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Depotalarm: Frühjahrsputz!

25. März 2020 - Raimund Brichta in Allgemein | 23 Kommentare

Mitten in der Corona-Krise machen wir einen Frühjahrsputz im Depot:

Herausgefegt haben wir Auckland Airport und den Immobilien-Dachfonds Janus Henderson Horizon Pan European Property. Beide haben im Corona-Crash überproportional stark verloren, was unserem Anspruch zuwider läuft, langfristig auf stabilere Werte zu setzen, die nicht gleich im ersten Sturm einknicken wie Strohhalme. So trennt sich in der Krise die Spreu vom Weizen.

Mit dem Verkaufserlös haben wir zu gleichen Teilen vier frische Besen ins Depot geholt, die hoffentlich gut kehren: Zwei alte Bekannte, nämlich Carl Zeiss Meditec und L’Oreal (welcome back!), sowie die beiden Neuzugänge Air Liquide und Aptar Group. Letztere hatten wir schon seit Längerem auf unserer Wunschliste. Alle vier haben im Corona-Crash ordentlich korrigiert, weshalb wir den Zeitpunkt zum Einstieg als günstig erachten. Stay tuned!

23 Kommentare

  1. Die dadurch erreichte breitere Streuung sehe ich positiv

  2. Finde ich witzig. Air Liquide ist meine älteste Aktienposition. Deswegen sehe ich sie nicht positiv. Fakt ist, ich hatte sie gekauft und hatte irgendwann nach 2009 damit aufgehört. Heute habe ich alle Aktien vor 2009 verkauft. Trotzdem ist sie noch eine meiner größten Positionen. Der Grund ist steuerlicher Natur. Ich habe nur noch Air Liquide Aktien, die ich genau 2009 gekauft hatte. Deswegen bin ich kein Könner. Ich kaufe halt immer und halte. 2009 war Air Liquide Zeit. Davor auch. Alle Aktien davor habe ich verkauft. Warum eigentlich? Nun ja, die Aktie lief jahrelang nicht. Jeder ETF hatte jahrelang besser abgeschnitten als Air Liquide. Warum ich Air Liquide nicht verkaufe? Wegen den Steuern. Aktiengewinne seit 2009 sind steuerpflichtig. Das ist mir zu teuer. Bleibt die Frage, ob ich nochmal Air Liquide kaufen würde. Nein ich würde eher bei Texas Roadhouse nachlegen. Air Liquide ist eher ein Depotbremser. Sie sind erst in den letzten Jahren so gelaufen, dass ein Plus raus kommt. Ohne Steuern hätte ich sie schon lange verkauft. Texas Roadhouse verkaufen und Air Liquide kaufen? Echt jetzt? Naja, soll mir recht sein, Air Liquide gehört noch immer zu meinen 7 größten Positionen, weil ich mal Fan war und Verkaufen heute zu teuer ist. Aber eigentlich war die Performance sein 2009 eine Enttäuschung. Ich betrachte die Aktie als eine meiner persönlichen Fehlentscheidungen. Sie war mal mit BASF meine größte Position, nur konnte ich mich von BASF steuerfrei trennen und das war gut so. Natürlich machen die Jahre trotzdem ein Plus daraus. Das ich Air Liquide 2009 gekauft habe, macht es optisch zum Hammer. War es aber nicht. Es war schlechter als der Markt.

    • Tja, lieber Marco, im Einkauf liegt der Gewinn 😂

      Wie Du an unten stehendem Chart erkennen kannst, befindet sich Air Liquide seit Anfang der 90er-Jahre in einem Aufwärtstrend. Und klar, ein solcher Trend wird auch mal von Störungen wie der Finanzkrise 2008 unterbrochen oder aber durch längere Konsolidierungsphasen wie 2015 bis 2018. Das ist völlig normal.

      Und jetzt kommt’s: Eine solche Kosolidierung wurde 2019 beendet mit einem fulminanten Anstieg auf neue Allzeithochs. Und nun im Crash – nahezu lehrbuchartig – ein Rücktest dieses Ausbruchsniveaus. Wenn nicht jetzt zuschlagen, wann dann? Auch wenn die Aktie derzeit ungefähr dort notiert, wo sie zum damaligen Höchststand im Jahr 2015 lag, ist das nun eine vollkommen andere Ausgangslage. Damals auf Höchststand nach längerem Anstieg, heute auf Ausbruchsniveau nach heftigem Crash. Ich sag immer: Charts muss man lesen und verstehen können 😂

      Wohlgemerkt: Das heißt nicht, dass man damit die Zukunft vorhersehen könnte – ich auch nicht. Aber es ergibt sich unter den o.g. Umständen ein attraktives Chance/Risiko-Verhältnis. Zumal bei einem denkbarenRückfall unter das Ausbruchsniveau von 2019 relativ kursnah signalisiert würde, dass sich die technische Lage nachhaltig eingetrübt hätte. Dann könnte man immer noch darüber nachdenken, ob man begrenzte Verluste realisiert. Aber soweit ist es – wie gesagt – noch nicht. Noch sieht die technische Lage sogar äußerst attraktiv aus.

      Und wir haben dabei noch nicht übers Fundamentale gesprochen, nämlich über das langfristig äußerst attraktive Geschäft mit technischen Gasen: zum Beispiel die Wasserstoffpipeline Rhein-Ruhr, die Belieferung der Halbleiterindustrie mit technischen Gasen und anderen Chemikalien von höchster Reinheit oder – derzeit besonders im Fokus – die Versorgung von Krankenhäusern mit medizinischem Sauerstoff.

    • Tja, lieber Marco, im Einkauf liegt der Gewinn 😂

      Wie Du an unten stehendem Chart erkennen kannst, befindet sich Air Liquide seit Anfang der 90er-Jahre in einem Aufwärtstrend. Und klar, ein solcher Trend wird auch mal von Störungen wie der Finanzkrise 2008 unterbrochen oder aber durch längere Konsolidierungsphasen wie 2015 bis 2018. Das ist völlig normal.

      Und jetzt kommt’s: Eine solche Kosolidierung wurde 2019 beendet mit einem fulminanten Anstieg auf neue Allzeithochs. Und nun im Crash – nahezu lehrbuchartig – ein Rücktest dieses Ausbruchsniveaus. Wenn nicht jetzt zuschlagen, wann dann?

      Auch wenn die Aktie derzeit ungefähr dort notiert, wo sie zum damaligen Höchststand im Jahr 2015 lag, ist das nun eine vollkommen andere Ausgangslage. Damals lag die Aktie auf Höchststand nach längerem Anstieg, heute macht sie nach heftigem Crash einen Rücktest des Ausbruchsniveaus. Ich sag immer: Charts muss man lesen und verstehen können 😂

      Wohlgemerkt: Das heißt nicht, dass man damit die Zukunft vorhersehen könnte – ich auch nicht. Aber es ergibt sich unter den o.g. Umständen ein attraktives Chance/Risiko-Verhältnis. Zumal bei einem denkbaren Rückfall unter das Ausbruchsniveau von 2019 relativ kursnah signalisiert würde, dass sich die technische Lage nachhaltig eingetrübt hätte. Dann könnte man immer noch darüber nachdenken, ob man begrenzte Verluste realisiert. Aber soweit ist es – wie gesagt – noch nicht. Noch sieht die technische Lage sogar äußerst attraktiv aus.

      Und wir haben dabei noch nicht übers Fundamentale gesprochen, nämlich über das langfristig äußerst attraktive Geschäft mit technischen Gasen: zum Beispiel die Wasserstoffpipeline Rhein-Ruhr, die Belieferung der Halbleiterindustrie mit technischen Gasen und anderen Chemikalien von höchster Reinheit oder – derzeit besonders im Fokus – die Versorgung von Krankenhäusern mit medizinischem Sauerstoff.

      Zum Vergrößern anklicken:

      • Wenn ein Chart durch Fundamentales unterstützt wird ist das gut so

        • Das ist zwar nicht immer der Fall, aber öfter als manch einer glauben mag 😉

    • Ja Marco, im Einkauf liegt der Gewinn… und halte mich für verrückt, aber ich habe bei BASF unter 39 meine kleine Position aufgestockt und sogar bei Covestro ebenfalls für 27.

      Ja Chemieindustrie leidet, aber auch hier kommen wieder bessere Zeiten.

      Stahl habe ich leider zu früh eingekauft, aber auch hier plane ich weitere antizyklische Aufstockungen.

      Siltronic hatte ich im Januar viel zu früh aber mit schönem Gewinn trotzdem verkauft, jetzt habe ich sie wieder eingesammelt… zwar nicht den Tiefpunkt erwischt, aber momentan schon wieder im Plus.

      • Perfekt. BASF hatte ich mal zu deutlich unter 30, nicht zu Tiefstkursen. Aber ich stellte mir Fragen, warum irgendwann der Kurs nicht mehr lief. BASF hatte 2011 seinen höchsten Gewinn und seitdem geht es bergab. Seit vielleicht auch 2015 mit der Aktie. Ich bestreite nicht, dass man mit einem gutem Einkauf einen guten Schnitt machen kann. Ich bezweifle eher, dass es oft klappt. Um einen guten Schnitt zu machen, musste man Air Liquide und BASF sehr günstig kaufen. Und zurück zu Air Liquide. Ich war mit der Aktie viele Jahre schlechter als der Markt und hatte nur eine Frage: Warum performt der Kurs so schlecht, wenn ich das Unternehmen für so super halte. Ich räume allerdings ein, dass die Kursentwicklung der letzten zwei Jahre vor Corona deutlich (DEUTLICH) besser war. Air Liquide war als größte Position aber auch lange ein Depotbremser. Und ich möchte noch was dazu sagen. Meine Performance mit Air Liquide hatte leider auch einen anderen Kurstreiber. Man kann Air Liquide Aktien in eine Art gesperrte Vorzugsaktien wandeln, die drei Jahre später 10 Prozent mehr Dividende und Gratisaktien abwerfen. Das hatte ich gemacht. Sonst wäre das Ergebnis gegenüber dem Markt richtig grausam gewesen.

        Ich werde mich freuen, wenn Air Liquide besser läuft, als von mir erwartet. Wegen Steuern werde ich es nicht verkaufen. Aber ich will Air Liquide nicht empfehlen. Ich wäre da skeptisch.

        • „Air Liquide war als größte Position aber auch lange ein Depotbremser.“

          Für uns ist Air Liquide nur eine ganz normale Position unter vielen 😀

        • BASF hat seit 2011 kontinuierlich die Dividende um 10 Cent angehoben und ich gehe davon aus, dass das mittelfristig auch weitergeführt werden soll… selbst wenn mal ein Jahr wie 2020 nicht so gut läuft, denke ich trotzdem, dass es fortgeführt wird oder mindestens auf dem Niveau des Vorjahres so bleibt…
          Sollte das so sein, hat man neben den potentiellen Kursgewinnen eines Tages auch ein gute Divirendite, gerade beim aktuellen Zinsniveau…

          BASF wird nie zu den Outperformern gehören, aber als kleiner Teil des Depots – gerade bei den aktuellen Kursen – trotzdem ein Blick wert, finde ich.

          • “ selbst wenn mal ein Jahr wie 2020 nicht so gut läuft“

            Und was ist mit den anderen Jahren, die im Aufschwung nicht gut gelaufen sind? BASF hatte 2011 mehr Gewinn gemacht als in allen Jahren danach. BASF kann kaum noch die Dividende steigern. Sie suchen nach einem Grund, um sie massiv zu senken, den sie nicht vertreten müssen. BASF hat ein Problem: Seit Jahren fallende Umsätze und Gewinne. Wenn die Dividende steigt, scheint das eher niemanden zu interessieren auch wenn der Kurs überdeutlich fällt. Es gibt ein Fan Verhalten, um einem Club treu zu bleiben, der bald absteigt. Finde ich im Fußball cool. Aber nicht an der Börse. BASF hat seit 2011 ein ernstes Problem. Und ich lehne mich mal aus dem Fenster. Die Dividende wird die nächsten 5 Jahre nicht weiter steigen. Sie wird fallen.

          • Volle Zustimmung. Aber nicht vergessen, bei 70, 80 Euro zu verkaufen.

  3. Der Auckland Airport steht bei mir auf der Einkaufsliste.

    Dass dieser leiden wird war bereits Ende Januar, Anfang Februar glasklar. In Coronaquarantänezeiten wird nicht gereist. Ergo ist diese sehr spezifische Krise Schuld für den überproportionalen Rückgang.

    Diese Zeiten werden aber irgendwann vorbei sein. Und dann wollen wieder alle nach Neuseeland. Ich möchte dort auch mal wieder hin, ist schön dort.

    • Wir haben es wie Warren Buffett gemacht und uns von unserem Luftfahrtengagement getrennt. Allerdings hat unser Depot insgesamt weit weniger gelitten als das von ihn 😉

      Aus ntv.de:

      Luftfahrt in der Krise: Buffetts Firma stößt alle Airline-Anteile ab +++
      Die US-Investmentfirma Berkshire Hathaway der Investorenlegende Warren Buffett hat sich in der Coronavirus-Pandemie von sämtlichen Anteilen an den vier größten US-Fluggesellschaften getrennt. Berkshire habe ihre Beteiligungen an Delta Air Lines, United Airlines, Southwest Airlines und American Airlines veräußert, sagt Buffett auf der Hauptversammlung. Seine Gesellschaft hatte rund sieben bis acht Milliarden Dollar in den Aufbau der Anteile investiert. Die Summe habe Berkshire beim Verkauf aber nicht wieder erzielen können, ergänzt Buffett. Die Luftfahrtbranche wurde von der Coronavirus-Pandemie hart getroffen. Per Ende 2019 hielt Berkshire elf Prozent an Delta Air Lines, zehn Prozent an American Airlines, neun Prozent an United Airlines und rund zehn Prozent an Southwest Airlines.

  4. Na dann viel Erfolg mit den Neuzugängen.🍀

  5. Wie sieht es jetzt mit der Aufnahme von Facebook in das WWD aus?
    Seit ca 3 Wochen schreiben mir auch ältere Menschen auf WhatsApp ,die vorher nie was damit anfangen konnten.
    Auch wenn die Werbeeinnahmen etwas zurückgeben sollten,
    Facebook ist für mich ein Profiteur der Krise.

    • Facebook mag ein Profiteur der Krise sein, aber deshalb noch lange kein wahrer Wert. Pornhub profitiert ja auch von der Krise 😂

    • Einzelhandel, kleine Läden gehen kaputt. Es gewinnen die großen Digitalisierungsunternehmen. Der Trend ist bekannt, wird aktuell jedoch massiv beschleunigt.

  6. Hallo Raimund, mit grossem Interesse verfolge ich Deine Kommentare und bilde das Depot nahezu 1:1 nach.

    Kühlen Kopf zu bewahren macht sich bezahlt. Danke auch für Deine ausserordentlichen nachvollziehbaren Gedankengänge und deren Entscheidungen ob Kauf oder Verkauf von Aktien 🙂

    Ich halte zudem wegen der hohen Eigenkapitalquote sowohl Alphabet wie auch „Facebook“.

    Aber wenn Du Facebook nicht einwechseln magst, dann ist das halt so. Die meisten können sich mit Facebook auch identifizieren.

    Die sind in Krisenzeiten zudem sehr gut aufgestellt, gerade wegen der hohen Eigenkapitalquote.

    Wie auch mein Depotvorschlag „Berkshire Hathaway B“ !

    Wäre eine Einwechslung demnächst denkbar Raimund?

    LG Andreas

    • Hallo Andreas, Berkshire Hathaway kommt aus zwei anderen Gründen nicht in Frage für uns:

      1.
      Es ist quasi ein Fonds, der das Gleiche macht wie wir, nämlich in möglichst erfolgversprechende Unternehmen zu investieren. Wir wollen und brauchen aber keine Fonds-im-Fonds-Lösung. Das machen wir lieber selbst, auch wenn wir inhaltlich durchaus eine ähnliche Linie verfolgen wie Buffett. Deshalb kommen einzelne Unternehmen aus seinem Portflolio für uns sehr wohl in Betracht, wie Du an Danaher siehst.

      2.
      Wir unterscheiden uns in gewisser Hinsicht aber wiederum sehr deutlich von Buffett. Zum Beispiel kommen für uns keine klassischen Finanzwerte in Betracht, weil wir diese – überspitzt formuliert – für Teufelszeug halten. Wenn Du unsere Philosophie kennst und unser Buch gelesen hast, weißt Du warum. Buffett aber setzt sehr wohl auf Banken und Versicherungen. Auch deshalb kommt Berkshire Hathaway für uns nicht in Betracht.

      Und wenn man dann zusätzlich noch seine Rohrkrepierer wie Kraft Heinz betrachtet, ist das ein dritter Grund für uns, nicht auf Berkshire Hathaway zu setzen.

      An Kraft Heinz zeigt sich übrigens ein weiterer Unterschied zwischen ihm und uns: Wir hatten Kraft Heinz mal ganz kurz im Depot, sie aber sehr rasch wieder entsorgt, als sich herausstelle, dass dies eine Looser-Aktie ist. Wir sind also viel flexibler als Buffett, der aus alter Verbundenheit viel zu lange an solchen Fehlinvestments festhält.

  7. Danke Dir…

    Ist nachvollziehbar Deine Argumentation.

    Werde meine Entscheidung nochmal neu überdenken!

  8. Da „virtuelles“ Depot, rein hypothetische Frage. Wir haben fürs eigene Depot vorletzte Woche nachgekauft. Rezession ist am Markt eingepreist und langfristig werden auch neue Höchststände erreicht werden. Wer das nicht glaubt, sollte in Bunker, Brunnen und Vorräte investieren.

    • Na ja, so virtuell ist unser Depot nicht. Es wird schließlich von einem Fonds (Wahre-Werte-Fonds) möglichst genau nachgebildet. Insofern ist es also auch ein durchaus reales Depot.

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