Categories Menu

Der digitale Euro als digitales Zentralbankgeld

25. Juni 2026 - Anton Voglmaier in Allgemein | Keine Kommentare »

Genau an diesem Punkt wird der digitale Euro interessant.

Heute können Bürger Zentralbankgeld nur in Form von Bargeld halten. Guthaben auf Giro- oder Tagesgeldkonten sind dagegen Geschäftsbankengeld und damit Forderungen gegenüber der jeweiligen Geschäftsbank.

Zentralbankgeld ist nicht mehr wert als Geschäftsbankengeld, aber sicherer: Es wird vom Eurosystem, also von der Europäischen Zentralbank und den nationalen Zentralbanken des Euroraums, ausgegeben und hängt nicht von der Zahlungsfähigkeit einer Geschäftsbank ab. Deshalb bildet es den Vertrauensanker unseres Geldsystems.

Das heutige Bankensystem beruht auf dem Bruchteilreservesystem: Geschäftsbanken halten nicht genügend sofort verfügbares Zentralbankgeld bereit, um sämtliche Kundenguthaben gleichzeitig in Bargeld auszahlen zu können.

Die Kunden müssen daher grundsätzlich darauf vertrauen, dass ihre Geschäftsbank ihr Bankguthaben bei Bedarf in Bargeld und damit in Zentralbankgeld umwandeln kann. Gerät die Bank in Schwierigkeiten, besteht für das Guthaben ein Ausfallrisiko. Bankenaufsicht und Einlagensicherung begrenzen dieses Risiko, ändern aber nichts daran, dass das Bankguthaben eine Forderung gegenüber der Geschäftsbank bleibt.

Der digitale Euro wäre dagegen digitales Zentralbankgeld und damit eine Verbindlichkeit des Eurosystems. Bürger könnten Bankguthaben digital in Zentralbankgeld umwandeln und den entsprechenden Betrag unmittelbar als digitalen Euro halten. Für diesen Betrag wären sie nicht mehr auf die Zahlungsfähigkeit ihrer Geschäftsbank angewiesen. Das übrige Bankguthaben bliebe eine Forderung gegenüber der Geschäftsbank.

Nach den bisherigen Planungen soll der digitale Euro nicht unbegrenzt gehalten werden können. Halteobergrenzen sollen verhindern, dass große Mengen an Bankeinlagen in digitales Zentralbankgeld umgeschichtet werden. Eine massenhafte Umwandlung könnte insbesondere in einer Krise Einlagenabflüsse bei den Geschäftsbanken beschleunigen und die Stabilität des Bankensystems beeinträchtigen.

Unternehmen sollen den digitalen Euro ebenfalls für Zahlungen nutzen können. Nach der bisher vorgesehenen Ausgestaltung sollen sie jedoch keine dauerhaften Bestände in digitalen Euro halten.

Der digitale Euro würde damit einen grundlegenden Unterschied zwischen Geschäftsbankengeld und Zentralbankgeld sichtbar machen:

Ein Euro auf einem Bankkonto und ein Euro Zentralbankgeld sind zwar gleich viel wert, haben aber einen unterschiedlichen rechtlichen Charakter: Das Bankguthaben ist eine Forderung gegenüber der Geschäftsbank, Zentralbankgeld eine Verbindlichkeit der Zentralbank.

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

wp-puzzle.com logo