Der digitale Euro und das Helikoptergeld
26. Juni 2026 - Anton Voglmaier in Allgemein | Keine Kommentare »
Der digitale Euro wäre digitales Zentralbankgeld für Bürger. In einer schweren Krise könnte er grundsätzlich auch einen direkten Weg eröffnen, neu geschaffenes Zentralbankgeld an die Bevölkerung auszuzahlen.
Heute wirkt die Geldpolitik überwiegend mittelbar über Geschäftsbanken und Finanzmärkte. Die Zentralbank verändert die Leitzinsen, stellt Geschäftsbanken Zentralbankgeld zur Verfügung, indem sie ihnen gegen geeignete Sicherheiten Kredite gewährt, und kann Wertpapiere kaufen oder ihre Bestände verringern. Dadurch beeinflusst sie unter anderem Kreditzinsen, Finanzierungsbedingungen, Vermögenspreise und die gesamtwirtschaftliche Nachfrage.
Diese Wirkung entfaltet sich über verschiedene Übertragungswege und mehrere Zwischenschritte. Ein wichtiger Weg führt über die Geschäftsbanken: Sie müssen bereit sein, Kredite zu vergeben, während Unternehmen und Verbraucher bereit sein müssen, Kredite aufzunehmen, zu investieren oder zusätzliches Geld auszugeben.
Hier kommt die Idee des Helikoptergeldes ins Spiel.
Auch heute schaffen Zentralbanken und Geschäftsbanken neues Geld durch einen Buchungsvorgang – bildlich gesprochen aus dem Nichts –, ohne dass zuvor entsprechende Ersparnisse vorhanden sein müssen. Geschäftsbanken schaffen Giralgeld insbesondere durch die Vergabe von Krediten an Unternehmen, Verbraucher und staatliche Stellen: Sie schreiben dem Kreditnehmer eine Einlage gut und verbuchen zugleich eine entsprechende Kreditforderung.
Das Eurosystem schafft Zentralbankgeld vor allem durch die Vergabe von Krediten an Geschäftsbanken gegen geeignete Sicherheiten sowie durch den Ankauf anderer Vermögenswerte. Dem neu geschaffenen Zentralbankgeld steht dabei ein entsprechender Vermögenswert gegenüber: eine Forderung gegen die Geschäftsbank oder der angekaufte Vermögenswert.
Beim hier beschriebenen Helikoptergeld wäre der entscheidende Unterschied, dass das Eurosystem zusätzliche digitale Euro schaffen und sie den Bürgern unentgeltlich und ohne Rückzahlungsverpflichtung gutschreiben würde.
Der digitale Euro wäre dabei die Geldform. Helikoptergeld wäre eine besondere Art seiner Ausgabe.
Ein solcher Transfer würde für sich genommen keine zusätzliche Verbindlichkeit des Staates und damit keine zusätzlichen Staatsschulden begründen.
Die neu ausgegebenen digitalen Euro wären zusätzliche Verbindlichkeiten des Eurosystems und würden auf der Passivseite seiner Bilanz ausgewiesen. Für das hier beschriebene Modell wird angenommen, dass ihnen auf der Aktivseite kein Vermögenswert gegenüberstünde und zugleich keine andere Verbindlichkeit vermindert würde. Die bilanzielle Nettoposition des Eurosystems müsste sich deshalb um denselben Betrag verringern. Gemeint ist damit die rechnerische Restgröße, die sich aus den Vermögenswerten abzüglich der Verbindlichkeiten ergibt. Die Bilanzgleichung bliebe dadurch gewahrt und die Bilanzsumme unverändert. Wie die Verminderung dieser Nettoposition bei einem solchen hypothetischen Transfer konkret auszuweisen wäre, ist in den Rechnungslegungsvorschriften des Eurosystems bislang nicht spezifisch festgelegt.
Ohne wirtschaftliche Folgen wäre diese Geldschöpfung dennoch nicht. Sie würde den Bestand an unmittelbar von Bürgern gehaltenem Zentralbankgeld erhöhen und damit Inflation im ursprünglichen monetären Sinne bedeuten. Ob und in welchem Umfang sich diese monetäre Inflation anschließend in einem Anstieg des allgemeinen Preisniveaus niederschlägt, lässt sich daraus allein jedoch nicht ableiten.
Die berechtigten Empfänger müssten festgelegt, eindeutig identifiziert und technisch erreichbar sein. Außerdem wären eine rechtliche Grundlage und eine politische Entscheidung für eine solche Maßnahme erforderlich.
Aus dem sprichwörtlichen Geldregen aus dem Hubschrauber könnte so eine direkte Gutschrift neu geschaffener digitaler Euro für die Bürger werden.
