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Doppelter finaler Ausverkauf?

14. März 2020 - Raimund Brichta in Allgemein | 41 Kommentare

Nach meiner grundsätzlichen Einordnung vom Freitag folgt nun ein etwas kurzfristigerer Blick auf die Börsen:

Hier liegt die Herausforderung darin abzuschätzen, wann die gegenwärtige Crashsituation mit den riesigen Tagesschwankungen beendet sein wird. Denn eines ist sicher: Diese Schwankungen werden nicht ewig dauern, und danach werden die Börsen wieder in ruhigere Fahrwasser geraten. Momentan sind sie wie ein Fisch, der sofort wieder aus der Hand flutscht, wenn man glaubt, ihn gepackt zu haben. Nach dieser Phase wird der Fisch wieder besser zu greifen sein – egal in welche Richtung er auch schwimmt.

Zuerst zur heftigeren Variante: Rein theoretisch könnte der Crash noch weitergehen. Verglichen mit dem von 1929 hätten wir erst rund zwei Drittel des Wegs zurückgelegt. Damals ging es 50% in den Keller, bis jetzt sind es „nur“ 33%. Nichts ist auszuschließen. Allerdings waren die Kurse damals im Vorfeld fiel ungebremster gestiegen – über Jahre hinweg, ohne größere Zwischenkorrekturen. In den 20er-Jahren des vorigen Jahrhunderts hatte sich also ein viel größerer „Bereinigungsbedarf“ angestaut als diesmal.

Nach der weniger heftigen Variante wäre der Crash irgendwo zwischen 30 und 40 Prozent zu Ende. Und hier würde sich die vergangene Woche durchaus als ein unterer Wendepunkt anbieten. Und zwar in Form eines „doppelten finalen Ausverkaufs“. Ich sprach gestern von der Anomalie, dass dem vermeintlich finalen Ausverkaufstag vom Montag am Donnerstag ein zweiter solcher Tag folgte. In der Presse war es der schwarze Donnerstag nach dem schwarzen Montag.

Nun gibt es folgende Börsenregel: Wenn auf solche Ausverkaufstage jeweils ein Tag mit einem über 90%-igen Aufwärtsvolumen folgt (Umsatzvolumen der steigenden Werte > 90% des Gesamtvolumens), dann gilt ein vorläufiges Tief als erreicht. Ich gehe davon aus, dass der Freitag an der Wall Street erneut ein solcher über 90%-iger Aufwärtstag war. Der Dienstag war es fast, und damit wäre die Regel diesmal in doppeltem Sinne erfüllt. Die Wahrscheinlichkeit für ein vorläufiges Tief erscheint also recht hoch.

Und wenn es doch anders käme, wäre es eine erneute Anomalie – und ein untrügliches Zeichen für weiteres kurzfristiges Ungemach. Es bleibt spannend.

Wie es dann längerfristig weitergeht, ist erst einmal egal. Denn nach der Crashphase lässt sich der Fisch mit Sicherheit wieder besser packen …

41 Kommentare

  1. Lieber Raimund,

    vielen Dank für diesen kundigen und tröstenden Artikel.
    Mit meiner geringeren Fachkenntnis sehe ich das so wie du.

    Ich habe Freunden geraten, dass sie sich jetzt darauf vorbereiten sollen, Aktien zu kaufen. Leider halten sie die Sache für sehr gefährlich. Aber auch das spricht ja für eine Erholung. … Dabei könnten sie das Geld gut gebrauchen.

    Auf jeden Fall werden jetzt wieder Vermögen zerstört und Vermögen begründet.

    p.s. Wenn du mit deinen bescheiden geäußerten Betrachtungen weiter so richtig liegst, wirst du mit 90 Jahren der neue Kostolany.

    • Einfach weitersagen und teilen …

  2. Hallo Herr Brichta,
    Eine sehr schlüssige Theorie, ich habe das Gefühl es kommt jetzt nach und nach wie 1987 und Ende der 90er Jahre (bei der Hedgefond Krise/Emerging Market Krise ) eine
    Seitwährtsbewegung die mit Schwankungen leicht ansteigt
    Aber ca. 1,5 bis 2,5 Jahre dauern wird bis das Top wieder
    Ereicht wird.
    Dem gegenüber steht aber das beim S&P 500 das letzte Top
    Deutlich höher ist als das vorhergehende( beim Dax leider nicht so deutlich).Zu Vergessen ist auch nicht die besondere Situation das bald der Wahlkampf in Amerika los geht, was in den meisten Fällen eher für freudliche Kurse
    Sorgt, was wiederum die 2. Annahme beflügeln würde
    Herr Brichta , was meinen Sie zu diesen Aspekten.
    Auch möchte ich mich bei ihnen bedanken, für ihre
    Einschätzungen und Beiträge die viele andere Medienbeiträge
    Und Expertenmeinunge oder solche die sich dafür halten
    „Alt aussehen “ lassen.
    Machen Sie bitte weiter so.

    Herzlichen Dank

    • Wie ich schon schrieb, lieber W. Betz: Dieser Beitrag ist nur auf die kurzfristige Börsenentwicklung ausgerichtet. Die längerfristige ist derzeit noch nicht absehbar. Diese lässt sich erst im weiteren Verlauf abschätzen und wird davon abhängen, wie sich eine anschließende Erholung entwickelt.

      Ganz langfristig gesehen ist natürlich eines nahezu sicher: Die Aktienkurse werden früher oder später wieder auf neue Höchststände steigen! In Worst-Case-Szenarien würde es etwa so lange dauern wie nach dem Platzen der Dotcom-Blase oder nach der Weltwirtschaftskrise der 30er-Jahre. Auch die Finanzkrise 2008 wäre ein solches Worst-Case-Szenario. In diesem Fall war die Genesungszeit sogar relativ kurz: Schon nach rund 6 Jahren waren die alten Hochs überschritten.

  3. Hallo Herr Brichta, zuerst würde ich gerne auf die Fakten eingehen, die Sie schreiben.

    1. Der Dow Jones hat sind von 1920 mit ca. 100 Punkten bis 1929 auf 331 Punkte hochgearbeitet. Das entspricht einem Zeitraum von rund 9 Jahren und einem Gewinn von ca. 200 %.

    Im Jahr 2010 Stand der Dow Jones bei ca. 10.000 Punkten. Im Jahr 2019 erreichte er seinen Höchsstand bei fast 30.000 Punkte. Also auch ein Zugewinn in etwa der gleichen Zeit von ca. 200 %.

    2. Der Dow Jones fiel vom Höchststand mit 331 Punkten bis in den Sommer 1932 auf 41 Punkte. Das entspricht einem Rückgang von ca. 88 % !.
    Wenn Sie das damalige Szenario auf heute projizieren, dann müsste der Dow Jones auf ca. 3.500 Punkte fallen.

    Das dieses Szenario nicht eintrifft, davon dürften auch die härtesten Crash – Propheten ausgehen.
    Wir sind uns einig, dass niemand genau weiß, wohin die Reise geht. Die Börse könnte drehen oder auch nicht. Dazu benötigen wir beide eine bessere Glaskugel als bisher.
    Aber eines zeigt der Anstieg von 2010 bis 2019, er war rasant und nur mit Minikorrekturen von ganz kurzer Zeit gekennzeichnet. Es gab weder in der Finanz- noch in der Realwirtschaft nennenswerte Korrekturen nach unten. Die Kurse zeigten im Prinzip ohne nennenswerte Unterbrechung nach oben. Selbst die Insolvenzverwalter sind heute arbeitslos. Bereinigungen (die Ihren Namen verdienen) sind in der Realwirtschaft wichtig und haben Ihre Funktion. Mein Bauchgefühl sagt mir, dass das auf Dauer nicht gut geht. Und zwar auch ohne Corona.

    Viele Grüße
    Rainer Kraushaar

    • Leider muss ich Dir widersprechen. Ich duze auch Dich, weil ich Dich inzwischen zu den Stammlesern zähle, die hier untereinander per Du sind.

      Also:

      1. Du scheinst meinen Text nicht richtig gelesen zu haben – zumindest den genauen Wortlaut nicht. Ich wähle meine Worte meistens – wenn auch nicht immer 😉 – so mit bedacht, dass es genau auf meine Wortwahl ankommt. In diesem Fall ist das so. Deshalb habe ich nicht auf irgenwelche Prozentgewinne in dem von Dir genannten 10-Jahreszeitraum abgehoben. Diese sind in diesem Fall nicht ausschlaggebend. Ich habe vielmehr geschrieben: „Allerdings waren die Kurse damals im Vorfeld fiel ungebremster gestiegen – über Jahre hinweg, ohne größere Zwischenkorrekturen.“

      Und genau das ist der wichtige Punkt. Wie Du im langfristigen Dow-Chart (siehe unten) erkennen kannst, gab es im Zeitraum Ende 1924 bis Ende 1929 – also in den 5 Jahren vor dem Crash keine größere Korrektur. Ganz anders als in den vergangenen 5 Jahren 2015-2020. Da gab es allein 4 davon: Sommer 2015, Anfang 2016, Anfang 2018 und Ende 2018. Jeder Korrektur führte zu einer vorübergehenden Bereinigung. Und wie ich schon Anfang Januar schrieb, sorgen diese Korrekturen dafür, dass der zugrunde liegende längerfristige Aufschwung länger anhalten kann, ohne in die ganz große Überhitzung wie 1929 zu führen.

      Ich muss Dir also entschieden widersprechen, wenn Du schreibst, es habe in den vergangenen Jahren keine nennenswerten Korrekturen nach unten gegeben. Das Gegenteil ist der Fall. Ich wundere mich hier über Dein schlechtes Kurzzeitgedächtnis. Denn allein die vier von mir genannten Korrekturen müssten Dir eigentlich noch gut in Erinnerung sein – inklusive der damit verbundenen Nervosität hier im Blog, die mit der diesmaligen stets vergleichbar war.

      Dein Zehnjahresvergleich ist aber auch noch aus zwei anderen Gründen nicht überzeugend:

      Erstens starteten die 20er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts bereits auf einem Allzeithoch mit entsprechend euphorischer Stimmung. In Deinem Vergleichsjahr 2010 dagegen hatten die Märkte erst rund zwei Drittel des Einbruchs seit der Finanzkrise wettgemacht. Die Stimmung war zu dieser Zeit alles andere als euphorisch; in Europa wütete sogar gerade die Eurokrise. Soll heißen: Die Ausgangslagen waren damals und heute vollkommen anders.

      Und zweitens – fast noch wichtiger – entfällt der von Dir genannte prozentuale Anstieg ausschließlich auf die letzten fünf Jahre 1924-1929. 1920-1924 hatte sich per saldo nämlich gar nichts getan. Folglich war der Anstiegswinkel 1924-1929 viel steiler. 2010-2020 ist er dagegen viel flacher, weil sich ein vergleichbarer prozentualer Anstieg auf einen fast doppelt so großen Zeitraum verteilt.

      Genau deshalb hatte sich Ende 1929 „ein viel größerer ‚Bereinigungsbedarf‘ angestaut als diesmal“, wie ich in meinem Beitrag schreibe.

      Zum Vergrößern anklicken:

    • 2. Ich hatte selbstverständlich nur die tatsächliche Crashphase unmittelbar ab Oktober 1929 gemeint, als ich vom damaligen 50%-igen Crashverlust sprach. Danach kam es – dies hatte ich bereits im vorletzten Beitrag erwähnt – erst zu einer mehrmonatigen Erholung, bevor dann der vergleichsweise „geordnete“ weitere Rückzug begann, der sich über rund zwei Jahre hinzog. Dies war dann aber kein Crash mehr, sondern eine Baisse, die auf den Crash folgte.

      Ich gebe zu, dass man dies im oben stehenden Jahrhundertchart schlecht erkennen kann, weil dieser wegen des langen Zeitraums sehr gestaucht ist. Hierfür ist ein feinerer Chart nötig. Diesen habe ich aus dem Wellenreiter entnommen. Er vergleicht den 1929er-Crash und die anschließende Baisse mit der aktuellen Situation.

      Alles in allem benötige in diesem Fall keine Glaskugel. Denn was nach dem Auslaufen der Crashphase passiert, ist zunächst einmal egal. Mir geht es in diesem Beitrag nur um das Ende der Phase 1, das – so oder so – zumindest zeitlich nicht mehr allzu weit in der Zukunft liegen dürfte.

      Zum Vergrößern anklicken (Quelle: Wellenreiter):

      • Also gut Raimund, wir sind ab jetzt per Du, ich bin nicht erst seit einiger Stammleser ich verfolge Deine Beiträge schon seit 25 Jahren und war auch schon 1996 einer einer Call-In Sendung bei Dir mit Gottfried Heller 😊
        Zuerst nochmal zu den Fakten, das kann ich so nicht unkommentiert stehen lassen. Du schreibst, dass die 20er Jahre bereits auf einen Allzeithoch gestartet sind. Da erhebe ich Einspruch. Das Gegenteil ist der Fall. Der Dow Jones erlitt einen heftigen Rückschlag vom Jahr 1920 (Stand knapp über 100 Punkte) bis Mitte 1921 auf knapp über 60 Punkte. Das ist ein Rückgang von mind. 35 % in 18 Monaten. Somit war die Ausgangslage Anfang der 20er (genau genommen ab Juni 1921) des letzten Jahrhunderts mit dem von mir gewählten Vergleichsjahr 2010 nicht ganz so abwegig, zumal es sogar auch noch 1923 bis 1925 zu Zwischenkorrekturen gekommen ist.
        Aber um das ging es bei Deinem Ursprungskommentar in Szenario 1 nicht, sondern darum, dass wir verglichen mit 1929 schon 2/3 hinter uns haben. „Damals ging es 50 % in den Keller“, so Deine Aussage. So genau waren Deine Worte da nicht gewählt, wenn damit nur die kurze Zeit nach der ersten Crashphase gemeint war und die anschließende Baisse nicht, dann gut. Dann haben wir jetzt 2/3 hinter uns.
        Abgesehen davon, Geschichte wiederholt sich bekanntlich sowieso nicht.
        Was mein Gedächtnis anbelangt, so denke ich, habe ich ein sehr gutes. Aktiv an der Börse bin ich sei 1995 investiert. Ich hatte die Asienkrise, die russische Finanzkrise, den LTC etc. bis 1999 alles miterlebt. Ich war damals in einer Bank und speziell für Aktienanleger zuständig. Bei den drei vorgenannten Krisen gab es nie eine richtig schlechte Stimmung, im Gegenteil, eher Aufbruchstimmung, Nachkaufen, Daytraden und zocken, Investmentfonds hatten Hochkonjunktur, die Internetforen hatten täglichen Zulauf und es wurde geschrieben bis der Arzt kam, die Telebörse gehört zum festen Bestandteil des deutschen Fernsehens und war populärer als „Wetten … Das“. Und dass alles trotz der vorgenannten drei Krisen (Zwischenkorrekturen).
        Ganz anders dann ab Nach der Baisse von März 200 bis Ende 2002. Ende 2002 hört man gar nichts mit, außer „Ich habe die Schnauze voll und verkaufe alle Aktien“, „Nie wieder Aktien“, kein Interesse mehr an der Telebörse, Onlineforen verschwanden und niemand hat mehr irgendwas über die Börse geschrieben, Depots wurden massenweise aufgelöst usw.
        Deswegen habe ich auch eine diametral andere Meinung als Du, was die letzten vier Zwischenkorrekturen von 2015 bis 2019 betrifft. Diese vergleiche ich mit den Korrekturen Mitte der 90er bis 1998.
        Ich habe meine Wortwahl ebenfalls genau mit dem Wort „nennenswert“ gewählt. Hier gehen unsere beiden Ansichten auseinander. Für mich sind diese kurzen und schmerzlosen Zwischenkorrekturen keinesfalls eine finale Bereinigung. In den zahlenreichen Internetforen (wallstreet-online, div. Facebook-Gruppen, auf Yahoo. etc. etc.) lese ich nichts von „Ich habe die Schnauze voll“. Bis heute liest man überwiegend (auch von den Newcomern) von „Schnäppchen“, „super endlich billig einkaufen“, „jetzt richtig Kohle verdienen“ etc. Da könnte ich hunderte Zitate aus den letzten fünf Tage bringen.
        Aber vielleicht „Ist es dieses Mal anders“ um den berühmten Satz von der Börse zu zitieren. Vielleicht habe ich falsche Schlüsse aus den bisherigen Jahrzehnten gezogen und es geht ab jetzt wieder munter weiter die nächsten Jahre nach oben. Wir werden es sehen.
        Schönen Sonntag noch und viele Grüße!

        • Hallo Rainer,
          na wenn Du schon so lange dabei bist, lag ich mit dem Du doch goldrichtig 😉

          Du schreibst:
          „Der Dow Jones erlitt einen heftigen Rückschlag vom Jahr 1920 (Stand knapp über 100 Punkte) bis Mitte 1921 auf knapp über 60 Punkte. Das ist ein Rückgang von mind. 35 % in 18 Monaten.“

          Na bitte, da haben wir es doch: Du hast nicht Mitte 1921, sondern Anfang 1920 verglichen mit Anfang 2010. Und das war nicht zielführend. 1920 startete in der Nähe eines Allzeithochs (kuck Dir den Chart an), und 2010 startete noch weit weg vom letzten Allzeithoch. Ich nenne das Äpfel mit Birnen vergleichen. Korrekt hättest Du die letzten 5 Jahre vor Oktober 1929 heranziehen müssen. Und wie sehr der Dow allein in diesen 5 Jahren in eine Fahnenstange hineinlief, sieht man doch easy im Chart.

          Mit anderen Worten: Der Dow hat damals in 5 Jahren den gleichen Anstieg geschafft wie diesmal in 10 Jahren. Damals also doppelt so steil wie jetzt. Und genau daraus ergab sich das noch höhere Korrekturpotential. Nur davon spreche ich. Ist doch nicht so schwierig zu verstehen, oder?

          “…wenn damit nur die kurze Zeit nach der ersten Crashphase gemeint war und die anschließende Baisse nicht, dann gut. Dann haben wir jetzt 2/3 hinter uns.“
          Genau so ist es. Ich vergleiche Crash damals mit Crash heute und nicht „Crash und anschließende Baisse damals“ mit „Crash heute“. Denn ob sich an den aktuellen Crash eine Baisse anschließen wird, ist noch völlig offen. Auch hier vergleiche ich also Apfel mit Apfel und nicht Apfel mit Birne.

          „Deswegen habe ich auch eine diametral andere Meinung als Du, was die letzten vier Zwischenkorrekturen von 2015 bis 2019 betrifft. Diese vergleiche ich mit den Korrekturen Mitte der 90er bis 1998.“

          Was soll das denn nun wieder? 90-98 stand doch in meinem Beitrag überhaupt nicht zur Debatte, sondern nur die unmittelbare Vor-Crashzeit vor 1929 und die unmittelbare Zeit vor dem aktuellen Crash. Und hier ist und bleibt es Fakt, dass von 2015 bis 2020 die von mir genannten 4 größeren Korrekturen stattfanden, von 1925 bis 1929 dagegen keine einzige. Auch dies ist kinderleicht im Chart nachzuverfolgen. Und genau dies zeigt das größere Korrekturpotential von damals im Vergleich zu heute an.

          By the way: KLEINERE Korrekturen gab es in den vergangenen fünf Jahren noch zusätzlich. Allein im vergangenen Jahr gab es drei davon: Mai, Juli und September.

          „Für mich sind diese kurzen und schmerzlosen Zwischenkorrekturen keinesfalls eine finale Bereinigung.“
          Hmm … nun geht’s Dir offenbar um Semantik. Im Zusammenhang mit den Korrekturen 2015 bis 2018 habe ich mit keiner Silbe die Bezeichnung „finale Bereinigung“ gebraucht. Deshalb kannst Du mir mit dieser Bemerkung gar nicht widersprechen. Denn ansonsten würdest Du etwas widersprechen, was ich gar nicht geschrieben habe, falls Du mir hier noch dialektisch folgen kannst 😉

          TATSÄCHLICH reichten die genannten Korrekturen der vergangenen fünf Jahre trotzdem jedesmal aus, um den Markt für eine gewisse Zeit zu bereinigen. Auch das ist Fakt.

          Das Wort „final“ habe ich jedoch ausschließlich im Zusammenhang mit den beiden Ausverkaufstagen der vergangenen Woche gebraucht. Und auch hier nur in Bezug auf die KURZFRISTIGE Börsenentwicklung. Denn nur um diese kurzfristige Entwicklung ging es mir in diesem Beitrag, wie ich gleich am Anfang einleitend klargestellt habe. Also nochmal die dringende Bitte an Dich und alle anderen Diskutanten, meine Beiträge ordentlich zu lesen, bevor Ihr sie kommentiert. Damit würdet Ihr mir einige unnötige Schreiberei ersparen. Ich habe noch genügend anderes zu tun, als mit so etwas die Zeit zu vergeuden (sorry für die deutlichen Worte).

          Also noch mal zum gaaaaanz langsamen Mitdenken: Die Bezeichnung „finaler Ausverkauf“ steht in diesem Beitrag nur für die Frage, ob damit die aktuelle Crashphase beendet sein könnte. Ob der Crash danach – evtl. nach einer Zwischenerholung – in eine längerfristige Baisse übergeht, habe ich noch vollkommen offengelassen.

          Ich glaub, das hab ich jetzt schon mehrfach wiederholt, und ich wundere mich, dass ich Dir gegenüber als altem Börsenhasen dies überhaupt wiederholen muss.

          Trotz allem: schönen Sonntag noch und bleib gesund!

          • @ Raimund Brichta

            „Der Dow hat damals in 5 Jahren den gleichen Anstieg geschafft wie diesmal in 10 Jahren. Damals also doppelt so steil wie jetzt. Und genau daraus ergab sich das noch höhere Korrekturpotential. Nur davon spreche ich. Ist doch nicht so schwierig zu verstehen, oder?“

            Man kann doch nicht aus der Steilheit des Kursanstiegs des Dow Jones auf sein Korrekturpotential schließen, sondern dieses Korrekturpotential allenfalls aus der Diskrepanz zwischen Kursgewinnen und operativen Gewinnen der in diesem Index gelisteten Unternehmen ableiten. Ist doch nicht so schwer zu verstehen, oder?

            Zum Börsencrash und seiner weiteren Entwicklung, siehe den nach unten durchbrochenen, gleitenden 4-Jahres-Durchschnitt beim S&P 500: http://inflationsschutzbrief.de/boersencrash-wie-tief-fallen-boersen-in-corona-krise/

          • „Man kann doch nicht aus der Steilheit des Kursanstiegs des Dow Jones auf sein Korrekturpotential schließen, …

            Doch kann man: Je steiler, desto größer ist in der Tendenz das Korrekturpotential. Lesen Sie dazu bitte auch meinen Beitrag zur Fahnenstange bei Tesla. Ist doch nicht so schwer zu verstehen, oder? 😂

          • Und noch etwas: Bei Tesla gab es bis jetzt noch gar keine operativen Gewinne in nennenswert nachhaltiger Höhe. Folglich gab es auch keine Diskrepanz zwischen diesen und dem Kursanstieg. Börse ist vielfältiger als Sie zu glauben scheinen. Es gibt Kursentwicklungen, die sich einfach aus Kursentwicklungen ableiten lassen.

            Börse besteht eben zum größeren Teil aus Psychologie als aus Zusammenhängen zwischen Kurs- und Gewinnsteigerungen. Das erkennen Sie u. a. auch daran, dass die Bewertungen von Aktien großen Schwankungen unterworfen sind.

            Und was den von Ihnen angesprochenen 4-Jahres-GD angeht: Tatsächlich wird dieser nur sehr selten unterschritten – zuletzt in der Finanzkrise. Allerdings gilt es abzuwarten, wie nachhaltig der Durchbruch diesmal ist. Stay tuned!

          • @ Raimund Brichta

            Zur Erinnerung, falls Sie das überlesen haben sollten:

            Hier ging es nicht um eine einzelne Aktie wie Tesla, sondern um den steilen Anstieg des Dow Jones Index in 1929 im Vergleich zu heute.

            Sie schrieben: „Es gibt Kursentwicklungen, die sich einfach aus Kursentwicklungen ableiten lassen.“

            Warum haben Sie diese Weisheit nicht auch beim Nasdaq Index konsequent angewendet und vor seinem steilen Anstieg in 2020 gewarnt, schließlich war dieser Anstieg ebenso steil wie im Jahr 2000 (siehe Grafik).

            Eine solche Warnung habe ich von Ihnen aber weder gehört noch gelesen!

            Vielleicht ist Börse gar nicht so vielfältig wie Sie glauben, sondern einfach nur abhängig vom Kreditzyklus. Die Psychologie der Marktteilnehmer ändert daran nämlich nichts. Sorry, als Verfasser von „Die Wahrheit über Geld“ sollten Sie das eigentlich wissen, dann hätte Ihre Kreditampel am 12.12.2019 auch nicht mehr irrtümlich auf „grün“ gestanden! Siehe: https://wahre-werte-depot.de/kreditampel-weiter-auf-gruen/

            Beste Grüße,
            Bernhard-Albrecht Roth

          • hmm … Sie müssen schon genauer in diesem Blog lesen, bevor Sie in die Tasten hauen 😂

            Hätten Sie es nämlich getan, wüssten Sie, dass ich im Januar 2020 genau davor gewarnt habe. Nicht in Bezug auf den Nasdaq-Index, weil ich nicht jeden Index monitore, aber in Bezug auf den noch wichtigeren S&P 500. Und genau deshalb haben wir im Wahre-Werte-Team den Einbruch auch kommen sehen und uns rechtzeitig abgesichert. Nicht etwa, weil wir den Crash und sein ganzes Ausmaß vorhergesehen hätten – so vermessen sind wir nicht. Sondern ganz einfach deshalb, weil die Steilheit des Marktanstiegs um den Jahreswechsel herum uns zur Vorsicht mahnte. Und im Gegensatz zu Ihnen schreiben wir nicht nur im Nachhinein schlaues Zeug, sondern wir HANDELN rechtzetig.

            Und was den Unterschied zwischen einer Aktie und einem Aktienindex anbelangt, möchte ich Sie darüber informieren, dass ein Aktienindex statt aus einer Aktie aus mehreren Aktien besteht. Das mag Sie erstaunen, ist aber so. 😂

            Soll heißen: Es gelten für beide die gleichen markttechnischen und marktpsychologischen Zusammenhänge – beim Index lediglich in aggregierter Form. Aber danke für die Gelegenheit, mal wieder auf solche grundlegenden Zusammenhänge hinzuweisen. Ich weiß nämlich, dass außer Ihnen auch viele andere Einsteiger hier im Blog mitlesen – und die sind für solche Erläuterungen ebenfalls immer dankbar 😉

            Und was meinen von Ihnen verlinkten Beitrag vom 12. Dezember vorigen Jahres angeht, scheint Ihnen auch hier das Wesentliche entgangen zu sein: Dieser Beitrag bezieht sich nicht auf steile Anstiege von Börsenkursen, über die wir bisher diskutiert haben, sondern auf einen ganz andern Aspekt. Nämlich auf die Höhe der kreditfinanzierten Aktienkäufe in den USA. Wie Sie dem genannten Beitrag unschwer entnehmen können, lag die Kreditfinanzierung nach den damaligen Daten auf einem Niveau, das keine Gefahr aus der Kreditfinanzierung heraus signalisierte. Und genau deshalb stand damals die „Kreditampel weiter auf grün!“, wie ich richtig titelte.

            Da zu dieser Zeit auch von anderer Seite noch keine Warnlampen aufleuchteten, blieb der Wahre-Werte-Fonds konsequenterweise investiert. Und das war gut so. Stellen Sie sich vor, er hätte damals fälschlicherweise die Kreditampel auf rot gesehen (oder irgendeine andere Ampel) und wäre schon damals ausgestiegen. Er hätte den darauffolgenden zweimonatigen Kursanstieg bis Mitte Februar verpasst. Auch das gehört also zu unserem Konzept: Ampeln erst dann auf rot zu sehen, wenn sie auf rot stehen – und nicht schon vorher.

            Beste Grüße und bleiben Sie gesund!

          • @ Raimund Brichta

            Sie schrieben: „Sie müssen schon genauer in diesem Blog lesen, bevor Sie in die Tasten hauen. Hätten Sie es nämlich getan, wüssten Sie, dass ich im Januar 2020 genau davor gewarnt habe. Nicht in Bezug auf den Nasdaq-Index, weil ich nicht jeden Index monitore, aber in Bezug auf den noch wichtigeren S&P 500. Und genau deshalb haben wir im Wahre-Werte-Team den Einbruch auch kommen sehen und uns rechtzeitig abgesichert. Nicht etwa, weil wir den Crash und sein ganzes Ausmaß vorhergesehen hätten – so vermessen sind wir nicht. Sondern ganz einfach deshalb, weil die Steilheit des Marktanstiegs um den Jahreswechsel herum uns zur Vorsicht mahnte.“

            Sie haben nur davon geschrieben, dass der S&P 500 zu seiner 200-Tage-Linie zurückkehrt. Größere Abwärtsrisiken haben Sie nicht thematisiert. Und der Nasdaq ist ja auch ein unwichtiger Index, nachdem die Technologie-Unternehmen in diesem Index nahezu die einzigen waren, die seit 2016 noch Gewinnwachstum hatten!

            „Und im Gegensatz zu Ihnen schreiben wir nicht nur im Nachhinein schlaues Zeug, sondern wir HANDELN rechtzetig.“

            Eine Behauptung die dem Gegenbeweis nicht standhält: http://inflationsschutzbrief.de/kausalitaet-inverse-zinsstrukturkurve-restriktive-kreditvergabe-us-rezession/

            Sie schrieben: „Und was den Unterschied zwischen einer Aktie und einem Aktienindex anbelangt, möchte ich Sie darüber informieren, dass ein Aktienindex statt aus einer Aktie aus mehreren Aktien besteht. Das mag Sie erstaunen, ist aber so.“

            Echt? Erstaunlich!

            Sie schrieben: „Aber danke für die Gelegenheit, mal wieder auf solche grundlegenden Zusammenhänge hinzuweisen. Ich weiß nämlich, dass außer Ihnen auch viele andere Einsteiger hier im Blog mitlesen – und die sind für solche Erläuterungen ebenfalls immer dankbar.“

            Danke für den Hinweis im Namen aller die das noch nicht wussten!

            Sie schrieben: „Und was meinen von Ihnen verlinkten Beitrag vom 12. Dezember vorigen Jahres angeht, scheint Ihnen auch hier das Wesentliche entgangen zu sein: Dieser Beitrag bezieht sich nicht auf steile Anstiege von Börsenkursen, über die wir bisher diskutiert haben, sondern auf einen ganz andern Aspekt.“

            Nein, das ist keine anderer Aspekt, es sei denn Sie wollten behaupten, dass steile Börsenkurse nichts mit Kredit zu tun hätten. Und genau darum geht es in Ihrem Beitrag, ob die sinkende Spekulation auf Kredit signalisiert, dass der Kreditzyklus zu Ende geht oder nicht. Darauf hat Robert Rethfeld im Wellenreiter zurecht hingewiesen und Sie als Perma-Bulle haben das ignoriert.

            Sie schrieben: „Nämlich auf die Höhe der kreditfinanzierten Aktienkäufe in den USA. Wie Sie dem genannten Beitrag unschwer entnehmen können, lag die Kreditfinanzierung nach den damaligen Daten auf einem Niveau, das keine Gefahr aus der Kreditfinanzierung heraus signalisierte. Und genau deshalb stand damals die „Kreditampel weiter auf grün, wie ich richtig titelte.“

            Nein, bereits die Daten ab September zeigten, dass es eine zunehmende Diskrepanz zwischen Kursentwicklung des S&P 500 und der Spekulation auf Kredit (Margin Debt) gab (siehe Grafik am Ende). Das noch im Dezember trotz der weiter gestiegenen Diskrepanz als keine Gefahr für den WW-Fonds zu werten, war nachträglich, aus Sicht der Kursentwicklung, gerechtfertigt, aber auch sehr riskant, weil das daraus ableitbare Ende des Kreditzyklus schon vor der Corona-Krise zu Ende gegangen ist!

            Sie schrieben: „Da zu dieser Zeit auch von anderer Seite noch keine Warnlampen aufleuchteten, blieb der Wahre-Werte-Fonds konsequenterweise investiert. Und das war gut so. Stellen Sie sich vor, er hätte damals fälschlicherweise die Kreditampel auf rot gesehen (oder irgendeine andere Ampel) und wäre schon damals ausgestiegen. Er hätte den darauffolgenden zweimonatigen Kursanstieg bis Mitte Februar verpasst.“

            Entweder war das pures Glück oder perfektes Timing! Nachdem Sie aber die jüngsten Einbrüche an den Börsen nur als längst fällige Korrektur ansehen und nicht als einen dramatischen Börsencrash wie 1929, wird uns die Entwicklung des WW-Fonds bald zeigen, ob es nicht klüger gewesen wäre, die Aktien abzustoßen, anstelle sie nur gegen begrenzte Kursverluste abzusichern.

            Damit Sie mich nicht falsch verstehen, was bei Ihnen ja leider leicht vorkommt: Das WW-Depot ist ein sehr gutes Anlagekonzept und Sie bringen sich voller Überzeugung und Tatkraft ein, aber etwas mehr Analyse und etwas weniger Psychologie würde Risiken reduzieren helfen. Und schließlich ist das WW-Depot auch keine Anlagestrategie für Trader die Psychologie handeln!

            Gute Gesundheit, das wünsche ich Ihnen auch!

          • Roth:
            „Sie haben nur davon geschrieben, dass der S&P 500 zu seiner 200-Tage-Linie zurückkehrt. Größere Abwärtsrisiken haben Sie nicht thematisiert. Und der Nasdaq ist ja auch ein unwichtiger Index, nachdem die Technologie-Unternehmen in diesem Index nahezu die einzigen waren, die seit 2016 noch Gewinnwachstum hatten!“

            Ts, ts …. was wollen Sie denn damit wieder sagen? Ich hatte rechtzeitig auf eine gefährlich weite Entfernung des Index von seiner 220-TL hingewiesen und gesagt, dass dies in der Vergangenheit in der Regel dazu geführt hat, dass die Kurse auf diese Linie zurückfallen. Die 200-TL war somit das Mindestziel. Sein erreichen hätte eine 10prozentige Korrektur bedeutet. Ob das reicht oder ob mehr draus wird, lässt sich im Vorhinein nie bestimmen. Sondern dies ergibt sich immer erst im weiteren Verlauf. Und so war es auch diesmal.

            Wer rechtzeitig sichert wie wir, dem kann das aber egal sein. Denn der muss das Geschehen nur weiter beobachten und kann dann daraus seine Schlüsse ziehen, wenn es neue Erkenntnisse gibt . Nicht alles schon im Vorhinein wissen wollen – das ist der beste Umgang mit der Börse.

            Und ob man den Nasdaq oder S&P beobachtet, bleibt doch jedem selbst überlassen. Der eine Index crasht nicht ohne den anderen, soviel ist von vornherein klar. Was soll also Ihr Beharren auf den Nasdaq-Index? Ich habe doch gar nicht kritisiert, dass Sie auf diesen achten, sondern nur klargemacht, das ich vor allem den S&P im Blick habe – zumal im S&P auch viele Nasdaq-Werte enthalten sind. Ich kann also wirklich nicht nachvollziehen, was Sie mit dieser – besserwisserisch erscheinenden – Bemerkung bezwecken.

            Roth:
            “Nein, das ist keine anderer Aspekt, es sei denn Sie wollten behaupten, dass steile Börsenkurse nichts mit Kredit zu tun hätten. Und genau darum geht es in Ihrem Beitrag, ob die sinkende Spekulation auf Kredit signalisiert, dass der Kreditzyklus zu Ende geht oder nicht. Darauf hat Robert Rethfeld im Wellenreiter zurecht hingewiesen und Sie als Perma-Bulle haben das ignoriert.“

            Leider wieder nicht getroffen: Erstens bin ich kein „Perma-Bulle“ – als solcher hätte ich bestimmt nicht rechtzeitig im Januar auf eine Gefahr hingewiesen, oder? 😂 Mehr noch: Ich habe nicht nur darauf hingewiesen, sondern auch noch entsprechend GEHANDELT. Zweitens habe ich Robert Rethfeld nicht ”ignoriert“, sondern ihm lediglich in seiner Einschätzung widersprochen, dass die Tatsache einer relativ geringen Spekulation auf Kredit am US-Markt ein Gefahrensignal darstellen sollte. Ich wies vielmehr darauf hin, dass eine relativ geringe Kreditspekulation im Gegenteil darauf hindeuten könnte, dass von Seiten der Kreditspekulation zu dieser Zeit eher keine Gefahr ausging.

            Der jüngste Crash ist auch nicht auf eine relativ geringe Kreditspekulation am US-Mark zurückzuführen (😂), was hoffentlich selbst Sie nicht behaupten, sondern auf eine drohende Weltwirtschaftskrise in Folge der Corona-Krise. Deshalb handelt sich hier tatsächlich um einen völlig anderen Aspekt. Inzwischen wundere ich mich aber über nichts mehr, was Sie hier in den Raum stellen.

            Roth:
            “Nein, bereits die Daten ab September zeigten, dass es eine zunehmende Diskrepanz zwischen Kursentwicklung des S&P 500 und der Spekulation auf Kredit (Margin Debt) gab (siehe Grafik am Ende). Das noch im Dezember trotz der weiter gestiegenen Diskrepanz als keine Gefahr für den WW-Fonds zu werten, war nachträglich, aus Sicht der Kursentwicklung, gerechtfertigt, aber auch sehr riskant, weil das daraus ableitbare Ende des Kreditzyklus schon vor der Corona-Krise zu Ende gegangen ist!“

            Sie lassen nicht locker 😂😂😂

            Wollen Sie also ernsthaft behaupten, dass der Crash eine Folge der Tatsache ist, dass am US-Aktienmarkt Ende des vergangenen Jahres verhältnismäßig wenig auf Kredit spekuliert wurde? Sie können dies gerne tun, begeben sich damit aber in Gefahr, sich lächerlich zu machen. Denn tatsächlich ist das Gegenteil der Fall:

            In Zeiten, in denen die Kreditspekulation HOCH ist (nicht niedrig!) steigt die Gefahr, dass sich daraus negative Konsequenzen für den Aktienmarkt ergeben. Und das ist auch logisch: Je mehr Leute auf Kredit spekulieren, desto fragiler wird die Lage. Denn die kreditfinanzierten Aktienpositonen brauchen steigende Kurse, um nicht in Gefahr zu geraten. Fallen die Kurse dagegen, schwinden die Sicherheiten und die Kreditspekulanten werden zu Notverkäufen gezwungen. Diese Notverkäufe wiederum führen zu weiter fallenden Kursen, was weitere Notverkäufe erforderlich macht usw. usw. Daraus ergibt sich der bekannte Dominoeffekt.

            Ein Blick in die Geschichtsbücher würde Ihnen dazu die Augen öffnen, lieber Herr Roth: Laut Wirtschaftshistorikern – ich war damals nicht dabei 😉 – erreichten die vergebenen Aktienkredite in den USA im August 1929 ein Volumen, das höher war als die damals in den USA zirkulierende Geldmenge! Es folgte der „Black Monday“ am 28. Oktober 1929, an dem sich eine Vielzahl von Kreditspekulanten so genannten „margin calls“ gegenüber sah. Das heißt, die Spekulanten mussten Sicherheiten für Ihre Kredite nachschießen, und sofern sie das nicht konnten oder wollten, wurden ihre Positionen liquidiert. Peng! Der Dow verlor an diesem Tag fast 13%. Und am nächsten Tag ging es noch mal fast 12% in den Keller. Autsch! Da sehen Sie, wovon die Gefahr ausgeht: Von einer zu hohen Kreditspekulation und nicht von einer zu niedrigen 😂

            Noch ein Beispiel gefällig? Eines, an das wir uns noch alle gut erinnern können? Im Januar 2018 erreichte das Wachstum der US-Kreditspekulation seinen letzten spektakulären Höhepunkt. Und erinnern Sie sich noch daran, was damals passierte? Richtig! Es kam zum Minicrash im Februar/März 2018, dann zu einer Erholung bis in den Spätsommer hinein und danach zum großen Herbstkursrutsch bis Weihnachten 2018.

            Übrigens: Die besagte Kreditspekulation geht schon seit diesem besagten Höhepunkt in der Tendenz zurück, also seit dem Januar 2018. Wenn es also ein „Ende des Kreditzyklus“ gegeben hat, von dem Sie immer wieder schreiben, dann hat dieses Ende im Januar 2018 stattgefunden und nicht im vergangenen September. Und ich brauche Ihnen nicht zu erzählen, was die Aktien seit diesem „Ende“ (im Januar 2928) gemacht haben: Sie fielen zuerst, stiegen dann bis Herbst 2018 auf neuen Rekord (in den USA), fielen dann wieder bis Weihnachten 2018 (übrigens in etwa dorthin, wo der S&P-Index auch jetzt wieder liegt), stiegen dann übers gesamte Jahr 2019 bis in den Februar 2020 hinein auf nie dagewesene Höhen.

            Und das alles in einer Zeit, in der die Kreditspekulation in den USA tendenziell und Schritt für Schritt weiter abnahm. Eine „Diskrepanz“ zwischen Kreditspekulation und S&P-Entwicklung, wie Sie es nennen, gab es also fast über diesen gesamten langen Zeitraum von 2 Jahren. Und Sie wollen uns weismachen, dass ausgerechnet im vergangenen September etwas passiert sein soll, das „Gefahr im Verzug“ signalisierte? Und dass sich das Gefahrensignal im Dezember noch einmal verstärkte? Wo doch ausgerechnet im Dezember die Kreditspekulation wieder etwas anzog! Bitte machen Sie sich nicht lächerlich. Die Entwicklung der Kreditspekulation hat mit dem Crash nichts zu tun. Der Crash kam, obwohl von dieser Seite keine Gefahr im Verzug war.

            Auch auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole: Das Börsengeschehen ist vielschichtig, und deshalb können auch die Anlässe für Crashs vielfältiger Art sein.

            Ich hoffe, dass ich das, wenn nicht Ihnen, dann doch den meisten anderen Lesern hier nachvollziehbar erklären konnte. Bei Nachfragen, liebe Leser, bitte gerne melden.

            Roth:
            „Nachdem Sie aber die jüngsten Einbrüche an den Börsen nur als längst fällige Korrektur ansehen und nicht als einen dramatischen Börsencrash wie 1929, wird uns die Entwicklung des WW-Fonds bald zeigen, ob es nicht klüger gewesen wäre, die Aktien abzustoßen, anstelle sie nur gegen begrenzte Kursverluste abzusichern.“

            Langsam macht mich Ihre hartnäckig zur Schau gestellte Ignoranz etwas ratlos: Wenn Sie hier richtig mitlesen würden, wüssten Sie, dass ich es betont offen lasse, ob aus dem jüngsten Crash mehr wird – etwa eine anschließende Baisse – oder nicht. Entweder lesen Sie nicht mit oder Sie behaupten etwas wider besseres Wissen. In beiden Fällen ist es mir zu zeitaufwendig, Ihre Behauptungen immer und immer wieder richtig stellen zu müssen. Da ich solche Behauptungen aber auch nicht unwidersprochen hier im Blog stehen lassen kann, habe ich mich dazu entschlossen, sie in Zukunft nicht mehr zu veröffentlichen. Das ist ein notwendiger Selbstschutz, da meine knappe Zeit ohnehin schon über Gebühr hier im Blog beansprucht wird. Sollte Ihre Antwort auf meine Antwort also nicht mehr veröffentlicht werden, wissen Sie warum.

            Ich greife nicht gerne zu solchen Mitteln und tue das auch äußerst selten. Zuletzt hat den guten alten Mitdiskutanten Michael K. das gleiche Schicksal ereilt. Sie wären also der zweite 😂

            Ansonsten scheinen Sie auch das Fondskonzept nicht richtig verstanden zu haben: Wenn das Aktiendepot voll abgesichert ist, ist es über den S&P-Future voll abgesichert – und nicht nur gegen „begrenzte Kursverluste“, wie Sie irrtümlich schreiben. Das heißt, selbst wenn die Talfahrt der Aktienkurse bis auf null weiterginge, wäre der Fonds bei Vollsicherung safe. Wenn er trotzdem im Wert schwankt, hat das andere Gründe. Zum Beispiel den, dass rund 10% des Depots in Gold investiert ist – und zwar ungesichert. Wenn der Goldpreis also fällt, was er in den vergangenen Wochen getan hat, wirkt sich dies auch auf den Fondswert aus.

            Und auch aus dieser Bemerkung von Ihnen spricht ein gewisses Maß an Ignoranz:
            „… aber etwas mehr Analyse und etwas weniger Psychologie würde Risiken reduzieren helfen. Und schließlich ist das WW-Depot auch keine Anlagestrategie für Trader die Psychologie handeln!“

            Dass ich das Gesamtgeschehen effizienter analysiere als Sie zeigen unserer beider Ausführungen zur Kreditspekulation und zum vermeintlichen Ende eines “Kreditzyklus“. Und das Schöne daran ist, dass dies offen und für jeden Leser nachvollziehbar geschieht. So kann sich jeder selbst ein Bild davon machen, welche „Analyse“ treffender ist. Merke: Nicht überall, wo Analyse drauf steht, ist auch tatsächlich Analyse drin.

            Bleiben Sie gesund!

          • P.S. Und hier noch mein Chart zu o.g. Kreditspekulationsentwicklung. Er zeigt die beschriebene Entwicklung entzerrt im Vergleich zu Ihrem Chart. Ob sich die beiden Kurven schneiden wie in Ihrem Chart ist völlig irrelevant und hängt davon ab, wie man die beiden Kurven verschiebt. Dieser hier geht dagegen von einer gemeinsamen Basis im Jahr 1997 aus. Man sieht sehr schön, dass die Gefahr immer dann groß war, wenn die Kreditspekulation auf einem Hochpunkt angelangt war. Außer 2018 waren das die Jahre 2007 und 2000. Auch 2015 toppte die Kreditspekulation und DANACH kam es zu den beiden Korrekturen Sommer/Herbst 2015 und Anfang 2016. Und genau das macht auch Sinn.

            Ihre Herleitung halte ich für – pardon – Mumpitz. Denn wenn die Kreditspekulation schon abgenommen hat, ist die rein aus dieser Spekulation heraus bestehende Gefahr für den beschriebenen Domino-Effekt geringer. Selbstverständlich kann es auch dann noch zu Zwangsverkäufen kommen wie auch im jüngsten Crash. Aber darum geht es hier nicht. Hier geht es darum, ob allein aus dieser Spekulation heraus ein Gefahrenpotential für den Markt abzuleiten ist. Und das war Ende des vergangenen Jahres definitiv nicht der Fall.

  4. Auch von mir vielen Dank, deine Einschätzung hilft wirklich sehr. Was mich interessiert. Was würdest du jemandem empfehlen, der investieren möchte. Mal mit einem Drittel reingehen oder noch warten? Mir geht es weniger um die Glaskugel, sondern mehr wie man sich in solchen Situationen strategisch verhält. Bspw. jetzt 1/3, dann bei 8500 1/3,… Denn wie ich schon öfters gelesen habe kommt der Wechsel meist genauso plätzlich und unerwartet wie der „Crash“. Das kann man ja nie vorhersehen, doof ist nur wenn man nicht dabei ist wenn es wieder dreht 😀 Habe ja gelesen dass der Buffet auch auf riesen Barreserven sitzt, frage mich auch warum er nicht investiert.
    Vielen Dank nochmals für deine Mühe.

    • Tut mir leid, Empfehlungen gebe ich hier grundsätzlich nicht. Dies ist keine Anlageberatung, sondern ein seriöser, rein journalistischer Blog, in dem ich nur beobachte, analysiere und daraus meine Schlüsse ziehe. Jeder muss seine eigenen Entscheidungen treffen.

    • Hallo Dominik,

      hier stimme ich Raimund voll und ganz zu. Diese Entscheidung kann Dir niemand abnehmen, genauso wie das mit anderen verantwortungsvollen Entscheidungen im Leben ist.

      Frage an Dich: welche BÜCHER hast Du zum Thema Geldanlage / Börse bereits gelesen?

      Ich frage gezielt nach BÜCHERN. Das Lesen eines Buches erfordert Zeit, Geduld, man denkt in Ruhe über das Geschriebene nach, reflektiert, zieht daraus Schlüsse. Dadurch wächst die eigene BILDUNG. Ein Buch hat in der Regel eine gute Qualität, weil der Verleger keinen Schrott veröffentlichen möchte.

      Im Internet (Foren, Youtube, …) findest Du zwar eine Masse an Informationen. Aufgrund der Masse findest Du jedoch auch ziemlich viel Schrott, denn jeder kann posten (sogar ich;-) ) oder ein Video in Youtube reinstellen. Zudem werden diese Inhalte kurzweilig konsumiert, analog wie Fast Food. Du nimmst Dir also keine Zeit, kritisch die Information zu reflektieren und EIGENE Schlüsse zu ziehen.

      Also: wenn Du bisher noch kein Buch gelesen hast, suche Dir sehr gute Literatur, bspw.
      – Mein Favorit ist Andre Kostolanys „Die Kunst, über Geld nachzudenken“.
      – Raimunds „Die Wahrheit über Geld“ habe ich nicht gelesen, es hat aber sehr gute Bewertungen auf Amazon; seine Ausführungen zum Thema „Geld etc.“ werden hier im Blog regelmäßig in höchsten Tönen gelobt.
      – Da mich persönlich geostrategische Zusammenhänge interessieren und diese sehr wohl Einflüsse auf das eigene Leben und das eigene Vermögen haben, habe ich Max Ottes „Weltsystemcrash“ gelesen (wobei mir fast alles bereits bekannt war)

      Büchertitel mit konkreten Datümern zum Weltuntergang bin ich persönlich skeptisch eingestellt.

      Denke mal darüber nach, wie viel Geld ein gutes Buch kostet. Peanuts.
      Und wieviel Geld Du im Laufe Deines Lebens in Aktien investieren wirst. Deine Altersversorgung.

      Aber: Lesen kostet Zeit, Geduld und ist mit Anstrengungen verbunden. Leider sind viele Menschen mittlerweile zu faul um sich weiterzubilden.

      Es ist Deine Entscheidung, zu welcher Gruppe Du gehören möchtest.

      • Hallo Michael,
        vielen Dank für deine ausführliche Rückmeldung. Ich befasse mich schon seit 2008 mit der Börse, aber bisher hatte ich nie viel freies Geld zum investieren und die letzten Jahre war es mir zu hoch und ich habe mich nicht getraut. In dieser Zeit habe ich sehr viele Bücher durchgemacht, von Kostolany über Gerd Kommer, Beste Sander, Levermann hin zu Dirk Müller und zahlreiche mehr zu Themen wie Aktienanalyse etc. Zudem höre ich viele Podcasts (Finanzwesir und Finanzrocker). Diese haben immer wieder tolle Gäste da mit denen sie über Geld und Anlage sprechen (wäre vielleicht auch mal was für Herrn Brichta 😉 hier als Gast zu sein) Aus all dem habe ich mir die Jahre meine eigene Strategie zusammengebaut und weiß in der Theorie recht gut was ich tun will. Jetzt habe ich ein bisschen Geld zurückgelegt und möchte diese umsetzen, aber da wird man dann leider manchmal doch etwas unsicher, deshalb habe ich hier gefragt, wohlwissend dass ich keine Finanzberatung erhalte. Die will ich auch nicht. Was mir fehlt ist das mittelfristige Gefühl aber da sagte Herr Brichta ja nun dass es hierfür noch zu früh sei. Ich für meinen Teil habe letzte Woche das erste Drittel investiert und halte jetzt einfach an meiner Strategie fest, bei ca. 8000/8500 das nächste Drittel und wenn’s weiter runtergeht den Rest. Das ist dann quasi -30%, -40%, -50% bezogen auf den DAX. Dann habe ich das Risiko gestreut und wenn’s nicht so weit runtergeht warte ich einfach etwas ab mit dem Rest. Ich erwarte kein Feedback hierzu da ich den Blog nicht missbrauchen will.
        Trotzdem nochmals vielen Dank für deine Antwort.

        • @Dominik: Sehr gut! Dirk Müller verfolge ich ebenfalls, seine Ausführungen sind unmfassend, vielseitig, beinhalten recherchierte Hintergrundinfos. Danke an Dirk Müller zu seinen Ausführungen über Corona im Januar. Seinen aktuellen Clip „Notenbanken entzaubert: „Was immer ihr tut – es wird nicht reichen“ habe ich mir angehört.
          Deine Frage zu Warren Buffett hast Du Dir schon selber beantwortet, bzw steckt implizit auch in Dirk Müllers Clip.

  5. Mit etwas gutem Willen könnte man mit Blick auf den S&P 500 sagen, dass wir immer noch im langfristigen Aufwärtstrend liegen. Außerdem könnte man sagen, dass wir jetzt relativ zu Anfang 2019 den zweiten Fuß nach unten gebildet haben.

    Da ich ein unverbesserlicher Optimist bin, meine ich, dass diese Chartformation mal als starke Bestätigung des Aufwärtstrends in die Lehrbücher eingeht.

    Außerdem ist mir aufgefallen, dass der jetzige Einbruch in absoluten Zahlen ungefähr so groß ist wie 2008/2009. Es ging heute nur alles schneller.

    Wenn man den Chart noch weiter nach vorne betrachtet, stellt man 1987 ein kleines Häkchen im Chartverlauf fest. Wenn ich die Geschichtsbücher richtig in Erinnerung habe, waren die Leiden damals ebenso groß und überraschend schnell wie heute. … Und es war damals schnell vorüber.

    • 1987 war sogar schlimmer, ich habe das erlebt. Es waren 40% von oben bis unten. Genauso übrigens – und darüber spricht heute niemand mehr – war es 1998. Auch in diesem Jahr verlor der DAX von der Spitze bis zum Boden 40%. Und anderthalb Jahre später gab es dann schon wieder die Dot.com-Blase.

  6. Soviel Angst und Pessimismus wie derzeit überall sichtbar und fühlbar ist, signalisiert eigentlich das der vorläufige Boden unmittelbar bevor steht oder wir in schon gesehen haben.
    Ich für meine Person halte es wie in einem Paternoster fahren, jetzt runter und im Laufe der nächsten Monate im Wahlkampf in 🇺🇸 wieder weiter oben je nach Marktsituation aussteigen , und dann etwas durchatmen.
    Vieleicht schmunzeln wir Ende des Jahres über das alles.
    Eine oder zwei positive Nachrichten über Corona würden wohl
    schon reichen.

  7. Wenn du meinst es geht nicht mehr, dann von irgenwo ein
    Lichtlein her! Diese Lichtlein gab es gestern wieder zu sehen als der Dow Jones in der letzten Handeslstunde nach oben gezogen wurde. Diese Phänomen gab es auch schon bei früheren
    Crashs. Der Boden ist nicht mehr weit fürs erste oder schon
    durchschritten.
    Was mich intressieren wurde, wenn der WW-Fonds seine Absicherung wieder auflöst ggf.teilauflöst?

    • Wir beobachten natürlich alles genau. Einzelheiten später.

  8. Ich denke man sollte ersteinmal abwarten was die Börse macht, wenn die USA in einen Lockdown gehen. Nachdem was wir gerade in Europa sehen und der Tatsache, dass die USA aufgrund viel zu wenigen Tests überhaupt nicht wissen wo sie hinsichtlich ihrer Infiziertenzahlen stehen, könnte es dort noch ein böses Erwachen geben… Oder seht ihr so eine Situation in dem aktuellen Kursrückgang des der US Börsen schon eingepreist?

    • Beim „bösen Erwachen“ musste ich schmunzeln … als ob es das nicht schon längst gegeben hätte 😉

      • Klar ein erstes böses Erwachen gab es natürlich, bin aber nicht sicher ob es nicht noch ein zweites und drittes geben wird, wenn nämlich alle Länder im totalen Lockdown sind und merken so schnell kommen wir da nicht raus ohne dass sich unsere Todeszahlen drastisch erhöhen werden.
        Irgendwann wird sich das Virus wieder verziehen das ist klar, es ist nur momentan völlig unklar wie lange das noch dauert.

        • „… bin aber nicht sicher ob es nicht noch ein zweites und drittes geben wird, wenn nämlich alle Länder im totalen Lockdown sind und merken so schnell kommen wir da nicht raus ohne dass sich unsere Todeszahlen drastisch erhöhen werden.“

          Genau dies zu beurteilen, kann aber nicht meine oder unsere Aufgabe sein. Das zu beurteilen, ist Sache der Virologen. Und selbst die scheinen in dieser Frage noch im Dunkeln zu tappen. Deshalb bleibe ich strikt bei meiner Linie, nur jene Sachverhalte in meine Entscheidungen einfließen zu lassen, zu denen ich mir selbst ein kompetentes Urteil erlauben kann.

          In diesem Fall sind dies ausschließlich solche Informationen, die ich aus dem Börsenverhalten selbst ableiten kann. Diese Informationen gaben mir am Anfang dieser Krise eine wertvolle Analysehilfe. Zum Beispiel die grundsätzliche Erkenntnis, dass sich der Weltleitindex S&P 500 in gefährlich hohem Maße von seinem gleitenden Durchschnitt nach oben abgesetzt hatte. Eine solche Entwicklung führte in der Vergangenheit meist dazu, dass die Kurse in einer heftigen Bewegung bis zumindest auf diese Linie zurückfielen. So war es auch diesmal.

          Des Weiteren half mir die Erkenntnis, dass es ein Warnsignal ist, wenn der Index ein zuvor erzieltes Allzeithoch zunächst übersteigt, dann aber wieder unter dieses zurückfällt – insbesondere dann, wenn dies in einer heftigen Bewegung geschieht. Dies war am Rosenmontag der Fall. Folglich war der Fonds von diesem Zeitpunkt an voll abgesichert. Diese klare Positionierung wäre zu diesem Zeitpunkt nicht möglich gewesen, wenn ich mich durch all die sonstigen herumwabernden Corona-Informationen und -Spekulationen hätte vom Wesentlichen ablenken lassen. Zumal ich diese überhaupt nicht kompetent einschätzen kann.

          Es ist doch ganz einfach: Man sollte sich auf seine Stärken konzentrieren, um erfolgreich sein. Andere, die hier im Blog unterwegs sind, spielen sich dagegen gleichzeitig als Börsen-, Geld-, Wirtschafts-, Kriegs-, Virologie- und Corona-Experten auf 😂 Das mögen sie gerne tun, und jeder Leser kann selbst entscheiden, was er davon hält.

          Und damit komme ich noch mal zurück zur augenblicklichen Situation: Auch in dieser orientiere ich mich ausschließlich an den oben genannten Informationen, die ich aus dem Börsenverhalten selbst ableiten kann. Und da ist es nun mal Fakt, dass diese Beurteilung in einer Crashsituation noch mal um einiges schwieriger wird als in Nicht-Crash-Phasen. Ich hatte das erklärt mit dem Verweis auf den Fisch, der aus der Hand flutscht, sobald man ihn glaubt gepackt zu haben. Aber auch darüber wundere ich mich nicht, weil auch dies für solche Situationen vollkommen normal ist.

          Ich nehme diese Herausforderung einfach an und versuche, Anhaltspunkte auszumachen, die darauf hindeuten könnten, dass die Crashphase nach unten zu Ende geht. Denn DASS dies passiert, ist genauso sicher, wie es oben sicher war, dass der Hund (der S&P 500) zu seinem Herrchen (seinem gleitenden Durchschnitt) zurückgepfiffen wird. Die spannende Frage ist nur, wann dies jeweils geschieht. Wenn es so weit ist, wird sich der Markt wieder besser abschätzen lassen.

          In diesem Beitrag habe ich lediglich einige Anhaltspunkte aus der vergangenen Woche genannt. Vermutlich werden wir schon am Ende dieser Woche wissen, ob sie greifen oder nicht. So einfach ist das. Und dies hat nichts, aber auch gar nichts mit Glaskugeldeuterei zu tun. Stay tuned!

          • Klingt logisch!
            Bin gespannt wie es weitergeht.

  9. ich wollte an dieser Stelle nur mal Danke sagen, für die vielen mit Bedacht gewählten Formulierungen und die wirklich einprägsamen Beispiele:

    Der Sand und das Loch, die Rettungsboote der Titanic, der Geldspeicher in Entenhausen und jetzt der Fisch, der einem immer wieder durch die Hände flutscht.

    Leider weiß ich nicht, wie man Emoticons postet aber von mir gibt’s dafür ein großes Like und einen dicken Smile…

  10. Raimund, Ich werde dich ebenfalls ab jetzt duzen, Ich hoffe du bist einverstanden.
    Zu deinem vorhergehenden Beitrag kann Ich nur sagen das du ,
    glaube ich den Nagel auf den Kopf getroffen hast.
    Börse kann so unglaublich kompliziert sein,aber in deinen Beiträgen werden hochkomplexe Fakten und schwer erklärbare Zusammenhänge von Dir in einfacher und nachvollziehbarer
    Art und Weise verständlich dargelegt wie man es eigentlich nirgends wo sonst sieht.
    Hier trennt sich eben doch die Spreu vom Weizen.
    Zurück zum Geschehen, wirst du einen Beitrag schreiben
    wann deine Glaskugel (du hast Sie doch noch )wieder grünes Licht Für eine Bodenbildung gibt .(schmunzel)

    Ich danke Dir

    • Sorry,
      lieber Willy, die Glaskugel ist erst mal ausgemustert. Nach ihr hätte schon letzte Woche die Bodenbildung starten sollen. Gut, das ich mich auf sie nicht verlasse 😂

  11. Nun haben wir also eine „erneute Anomalie – und ein untrügliches Zeichen für weiteres kurzfristiges Ungemach.“

  12. Warum werden in Deutschland eigentlich keine Leerverkäufe verboten?

  13. Wie wird die aktuelle Lage im Hinblick auf den morgigen Verfallstag eingeschätzt?

    Gestern gab es ja endlich mal wieder einen Konter der Bullen, der heute bestätigt wird – Zwischenerholung voraus?

    • Ein großer Verfalltag kann gut zu einem vorläufigen Markttief passen. Dies war zum Beispiel nach den Anschlägen vom 11. September der Fall. Nach dem September-Verfall erholten sich die Kurse damals bis in den Januar 2002 hinein. Danach setzte sich allerdings die Baisse bis Anfang März 2003 fort, in deren Verlauf das September-Tief wieder unterboten wurde. Soll heißen: Selbst wenn es jetzt wieder so kommt, ist noch nicht gesagt, dass dieses Tief dann ein abschließendes Tief wird.

      Gute Voraussetzungen für ein (zumindest vorläufiges) Tief liegen auch charttechnisch vor: Der S&P hat gestern sein Tief von Weihnachten 2018 getestet, kurz unterboten, um dann im Schlussspurt wieder darüber zu schließen. Und der DAX hängt kurz über einer massiven Unterstützung, die aus den markanten Hochpunkten der Jahre 2000 und 2008 resultiert (bei ca. 8.100/8.200 Punkten). Stay tuned!

  14. „Zuletzt hat den guten alten Mitdiskutanten Michael K. das gleiche Schicksal ereilt.“

    Wir haben vollstes Verständnis für Dich, lieber Raimund.;-)

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