Deutschland hat keine Ahnung von Geld
13. August 2026 - Anton Voglmaier in Allgemein | 2 Kommentare
Vielleicht war die schwäbische Hausfrau eine der erfolgreichsten wirtschaftspolitischen Fehlbesetzungen der deutschen Geschichte.
Sie hat es bis ins Kanzleramt geschafft – zumindest als Denkmodell.
Sparen galt als Tugend. Schulden als Sünde. Die schwarze Null als Krönung solider Finanzpolitik.
Und ein erstaunlich großer Teil Deutschlands glaubte daran.
Vier Kolumnen lang habe ich analysiert, wie Deutschland der schwarzen Null verfallen konnte. Am Ende bleibt für mich eine ziemlich verstörende Frage:
Wie konnte ein Land jahrzehntelang über Schulden streiten, wenn so viele offenbar nicht verstanden haben, wie unser Geldsystem überhaupt funktioniert?
Der volumenmäßig größte Teil unseres Geldes ist Buchgeld. Geschäftsbanken schaffen neues Buchgeld, wenn sie Kredite vergeben. Werden diese Kredite getilgt, verschwindet das dabei geschaffene Geld wieder.
Schulden sind deshalb in unserem heutigen Geldsystem kein Betriebsunfall.
Sie sind systemimmanent.
Die Schulden schaffen das Geld.
Trotzdem wurde den Deutschen über Jahre eine Geschichte erzählt, die jedes Kind verstehen konnte:
Schulden schlecht.
Sparen gut.
Schwarze Null hervorragend.
Und als Krönung wurde die schwäbische Hausfrau zum Vorbild staatlicher Finanzpolitik erhoben.
Ökonomisch ist das absurd.
Ein Privathaushalt kann sparen, ohne dass deshalb seine Einnahmen sinken. Wenn aber alle gleichzeitig sparen, Schulden tilgen und niemand neue Kredite aufnimmt, kommt die Geldschöpfung durch Kreditvergabe weitgehend zum Erliegen. Gleichzeitig wird gespartes Geld nicht für Konsum oder Investitionen ausgegeben.
Aber wer hätte es eigentlich besser wissen müssen?
Die Politiker?
Sie feierten die schwarze Null.
Die Journalisten?
Teile von ihnen feierten mit.
Die Ökonomen?
Auch prominente Vertreter gaben diesem Kurs Rückendeckung.
Das ist eigentlich der Skandal.
Von einem Bürger kann ich nicht verlangen, dass er sich mit Geldschöpfung, Bankbilanzen und makroökonomischen Zusammenhängen beschäftigt.
Von einem Finanzminister schon.
Von einem Wirtschaftsjournalisten auch.
Und von einem Ökonomen erst recht.
Stattdessen wurde aus der Logik eines Privathaushalts ein Leitbild für staatliche Finanzpolitik.
Und genau hier liegt für mich das eigentliche Problem.
Die schwarze Null konnte auch deshalb zum politischen Leitbild werden, weil viel zu wenige verstanden haben, wie unser Geldsystem funktioniert.
Die Bürger glaubten an die schwäbische Hausfrau.
Aber Politiker, Journalisten und Ökonomen hätten es besser wissen müssen.
Statt den Denkfehler aufzuklären, haben ihn Teile von ihnen mitgetragen.
Vielleicht ist das die erschreckendste Erkenntnis dieser vier Kolumnen:
Nicht nur die Deutschen verstehen ihr Geldsystem nicht. Offenbar verstehen es selbst viele von denen nicht, die darüber entscheiden, darüber berichten und uns erklären, wie es funktioniert.

„Wie konnte ein Land jahrzehntelang über Schulden streiten, wenn so viele offenbar nicht verstanden haben, wie unser Geldsystem überhaupt funktioniert?“
Es gab und gibt ja viele andere, die fleißig Schulden gemacht haben – das Geldsystem steht ja immer noch.
Hätte Deutschland damals massiv Schulden gemacht, wären die Renditen nach oben gegangen. Es gab schließlich einen Angriff auf den Euro.
Die entscheidende Frage ist: was hat Deutschland mit seinen Überschussen nach der sogenannten Finanzkrise gemacht, bzw was hätte Deutschland mit einer sinnvollen Schuldenaufnahme i.H.v. bspw 2% des BIP machen können?
Antwort: in einen Staatsfonds a la Norwegen investieren. Dann hätte der deutsche Staat nun ein Billionen Vermögen, und es gäbe keine klammen Kassen.
Stattdessen hat Deutschland ab 2015 bis 2019 massiv für die Kosten der Masseneinwanderung bezahlt, und zahlt weiter. Zusätzlich in „Klimaschutz“, der sogenannten“Transformation“, was sonst kein anderes Industrieland macht.
Der entscheidende Punkt meiner Kolumne ist nicht, dass ausgerechnet Deutschland neue Schulden machen musste, damit das Geldsystem funktioniert. Neue Kredite können genauso von Unternehmen, privaten Haushalten oder anderen Staaten aufgenommen werden.
Ihren Staatsfonds-Gedanken finde ich trotzdem interessant. Deutschland konnte sich über Jahre extrem günstig und zeitweise sogar zu negativen Renditen verschulden. Diese Phase stärker für langfristige Investitionen oder Vermögensaufbau zu nutzen, wäre eine ernsthafte Alternative zur Fixierung auf die schwarze Null gewesen.
Ob daraus heute tatsächlich ein Billionenvermögen entstanden wäre, lässt sich allerdings nicht seriös behaupten.