Die schwarze Null war auch ein Medienversagen
11. August 2026 - Anton Voglmaier in Allgemein | Keine Kommentare »
Deutschland hat sich kaputtgespart. Darüber habe ich in meiner letzten Kolumne geschrieben.
Aber Angela Merkel und Wolfgang Schäuble waren nicht allein.
Sie hatten Helfer.
Teile der deutschen Medien machten aus der schwarzen Null nicht nur eine politische Entscheidung, sondern eine Erfolgsgeschichte.
Als Wolfgang Schäuble den ausgeglichenen Bundeshaushalt erreichte, wurde die schwarze Null in Teilen der Medien als großer finanzpolitischer Erfolg gefeiert.
Heute wissen wir, wohin uns diese Mentalität mitgeführt hat: marode Infrastruktur, Investitionsstau, eine über Jahre vernachlässigte Bundeswehr und ein Staat, der inzwischen Hunderte Milliarden Euro mobilisieren muss, um Versäumtes nachzuholen.
Natürlich waren nicht alle Journalisten blind.
Schon damals gab es deutliche Warnungen vor den Folgen ausbleibender Investitionen und einer zu rigiden Sparpolitik.
Das eigentliche Versagen beginnt dort, wo Journalisten eine politische Erzählung nicht mehr kritisch hinterfragen, sondern selbst zu ihren Verstärkern werden.
Wirtschaftsjournalismus hat die Aufgabe, politische Erzählungen zu hinterfragen – gerade dann, wenn sie so wunderbar einfach klingen.
Schulden schlecht.
Sparen gut.
Schwarze Null hervorragend.
So einfach funktioniert eine Volkswirtschaft aber nicht.
Die schwäbische Hausfrau funktionierte politisch auch deshalb so hervorragend, weil jeder das Bild verstand. Aber genau darin lag die Gefahr.
Ein Staat ist kein Privathaushalt. Eine Volkswirtschaft erst recht nicht.
Journalisten hätten fragen müssen: Was kostet es uns, wenn wir notwendige Investitionen jahrelang unterlassen? Was passiert mit Straßen, Schienen, Schulen, Digitalisierung und Verteidigungsfähigkeit? Und ist ein ausgeglichener Haushalt wirklich ein Erfolg, wenn gleichzeitig die Substanz verfällt?
Einige haben diese Fragen gestellt.
Zu viele haben stattdessen die Null gefeiert.
Wer Politik kontrollieren will, darf ihre Glaubenssätze nicht einfach übernehmen.
Denn wenn Politik und Medien gemeinsam aus Sparsamkeit eine Tugend und aus Schulden eine Sünde machen, entsteht noch lange keine gute Wirtschaftspolitik.
Und die Rechnung dafür bezahlen wir heute.
