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Die Wahrheit über Zinsen

8. September 2019 - Raimund Brichta in Allgemein | 43 Kommentare

Wie verbreitet die  Missverständnisse über unser Geldsystem sind, zeigt folgende Bemerkung von Prof. Joseph Huber, der die Vollgeldbewegung „Monetative“ in Deutschland ins Leben gerufen hat. Huber schreibt:

„Da Zinsen an einem Markt von sich aus nicht unter die Nullzinsgrenze rutschen, …“

https://vollgeld.page/negativzins

Damit unterstellt er, die Marke null sei eine natürliche Untergrenze für den Zins, die allenfalls durch aktives Drehen der Notenbank an der Zinsschraube unterboten werden könne (wie in den letzten Jahren geschehen).

Stimmt nicht.  Wenn – wie hier mehrmals dargelegt – die Masse an vorhandenem Geldvermögen (das nach Anlage sucht) und die Masse an Schulden (die diesem Geldvermögen gegenüberstehen) groß genug ist (und außerdem systembedingt weiter wächst),  kann der Zinsdruck, der von der riesigen Masse an Sparvermögen ausgeht, sehr wohl dafür sorgen, dass die Zinsen am Markt von sich aus unter die Nullgrenze rutschen.

Denn genauso wie die Sparvermögen insgesamt wachsen, wächst innerhalb dieser Masse auch der Anteil desjenigen Sparvermögens, das nur bei den kreditwürdigsten Adressen angelegt werden soll, oft sogar nur dort angelegt werden darf. Die Nachfrage nach diesen Anlagen ist dann so groß, dass die betreffenden Geldvermögensbesitzer sogar Kosten in Form von Negativzinsen in Kauf nehmen. Hauptsache, sie haben eine „sichere“ Anlage.

Dazu kommt Folgendes: Solange der Zinstrend nach unten weitergeht, können diese Anleger mit Kursgewinnen auf ihre Anleihebestände rechnen, die sie für den Negativzins entschädigen. Verrückt, was?

Die Zusammenhänge sind eigentlich einfach. Deshalb verstehe ich nicht, warum sie von fast allen etablierten „Experten“ ignoriert werden.

Der Beitrag der Notenbanken besteht nur darin, dass sie die Geldvermögen mit ihren Eingriffen schützen. Sie lassen es damit nicht zu, dass diese Spargelder – bzw. große Teile davon – in einer monetären Krise vernichtet werden. Dies haben die Notenbanken seit der Finanzkrise gemacht, und sie werden nach meiner Einschätzung auch im vor uns liegenden Jahrzehnt so weitermachen.

Theoretisch könnten die Notenbanken natürlich gegensteuern. Sie könnten zum Beispiel die Leitzinsen erhöhen. Damit würden sie aber  ab einem bestimmten Punkt selbst die Krise auslösen, die sie eigentlich verhindern wollen.

Denn: Dem wachsenden Geldvermögensberg steht ein ebenso wachsendes Schuldenloch gegenüber. Viele dieser Schuldner würden pleite gehen, wenn die Zinsen stiegen. Über einen Dominoeffekt käme es dann zur besagten monetären Krise, die schließlich in einer realwirtschaftlichen Krise münden würde wie der Weltwirtschaftskrise der 30er-Jahre .

Dann hätten wir die Bereinigung. Geldvermögen und Schulden wären in großem Stil vernichtet, und die Zinsen könnten danach auch wieder steigen. Das werden die Notenbanken aber nicht freiwillig zulassen,

wettet Ihr

Raimund Brichta

43 Kommentare

  1. Ihre Theorie übersieht Hr. Polleit. Er macht keinen Sinn nach Ihrer Theorie.

    Der Mann nimmt Euro dafür, dass er Leute überzeugt, mit Euros Gold zu kaufen. Die Frage ist. Warum nimmt er Euros? Er ist ein Auftragswissenschaftler. Wieso wird er dafür bezahlt, in Euro Gold zu kaufen?

    • 🤔 hmm … 🤔 Was hat Herr Polleit mit dem Sachverhalt zu tun, dass Marktzinsen allein aufgrund der Angebots- und Nachfragesituation negativ werden können? Ich mutmaße, dass Sie da etwas durcheinanderbringen.

      • Er steht für Manipulation. Er ist ein Auftragswissenschaftler, der Gold für Euro bewirbt und dafür Euro nimmt. Daraus kann man einiges schließen, z. B. dass er lieber Euro als Gold hat.

        Daraus kann man schießen, dass er Ihre Theorie nicht teilt. Er verkauft sich für Euro. D.h., er vertraut dem Euro.

        Man muss nur das, was er sagt und macht in ein richtiges Verhältnis bringen. Darauf könnten Sie natürlich sagen: Auftragswissenschaftler!

        Sie wären der Erste, der das täte.

        • 🤔 hmm …🤔 Aber was hat das jetzt mit dem Zinsaspekt zu tun, den ich in diesem Beitrag adressiert habe? Hier geht es doch gar nicht um den Euro und seinen nachhaltigen Bestand. Hier geht es nur um die Frage, ob Marktzinsen aufgrund von Angebot und Nachfrage ins Minus rutschen können oder nicht?

          Ich sage, dass dies der Fall ist. Und ich kann nicht erkennen, wieso Herr Polleit aufgrund des von Ihnen geschilderten Sachverhalts (er nimmt Euro) diese Einschätzung nicht teilen sollte. Ich akzeptiere schließlich auch Euro als Bezahlung … 🤔🤔🤔

  2. Bereinigung = Währungsreform?

    • Nicht ausschließlich, aber auch.

      • Herr Brichta, wie ist ihre Einschätzung? Wann kommt es zum Kollaps des Finanzsystems? Mindestens noch 10 Jahre? Einige sagen sie wären verwundert das wir noch keine bereinigung hatten. Man ist verunsichert was Geldanlage angeht. Man weiß nicht so richtig was man tun soll.

        • Ja, lieber Frank Buchholz, mindestens noch zehn Jahre. Die Notenbanken haben noch genügend Tricks in der Pipeline, um das System zu dopen.

          • wann sollen denn die Alarmglocken angehen? Wenn Helikoptergeld kommt? Dann Geld abziehen und sichern?

          • Ich konzentriere mich auf einen anderes Warnsignal: Wenn Geldspritzen der Notenbanken von den Märkten nicht mehr mit Erleichterung aufgenommen werden. Das dürfte das Zeichen sein, dass das Vertrauen in die Notenbanken schwindet. Und damit dürfte der Anfang vom Ende begonnen haben.

          • Vor 2-3 Jahren sagten Sie noch 5 Jahre hält unser Eurosystem. Kann mich noch gut erinnern. So dreht sich das Fähnchen im Wind….

          • Ups, wo haben Sie das denn her? Ich habe stets geschrieben, dass sich nicht absehen lässt, wann der Euro zerfallen wird. Das hängt nämlich davon ab, wie lange die Finanzhilfen für die schwächeren Länder in den stärkeren Ländern Akzeptanz finden. Und sofern die Vereinigten Staaten von Europa gegründet werden, braucht der Euro gar nicht zu zerfallen. Das können Sie übrigens auch alles schon in unserem Buch „Die Wahheit über Geld“ nachlesen, welches vor 6 Jahren erschienen ist.

            Das einzige, was ich nach der letzten großen Griechenkrise mit dem Beinahe-Austritt im Jahr 2015 (also vor 4 Jahren) geschrieben habe, war, dass nach dem Auslaufen des Griechen-Hilfspakets (im Jahr 2018) ein möglicher Austritt auf Wiedervorlage gelegt werden könnte. Dies hat sich bis jetzt nicht bewahrheitet. Na und? Ich nehme für mich definitiv nicht in Anspruch, jedes Ereignis mit der exakten Jahreszahl voraussagen zu können. Deshalb halte ich mich mit solchen Jahreszahl-Ereignis-Prognosen auch stets zurück.

            Und noch etwas: Ein möglicher Zerfall des Euro hat nichts mit dem (späteren) möglichen Zusammenbruch des Geldsystems zu tun. Das sind zwei Paar Schuhe, die Sie schön auseinanderhalten müssen.

  3. Das mit den Negativzinsen wird früher oder später genauso in einer Hyperinflation enden als wenn man zeitig die Zinsen hoch schrauben würde. Wir sind im Prinzip in einem Dilemma. Weil zu viel neues Giralgeld geschaffen wird was keine Mengenbegrenzung hat. So einfach ist das. Nur physische Edelmetalle die auf Grund ihrer durch die Natur limitierten Verfügbarkeit nicht beliebig vermehrt werden können sind der echte Schutz gehen Verlust seiner Ersparnisse. Mehr muss man nicht wissen. Und viel weiter braucht man auch nicht in die Materie vordringen.

    • Nur physische Edelmetalle als Schutz? Und was ist mit den Sachwerten? Also, da bin ich anderer Meinung.

      • Ja natürlich auch Sachwerte wie eine abbezahle Immobilie.

  4. Man muss kein Experte sein, um zu wissen, dass der natürliche Zins niemals unter Null fallen kann. Alles andere ist absurd und allenfalls Ausdruck eines kranken Systems im Endstadium. Das angeblich riesige Sparvermögen, welches den Zins quasi von alleine nach unten drückt ist ein beliebtes Narrativ der Zentralbanken. Cui bono…

    • Komisch, die Zentralbanken erzählen das gar nicht. Wie kommen Sie also darauf, dies sei ein „Narrativ“ von Ihnen?

      Außerdem halte ich die Diskussion darüber für müßig, was ein „natürlicher“ Zins ist und wie tief dieser fallen kann. Von einem „natürlichen“ Zins habe ich nicht geschrieben. Sondern nur darüber, dass der Marktzins sehr wohl negativ werden kann, selbst wenn die Zentralbanken ihren Zins nicht ins Negative drücken. Zum Beispiel notierten Bundesanleihen bereits im negativen Zinsbereich, bevor die EZB ihren Einlagenzins ins Minus drückte und auch bevor sie ihr Anleihekaufprogramm ankündigte.

      • Vielen Dank für die Rückmeldung. Ich habe natürlich die Pressemitteilungen der EZB nicht archiviert, aber in den Erklärungen des Präsidenten der EZB wurde immer wieder der angebliche Sparüberschuss, insbesondere Deutschlands, zur eigentlichen Ursache der Niedrigzinsen erklärt. Dies geht natürlich am wahren Kern vorbei. Viele Medienvertreter dringen allerdings nicht zu den tatsächlichen Ursachen vor, sondern schreiben lieber brav Pressemitteilungen der EZB ab.
        Und ob Sie den Zins nun „natürlich“ nennen oder nicht – an einem (wirklich) FREIEN Markt kann der Zins niemals negativ werden.

        • Nun können wir auch noch darüber philosophieren, wie “frei“ die Finanzmärkte sind, lieber Friedrich Patzschke. Den einen sind sie zu frei, den anderen zu reguliert. Auch darüber lohnt es sich in diesem Zusammenhang nicht, zu streiten. Die Märkte und die Notenbanken sind, wie sie sind, und in dieser REALEN Welt ist es sehr wohl möglich, dass die Zinsen negativ werden, wie ich gezeigt habe.

          Im Übrigen ist es auch kein – wie immer gearteter – „Sparüberschuss“, der zu Negativzinsen führt. Eine solche Bezeichnung impliziert, dass dieser Überschuss einfach nur abgebaut werden müsste, um das „Problem“ zu lösen. Nein, hier handelt es sich ganz einfach um den systembedingten und zwangsläufig entstehenden Berg an Geldvermögen und um das diesem zwangsläufig gegenüberstehende Schuldenloch, welche zum Negativzins führen. Beide, also der Berg und und das Loch, lassen sich aber nicht abbauen.

          Sie können nur im Rahmen einer monetären Krise (und/oder im Rahmen eines System-Resets wie einer Währungsreform) zwangsläufig und für viele unfreiwillig abgebaut werden. Dies wird auf absehbare Zeit aber nicht geschehen, und deshalb werden die Zinsen im Trend weiter fallen und auf längere Sicht noch negativer werden. Da können Sie noch so intensiv darüber philosophieren, dass dies eigentlich nicht sein darf. Es ist so, und nur das zählt.

          Falls Sie mir in einigen Punkten nicht folgen konnten, empfehle ich Ihnen, einfach mal einen Blick in unser Buch „Die Wahrheit über Geld“ zu werfen. Da wird das alles schön verständlich hergeleitet, und auch so mancher Notenbanker könnte bei der Lektüre noch was lernen 😉

          • genau Vermögen = Schulden. Des einen Vermögen sind des anderen Schulden. Ist immer eine Gleichung. Wenn man Schulden abbauen will weil sie nicht mehr bedienbar sind muss man immer Vermögen abbauen.

          • Richtig, lieber Frank Buchholz, allerdings mit einer kleinen Einschränkung: Des einen GELDvermögen sind des anderen Schulden. Bei Sachvermögen (z.B. Aktien, Gold, Immobilien) gilt diese Gleichung nicht.

          • Das ist richtig. Aber versuchen Sie das mal jemanden in Ihrem Umfeld zu erklären. Wette das wird als „Verschwörungstheorie“ abgetan…

          • Was sich rein mathematisch-logisch ergibt, KANN eigentlich gar nicht in den Verdacht kommen, eine Verschwörungstheorie zu sein. Oder?

      • komisch das es einen negativzins vor der Existenz überflüssiger Zentralbanken niemals gab, ergo scheint es schon zu sein das ein negativer Zins auf natürlichem Wege nicht existieren kann

        • Komisch, ich habe hier nie über einen „natürlichen Weg“ geschrieben, auf dem der Negativzins zustande gekommen sein soll. Bitte lesen Sie genauer! Dann erspare ich mir hier viel Schreiberei. Ich habe geschrieben, dass der Negativzins eine zwangsläufige Folge der Funktionsweise unseres Geldsystems ist. Und zu diesem System gehören die Notenbanken seit über 100 Jahren dazu.

          Gäbe es sie nicht und würde das System ansonsten genauso funktionieren wie jetzt, wäre der Negativzins ebenfalls eine zwangsläufige Folge. Er würde aber vermutlich tatsächlich nicht real beobachtbar sein, weil es dann rechtzeitig zu den von mir angesprochenen monetären Krisen käme, die Geldvermögen und Schulden vernichten. Ist doch eigentlich ganz simpel …

  5. Menschen leben in anthropologischen Konstanten. Man will mehr vom Guten und weniger vom Schlechten. Gutes mag man eher länger und früher, Schlechtes eher kürzer und später. Zu den Wesensmerkmalen von Geld gehört, daß es seinen Wert prinzipiell behält, statt ihn zu verlieren; deswegen haben verderbliche Waren es nie geschafft, Geld zu werden. Indem ein Negativzins dem Geld nun nicht mehr nur via Inflation – und also hinter den Kulissen des gleichbleibenden Nominalwertes – ganz offen die Kaufkraft mindert, wird es zum verderblichen Produkt. Der Euro fault und wird ungenießbar. Die Menschheit wird tun, was sie immer tat. Sie wird nach anderen Gütern Ausschau halten, die die nötigen Kriterien erfüllen, um gutes Geld zu sein.

    • Ja, ich glaube man kann das auch so sehen: FIAT Geld Erhalt seinen Wert erst in dem Moment wo es in Zahlung genommen wird, als vom Verkäufer akzeptiert. Dieser glaubt er kann mit diesem Geld Waren kaufen. Das funktioniert kurzfristig noch ganz gut. Ander sieht es aus wenn man es anspart um zu einem späteren Zeitpunkt eine Investition zu tätigen. Da ist man dann der Dumme. Einige Herrschaften wurden ermächtigt Geld legal zu falschen. Sie schaffen neues Geld aus dem Nichts, werden dafür bezahlt und kassieren dafür noch Zinsen, dann sind da noch die Banken, die mit jedem neuen Kredit indirekt Geld schaffen. Sie erhalten Zinsen auf Geld das ihnen nicht gehört. Früher nannte man das Wucher und Bilanzfälschung. Bei der ganzen Geldschöpfung wird der Zins allerdings nicht miterschaffen. Dafür dürfen wir uns gegenseitig die Schädel einschlagen. Kurzum, mindestens einer bleibt auf der Strecke, üblicherweise der, der als letzter das Geld, wenn überhaupt in die Hand bekommt. Jetzt erlaube ich mir noch einen zusätzlichen Schritt. Die Steuern sind vor allem dazu da um dem FIAT-Geld einen Wert zu geben, man kann sie ja nur in Euro bezahlen. Ziel des ganzen Systems ist die Vernichtung der Mittelschicht, all jener die für ihren Unterhalt arbeiten müssen um zu einer Zweiklassengesellschaft zu gelangen, Herrscher und Beherrschte. Das moderne Sklaven System entwickelt sich weiter. Die Ketten sind bunte Scheine, die von nur wenigen kontrolliert und allen benutzt werden. Solange wir diese benutzen, unterstützen wir unsere Vernichtung. Wenn ich da was falsch verstanden habe, bitte ich um Aufklärung.

  6. Finde das gut geschrieben….weil ansonsten zu einseitig, d.h. nur negativ über dieses Thema geredet wird. Man braucht die bösen Notenbanken (im Zusammenspiel mit Politik, Finanzeliten und Wissenschaft) für Verschwörungstheorien, nach denen der einfache Sparer Zug um Zug ausgeplündert werden soll…

  7. „Ich habe stets geschrieben, dass sich nicht absehen lässt, wann der Euro zerfallen wird. Das hängt nämlich davon ab, wie lange die Finanzhilfen für die schwächeren Länder in den stärkeren Ländern Akzeptanz finden.“

    Um die Akzeptanz in den Bevölkerungen wird sich nicht geschert. Wozu auch?

    Ich verweise auf diverse Zitate, die Herrn Juncker nachgesagt werden. Funktioniert!

    • Bitte lesen Sie genau: Ich habe bewusst nicht „Bevölkerung“ geschrieben, sondern nur von den „stärkeren Ländern“. Wenn dort wenige über Akzeptanz oder Nicht-Akzeptanz entscheiden, dann gilt das Geschriebene genauso.

      • Ich habe genau gelesen und wollte anfangs schreiben
        „in den stärkeren Ländern Akzeptanz“.
        Dann habe ich kurz nachgedacht und ganz bewusst von „Akzeptanz in den Bevölkerungen“ geschrieben und somit bewusst die allgemeine Formulierung gewählt.

        Denn unabhängig davon, ob es sich um die Bevölkerung eines „starken“ Landes oder „schwachen“ Landes handelt werden die Bevölkerungen vor vollendete Tatsachen gestellt. Beispiele:

        – Überwachungsgesetze zur Terrorabwehr nach 9/11
        – EURO-Einführung (wer wurde gefragt, wer wurde nicht gefragt?)
        – „Griechenlandrettung“ (Griechen stimmen gegen das sparpaket im referendum und müssen es dann doch ertragen)
        – Ansiedlung von >1.5 Mio Migranten innerhalb eines kurzen Zeitraums (wer hat Libyen und Syrien platt gemacht was die Ursache für die Migrationsbewegung ist?)
        – Finanzkrise: Occupy Wallstreet (was wurde aus dieser Bewegung? Wie wurde über diese Bewegung medial berichtet?)
        – …

        Anhand dieser Beispiele leite ich ab, dass die Akzeptanz der Bevölkerung keine Rolle spielt, denn sie wird sukzessive vor vollendete Tatsachen gestellt.

        „Wenn dort wenige über Akzeptanz oder Nicht-Akzeptanz entscheiden, dann gilt das Geschriebene genauso.“

        Da sind wir uns wiederum einig.;-)

        Mal sehen in welchem Tempo nun die Negativzinsen in der EURO-Zone negativer werden, und wie die Reaktion der Märkte ausfällt.

        • Nein, Sie haben nicht genau gelesen. Die „Bevölkerung“ spielte in meinem Kommentar keine Rolle. Es reicht, wenn die Finanzhilfen in den betreffenden Ländern von der Regierung (oder von welchem Entscheidungsträger auch immer) „akzeptiert“ werden.

          • …da wären wir dann wieder beim Thema „Vereinigte Staaten von Europa“ (USE) mit einer Zentralregierung in Brüssel.

            In diesem Konstrukt sitzen dann die Entscheidungsträger nicht mehr in den nationalen Regierungen. Demzufolge ist dann auch die „Akzeptanz der starken Länder“ nicht mehr gefragt.

            So schließt sich der Kreis…

          • Auch das ist alles bei mir schon seit Jahren nachzulesen (siehe Buch): Entweder dauerhafte Finanzierung ohne USE oder dauerhafte Finanzierung mit USE oder Eurozerfall. Alles eigentlich ganz simpel.

            Aber für die Gründung der USE wäre ebenfalls eine Akzeptanz in den finanzstarken Ländern erforderlich. Somit schließt sich der Kreis: An der Akzeptanz führt kein Weg vorbei 😉

  8. Sehr geehrter Herr Brichta,

    Wenn Sie mal ein gutes Buch lesen wollen, dann empfehle ich Ihnen: „The Creature from Jeckyll Island – A Second Look at the Federal Reserve“ von G. Edward Griffin.

  9. Warum schützen die Notenbanken mit Ihren Eingriffen die Geldbesitzer? Die Banken schaffen durch Kreditvergaben täglich neues Geld aus dem Nichts (=systembedingtes Wachstum). Es ist derzeit viel zu viel Spar- bzw. Geldvermögen im Vergleich zu Investitionsmöglichkeiten im Umlauf (oder in der Welt). Warum schützen Ihrer Meinung nach gerade jetzt die Notenbanken durch z. B. das jetzige QE Programm die Sparer? Die Notenbanken machen doch nur eines, sie schaffen zu dem zu viel vorhandenen Geldvermögen, dass jetzt schon keine Investitionsmöglichkeiten findet nochmal zusätzlich Geld. Sie verschärfen die Lage. Was passiert mit diesem neuen Geld aus dem QE Programm? Wofür wird dieses jetzt do dringend am Finanzmarkt benötigt? Wenn soll es schützen? Es erhöht die Vermögenspreise, mehr nicht! Damit ist Ihre Aussage, dass Notenbank durch Ihre Eingriffe eine monetäre Krise verhindern in dem derzeitigen monetären Umfeld für mich nicht nachvollziehbar. Der Verdacht, dass hier Wirtschaftspolitik betrieben wird, liegt viel näher. Am Ende haben Sie Recht, dass die Zinsen nicht mehr steigen, wenn die Notenbanken so weitermachen. So viel Investitionsmöglichkeiten können gar nicht geschaffen werden, um diese unnötigen QE Programme aufzufangen.

    • Zitat: „Warum schützen Ihrer Meinung nach gerade jetzt die Notenbanken durch z. B. das jetzige QE Programm die Sparer?“

      Fragen Sie mal die Sparer, die fühlen sich von Draghi alles andere als geschützt. Sie fühlen sich im Gegenteil geschröpft durch Null- und Negativzinsen. Sie sehen, welch weite Interpretationsspanne es da gibt 😉

      Indirekt schützt Draghi die Sparer dann schon wieder, indem er verhindert, dass das Kartenhaus aus Geld und Schulden jetzt schon zusammenbricht.

      Im übrigen kommentiere ich in dem Beitrag nicht die aktuellen Entscheidungen von Draghi & Co, sondern die generelle Linie über die vergangenen Jahrzehnte und die kommenden Jahre. In welchem Ausmaß jede einzelne Maßnahme gerade „alternativlos“ ist oder nicht (um mal Merkelsches Vokabular zu verwenden), darüber lässt sich trefflich streiten. Sicherlich wäre das Geldsystem auch dann nicht morgen zusammengebrochen, wenn Draghi gestern einfach die Füße still gehalten hätte.

      Aber das ist für die Erkenntnis der grundlegenden Zusammenhänge überhaupt nicht von Bedeutung. Wichtig ist die generelle Linie, dass die Notenbanken auch in den kommenden Jahren alles in ihrer Macht stehende tun werden, um das System am Laufen zu halten. Ob dazu jede einzelne Maßnahme wirklich nötig ist, ist zweitrangig.

      Andererseits zeigt „Graf Draghilars“ Entscheidung aber umso deutlicher, wie richtig meine oben genannte Einschätzung ist. Denn wenn die EZB schon in dieser Situation so handelt, wie sie es tut, dann wird sie es erst recht tun, wenn die Lage brenzliger wird.

      Ich kann also keine Widersprüche zu meiner hier geäußerten Genarallinie erkennen.

  10. Lieber Herr Brichta,

    Ihre Argumentation ist leider unlogisch!

    Sie schrieben: „Der Beitrag der Notenbanken besteht nur darin, dass sie die Geldvermögen mit ihren Eingriffen schützen. Sie lassen es damit nicht zu, dass diese Spargelder – bzw. große Teile davon – in einer monetären Krise vernichtet werden. Dies haben die Notenbanken seit der Finanzkrise gemacht, und sie werden nach meiner Einschätzung auch im vor uns liegenden Jahrzehnt so weitermachen.“

    Wenn es diese Eingriffe nicht gegeben hätte, wäre ein Teil der Geldvermögen schon durch eine Krise vernichtet worden, ergo wäre die Masse an Schulden (die diesem Geldvermögen gegenüberstehen) und der davon ausgehende Zinsdruck gar nicht so groß damit die Zinsen am Markt von sich aus unter die Nullgrenze rutschen.

    Sie bestätigen Joseph Huber also mit Ihren Ausführungen anstelle ihn zu widerlegen!

    Beste Grüße,
    Bernhard-Albrecht Roth

    • Leider interpretieren Sie mich da falsch. Denn genau das, was Sie schreiben, habe ich in der von Ihnen zitierten Passage ja auch geschrieben. Die Notenbanken haben den Zusammenbruch verhindert, dadurch konnten die Geld- und Schuldenmengen weiter wachsen, und dadurch wurden die Zinsen zum Teil negativ. Offenbar sind wir uns da einig.

      Der Beitrag der Notenbanken ist also der, dass sie das System am Laufen halten und nicht zusammenbrechen lassen.

      Darauf hat Herr Huber in seinem Betrag aber nicht abgestellt. Sondern er stellte darauf ab, dass nur die Notenbanken den Zins „künstlich“ auf das niedrige Niveau gedrückt hätten und dass der Zins nur deshalb in den negativen Bereich gelangen könne. Andersherum: Der Zins wäre nach Hubers Interpretation im gegenwärtigen System nicht negativ, wenn es den Negativzins der Notenbank nicht gäbe. Davon, dass es dieses System ohne die Notenbanken gar nicht mehr gäbe, spricht Huber mit keinem Wort! Das ist also gar nicht sein Punkt.

      Was Huber und möglicherweise auch Sie ausblenden, ist der Sachverhalt, dass die Zinsen systembedingt durch steigende Geld- und Schuldenmengen ganz langfristig gegen Null und ins Negative tendieren. Dieser systembedingte Drang kann nur dadurch unterbrochen werden, dass das System zusammenbricht (bzw. große Teile davon). Das ist etwas völlig Anderes, als wenn man sagt, das System selbst lasse gar keinen Negativzins zu.

      Wenn das System läuft – und nur dann -, tendiert es also zwangsläufig zum Negativzins.

      Verstehen Sie, worauf ich hinaus will?

  11. Lieber Herr Brichta,

    natürlich weiß ich worauf Sie hinauswollen!

    Was Sie aber offensichtlich nicht erkennen, ist, dass es ohne Henne auch kein Ei gäbe, d.h. den von Ihnen behaupteten langfristig gegen Null tendierenden Zins gibt es nur in einem unfreien also gesteuerten Markt, in welchem die Notenbanken die Krisen – als Folge von zuviel geschöpftem Giralgeld der Geschäftsbanken – nur soweit bekämpft haben, dass sich das System immer wieder erholen konnte, aber der Zinseszinseffekt (aus Geld mehr Geld zu machen) nicht gefährdet wurde.

    Ihre Kritik an Joseph Huber geht schon deshalb fehl, weil er den Istzustand mit einen freien Markt vergleicht, Ihre Thesen aber nicht vergleichen, sondern nur von einem unfreien und gesteuerten Marktes ausgehen.

    Ihre Kritik, dass Äpfel keine Birnen sind, macht aus meiner Sicht wenig Sinn!

    Beste Grüße,
    Bernhard-Albrecht Roth

    • Na gut, dann versuche ich, es nochmal zu präzisieren:

      Zunächst mache ich nicht den von Ihnen postulierten Unterschied zwischen „frei“ und „unfrei“. In der Realität, also in einer regulierten sozialen Marktwirtschaft wie der unseren, gilt stets: Märkte sind weder vollkommen frei, noch sind sie vollkommen unfrei. Das heißt, sie sind stets teilreguliert. Ich werte dies hier gar nicht, sondern ich stelle es einfach wertneutral fest.

      Zu dieser Teilregulierung gehört die Notenbank mit Ihren Eingriffen seit mehr als hundert Jahren stets dazu. Darüber mag man klagen oder nicht, es ist aber Realität. Sich einen Markt ohne Notenbanken zu erträumen, können wir also getrost in den Bereich des Wunschdenkens abtun.

      Und mehr noch: Die Notenbanken gehören nicht nur einfach dazu, sondern sie spielen in diesem System sogar eine wichtige, systemerhaltende (oder zumindest lebensverlängernde) Rolle. Es mutet also geradezu grotesk an, wenn man diesen wesentlichen Pfeiler des Systems als systemfremd und „unfreiheitsbringend“ aussondern wollte. Nein, ohne Notenbanken wäre dieses Geldssystem nicht das, was es ist. Ich beziehe mich in meinen Veröffentlichungen aber immer bewusst und betont auf genau dieses System, das existiert, und nicht auf irgendwelche Wunschgebilde.

      Zudem ließe es die Rolle der Notenbanken in diesem System auch zu, die angesprochenen Bereinigungen zuzulassen, wie etwa in der 30er-Jahren geschehen. (Was Bernanke & Co immer als Fehler bezeichnet hatten, den es in Zukunft zu vermeiden gelte.)

      Also: Ausgehend von der Tatsache, dass das System so funktioniert, wie es funktioniert, und dass die Notenbanken darin eine systemstabilisierende Rolle spielen sollen, ist es von entscheidender Bedeutung, zu erkennen, was langfristig zwangsläufig geschehen wird, wenn die Notenbanken nichts anderes tun, als ihrer Aufgabe nachzukommen, das System möglichst lange zu erhalten.

      Wer in einer solchen Situation behauptet, die Zinsen sind nur deshalb negativ, weil die Notenbank ihre Leitzinsen negativ macht, springt viel zu kurz und erkennt nicht die wahren Kräfte, die im Hintergrund wirken – und dies sind systembedingt stetig größer werdende Geldvermögensberge und Schuldenlöcher. Das ist eigentlich so einfach, und ich wundere mich immer wieder, warum das so wenige Menschen durchschauen.

      Wer allein die Negativzinsen der Notenbanken für Negativzinsen am Markt verantwortlich macht, mag zwar wütenden Sparern nach dem Mund reden. Er sagt diesen Sparern aber nicht, dass gerade sie mit ihren Sparvermögen in der Gesamtheit Teil des Problems sind. Würde jeder Geldvermögensbesitzer auf einen Schlag auf die Hälfte – oder noch besser auf zwei Drittel – seines Sparvermögens verzichten, wären die Zinsen ruckzuck wieder positiv – wetten?

      Und genau um diese Zusammenhänge zu erkennen, ist es wichtig, dass man eben nicht Äpfel mit Birnen vergleicht.

      Herrn Huber außerdem zu unterstellen, er vergleiche in seinem Aufsatz den Istzustand mit einem idealtypischen „freien Markt“, geht m. E. vollkommen an der Realität vorbei. Denn gerade Herr Huber gehört zu denjenigen, die das Gegenteil wollen: Er will mit seiner Monetative einen derzeit zumindest teilweise freien Markt, nämlich den der Geldschöpfung der Geschäftsbanken, in einen weitaus regulierteren und damit viel „unfreieren“ Markt überführen. In diesem rein planwirtschaftlichen Markt hätte dann nur noch die „Monetative“ das staatsmonopolistische Recht, Geld herzustellen. Man sollte also vorsichtig sein, was man aus Herrn Hubers Worten herauszulesen versucht.

      Herzlicher Gruß
      Raimund Brichta

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