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Auch die Experten lagen daneben

11. August 2026 - Anton Voglmaier in Allgemein | 2 Kommentare

Erst die Politik. Dann die Medien.

Und jetzt wird es unangenehm für eine dritte Gruppe:

die Experten.

Denn die schwarze Null war keineswegs nur eine Idee von Angela Merkel und Wolfgang Schäuble.

Prominente Ökonomen verteidigten diesen Kurs ausdrücklich.

Hans-Werner Sinn verteidigte 2014 öffentlich die schwarze Null. Friedrich Heinemann vom ZEW erklärte im selben Jahr, sie sei wichtig für Deutschland und die Eurozone. Und auch der Sachverständigenrat drängte auf weitere Haushaltskonsolidierung und forderte Deutschland auf, mit gutem Beispiel voranzugehen.

Das waren keine Stimmen vom Rand der Debatte.

Das war ökonomische Rückendeckung aus dem Zentrum der deutschen Wirtschaftswissenschaft.

Natürlich gab es Gegenstimmen. Auch damals warnten Ökonomen vor zu geringen Investitionen und davor, den ausgeglichenen Haushalt zum Selbstzweck zu machen.

Aber genau deshalb stellt sich heute eine unbequeme Frage:

Warum lagen so viele einflussreiche Experten mit ihrer Prioritätensetzung daneben?

Denn während Deutschland seine schwarze Null feierte, wuchs der Investitionsbedarf bei Infrastruktur, Schulen, Digitalisierung und Verteidigung.

Die schwarze Null war nie ein ökonomisches Naturgesetz.

Sie war eine politische Entscheidung.

Doch wenn renommierte Ökonomen einen solchen Kurs für richtig erklären, bekommt eine politische Entscheidung plötzlich den Anschein wissenschaftlicher Gewissheit.

Und genau darin liegt die besondere Verantwortung der Experten.

Heute mobilisiert Deutschland Hunderte Milliarden Euro über neue Kredite, um Infrastruktur zu modernisieren und seine Verteidigungsfähigkeit wiederherzustellen.

Plötzlich ist möglich, was lange als unsolide galt.

Ökonomen können rechnen, modellieren und prognostizieren.

Aber sie können sich auch irren.

Und wenn Politik, Medien und Experten gleichzeitig dieselbe Überzeugung teilen, wird sie dadurch nicht richtiger.

Sie wird nur sehr viel mächtiger.

2 Kommentare

  1. „Und wenn Politik, Medien und Experten gleichzeitig dieselbe Überzeugung teilen, wird sie dadurch nicht richtiger.“

    Auffällig ist, dass dieser Dreiklang zu den zentralen Themen der Gesellschaft stets einhellig genau eine „Meinung“ vertritt.

    Die Besitzer der Medienkonzerne entscheiden schließlich, welche Journalisten angestellt sind.
    Sie entscheiden, welche „Experten“ in Talkshows eingeladen werden.
    Und über die mediale Berichterstattung (positiv/negativ), welche Politiker „an der Macht“ sind.

    Ein leicht zu durchschauendes Spiel.

    • Da würde ich unterscheiden. Dass sich Politik, Medien und Experten gegenseitig beeinflussen und bestimmte Sichtweisen dadurch sehr dominant werden können, halte ich für unstrittig.

      Daraus folgt aber nicht, dass Medieneigentümer gezielt bestimmen, welche Experten gehört werden oder welche Politiker an die Macht kommen. Für eine solche zentrale Steuerung sehe ich keine belastbaren Belege.

      Mein Punkt ist ein anderer: Auch ein breiter gesellschaftlicher Konsens kann falsch sein – und gerade deshalb brauchen wir Widerspruch und eine kritische Öffentlichkeit.

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