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ZINS-CHARTS – logarithmisch

9. September 2020 - Robert Z. in Gastbeitrag | 7 Kommentare

Hier mein angekündigter Teil 2:

Die Vorstellung, mit logarithmischer Darstellung in einer einzigen Einstellung die Vergangenheit mit hoch aufgelöster Gegenwart zu verbinden, wie es (umgekehrt) bei Wachstums-Diagrammen gerne getan wird, ist nicht unproblematisch. Zum einen umfasst der dargestellte Bereich von -2% bis 20% nicht gerade viele Dekaden (wo diese Darstellung ihre Stärke hat) und zum anderen können negative %-Werte nicht dargestellt werden. Im 1. Chart sind nun genau dieselben Daten wie in der vorherigen linearen Darstellung (Teil 1) logarithmisch aufgetragen. Es wurden 4 Dekaden gewählt d. h. Werte unterhalb 0,01% (einschliesslich der minus-%-Werte ) sind abgeschnitten.

 

Wie erwartet sieht man den Bereich niedriger Zinsen „dramatischer“ während der 1980er-Gipfel vergleichsweise „harmlos“ aussieht. Damit wird auch gegenüber der früheren linearen Darstellung deutlicher wie die USA- und DE/EUR-Kurven etwa ab dem Zeitpunkt der Finanzkrise auseinanderlaufen. D. h. die dicke blaue Treasury- Linie setzt ihr Absinken nahezu konstant fort. Evtl. ist der letzte steile Abfall bis unter 1% im Feb/März 2020 „Corona“ geschuldet. Die dicke rote Linie der DE- Umlaufrendite sinkt ab etwa der Finanzkrise – zunehmend(?) – steiler ab. Im Juni 2016 waren die Werte erstmals negativ – im Chart als Lücke lokalisierbar. Was dann zunächst wie ein V-Verlauf aussah endete Mitte März 2019 wieder im Negativen – wo die Umlaufrendite bis heute geblieben ist.

Ungern möchte man den Leser mit diesen Lücken zurücklassen – mit dem eventuellen Gefühl das „Logarithmische“ taugt dafür überhaupt nicht. Mit etwas weniger reiner Lehre und mit etwas Pragmatismus versuchen wir (wie angekündigt) ob „da noch a bissl was (anderes) geht“. Wir schieben einfach den ganzen Verlauf um 1% ins Positive indem 1% zu allen Zins-Daten addiert wird. Damit wird dann der logarithmische Chart erstellt und selbstverständlich werden die richtigen (Original)-Werte auf der 2. (rechten) Ordinate angegeben. Dies ist im 2. Chart geschehen. Ein Ausbrechen der „Zehntelprozent-Zuckungen im Untergeschoss“ vom –0,5%-Mittel hätte man so noch im „Blickwinkel“, ohne dass deswegen an der vorherigen Beschreibung zum Verlauf im Positiven sich etwas nennenswert ändert.

Die Beurteilung ob und in welcher Darstellung (linear oder logarithmisch) der einzelne Marktteilnehmer eine Chart-Technik für seine Entscheidungsfindung am besten einbezieht hängt natürlich auch von der individuellen Arbeitsweise ab und diesem selbst überlassen. Solche Langzeit-Charts verbreitern zwar unsere Kenntnis des „westlichen Wirtschaftssystems“: Es gibt SEHR LANGFRISTIGE TRENDS die anscheinend in den letzten 50 Jahren durch bisherige Zinsentscheidungen der Zentralbanken nicht effektiv beeinflusst wurden (bis zur Finanzkrise) – es sei denn dieses stetige Absinken war genau so gewollt oder toleriert (?). Was bedeutet der Rückblick für unmittelbare Entscheidungen? Vermutlich nicht sehr viel. Manche werden sich jedoch verstärkt fragen, wie nahe wir an einem „umgekehrten 1980“ sind – diesmal dringender für die DE/EUR-Zinsen als für die USA-Zinsen. Freilich, umgekehrte Preis- und Lohnkontrollen hat wohl noch niemand tatsächlich versucht – geschweige denn in einem Währungsverbund! oder?

7 Kommentare

  1. Perfekt, lieber Robert.

    Nun lege man einfach eine Linie an die jeweiligen Zinshochpunkte, und heraus kommt der von mir erwähnte langfristige Abwärtstrend. Erst wenn der gebrochen ist, ist er gebrochen. Dafür taugt der Log-Chart. Mehr wollte ich eigentlich nicht sagen 😀

    Vielleicht kannst Du diese Linie für D und/oder USA auch noch mal einzeichnen und das Ergebnis hier posten?

    • Ich stimme zu dass zumindest für langfristige Trends auch hier logarithmische Charts was taugen – und hatte die Fortsetzung ja auch schon ohne Deinen Kommentar so geplant.
      Die durchgehende blaue USA-Linie im Chart ist nun vermutlich diejenige die Du sehen wolltest. Ein Durchbruch nach oben scheint nicht erkennbar zu sein – ein solcher nach unten (gestrichelte blaue Linie) evtl. im Ansatz am Anfang 2020 zu vermuten. Bei der roten D-Linie habe ich schon mal 2 obere Linien eingezeichnet – ein Abknicken nach unten geschah wohl schon im Zusammenhang mit der Finanzkrise.
      Der langfristige Abwärtstrend hat sich also in den letzten 10 Jahren eher verstärkt als abgeschwächt – und dies mehr bei der D-Umlaufrendite. Zu einem Brechen nach oben kann ich in diesem langfristigen Zeitfenster nichts ausmachen – Bonds-Trader mögen in ihrer Perspektive vielleicht was finden (?) das aber eher zur Überschrift „kurzfristige Schwankungen“ passt.

      • Danke sehr. Dieser Chart untermauert meine Prognose, dass der Zins-Abwärtstrend noch lange anhalten wird. Denn ein Bruch dieses Trends ist tatsächlich weit und breit nicht erkennbar.

        • Lieber Raimund, ja da sieht so aus „dass der Zins-Abwärtstrend noch lange anhalten wird“. Es freut mich dass der Chart als weiteres Indiz für Deine Prognose dient. „Ein Bruch ist weit und breit nicht erkennbar“. Nun siehst Du dass ich den Beitrag nicht nur geschrieben habe, um einer Historie zu frönen sondern um diesen starken schon 50-jährigen Abwärtstrend in den Fokus zu rücken. Da braucht es schon etwas „Bedeutendes“ um ihn zu brechen.
          Aber wie bringen wir ein „Noch Lange Anhalten“ und alle gezeigten Daten bereits im Bereich „Zwischen -1% und +1%“ unter einen Hut? Fortsetzung tiefer in Minus- Zinsen würde passen! Lange im (+-)-Bereich bleiben wäre doch ein Bruch des Trends d. h. eine Stabilisierung um 0%.

          • „Lange im (+-)-Bereich bleiben wäre doch ein Bruch des Trends d. h. eine Stabilisierung um 0%.“

            Nun käme die nächste Aufgabe auf Dich zu, lieber Robert: Tatsächlich ist ein längeres Pendeln um die Null-Marke mein favorisiertes Szenario. Deshalb wäre es nun spannend zu wissen, wann die langfristige Abwärtstrendlinie im Log-Chart die Null-Prozent-Marke erreicht, wenn man die Zeitachse nach rechts verlängert. Ungefähr in diesem Zeitbereich könnte man nämlich einen Bruch des Abwärtstrends erwarten.

            Du weißt ja, dass ich einen Crash des Geldsystems frühestens Ende des nächsten Jahrzehnts erwarte. Im Umfeld eines solchen Crashs könnte der Abwärtstrend gebrochen werden, weil dann auch das Vertrauen in Staatsanleihen bisher solventer Staaten schwindet. Deshalb würde mich der ungefähre Zeitrahmen für das Aufschlagen des Trends auf der Null-Linie interessieren.

            Kriegst Du das mit Deinen Instrumenten hin? Vielleicht schaffst Du es sogar einmal im Original-Log-Chart und einmal im Chart, den Du nach unten geglättet hast. Wäre jedenfalls mega interessant für mich.

  2. Du weißt ja, dass ich einen Crash des Geldsystems frühestens Ende des nächsten Jahrzehnts erwarte.

    Hallo….mal eine kurze Frage dazu: ende der 20er? oder ende der 30 er??

    Danke.

    • Nach meiner – und hoffentlich auch Eurer – Zeitrechnung beginnt das nächste Jahrzehnt in rund 3einhalb Monaten. Zu unterscheiden davon ist die Bezeichnung „20er-Jahre“. Die haben bereits begonnen. Kompliziert, aber korrekt 😉

      Mehr dazu hier:
      https://de.wikipedia.org/wiki/Jahrzehnt

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