeintlich wertbeständig.
Meine Antwort fällt dennoch meist ernüchternd aus:
In den allermeisten Fällen eignet sich Kunst nicht als Investment.
Und genau das ist – paradoxerweise – ihre große Stärke.
Im Interview mit der NZZ am Sonntag erklärt Magnus Resch sehr nüchtern, warum der Kunstmarkt so funktioniert, wie er funktioniert. Seine Aussagen basieren nicht auf Bauchgefühl, sondern auf umfangreichen Datenanalysen:
Ein extrem kleiner Kreis von Künstlern erzielt den Großteil der globalen Auktionsumsätze. Ihre Werke kosten mindestens sechsstellige Beträge und sind für die meisten Privatanleger faktisch unerreichbar.
Wer mit wenigen tausend Franken ein außergewöhnliches Renditeobjekt sucht, verkennt die Struktur dieses Marktes.
Warum diese Erkenntnis befreiend ist
Sobald man akzeptiert, dass Kunst kein Sparbuch ist, verschiebt sich der Fokus.
Dann geht es nicht mehr um Preisprognosen, sondern um andere, ehrlichere Fragen:
• Was spricht mich an?
• Was will ich täglich sehen?
• Wen möchte ich mit meinem Geld unterstützen?
Kunst wird dann nicht gerechnet, sondern erlebt.
Kleine Budgets, echte Entscheidungen
Gute Kunst ist nicht automatisch teuer. Ein großer Teil der gehandelten Werke liegt deutlich unter fünfstelligen Beträgen. Wer bereit ist, Museen, Galerien, Kunstmessen oder Ateliers zu besuchen, entwickelt mit der Zeit ein eigenes Urteil – unabhängig vom Marktgeschrei.
Gerade außerhalb der großen, bekannten Namen entsteht dabei oft die größte Nähe: zum Werk, zum Künstler, zur Idee dahinter.
Mein persönliches Fazit
Ich rate selten zu Kunst als Investment.
Als Mensch halte ich Kunst für eine der sinnvollsten Ausgaben überhaupt.
Nicht jede gute Entscheidung im Leben lässt sich in Rendite messen.
Beim Kunstkauf gilt das besonders.
Quelle:
Interview mit Magnus Resch, NZZ am Sonntag (Textgrundlage), Fotos: Martin Parr / Magnum
