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Die Angst ist groß!

22. Juli 2021 - Raimund Brichta in Allgemein | 34 Kommentare

US-Aktienanleger sind derzeit extrem ängstlich. Das heißt, sie fürchten sich vor fallenden Kursen in naher Zukunft. Zu erkennen ist das am Angst-und-Gier-Index, den der Nachrichtensender CNN täglich ermittelt. Dieses Stimmungsbarometer ist in dieser Woche in den Bereich „extreme Angst“ abgetaucht und hat sich daraus auch nicht befreit – trotz der Kurserholung der letzten Tage.

Das ist deshalb bemerkenswert, weil die US-Aktienindizes in der Nähe ihrer Allzeithochs notieren und man deshalb eigentlich eine ausgelassenere Stimmung erwarten könnte.

Hier der Verlauf des Index seit 2018:

Man sieht, dass die Anleger zuletzt Ende des vergangenen Jahres gierig waren. Seitdem nimmt ihre Gier ab und ihre Angst zu. Damit bestätigt der Verlauf bis jetzt die alte Börsenweisheit, dass die Kurse am besten an einer „Mauer aus Angst“ emporklettern können. Und zwar deshalb, weil es immer weniger euphorische Anleger gibt, die von fallenden Kursen überrascht werden könnten, um dann panisch Aktien abzustoßen.

Es gibt es allerdings auch Leute, die die zunehmende Angst als Vorboten einer bevorstehenden größeren Korrektur sehen. Sie verweisen zum Beispiel darauf, dass auch kurz vorm Corona-Crash im vergangenen Jahr der Index  eingebrochen ist und sich danach nicht mehr erholt hat, obwohl die Kurse im Februar noch einmal auf Rekordhöhen gestiegen waren.

Das stimmt zwar, aber der erste Einbruch Ende Januar war sehr stark und plötzlich. Er startete  außerdem von einem sehr hohem Ausgangspunkt aus. Der zweite Stimmungs-Einbruch Ende Februar/Anfang März 2020 lief dann parallel zum Corona-Crash und war insofern prozyklisch. Mit der aktuellen Lage ist diese Entwicklung jedenfalls nicht vergleichbar. Dieses Jahr fällt der Index schon seit Monaten in kleinen Schritten.

Ich tendiere also zur Mauer-aus-Angst-Interpretation. Sollte dennoch eine etwas stärkere Korrektur kommen, wäre das Rückschlagspotential des Angst-und-Gier-Index‘ begrenzt. Tiefer als null kann er ja nicht fallen. Das heißt, in diesem Fall müsste sich relativ rasch ein Boden ausbilden.

Vielleicht kommt es ja schon im August dazu? Stay tuned!

 

34 Kommentare

  1. @ Herr Brichta

    Abgesehen davon,das das ein Indikator von vielen,vielen ist, kann man es abweichend betrachten :
    Wer bei Hoechststaenden (!!!) Angst hat,das die Kurse fallen,der ist wohl bis zur Halskrause investiert.
    Falls so viele Aengstliche in der Naehe der Allzeithochs nicht oder unterinvestiert waeren,wurden sie wohl auf Einstiegskurse warten.Ohne Angst.

    • Das Schwarz-Weiß-Bild, das Sie zeichnen, scheint mir nicht ganz korrekt. Schauen Sie sich mal das lustige Erklärfilmchen dazu auf der CNN-Seite an. In den Index fließen technische Indikatoren ein wie die Volatilität, die Zahl der neuen Hochs und Tiefs, die Handelsvolumina der steigenden und fallenden Aktie etc.

      Auch die Optionsprämien gehören dazu. Und hier kommt die Angst ins Spiel: Wer bei Höchstständen Angst hat, mag zwar investiert sein (vielleicht auch weil er es sein muss wie bestimmte Fonds), er kann sich aber am Terminmarkt gegen fallende Kurse abgesichert haben. Sofern dies über Optionen geschieht, steigen die Prämien dafür. Eigentlich plausibel, oder?

      Das CNN-Filmchen endet übrigens mit dem Rat des Starinvestors Warren Buffett, man solle Angst haben, wenn die anderen gierig sind, und gierig sein, wenn die anderen Angst haben. Demnach wäre es bei diesem Indexstand sogar bald an der Zeit, gierig zu werden 😉 Aber vielleicht bedarf es auch noch eines finalen Ausschüttlers im August?

  2. Vielleicht ist es etwas zu simpel, nur in den Kategorien Angst und Gier, die sich ständig abwechseln, zu denken, so wie es die Grafik suggeriert. Außerdem denke ich, dass sich Angst und Gier gegenseitig bedingen. Eine Frage wäre z. B., ob nicht vielmehr auch beides gleichzeitig auf hohem Niveau liegt (bei hoher Volatität) oder beides gleichzeitig auf sehr niedrigem Niveau liegt (einer ruhigen Langeweilerbörse entsprechend). Die Frage wäre dann, wie das zu erkennen wäre (vielleicht an den Umsätzen?) und welche Handlungsanweisungen sich daraus ergäben.

    Vor einiger Zeit hatte ich mir die Volatilitätsindizes mal etwas angeschaut und bin zu dem Schluss gekommen, dass es ggf. möglich sein kann, die Bewegungen zu interpretieren und daraus sinnvolle Schlussfolgerungen zu ziehen. Für sich genommen sagen die Volatilitätsindizes m. E. aber überhaupt nichts aus. Erst wenn sie in Relation zu weiteren Daten, insb. den Kursbewegungen, gesetzt werden, könnten sie ggf. manchmal nützlich sein. Ich fürchte, beim Fear & Greed Index wird es genauso sein, obwohl dieser ja bereits auf einer Vielzahl von Daten basiert.

    Man kann weiter fragen: Was ist überhaupt Angst und Gier? Gibt es denn keine anderen Gründe, die eine Kaufs- und Verkaufsmotivation bzw. einen Kaufs- und Verkaufsdruck hervorbringen?

    Die einen haben Angst, etwas zu verlieren und die anderen haben Angst etwas zu verpassen. Ist letztere Angst gleichbedeutend mit Gier?

    Ich kaufe gerne, wenn ich meine, eine Gelegenheit erkannt zu haben, z. B. eine charttechnisch günstige Gelegenheit nach einem Rücksetzer. Insbesenodere, wenn ich vorher abwartend (also eher ängstlich) war und schon lange einen Blick auf die Aktie geworfen habe. Ist das nun Gier? Und falls mir viel Geld zufließt, bin ich auch eher in Kauflaune – das Geld will ja schließlich angelegt werden und ich hätte ja noch Reserven, sofern ich nicht alles auf einmal investiere. Ggf. werde ich mir dann auch die Situation schön reden und Warnzeichen ignorieren. Aber ist das Gier?

    Welchen Einfluss hat der Faktor Geld? Wie bedingen sich die Faktoren Geld, Angst und Gier? Lassen sich weitere Aussagen treffen, wenn man Aktienkredite hinzuzieht, d. h. mitberücksichtigt, wie viele Aktien auf Pump gekauft werden?

    Gibt es dazu wissenschaftliche Untersuchungen?

    • „ Welchen Einfluss hat der Faktor Geld? “

      Er fördert eindeutig die Gier. Denn wer Geld hat, giert danach, noch mehr Geld zu haben 😉

      Der CNN-Index macht im Prinzip genau das, was Du Dir wünschst. Er setzt verschiedene Indikatoren in Beziehung zueinander. Von Angst und Gier würde ich auch nur in Extrem-Regionen sprechen. Dazwischen ist für mich Niemandsland. Aber zuletzt hat sich der Index eben in die untere Extremregion bewegt. Deshalb habe ich ihn hier erwähnt.

  3. Hallo Raimund,

    was hast du mit uns vor? Zuerst brachtest du die „Brandbeschleuniger“, dann die „Sommerrally“. Und jetzt kommst du mit der American Angst. Vielleicht nutzt du ja auch unsere Kommentare als Stimmungsindikatoren.

    Seit wann wird hier das Börsengeschehen so kurzfristig betrachtet? Gegenwärtig haben wir eine positive Marktentwicklung mit Schwüngen. Die Emotionen sind größer als das, was geschieht. An eine so lange ruhige Phase kann ich mich gar nicht erinnern.

    Gewiss wird es wieder heftigere Ausschläge in die eine oder andere Richtung geben. Am längerfristigen Trend werden die wahrscheinlich nichts ändern.

    Thomas Grüner meint übrigens, wir befinden uns in der Spätphase eines Bullenmarktes. Der lebt noch vom Optimismus und erste Anzeichen von Euphorie sind da. Diese Phase ist ertragreich und kann einige Zeit anhalten. Er meint, dass man jetzt investiert sein muss, und er warnt davor. leichtsinnig zu werden.
    – Ist doch wunderbar!

    Genießen wir also die guten Zeiten, so lange sie da sind.

    • „ was hast du mit uns vor? Zuerst brachtest du die „Brandbeschleuniger“, dann die „Sommerrally“. Und jetzt kommst du mit der American Angst. Vielleicht nutzt du ja auch unsere Kommentare als Stimmungsindikatoren.“

      Ich habe gar nix Spezielles mit Euch vor. Abgesehen vielleicht davon, darüber zu diskutieren. Das Schöne an der Börse ist ja, dass es stets widersprüchliche Indikatoren gibt. Einige davon halte ich für besonders interessant. Und diese teile ich dann mit Euch.

      „Seit wann wird hier das Börsengeschehen so kurzfristig betrachtet?“

      On the long run sind hier wohl alle investiert, zumindest die meisten. Aber das wird für ein Forum schnell langweilig 😉

      • Okay, das verstehe ich.
        Seit du das so machst, ist die Diskussion hier viel reger geworden. Und so nebenbei wird auch manche Strategiefrage mit diskutiert. Und wir erweitern unser Fachwissen. Das ist dann auch gut.

  4. @ Herr Brichta

    “ Demnach wäre es bei diesem Indexstand sogar bald an der Zeit, gierig zu werden 😉 Aber vielleicht bedarf es auch noch eines finalen Ausschüttlers im August? “

    * Zwinker zurueck *. – Mich treibt eher die Sorge um die Altersvorsorege von Millionen von Menschen um. –
    Genies zeigen sich ohnehin erst in Baerenmaerkten.

    • Die Altersvorsorge hat mit dem Diskutieren über solche Indikatoren m.E. nichts zu tun. Hier geht es m.E. mehr um eine Art Börsenfolklore, die das Marktgeschehen irgendwie menschlich machen. Dazu eignet sich dieser Index jedenfalls sehr gut. Das zeigt auch die große Beachtung, die er findet.

  5. Ich denke, ein Problem bei der Konstruktion eines solchen Fear & Greed – Index ist, dass das beurteilte/interpretierte Marktgeschehen nicht immer im Einklang und synchron damit ist, was in den Köpfen der gesamten Anleger vor sich geht.

    Bei einem Crash gibt es vermutlich bereits vor Erreichen des Tiefpunkts viele Anleger, die ihre Positionen längst glattgestellt haben, die sich bspw. an Ratschläge wie den des Warren Buffet erinnern, sich gierig die Hände reiben und solange die Füße still halten bis die Zeit zum Einstieg reif scheint. Denn aus der Angst der Einen entsteht die Gier der Anderen. Der Fear & Greed – Index erreicht aber zeitgleich mit dem Tiefpunkt der Aktienkurse den Boden und scheint in dieser Situation fast nur die Angsthasen zu berücksichtigen – die abwartenden Anderen bleiben vermutlich weitgehend außen vor. Wenn in der Börsenberichtserstattung der Eindruck entsteht, dass jetzt alles hoffnungslos verloren ist – die Panik scheinbar maximal wird, dann drehen die Kurse plötzlich. Eigentlich könnten sie das ja gar nicht, wenn die weit überwiegende Mehrheit Anleger so überaus panisch wäre – die Angst müsste sich erst einmal gelegt haben. Man könnte sogar meinen, dass dies ein eher langsamer Prozess wäre, woraus sich keine V-förmige Kursentwicklung ergäbe. Ist aber nicht so. An einem solchen Tag in der Corona-Krise habe ich übrigens auch Aktien gekauft. Mein Argument war, dass der VDAXnew ein Allzeithoch erreichte – wenn nicht dann, wann sonst? Das Kursgeschehen wird bis dahin zwar von den Angsthasen dominiert. Die Gierigen am Seitenrand gibt es aber trotzdem, nur greifen viele bis dahin anscheinend kaum in das Marktgeschehen ein. Der F&G-Index scheint das nicht hinreichend berücksichtigen zu können. Die meisten Menschen und die Börsenberichtserstattung übrigens auch nicht – insofern gibt der F&G-Index zumindest eine gefühlte Wahrheit richtig wieder. Dies ist jedenfalls mein Eindruck.

    Dabei glaube ich, dass die meisten Anleger gar nicht so plötzlich ihre Meinung ändern. Menschen wollen nämlich gerne Recht behalten, und die meisten halten sich selbst ohnehin für schlauer als die anderen. Fehlentscheidung? – Kann doch gar nicht sein!

    Insofern glaube ich, dass Angst und Gier in Wirklichkeit oft nicht so schnell ineinander umschlagen, wie es das kurzfristige Marktgeschehen und auch der F&G-Index vielleicht nahelegen. Ich würde jedenfalls vermuten, dass Angst und Gier bei Erreichen eines Tiefs nach einem Crash beide auf sehr hohem Niveau sind, auch wenn der Index nur „Angst“ anzeigt. Ebenso glaube ich, dass die Angst bei Einsetzen einer Korrektur meist nicht so plötzlich entsteht. Vor heftigen Korrekturen oder Crashs erreichen VDAXnew und VIX oft ein Minimum – quasi die Ruhe vor dem Sturm. Mögliche Interpretation: Erst legt sich das Kaufinteresse – Langeweilerbörse – dann erst kommt die Angst. Die Gier schlägt also nicht sofort in Angst um, sie muss erst mal abnehmen. Solange es noch viel Gier gäbe, hätten die Angsthasen schließlich auch nur geringe Chancen, sich durchzusetzen und die Oberhand zu gewinnen. Vor allem nicht so plötzlich.

    Übrigens: Angst ist kein schönes Gefühl. Gier hingegen schon (zumindest wenn man sie selbst empfindet 😉 – aus eigener Erfahrung 🙂 ). Von daher wäre es m. E. einleuchtend, dass – unabhängig von den Fakten – die meiste Zeit die Gier überwiegt und auch immer zusammen mit der Angst präsent ist.

    Verzerrt wird das Ganze vermutlich durch automatisch ausgelöste Kauf- und Verkaufsorders, die teilweise vielleicht auf irgendwelchen Algorithmen basieren, welche ggf. sogar Indikatoren wie den F & G – Index verwenden, die eine angebliche Stimmung der Anleger unterstellen.

    Es verbleibt die Frage, was von der „Mauer aus Angst“ zu halten ist. Also, gäbe es tatsächlich einfach nur „extreme fear“, wie der F&G-Index ausgewiesen hat, dann hätten Dow Jones, S&P500 und Nasdaq heute nicht ein neues Allzeithoch erreicht, denke ich. Das wäre einfach nicht logisch. Das Argument, dass „es immer weniger euphorische Anleger gibt, die von fallenden Kursen überrascht werden könnten, um dann panisch Aktien abzustoßen“ überzeugt mich dabei nicht. Denn m. E. schlägt Euphorie bei den meisten Menschen i. d. R. nicht so plötzlich in Panik um, denke ich (s. o.). Gleichwohl könnten Euphorie und Panik bei verschiedenen Individuen nebeneinander existieren. Das dies in hohem Maße zutrifft, glaube ich in der derzeitigen Situation aber auch nicht. Ich kann nur vermuten, dass der F&G-Index die langsam zunehmende natürliche und gesunde Vorsicht vieler Anleger fälschlicherweise als „extreme fear“ ausweist und die ebenso natürliche und gesunde Zurückhaltung – nach starken Kursgewinnen und im Vorfeld des bekanntlich kritischen Monats September m. E. gar nicht so verwundernd – anderer Anleger ignoriert.

    p. s.: Kennt jemand ein gutes Buch über Börsenpsychologie? Würde mich interessieren.

    • Wie man es auch dreht und wendet: Jeder Index hat seine Fürs und Widers. Ich habe auch darauf hingewiesen, dass man dieselbe Indexentwicklung sogar vollkommen unterschiedlich interpretieren kann. Ein Hauptzweck solcher Indikatoren liegt also darin, einfach darüber zu diskutieren – so wie das gerade hier geschieht. Diesen Zweck erfüllt der Index also schon mal in hervorragender Weise. Und wenn ich ehrlich bin, hatte ich auch nur dies beabsichtigt, als ich den Beitrag schrieb.

      • Danke für den Hinweis.

  6. Man kann ja mal die 7 Einzelindikatoren des F&G-Indexes unter die Lupe nehmen:

    1. Momentum der Aktienkurse des S&P 500 gegenüber seinem gleitenden 125-Tage Durchschnitt:

    Es erscheint zwar richtig, einen überdurchschnittlich hohen Abstand zum gleitenden 125-Tage Durchschnitt als Gier-Indiz anzusehen. Dies betrifft allerdings die jüngere Vergangenheit und nicht zwingend den Jetzt-Zustand. Und es gibt auch Anleger, die diesen Abstand mit Sorge betrachten, d. h. als Gefahrensignal werten, deswegen Angst haben (… im Regen auf Taxis warten.. 🙂 ) . Als reiner Gier-Indikator für den Jetzt-Zustand ist dieser Indikator daher m. E. nicht geeignet.

    2. Junk Bond Demand:

    Ich frage mich, ob aus der Nachfrage nach Junk-Bonds überhaupt Aussagen über den Aktienmarkt möglich sind. Wenn Anleger überdurchschnittlich Junk Bonds statt Investment-Grade-Anleihen nachfragen, sind sie vielleicht gierig oder haben zu viel Geld. Aber wieso investieren sie es in Junk-Bonds statt in Aktien? Wäre das nicht auch ein Hinweis, dass sie den Aktienmarkt für gesättigt halten? Ließe sich diese mögliche Gier wirklich auf den Aktienmarkt übertragen?

    3. Market Volatility:

    Jede kurze Zuckung des VIX nach oben, wirkt sich kurzfristig auf das Fear-Level des F&G-Index aus. Erstens käme das aber bei einer echten Korrektur zu spät, um vorher auszusteigen. Zweitens ist die Sache mit der Volatilität m. E. kompliziert. Wie schon gesagt, schließt m. E. ein hohes Angst-Level ein gleichzeitig hohes Gier-Level nicht aus. Ich denke, es kommt auch nicht nur auf das Niveau, sondern auch auf die Bewegungen und die weiter zurückliegende Vergangenheit an (z. B. Ausgangsniveau). Bereinigt um kurzzeitige Ausschläge nach oben gibt es einen annährend exponentiell abklingenden Verlauf der Volatilität seit dem Corona-Crash – der Markt kommt Schritt für Schritt zur Ruhe. Wenn es zu ruhig wird, wird es irgendwann (oder bald?) gefährlich. Steigt die durchschnittliche Volatilität hingegen wieder an, während die Kurse ebenfalls steigen, deutet das m. E. auf eine Blasenbildung hin, die auch sehr lange andauern kann. Während der Dotcom-Blase war die Volatilität bspw. durchweg erhöht.

    4. Safe Haven Demand:

    Erscheint mir plausibel. Man sollte aber auch nach anderen Gründen fragen, weshalb sich Verhältnis der Nachfrage nach Aktien zur Nachfrage nach Bonds verändert haben könnte (z. B. Notenbankpolitik).

    5. Put and Call Options:

    Erscheint mir grundsätzlich plausibel. Aber wenn ich mir die zugehörige Einzelgrafik anschaue, liegt das Niveau ungefähr dort, wo es bereits Ende Januar war. Seitdem gab es ein paar kleine Schwankungen im Verhältnis, aber keine große Veränderung. „Extreme Fear“? Weiß nicht so recht.

    6. Stock Price Strength:

    Habe keine klare Meinung dazu. Deutet auf ein Abflauen der Aufwärtsdynamik hin und kann ein Indiz zunehmender Angst sein. Möglicherweise aber wird hier aber auch Vernunft/Normalisierung mit „extreme fear“ verwechselt.

    7. Stock Price Breadth:

    Ist stark korreliert mit Stock Price Strength und liefert daher vermutlich meistens die gleiche Aussage.

  7. Ich habe versucht, noch etwas mehr über den möglichen Nutzen des F&G-Indexes herauszufinden. CNN gibt anscheinend keine Daten über die länger zurückliegende Indexhistorie heraus, aber es gibt Leute, die solche Daten sammeln und untersuchen.

    Hierzu folgende kleiner Online-Artikel (Link): https://www.marketnoise.net/2020/11/01/the-signals-of-fear-greed-index/

    Im Artikel wird über einen 5-Jahreszeitraum der S&P500 über dem Wochendurchschnitt des F&G-Index aufgetragen. Dabei werden folgende Schlussfolgerungen gezogen:

    „You can see on this chart that FGI tops out and starts to decline between 2 to 6 weeks in advance of S&P tops. … The weekly FGI appears more sensitive to catching market tops than bottoms. This could be due to the very nature of the index: many of its components (options, volatility, junk bonds) are more actively traded by the big money than retail traders. The dominant emotion of market tops is euphoria, when big money decides it is time to go south, while crowds of traders continue to buy stocks looking for easy gains. Such opposite behaviors create a divergence between FGI and the S&P on our charts….“

    Der F&G-Index kann also Top-Bildungen im S&P500 antizipieren. Würde man diese Information allerdings regelmäßig zum Ausstieg nutzen, hätte man häufig das Nachsehen. Denn oft sind die Top-Bildungen im S&P500 nur schwach ausgeprägt, wobei die folgenden Zwischentiefs immer noch auf höherem Niveau liegen als das Ausgangsniveau. Häufg würde man also Anstiegsphasen verpassen – ganz abgesehen von der Schwierigkeit, dann den optimalen Wiedereinstiegszeitpunkt im folgenden Zwischentief zu erwischen. Nur manchmal würde es sich lohnen.

    Ich denke aber, man kann den Spieß einmal umdrehen und fragen: Gab es in den letzten 2 – 6 Wochen eine deutlich ausgeprägte Top-Bildung im Wochendurchschnit des F&G-Index? Die Antwort ist: Nein. Dies spricht dafür, dass die Aktienkurse weiter steigen – ganz im Sinne der „Mauer-aus-Angst“-Theorie.

  8. Zur „Mauer-aus-Angst“-Theorie fällt mir dann auch noch folgende Erklärung ein: Zunächst sollte man sich davon verabschieden, dass der Index immer die tatsächliche mehrheitliche Stimmungslage wiedergibt und realisieren, dass das vermeintliche Angstlevel des F&G-Indexes auf Signalen beruht, die nicht von allen Anlegern generiert werden. Wenn aber die Kurse trotzdem deutlich weitersteigen, kann das nur eines bedeuten: Die derzeitig aktivsten Marktakteure ignorieren anscheinend weitgehend solche Angstindikatoren. Unter ihnen herrscht also Zuversicht. Gleichzeitig signalisieren die Angstindikatoren aber auch, dass ein Teil der Investoren schon länger vorsichtig war. Ewig können diese Investoren ihre Vorsicht aber nicht aufrecht erhalten und verfügen möglicherweise auch über zurückgehaltene oder neue Mittel dazu, die Kurse weiter in die Höhe zu treiben. Sofern sie sich abgesichert haben (was die Indikatoren als Angst ausweisen) können sie sich nun auch wieder Risiken leisten. Vielleicht kommen sie gerade zurück und haben dem S&P500 am Freitag zum neuen Allzeithoch verholfen.

  9. Indikatoren hin, Indikatoren her.
    Die Maekte steigen.
    Fondsmanager erzaehlen, sie bleiben drin, aber sichern ab.
    “ Ohne Absicherung geht es nicht “ hoert man immer wieder.

    Mich schaut das mit dem Dax seit geraumer Zeit irgendwie wie ein Short Squeeze an.

  10. Angst hin,Angst her
    Solange der S&P 500 nicht 2% unter der 200TDL fällt ist die Börsenwelt in Ordnung .
    Ist mein einziger Indikator…. und man wäre damit seit 1929 ganz gut gefahren.

    • Das passt zum Todeskreuz / Goldkreuz (50-Tageline unter/über 200 TL). Das habe ich mal durchgetestet. Auch dieser Indikator liefert manchmal Fehlsignale. Und: Es kostet, bei tieferen Kursen auszusteigen und dann erst später bei vielleicht höheren Kursen wieder einzusteigen.

      Dennoch ist die 200 TL für mich eine der wichtigsten Indikatoren. Nach der 2008er Baisse, war das die heißeste Frage, wenn der 50 TL endlich wieder über die 200 TL steigt und man sich einigermaßen sicher fühlen kann. Wer dann erst investierte, hatte aber schon sehr viele Prozente Erholung verpasst.

  11. Indikatoren liefern Fehlsignale.
    Das ist der Umstand bei der Sache.
    Ich bleibe dabei:
    Genie zeigt sich im Baerenmarkt.

  12. Na ja. Ich habe mich mit dem Indikator noch ein wenig weiter auseinandergesetzt und glaube, ein noch paar weitere Irrtümer und Zusammenhänge in Grundzügen erkannt zu haben. Sollte daraus eines Tages z. B. ein funktionierender Fear&Greed-Elliot-Fibonacci-Pi-Formel-Indikator entstehen, werde ich ihn niemandem vorenthalten – natürlich erst, wenn ich die erste Million damit verdient hätte. 🙂

    Würde irgendein bekannter Indikator wirklich gut funktionieren, dann würden die daraus zu ziehenden Vorteile bald regelmäßig vom Markt wegarbitriert werden, womit der Indikator seine Gültigkeit weitgehend einbüßte bzw. nur noch von geringem Nutzen wäre. So ist das halt mit Indikatoren.

    • Mit dem letzten Absatz beziehst Du Dich vermutlich auf die Theorie effizienter Märkte von Eugene Fama. Zufällig war diese ein Bestandteil meiner Diplomarbeit vor langer Zeit. Wer ihr folgt, braucht sich allerdings keinerlei Gedanken über eine eigene Aktienanlagestratgie machen. Denn bei effizienten Märkten gibt es keine Strategie, nit der man systematisch die Marktperformance schlagen könnte. Fama ist also der Lieblingswissenschaftler der ETF-Branche 😉

      • „Fama ist also der Lieblingswissenschaftler der ETF-Branche 😉“

        Das habe ich auch schon festgestellt, in Artikeln, auf die ich kürzlich per Zufall gestoßen war.

      • Raimund, deine Diplomarbeit interessiert mich und auch, wie du heute über deine damaligen Erkenntnisse denkst.

        Dein Buch von 2001 bewegt sich ja auch in den Bahnen der effiziente-Märkte-Theorie, wenn ich das recht erinnere.

        • Ich hatte mich damals mit der neuen Informationstechnik im Devisenhandel beschäftigt und mit der Frage, wie sich diese auf die Theorie effizienter Märkte auswirkt. Ein wichtiger Faktor für die Effizienz von Märkten ist die Geschwindigkeit der Informationsverarbeitung. In dieser Hinsicht trugen die Infosysteme von Reuters, Bloomberg & Co ganz erheblich zur Effizienzsteigerung bei. Deshalb hatte ich in der Arbeit eine Schlüsselformel der Fama-Theorie um den Einfluss dieser Systeme erweitert.

      • Eugene Fama wird übrigens auch als im Zusammenhang mit sog. „Factor Investing“ genannt, wobei Faktoren wie „Small Cap“, „Quality“, „Value“, etc. angeblich zu zusätzlichen Renditen verhelfen, was den anderen Thesen Famas angeblich nicht widerspräche.

        Hierzu kurze Auszüge aus einem Artikel, dessen Autoren wohl nicht ganz unzufällig zur ETF-Branche gehören:

        „Faktorprämien widerlegen die bekannte Efficient Market Hypothesis (Effizienzmarkthypothese, kurz „EMH“) nicht, wie immer wieder in den Medien oder im Internet behauptet wird. Der „Vater der EMH“, Eugene Fama, ist zugleich der wohl verdienstvollste Forscher, wenn es um Faktorprämien geht. Die EMH sagt nur, dass man mit öffentlich verfügbaren Informationen den „Markt“ (Asset-Klassen-Rendite) nach Kosten und Risiko nicht systematisch schlagen kann. Diese These lässt sich mit empirischen Daten aus den vergangenen 50 Jahren sehr gut belegen und sie ist kompatibel mit der Existenz von Faktorprämien.“

        „Es ist also gut möglich, ja sogar wahrscheinlich und notwendig, dass eine gegebene Faktorprämie über mehrere Jahre oder über Jahrzehnte hinweg negativ ist, da es sich bei Faktorprämien um statistisch erwartete Prämien handelt. (…) Würde die Prämie nicht kurz- und mittelfristig unprognostizierbar stark schwanken, so wäre sie schon längst „wegarbitriert“, sprich verschwunden, denn bei hoher Stetigkeit würde ja jeder nur diese Aktien kaufen. Die Prämien müssen daher kurz- und mittelfristig mithin unzuverlässig sein.“

        Quelle: https://www.gerd-kommer-invest.de/factor-investing-die-basics/

    • Der wohl beste Indikator der Vergangenheit war jedenfalls die geheime Pi-Formel des Martin Armstrong – sofern es sie jemals gab. Die Geschehnisse der Vergangenheit um Martin Armstrong in diesem Zusammenhang gehören jedenfalls auch zu einer der interessantesten Verschwörungstheorien, die ich kenne.

      Was den Zusammenbruch des Geldsystems betrifft, hat sich Martin Armstrong allerdings geirrt. Er sagte ihn schon für 2017/2018 voraus. Allerdings muss man ihm zu Gute halten, dass er zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich keinen Zugriff mehr auf seine geniale Pi-Formel hatte. 🙂

      Mehr dazu, siehe z. B. hier: https://www.welt.de/print/wams/finanzen/article140431644/Mein-Modell-sagt-den-Crash-fuer-den-17-Oktober-voraus.html

  13. Hallo Herr Brichta!

    Ganz aktuell – ich weiß, das Thema läuft so langsam „heiß“ – ist der „Crash“ an den chinesischen Börsen bzw. vor allem bei den Tech-Werten. ADR´s sind hier sicher benachteiligter als die original Aktie aus dem Heimatmarkt, oder? Wie sehen Sie die langfrsitige Entwicklung dieser Unternehmen und wie schätzen Sie das politische Risiko ein?

    Über Ihre Einschätzung würde ich mich wie immer sehr freuen.

    • Warum sollten gerade im Fall China die ADRs gegenüber den Originalaktien benachteiligt sein? Schließlich stammen die Probleme in diesem Fall vom Heimatmarkt und nicht von dem Markt, an dem die ADRs gehandelt werden.

      Generell ist bei ADRs nur Folgendes zu beachten: Mit dem oder den Unternehmen, die diese Hinterlegungszertifikate herausgeben und managen, ist natürlich ein weiterer Unsicherheits- bzw. Risikofaktor zwischen Ziel-AG und Anleger geschaltet. Ein erfolgreiches Investment hängt hier also nicht nur vom Anlageziel ab, sondern auch davon, dass dazwischen alles mit rechten Dingen zugeht. In der Regel kann man sich darauf zwar verlassen, aber es gibt auch Ausnahmen von der Regel.

      Und die politischen Risiken sind in einem Land wie China natürlich höher als bei uns. Das sollte man wissen, wenn man als Anleger den Schritt nach China wagt.

  14. Interessante Diskussion. In USA sind ja bekanntlich sogar Nobelpreisträger mit ihren Theorien an der Börse kläglich gescheitert .

    • Na ja. Da hatte einer halt die Immobilien nicht auf seiner Rechnung. Shit happens. Martin Armstrong wäre das sicher nicht passiert 😉

  15. Zur oben angesprochenen Markteffizienzhypothese

    Also meine vorläufige Meinung zur EMH wäre, dass Fama nur teilweise recht hat.

    Ich bin zwar nicht vertraut mit Markttheorien und Preisbildungstheorien. Aber die Grundvoraussetzung zur EMH, dass der Markt rationale Erwartungen hat, würde ich bezweifeln. Ich glaube nicht, dass die Aktienpreise nur durch Dinge wie Geldzuflüsse, Zinssätze, Unternehmensdaten, Konjunkturdaten, politische Ereignisse etc. bestimmt werden. Es ist m. E. die Preisentwicklung selbst, die ein (irrationales) psychologisches Eigenleben der Börse verursacht. Preisänderungen am Aktienmarkt koppeln auf das individuelle Anlegerverhalten zurück. Dies trägt ggf. sogar zur Effizienzsteigerung bei, weil es zur schnellen Preisfindung führt, macht das System aber auch instabil, sorgt für Crashs und Euphorie, bringt somit irrationales Marktverhalten hervor. Dadurch wird es wiederum möglich, Überrenditen zu erzielen. Und genau diese immer wieder entstehenden Möglichkeiten zur Überrendite sind auch dafür verantwortlich, dass das System immer wieder korrigiert und in einen effizienten Normalzustand zurückfindet. Gäbe es diese Möglichkeiten nicht, würde sich z. B. ein Crash bzw. Bärenmarkt theoretisch immer weiter fortsetzen. Man kann natürlich auch behaupten, dass bei Crashs keine systematische Überrendite im Verhältnis zum Risiko möglich sei, da das Risiko ja unberechenbar sei. Dann gäbe es aber keinen rationalen Ausweg aus der Baisse. Leuten, die das behaupten, würde ich daher entgegnen, dass sie das Risiko falsch definieren. Solche Leute sind übrigens auch Marktakteure 😉 .

    Crashs und Euphorie-Phasen sind nur Beispiele eines irrationalen Marktverhaltens. Ich denke, dass es bei allen Trends (Branchentrends, Thementrends, Kurstrends einzelner Aktien etc.) irrationales Marktverhalten gibt, was Gelegenheiten zu Überrenditen schafft. Um diese systematisch zu nutzen, muss man natürlich einen Weg finden, sich selbst rationaler als der Markt zu verhalten. Dass das nicht einfach ist, ist selbstverständlich. Sonst könnte es keine irrationales Marktverhalten geben.

    Übrigens: Wenn der Markt rational ist, warum sucht er dann nach Strategien, eine systematische Überrendite zu erzielen?

    Bei Wikipedia habe ich gelesen: „Untersuchungen von amerikanischen mutual funds kamen zu dem Ergebnis, dass eine Mehrzahl dieser aktiv-gemanagten Investmentfonds gegenüber einem marktneutralen Portfolio keine systematische Überrendite liefert. Dies ist im Rahmen der EMH erklärbar und wird durch diese vorhergesagt. Wenn man die höheren Kosten dieser Fonds abzieht, bieten sie im Durchschnitt keinen Mehrwert gegenüber passiven Indexfonds“.

    Ich denke hierzu, es ist eine Selbstverständlichkeit, dass die Mehrzahl aller aktiv-gemanagten Investmentfonds keine Überrendite erzielt. Ansonsten müsste der Markt sich ja selbst schlagen. Ebenso finde ich es einleuchtend, dass Indexfonds die durchschnittliche Rendite erzielen. Dann müssten aber auch die gemanagten Fonds insgesamt (und abzgl. Kosten) die Durchschnittsrendite erzielen. Denn sonst würde, wie gesagt, der Markt sich selbst schlagen. Sofern es aber nur einen einzigen Fonds gibt, der dauerhaft eine nicht zufällig entstandene Überrendite erzielt, wäre die EMH eigentlich bereits widerlegt. Ich könnte mir z. B. vorstellen, dass viele aktiv-gemanagte Investmentfonds aus verschiedenen Gründen gehemmt sind, Überrenditen durch Market-Timing zu erzielen und insb. bei schwierigen Marktphasen dem kurzfristigen Risiko höhere Bedeutung einräumen müssen. Vielleicht sind Fonds-Manager auch zu sehr gefangen im theoretischen Wissen, das sie einmal gelernt haben und daher oft nicht fähig , Überrenditen zu erwirtschaften. Denn das gelernte und allseits bekannte und breit genutzte Wissen wäre dazu m. E. nämlich nur wenig geeignet. Außerdem müssen sie ja auch viele Vorgaben beachten.

    Wikipedia behauptet, dass Eugene Fama selbst auf das Problem der Verbundhypothese hinweist, wonach die EMH gar nicht getestet werden kann. Denn ein Test der EMH erfordert ein Asset Pricing Modell. Der Test eines Asset Pricing Modells erfordert wiederum die EHM, wenn ich’s richtig verstanden habe. Wäre die EHM dann nicht ein Zirkelschluss?

    Insgesamt erscheinen mir alle diese Modelle einerseits zu stark idealisiert und andererseits übertheoretisierend.

    • Nachdem ich noch ein paar eigene Überlegungen angestellt habe, glaube ich, dass sehr viel richtig ist an der Betrachtung der Börse als weitgehend effizienter Markt. Wie effizient sie tatsächlich ist, darüber kann man sich streiten – vollkommen effizient kann sie aber nie werden. Ich glaube auch, dass es die sogenannten Faktorprämien („small cap“, „value“, „quality“, etc.), die Eugene Fama entdeckt hat, tatsächlich gibt. Wenn ich mich nicht irre, muss es sie sogar geben, solange es Börsenunternehmen mit derartigen Kriterien gibt. Vielleicht werde ich mir irgendwann einmal die Zeit nehmen, mir noch einmal genauer anschauen, was diese Wirtschaftswissenschaftler alles herausgefunden haben.

      Mein derzeitiges Fazit ist jedenfalls: Mr. Market ist ein Gott. Sein göttliches Dasein beruht aber auch nur auf Gesetzen der Physik und Informationstheorie, an die er sich halten muss. Außerdem kann Mr. Market nicht zwischen Nutzinformationen und Fehlinformationen unterscheiden. Mr. Market erforscht sich selbst und lernt stets dazu, ist aber anscheinend auch ein wenig kurzsichtig und vielleicht manchmal etwas vergesslich (was bei seinem Alter verzeihlich wäre). Mr. Market ist aber auch ein (Geld-)Junkie. Jedes mal, wenn er angefixt wird, wird er zur Selbstlüge gezwungen. Dann erzeugt sich seine eigene Fehlinformation, an der er sich verschluckt. Im Rausch der Gelddroge werden seine Selbstlügen früher oder später zur Gewissheit. Wenn er keinen neuen Stoff bekommt, oder eine schwerwiegende Wahrheit doch noch durchdringt, setzt der Entzug ein. Unter Entzug weiß nicht mehr weiter und dreht durch, bis die Entwöhnung einsetzt. 🙂

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