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Falsches Fleisch schlägt echtes

25. September 2019 - Raimund Brichta in Allgemein | 23 Kommentare

Heute habe ich zum ersten Mal einen Beyond-Meat-Burger probiert. Schließlich kann man viel lesen oder hören, aber eine fundierte Meinung kann man sich nur selbst bilden – vor allem, wenn man generell die Marktchancen für Fake-Fleisch einschätzen will.

Zum Testobjekt zu kommen, ist zunächst gar nicht so einfach. Zwar gibt es eine Webseite, die Restaurants in Deutschland auflistet, in denen man Beyond-Meat-Burger essen kann. Sämtliche darin genannten Kölner Burger-Brater müssen am Telefon aber passen. Der Burger sei derzeit leider ausverkauft. Es gebe keinen Nachschub.

Nur ein Restaurant gibt grünes Licht: Eine Kölner Filiale der ASH-Kette (American Steak House). Kurze Zeit später sitze ich dort am Tisch, und vor mir steht der Falschfleischburger von Beyond Meat (siehe Foto). Zumindest wird er mir als solcher verkauft. Ob er tatsächlich von der gehypten US-Firma stammt, kann ich nicht nachprüfen.

Ich unterstelle aber, dass die Speisekarte nicht lügt, und mache mich hungrig über den Bratling her. Dann bin ich überrascht: Das Ding schmeckt echt lecker, ist sehr saftig und kein bisschen trocken.

Um den Test zu vervollständigen, ordere ich gleich noch einen „echten“ Burger hinterher. Der kostet zwar 3 Euro weniger als der unechte (10,95 statt 13,95), ist dafür aber weniger schmackhaft und bei weitem nicht so saftig wie der Bratling aus den USA. 1:0 also für Beyond Meat.

Ich erzähle meiner Tochter davon und sie berichtet, dass sie neulich in New York leckere Ćevapčići von Beyond Meat verspeist hat. Solche Falschfleisch-Röllchen könnten sich auf dem Balkan gut als Nationalgericht verkaufen lassen – genauso wie in Griechenland als Bifteki, in der Türkei als Köfte oder in Schweden als runde Kötbullar. Wohl kaum ein Land der Welt hat nicht mindestens ein bekanntes Hackfleischgericht. Die Marktchancen sind weltweit also da.

Trotzdem werden wir jetzt nicht in die Beyond-Meat-Aktie investieren. Die mag zwar das Zeug zu einem wahren Wert haben, sie muss diese Eigenschaft aber erst noch unter Beweis stellen. Und das dauert Jahre.

In der Zwischenzeit sind die Manager unserer derzeitigen wahren Werte aufgerufen, sich dieses zukunftsträchtige Geschäft ebenfalls zu erschließen – so wie es Nestlé offenbar schon getan hat. Warum nicht auch einen falschen Lachs von Bakkafrost?

Und Ihr da draußen seid aufgerufen, all die anderen Fake-Fleisch-Angebote zu testen und hier darüber zu berichten. Wer von Euch hat zum Beispiel schon mal den Incredible Burger von Nestlé probiert? Dieser Herr scheint jedenfalls begeistert zu sein:

https://youtu.be/LgNXGo8xPLU

Ansonsten noch der übliche Hinweis, dass dieser Beitrag keine Werbung darstellt, sondern nur die objektive Meinung des Autors wiedergibt 😉

23 Kommentare

  1. Herzlichen Glückwunsch. Da hat sich jemand getraut, einen ordentlichen Happen Chemie zu verspeisen mit Inhalten, die man vermutlich bei keinem anderen Lebensmittel ertragen möchte. Aber klebt man auf Chemie Vegan drauf, dann ist das natürlich angesagt.

    Ich bin nicht gegen vegane Ernährung. Aber ich bin sehr skeptisch, ob dieser vegane Fleisch und Wurstersatz ein Langzeittrend wird. Irgendwann werden die ersten gucken, was sie da essen.

    • Über den Chemiegehalt haben wir schon an anderer Stelle diskutiert. Auch mit echtem Fleisch kriegt man davon im Zweifel eine ordentliche Portion ab. Ich bitte Sie deshalb konkret zu werden und zu schreiben, genau welche chemischen Anteile Sie bei Beyond Meat meinen, „die man vermutlich bei keinem anderen Lebensmittel ertragen möchte.“ So‘n allgemeines Herumschwurbeln bringt uns da nicht weiter.

      Klar ist, dass Falschfleisch nicht „gesünder“ ist als Echtfleisch. Aber seine Herstellung verschlingt – nach allem was man liest – deutlich weniger an Ressourcen und ist damit umweltverträglicher als die Tierhaltung.

      Wie langfristig der Trend wird, muss sich tatsächlich noch zeigen. Ich halte es aber für sträflich nachlässig, von vornherein darauf zu setzen, dass er nicht langfristig wird. Auch am Anfang des Computerzeitalters gab es auch „Experten“, die keine große Zukunft für Computer voraussahen 😉 Ob es auf der anderen Seite so weit kommt, wie der von mir zitierte Chef der Rügenwalder Mühle erwartet, sei mal dahingestellt.

        • Na bitte, soooo viel Chemie ist nicht drinnen – zumindest nicht so viel, dass man es „vermutlich bei keinem anderen Lebensmittel ertragen möchte“, wie Sie behauptet haben. Und dass der Beyond-Burger besonders gesund sein soll, habe ich noch nicht gehört. Ob das tatsächlich mal in der Werbung behauptet wurde, weiß ich nicht.

          In punkto Geschmack bestätigen die Kollegen meinen Eindruck.

          Sidestep: Wer zwei kleine Buletten im Internet bestellt und sich diese dann zuschicken lässt, wie das die Autoren tun, sollte sich nicht über viel Verpackung, Styropor und Trockeneis wundern.

          Etwas Anderes aus dem Artikel finde ich viel interessanter: Der Burger ist schon seit 2013 auf dem Markt und befand sich mehr als 5 Jahre lang außerhalb der Wahrnehmung eine breiteren Öffentlichkeit. Auch in Deutschland hatte ihn Metro schon letztes Jahr im Angebot, ohne dass größere Notiz von ihm genommen wurde. Erst durch den Börsengang erlangten Beyond Meat und die gesamte Fleischersatz-Branche den Hype-Status, den sie augenblicklich haben. Das unterstreicht die Bedeutung der Börse, nicht nur für die Finanzierung von Unternehmen, sondern für gesellschaftliche Strömungen insgesamt.

          • Ich habe darauf nur eine Frage: Wo ist der Unterschied zu einem Hype?

          • Welchen Unterschied meinen Sie? Ich habe doch ebenfalls von Hype und Hype-Status gesprochen. Es ist ein Hype, da sind wir uns einig.

            Das Schöne an einem Hype ist aber, dass fast jeder etwas dazu zu kommentieren hat 😉

      • Die Beyond Meat Burger gibt es hier in Konstanz bei Edeka zu kaufen. Zur Klimaschädlichkeit von Wiederkäuern muss das Methan erwähnt werden, das 25 mal klimaschädlicher als co2 ist und in Berechnungen auch hochgerechnet ist.

  2. also ich soll jetzt 14€ für ein falsches stück fleisch bezahlen? ich glaube das wird nicht passieren!

    • dafür hast du ja denn ein ruhiges Gewissen 😉

      • haben kapitalisten ein gewissen? 😂

        • Na im Märchen „Das kalte Herz“ wird es ja gut dargestellt, was für ein „Gewissen“ die Kapitalisten haben XD

          • kapitalisten haben kein gewissen und keine moral, sie interessiert nur die zahlen fakten und das geld! selbst unser freund markus sagt emotionen haben an der börse nichts verloren! 😉

    • „also ich soll jetzt 14€ für ein falsches stück fleisch bezahlen? ich glaube das wird nicht passieren!“

      Warum hängen Sie sich nur am Preis auf? Die ersten Handys waren unbezahlbar, und jetzt hat fast jeder eines.

      • ich finds halt einfach zu teuer!

        • Handys waren früher auch einfach zu teuer. Das gibt sich schon. Und wenn Sie unten mal kucken, da schreibt einer, dass es den BM-Burger in Ffm schon für 7,90€ gibt. Sie sehen also, der Preisverfall hat schon eingesetzt 😂

  3. Hallo Herr Brichta,
    wenn Sie wieder bei der Börse in Frankfurt sind, den nächsten Beyond Burger gibts bei Fletchers Burger an der Hauptwache.

    • Danke, was kostet er dort?

      • 7,90€ nur der Burger. Aufgrund der heutigen News ja vielleicht auch bald bei McDonalds. 🙂

  4. „Beyond meat“ ist ein ähnlicher Hype wie Tesla. Die Käufer von Tesla haben nicht aus Gründen des Umweltschutzes die teuren Teslas gekauft, sondern aus Gründen des Statussymbols und somit Egopushs.

    Zur Aktie: auch hier erwarte ich einen ähnlichen Verlauf wie bei Tesla. So lange die Story stimmt kann es aufwärts gehen. Am Ende des Tages dürften sich aber die Angebote von Nestlé und Co durchsetzen.

    • Was die Preise angeht, ist es immer so. Am Anfang ist es teuer und dann wird es immer billiger. E-Autos und Veggi-Burger machen da keine Ausnahme.

  5. Bin Carnivore, esse nur Fleisch. Fleischersatz gibts bei mir nicht.

  6. Hallo zusammen,

    in den zusammenhang gab es eine Test im Magazin MARKT. Getestet das wurde „ORIGINAL“, Lidl, Rügenwalder und Aldi Burger. Das „Original“ ist mit Pauken und Trompeten durchgefallen. Geschmacklich in der Beschaffenheit und vorallem was die Zusatzstoffe angeht. Geschmack ist subjektiv also kann man nicht darüber streiten. Aber es scheint als ob der Markt genug günstigere Antworten auf Beyond Meat hat. Fraglich ob die da alleine an der Spitze bleibn.
    Hier der Link:
    https://www.ardmediathek.de/ndr/player/Y3JpZDovL25kci5kZS8zYTM2NjFiYS0zYmZlLTRjM2QtYmU1MS0xNDVhOTk3MGVhODQ/veggie-burger-gesunde-hamburger-ohne-fleisch

    • Interessanter Vergleich, den die ARD-Kollegen da gemacht haben. Da die Inhaltsstoffe des Burgers im Restaurant nicht genannt werden, konnte ich dazu nix schreiben, Hier vertraue ich mal darauf, dass der Ernährungsexperte recht hat. Wozu ich aber was sagen kann, ist der Geschmack. Und hierzu kann ich nur feststellen, dass ich und der im Film zitierte Grillmeister nicht den gleichen Burger gegessen haben können. Denn ich weiß, wie Katzenfutter riecht, und finde es eklig. Die Bulette, die ich gestern gegessen habe, hat damit aber definitiv nichts zu tun.

      Ich bitte hier deshalb um das Urteil der anderen, die den Beyond-Meat-Burger schon probiert haben: Leidet der Grillmeister im Film unter Geschmacksverirrung oder hat man ihm einen anderen Klops vorgesetzt als uns?

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