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Gedanken eines Spekulanten

7. Dezember 2020 - Thomas V. in Gastbeitrag | 7 Kommentare

Kennt ihr Reverse-Bonus-Zertifikate (RBZ)? Auf www.finanzen.net werden dafür aktuell 23.078 Treffer angezeigt, mit und ohne Cap (Stand ist hier immer: 7.12.2020). Ist also kein Geheimtipp. Allerdings gibt es bei Optionen, Knock-Outs und Aktienanleihen wesentlich mehr Treffer. Selbst bei MDAX-Werten kommt es immer mal wieder vor, das es dafür (zeitweise) kein einziges RBZ gibt. Den meisten HIER ist sicherlich klar, das fallende Kurse, oder selbst ein Crash, kein Grund zur Beunruhigung sind. Natürlich ist es aber schöner, wenn das Depot im Plus ist. Ich habe in den letzten Jahren schon mehrere Möglichkeiten ausprobiert, um mein Depot abzusichern. Bei Optionen und K.O.s führte das häufig dazu, das sich Aktiengewinne durch diese Absicherung deutlich reduzierten. Auch bin ich immernoch auf der Suche nach einer sicheren Rendite. Also egal wie sich die Kurse entwickeln, ich mache auf jeden Fall Plus. Beispielsweise so: Ich kaufe zeitgleich einen Put und Call mit hohem Hebel. Egal ob die Kurse steigen oder fallen mache ich 1 x Totalverlust (fast Minus 100 %, bekomme dafür aber eine Steuergutschrift / Verlustverrechnung). Mit der anderen Option mache ich allerdings mehr als 100 % Plus, teilweise sehrviel mehr. Ausser die Kurse bewegen sich seitwärts, dann bleibt insgesamt ein Minus. Ist also relativ riskant. In den letzten Jahren habe ich gute Erfahrungen mit Aktienanleihen gemacht. Kaufkurs immer unter 100 %, meist 90 – 98 %. Kupon über 10 %, gerne auch über 20 %. Laufzeit 3 bis 12 Monate. Wenn es „schief geht“ und ich die Aktien (Basiswert) ins Depot bekomme, stört mich das nicht. Dann werden diese Aktien halt erst verkauft, wenn sie im Plus sind. Und auch die RBZs liefen gut. Aktuelles Beispiel: Ich kaufe VW-Aktien (70 Stück, Kurs 143,- = 10.000,- EUR). UND gleichzeitig für ca. 2000,- EUR ein RBZ. Diesmal WKN PN0SGM, 16 Stück, Kurs 122,63 EUR, Barriere von 180,00 EUR, Laufzeit bis 17.09.21. Jetzt gibt es u.a. folgende Möglichkeiten: – Der VW-Kurs steigt, bleibt aber während der Laufzeit unter 180,- EUR. Dann mache ich mit der Aktie und dem RBZ Plus. – Der VW-Kurs steigt in der Zeit um über 25 %. Dann freue ich mich über diesen Kursgewinn, auch wenn ich mit dem RBZ ein ordentliches Minus mache. Denn wenn die Barriere erreicht ist, kaufe ich wieder ein RBZ, mit einer höheren Barriere. – Der VW-Kurs läuft seitwärts, dann mache ich nur mit dem RBZ Gewinn. Für die Aktien bekomme ich Dividenden und hoffe die irgendwann mal mit Gewinn verkaufen zu können. – Die Aktie fällt um 20 %. Dann mache ich mit dem RBZ ca. 23 % p.a. Rendite. Mit dem Geld für das RBZ kaufe ich „billig“ weitere VW-Aktien. Wenn ich will. Bei einem grossen Aktienkurverlust wären Put-Optionen selbstverständlich die bessere Wahl. Der Vorteil von RBZ ist meiner Erfahrung nach aber, das ich bei Plus, Minus UND Seitwärts im Plus bin. Verbleibendes Risiko: VW geht Pleite oder der Kurs fällt dauerhaft ins Minus. Ich kaufe nur RBZs wenn ich auch den Basiswert habe. Wäre diese Strategie auch für das Wahre-Werte-Depot interessant? Denn natürlich gibt es bei RBZs noch das Emittentenrisiko. Bisher ging alles Gut, und ob ich in 5 Jahren immernoch RBZs kaufe, kann ich nicht sagen. Hier auf der Seite gibt es vermutlich Einigkeit, das die Frage der Währungsreform nicht OB sondern nur WANN ist. Es gibt auch noch viele andere Gründe für Bankpleiten. Auch wenn ich bei RBZs, genau wie bei Aktienanleihen, Laufzeiten von unter einem Jahr, häufig unter 6 Monaten wähle, glaube ich nicht, Bankpleiten vorhersagen zu können. Für die nächste Zeit, bzw. meine gewählten Laufzeiten, halte ich das Emittentenrisiko allerdings für tragbar. Anbei noch ein Rechenbeispiel wenn man nur das RBZ kauft. Quelle: https://www.finanzen.net/zertifikate/auf-volkswagen-ag-vz/pn0sgm

 

7 Kommentare

  1. Naja ich kann Dir sagen, das es nicht wirklich funktioniert. Die Banken machen das nicht, damit Du reich wirst. Im schlimmsten Fall irren sie solange bis all verlieren. Du solltest eines wissen: Du kannst nicht mehr gewinnen, als bis Deine Gegenspieler pleite sind. Das sind die Banken. Also, wenn sie pleite sind, dann verlierst Du 100 Prozent. Und sie wetten davor, dass Du 100 % verlierst. Rechne noch mal nach.

    • Das irgendwann (sehr viele) Banken pleite gehen ist mir klar. Der Grund wird aber sicherlich nicht das Investmentbanking sein. Denn da gewinnen die Banken immer, sehr vereinfacht gesagt. Neben den Reverse-Bonus-Zertifikaten gibt es auch die normalen Bonus-Zertifikate. Genau wie bei Optionen, die Bank gibt Put und Call raus, welcher Kunde Plus, welcher Minus macht, kann der Bank egal sein.

      • Nein, das tun sie nicht. Sie verlieren mit Spekulationen gegen oder für Dollar, den Markt oder was auch immer.
        Da nehme man einfach mal die Dresdner Bank. Sie ging nicht am klassischem Bank Geschäft kaputt. Sondern an ihren Investmentbankern. Nur weil diese gut verdienen heißt es nicht, dass sie auch gut Geld machen.

        Wir können ja mal gucken, welches Problem die Deutsche Bank hat? Kommt es aus dem Klassischen oder aus dem Investment?

        Oh.. vom Zocker Geschäft?

        Das Problem der Deutschen Bank geht auf einen Mann zurück: Ackermann.

        Ein Meister der Sprüche, keine Ahnung vom Produkt, vermutlich nicht mal Ahnung vom Banking, aber ein Meister von 25 Prozent Umsatzrendite, mit Meeting, Powerpoint Folien und Finanzanalysen. Er wusste aber nie, wie man auch 25 Prozent Umsatzrendite kommt. Er wusste nie, wovon er redet. Dafür bekam er Millionen. Ich wette, er hatte niemals ein Bankgeschäft getätigt, den ein einfacher Mitarbeiter macht. Er wusste nie, was man machen sollte. Er war ein Powerpoint Folien User. Also eine Flasche, die Zahlen reitet. Wie die meisten Führungskräfte.

  2. Also ich denke schon, dass die meisten Banken sich mit Kompensationsgeschäften absichern und eben nicht als Gegenspieler bei dieser Art Derivate fungieren. Der Interessenskonflikt wäre verstörend.

    Die langfristigen Nachteile liegen für mich woanders. Erstens wird diese Form von Hebelprodukt mit Fremdkapital finanziert, man spekuliert also auf Kredit. Und das kostet. Gerade bei Bonuszertifikaten wo meist zwei Optionen im Hintergrund ausgeübt werden. Kostet das Zertifikat z.B. 3% kann man diese ja mal kalkulatorisch von allen seinen Positionen abziehen. Das macht auf Jahre einen riesen Unterschied.

    Zusätzlich werden die Kurse meist durch die Bank gestellt. Auch hier sehe Banken weniger als boshafte Gegenspieler sondern eher vorsichtige Minimierer von Risiko, die sich zu jeder Zeit am Markt absichern müssen. Bei erhöhter Volatilität geben sie das Risiko weiter, indem Spreads breiter werden und Kursstellung nachteilig.

    Es ist also äußert schwer mit den Kosten und den Risiken eine Überperformance mit diesen Produkten zu erzielen.

    • Den Spread hat man ja immer. Der ist nicht höher als bei anderen Finanzprodukten. Laufende Kosten wie bei einem Fond gibt es nicht. Allerdings, wenn man RBZs zur Absicherung einsetzt, und einen hohen Abstand zur Barriere wählt, liegt die Rendite nur bei 5 – 20 %. Daher kommt es auf möglichst günstige Kauf-Gebühren der Depotbank an. Klar kann man RBZs auch vor der Fälligkeit verkaufen, ich behalte die allerdings meist bis zur Fälligkeit. Die (mögliche) Rendite sieht man bei RBZs schon vor dem Kauf, anders als bei Optionen und ähnlichem.

  3. Ich habe den folgenden Text an Freunde und Bekannte geschickt, könnte aber auch für euch interessant sein:

    Hallo,

    ich schicke diese Mail an alle mit denen ich schonmal über Aktien / Depot gesprochen habe. Könnte für euch vielleicht interessant sein:

    Reverse Bonus Zertifikate

    Kennt ihr Reverse-Bonus-Zertifikate (RBZ)? Auf http://www.finanzen.net werden dafür aktuell 23.078 Treffer angezeigt… (Es folgt der Text der oben steht. Leider sind hier bei der Übermittlung die Absätze rausgefallen, weshalb der Text etwas schlechter lesbar ist.)

    Info: Den Text hatte ich als Gastbeitrag für das WWD geschrieben. Könnt ihr hier lesen: https://wahre-werte-depot.de/gedanken-eines-spekulanten/ . Ich kann jedem nur empfehlen mal einen Blick auf diese Seite zu werfen. Anschliessend versteht ihr das Geldsystem besser. Auch das Aktien langfristig sicherer als Bargeld sind! Die empfohlenen Aktien könnten auch für euer Depot interessant sein. Oder der WWD-Fond. Allerdings geht es dem WWD weniger um eine möglichst hohe Rendite, oder darum besser abzuschneiden als der Gesamtmarkt. Sicherlich haben die nichts dagegen wenn beides trotzdem passiert. Wichtigstes Ziel ist Aktien zu haben, die einen Crash / Finanzkrise besser überstehen als der Rest.

    Noch eine Anmerkung zur Überschrift auf der WWD-Seite: Die stammt nicht von mir. Ich hatte „Reverse Bonus Zertifikate“ gewählt, zugegeben etwas langweiliger. Als Spekulanten sehe ich mich nämlich nicht. Mit diesem Begriff verbinde ich eher Raffgier und Egoismus. Klar ist aber auch, JEDER spekuliert: Reicht die Tankfüllung noch bis nächste Woche? Wird das Wetter gut genug, um die Geburtstagsparty im Garten zu feiern? Nehme ich den Frühbucher-Rabatt oder das Last-Minute-Angebot bei der Urlaubsplanung?… Und, wer Geld auf dem Sparbuch, Tages- oder Festgeldkonto hat, spekuliert dadrauf, das die Bank nicht Pleite geht. Nur ist das den meisten nicht bewusst.

    Nebenbei: Man kann RBZs auch zum spekulieren nehmen. Beispiel: Eine Aktie steht bei 58,- EUR. Wenn ich jetzt ein RBZ mit einer Barriere von 60,- EUR kaufe, bei 5 Monaten Restlaufzeit, wären mehr als 100 % Rendite möglich, FALLS die Barriere nicht berührt oder überschritten würde. Umgekehrt kann man einen so hohen Abstand zur Barriere wählen, das es nur 2 % oder weniger Rendite bringt. Beides mache ich nicht. Ich setze die ein, um mein Depot abzusichern. Es sozusagen weniger spekulativ zu machen. Damit habe ich gute Erfahrungen gemacht. Daher kann ich die auch anderen empfehlen. Muss natürlich jede / jeder selbst entscheiden.

    Das war es mit „langweiligem Finanzkram“ für heute. Anbei noch paar Infos zu Corona. Der Text ist deutlich länger geworden als geplant. Ich wollte allerdings möglichst viele Aspekte dieses Problems analysieren. Also neben medizinischen auch wirtschaftliche und gesellschaftliche Fragen. Wenn jemand eine andere Meinung dazu hat, ist das selbstverständlich OK. Aber falls jemand sachliche Fehler in dem Text findet, würde mich das sehr interessieren. Das manche Formulierungen kontrovers sind ist hingegen Absicht, es soll ja keiner beim Lesen einschlafen.

    LG
    Thomas

    • Ich hatte mir schon gedacht, dass Du Dich mit der Bezeichnung Spekulant nicht anfreunden und deshalb dagegen protestieren wirst. In der Gesamtbetrachtung schien mir Dein Text aber tatsächlich eher spekulativ ausgerichtet zu sein, weshalb mir die Bezeichnung treffend erschien. Zumal Du nun zurecht darauf hinweist, dass wir in bestimmten Lebensbereichen alle Spekulanten sind 😉

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