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Geld ist wie Zahnpasta

6. Dezember 2018 - Raimund Brichta in Allgemein | 59 Kommentare

Versuchen Sie mal, ausgedrückte Zahnpasta zurück in die Tube zu bekommen. Sie werden vermutlich kläglich scheitern. Ähnliches versucht gerade der amerikanische Notenbankchef Jerome Powell, und auch ihm wird es nicht gelingen.

Powells Zahnpasta ist das Geld, das die Notenbank seit der Finanzkrise in die Märkte gepumpt hat, indem sie Anleihen kaufte. Seit etwa einem Jahr holt sie dieses Geld wieder zurück. Pro Monat sind es rund 50 Milliarden Dollar. Angesichts der Billionen, die zuvor hineingepumpt wurden, wirkt das zwar vergleichsweise bescheiden. Aber es läppert sich. Und das ist das Problem.

Dazu muss man wissen, dass die Geldmenge grundsätzlich steigen muss, um das System am Leben zu erhalten. Das gilt selbst für die Zeit nach einer Übertreibung, wenn die Geldmenge gerade exorbitant zugelegt hat. Auch dann muss sie weiter steigen. Schrumpft sie, führt das zu Chaos und Pleiten und zum Einbruch der Wirtschaft. Das war zum Beispiel in der Weltwirtschaftskrise Anfang der 1930er-Jahre so. Damals ist die Geldmenge nach einer Übertreibungsphase geschrumpft. Die Folgen waren fatal.

Für die Notenbanken in aller Welt heißt das: Sie werden das Geld, das sie in den letzten Jahren in die Märkte gepumpt haben, niemals wieder einsammeln können. Es sei denn, sie wollten den wirtschaftlichen Zusammenbruch herbeiführen.

Bis auf die japanische Notenbank scheint das aber noch niemand zu verstehen. Die Japaner haben mit dem Geldpumpen schon vor einem Vierteljahrhundert begonnen, und sie haben bis heute keinen Yen davon zurückgeholt. Im Gegenteil: Sie pumpen weiter. Einen Zusammenbruch hat es deshalb bis heute nicht gegeben.

Die Amerikaner probieren das Einsammeln trotzdem, und selbst die EZB will irgendwann damit beginnen. Aber auch diese Notenbänker werden früher oder später realisieren, dass es nicht funktioniert.

Die jüngsten Turbulenzen an den Finanzmärkten könnten bereits eine Art Warnhinweis an Powell sein. Ob er beim Zähneputzen mal darüber nachdenkt?

Fragt sich Ihr
Raimund Brichta

P.S. Probieren Sie das mit der Zahnpasta doch mal und berichten mir hier darüber.

59 Kommentare

  1. Habff ffersuft: Feiff Fahnpasta … ‚f hängt jetff üfferall …

  2. Japan stand 1990 alleine mit den Problemen der Rest der
    Weltwirtschaft funktionierte noch recht gut. Trotzdem ist
    der Nikkei von ca 40.000 Punkten 1990 auf ca 8.000 Punkten
    2013 gefallen,trotz der ganzen Anstregung der Notenbank
    von Japan. Um die Weltwirtschaft am laufen zu halten brauchen wir immer mehr Geld im System. Die Notenbanken werden wieder bereitstehen. Nur schützt das vor einem Einbruch des Aktienmarktes? In Japan hat es bisher nichts geholfen was der Nikkei-Index angeeht er hat das Hoch von 1989/1990 nicht mehr erreicht. Wer auf dem Hochpunkt gekauft (Einmalanlage) hat wartet heute noch auf sein Geld.

    • Über die Hintergründe zum Nikkei haben wir hier schon diskutiert: Er war zum Hoch mit einem KGV von 70 bewertet. Nun ist er auf Normalniveau zurückgekehrt. Mit dem DAX oder anderen Indices ist das nicht vergleichbar.

  3. Ich denke, dass die FED viel mehr Ahnung hat wie wir, welche Auswirkungen die Zinsen haben.
    Die mächtigste Organisation der Welt dürfte kaum von Dilettanten gesteuert werden.
    Hier sitzen Leute an einem Tisch, die über mehr Wissen und Einfluss verfügen, als wir uns vorstellen können.

    Powell macht sich vermutlich eher Gedanken wie er seinen Enkeln erklären kann, das ein kalter Krieg mit China inklusieve Crash notwendig war. Die Festnahme der Huawei Finanzchefin deute ich zumindest so.
    Wenn die Medien von einem kalten Krieg oder Wirtschaftskrieg sprechen, wird die noch ausgebliebene Panik an den Börsen kommen.

    Der Hegemon zieht die Zügel straff. Ich bin gespannt, ob die EU diese Probe überleben und wie das deutsche Volk die Schröpfung hinnehmen wird. Sollte die deutsche Autoindustrie zusammenbrechen, dann kann man nur hoffen, dass kein österreichischer Politiker in Deutschland sein Glück versucht.

    Düstere Gedanken, die unwahrscheinlich sind aber auch nicht unmöglich, was uns unsere Großeltern bestätigen können/ konnten.

  4. Ich dachte schon der Spuk wäre vorbei.
    Wollte gerade anfangen gierig zu werden. 🙂

    • Gier ist dumm und
      Empfehlungen von Börsenstars, -gurus und Experten sind grundsätzlich Kontraindikatoren.
      Wer sich dran orientiert hat, hat jetzt ein tiefrotes Depot.
      Nennt sich „Lehrgeld bezahlen“.

      Jetzt kann man in stark geshortete Werte wie Aixtron oder K+S einsteigen und in kurzer Zeit hohe Gewinne einfahren.
      „Wahre Werte“ werden durch den günstigen Einkaufspreis definiert und nicht durch Charts.

      Zur Info: Schreibe es beim DAX-Stand von 10.761 0der -3,91%

      • dem ersten Absatz stimme ich zu, das hiesige Forum ist der beste Beleg (Börsenampeln auf grün bis März, jetzt gierig sein, Spuk vorbei Mitte November)

        Zum zweiten fällt mir nur ein: never catch a falling knife…

        • Sie vergessen noch zu erwähnen, dass wir das Depot zwischenzeitlich sogar mal geräumt hatten. Nach dem Wiedereinstieg hatten wir bis Ende August einen Anstieg verbucht. Nun ist es wieder runtergegangen. Und ich persönlich glaube nicht, dass es nie mehr steigen wird. So ist Börse eben. Und wenn man mal Geld verdient, ist es laut Kostolany Schmerzengeld. Recht hatte er.

        • Richtig.
          Aber Aktien mit hohem Shortseller-Anteil (wie z.B. Aixtron=20%)
          laufen der Marktentwicklung oft einige Stunden voraus.
          Kann man als „Frühindikator“ für den weiteren Verlauf nutzen.
          Merkt man daran, dass bei ihnen die Stabilisierung und Kurserholung bereits beginnt, während der DAX noch auf seinen Tiefpunkt zusteuert.

  5. Mit den Kunststofftuben eines niederländischen Herstellers z.B.
    würde es auch Ihnen gelingen,die Zahnpaste wieder in die Tube „zurückzusaugen“,Herr Brichta!
    Guten Erfolg und Spass dabei wünscht Ihnen,
    Ch.G.

  6. Scheiße ey was für ein blöder ratschlag.. frage mich wpfür ich das überhaupt probieren sollte

    man ey die teuer colgate

  7. Mit einer Spritze funktioniert es. Geld mit einer Spritze aufsaugen ist aber eher schwierig.

  8. Die Zahnpasta bekommt man nur in die Tube zurück in dem man den Tubenkopf abschneidet und eine größere Öffnungsbasis schafft. Die radikale Art der Geldmengereduzierung geht nur mit Zwangsanleihen oder -hypotheken mit all ihren Auswirkungen.

  9. Noch schlimmer: Schon beim Rausdrücken der Paste ist meine Ehe gerade eben in die Brüche gegangen. Weil meine Frau die Tube nicht von hinten beginnend gedrückt hat.

  10. Schön, dass Sie nun endlich das EIGENTLICHE Thema klar benennen, was ich hier schon seit Wochen tue.

    -> der Faktor Geld ist negativ

    Auch wenn ich mich zum gefühlt 53. mal wiederhole, hier nochmal an alle Leser WÄRMSTENS empfohlen die folgende von der WELT abgedruckte Passage „Geld + Psychologie = Tendenz“ (Lesezeit 6min) aus dem Kostolany-Buch „Die Kunst, über Geld nachzudenken“ – das Buch ist aus dem Jahr 2000!

    https://www.welt.de/print-welt/article502900/Geld-Psychologie-Tendenz.html

    „Achten die Börsianer hingegen mehr auf die positiven Unternehmensgewinne und auf die allgemeinen Wirtschaftsdaten, kann es passieren, dass die Notenbank die Zinsen mehrmals anhebt und die Börse trotzdem weiter steigt.“

    -> diese Phase hatten wir in den USA im Frühsommer / Sommer (S&P500 stieg noch trotz Geldmengenreduktion der FED)

    „spätestens nach zwölf Monaten folgen die Kurse dem Faktor Geld.“

    „Je euphorischer die Stimmung zuvor war, desto heftiger wird der Krach. Wer diese Diskrepanz erkennt, steigt rechtzeitig aus.“

    -> Die Phase Euphorie hatten wir bereits.

    Was noch fehlt ist die Panik. S&P500 von ca 2.930 Punkte auf aktuell 2.660 Punkte sind nur läppische 10% Korrektur.

    Der Faktor PSYCHOLOGIE kann logisch betrachtet erst nach einer saftigen globalen Wirtschaftskrise wieder positiv werden.

    Übrigens wäre eine globale Wirtschaftskrise manchen Kreisen gar nicht mal so unrecht…

    • Ich thematisiere den Faktor Geld schon seit Jahren, nicht erst seit unserem 2013 erschienenen Buch. Aber vermutlich habe ich eine andere Denkrichtung als Sie: Ich gehe nämlich davon aus, dass der Faktor Geld bis zum Zusammenbruch unseres Geldsystems (= der Währungsreform) gar nicht mehr negativ werden KANN. Sobald der Faktor über längere Zeit negativ wäre, wie Sie es nennen, würde unser System schon jetzt zusammenbrechen. Deshalb rechne ich damit, dass auch Powell und Kollegen alsbald ihre Richtung ändern werden. Dies dürfte uns unterscheiden.

      • Powell und Kollegen haben derzeit noch keinen Zwang, denn der bisherige Rücksetzer im S&P 500 ist noch nicht sonderlich dramatisch. Nichts spricht gegen einen S&P500 von bspw. 2.400 Punkten (welchen die Medien wunderbar Trump in die Schuhe schieben könnten).

        Wir hatten noch keine Panik in den USA…die traditionell gerne auf Pump Aktien kaufen. Margin Calls?

        Aber auch manch ein Chinese wurde auf dem falschen Fuß erwischt…bspw. Li Shufu, der für ca. 7,2 Mrd Euro Daimleraktien im Februar gekauft hat…:-) mal sehen wie seine Bonität ist.:-)

        In einem deflatorischen Umfeld fallen die Dominosteine schneller als einem lieb ist.

        • Nein, so einfach ist es meiner Ansicht nach nicht, lieber Michael K.

          Herr Powell schaut mit Sicherheit nicht nur auf den S&P, sondern auf eine Vielzahl anderer Indikatoren. Unter anderem auf die Zinsstruktur, die ihm Hinweise darauf gibt, wie weit er noch gehen kann. Und die signalisiert nun schon sehr stark, dass das System zu knirschen begönne, wenn er unverdrossen weitermachen würde. Warten wir also mal ab, wie weit er noch geht.

  11. An Frankreich hat auch noch keiner gedacht!Diese kleine Revolution wird
    die Reformpläne von Macron zerstören.Ich befürchte Neuwahlen !
    Ob dann die Achse Berlin-Paris weiterhin einen so starken Bestand hat möchte ich bezweifeln.Schulden machen à la Italia ist angesagt!!!
    Vielleicht Japan 2.0?? Oder Europleite……

  12. Die meisten Leute sind einfach ratlos, was gerade passiert und warum. Daher auch die ständigen Kaufempfehlungen. Viele merken nach jahrelangem „Buy-the-Dip“ und dem ständigen Mantra der alternativlosen Aktien nicht mehr, dass der Wind auch mal drehen kann.
    Die Finanzexperten, Journalisten und Fondsmanager schicken die Leute seit Februar ins fallende Messer. Dax fällt, S&P steigt? Kein Problem, wen interessieren die Ursachen, wen interessiert die Unternehmensverschuldung im S&P, wen interessiert die Marktbreite, Vati zeigt uns schon den Weg.
    Aber – und da liege ich in deren Augen natürlich grundsätzlich falsch, die Aktien steigen ja ohnehin wieder über den letzten Höchststand. Wenn nicht nächstes Jahr, dann übernächstes Jahr. Und ansonsten richten die Notenbanken das schon. Fallende Messer gibt es also in Wirklichkeit gar nicht. Außerdem beschreiben die Fondsmanager seit Oktober, wieviel Angst doch alle hätten und wie lukrativ die Chancen wären, wenn man das kauft. Es ist ja so: je mehr Leute Angst haben, desto mehr haben schon verkauft. Börse ist wieder so einfach geworden wie Dreiradfahren.

    Interessanterweise sind die ganzen kritischen Geister von den steigenden Kursen jahrelang überrannt worden, so dass auch sie zum Einstieg rufen. Viele verstehen scheinbar nicht mehr, was gerade passiert. Diese Ratlosigkeit findet man seit Monaten überall. „Nur eine normale Korrektur, ich kann das einschätzen“, heißt es oft. Die Entkopplung der Börseneinschätzung und dem wirtschaftlichen Fundament erscheint mir nach den hohen Kurssteigerungen 2017 etwas absurder als 2007.
    Dass 50% des US-Anleihemarktes aus BBB-Ratings bestehen und 50% davon so geleveraged sind, dass sie mit normalen Maßstäben als High-Yield (Ramsch) gelten, spielt schlicht keine Rolle. Was mit so einem Markt in einer wirtschaftlichen Abschwächung passieren kann: wen interessiert‘s? Hauptsache die Kaufchancen nicht auslassen. Auch wenn man nur mal vermutet und ein wenig im Nebel stochert, der Spuk könnte ja bald vorbei sein, wen interessiert denn da eine Bodenbildung?
    Diese irreguläre SKS deutet auf etwa 9.600 (Kontraindikator! Er hat 9.600 gesagt!), aber man kann zwischen 10.800 und 9.600 vielleicht schon einige gute Orders platzieren. Fürs „gierig werden“ ist sicherlich dann noch Platz WENN eine Bodenbildung sichtbar ist UND die Angstlevel wieder nahe dem Limit sind.

    • Das ist eine sehr gute Einstellung, die aus Ihnen spricht: Alle anderen haben Unrecht, nur Sie haben recht 😉

      • So einfach ist es nicht und das wissen Sie. Es hat nichts mit Recht haben und Unrecht zu tun. Die Dinge sind schlicht nicht so simpel, wie Sie es manchmal darstellen. Viele folgen Ihnen und glauben vielleicht, es wäre so simpel. Von der Demut, von der Sie schrieben dass Sie sie in Bezug Börse hätten, ist mitunter nicht viel zu sehen.

        • Wenn ich die Dinge wirklich simpel darstellen würde, müsste ich hier nicht so viel schreiben. Diese Einschätzung kann ich also nicht nachvollziehen. Schauen Sie noch mal richtig nach. Da ist immer noch sehr viel Komplexität drinnen.

          Richtig ist nur, dass ich mich bemühe, die Dinge möglichst verständlich rüberzubringen. Andere hüllen sich ins Fachchinesische und Allgemeine. Das ist nicht meine Sache. Und ich wiederhole mich, wenn ich schreibe: Nur wer sich festlegt, kann daneben liegen.

          Im Übrigen ist das Lesen und die Teilnahme an der Diskussion hier eine vollkommen freiwillige Angelegenheit. Man mag dabei sein oder auch nicht.

          Ich stelle jedenfalls fest, dass die Teilnahme an den Diskussionen reger ist, wenn ich mich festlege, als wenn ich mich nicht festlege. Es scheint also durchaus ein Interesse daran zu geben, sich mit meinen Einschätzungen auseinanderzusetzen. Und das ist auch das, was ich mit diesem Blog bezwecke: Ein Meinungsaustausch auf Augenhöhe – nicht mehr und nicht weniger.

          • Ich denke da ist ein Unterschied. Ich bin mit Ihnen was die Einschätzung von Unternehmen und deren Aktien eingeht meist einer Meinung. Da haben Sie einen Scharfsinn am Start, den ich im deutschsprachigen Raum eigentlich sonst nicht finde. Da habe ich gar keine Gegenargumente um die Diskussion beleben zu können, weil Sie die längst gebracht haben – siehe Daimler neuerdings, wo Sie meiner Meinung nach ins Schwarze treffen.

            In Ihren Einschätzungen zur großen Gesamtwetterlage ist das merkwürdigerweise nicht so. Da schreiben Sie manchmal Sachen, die ich nicht mit dem Marktgeschehen in Verbindung bringe (und ja, hier kann ich irren, aber da lege ich mich auch fest).
            Bullen und Bären wechseln sich ab und jeder hat seine Überzeugung, aber an der Börse lebt man nicht unbedingt gut damit. Oft ist es auch das Nichtstun und das Hinterfragen der eigenen Position, mit dem man einen klaren Kopf behält, was möglicherweise auch für die Rendite passt.

            Dazu gehört auch unklare Situationen einfach mal liegenzulassen und sich nicht öffentlich festzulegen, bis der Rauch sich verzogen hat. Man kann sicherlich Diskussionen damit beleben, aber die Wirkung verpufft meiner Meinung nach, weil sie mehr Verwirrung hinterlässt als Klarheit erzeugt. Wir haben nicht unbedingt eine große Aktienkultur in Deutschlan und Sie hätten viel Gewicht in dieser Hinsicht.

          • Meine Daimler-Einschätzung ist doch nicht deshalb „scharfsinnig“, weil sich diese mit ihrer Einschätzung deckt. Auch generell sind meine Einschätzungen zu einzelnen Unternehmen nicht scharfsinniger als diejenigen zum Marktgeschehen. Ich treffe bei beiden Kategorien nicht immer genau ins Schwarze und nicht immer daneben. Ganz normal also. Sie werden es kaum glauben, selbst bei Markteinschätzungen habe ich schon richtig gelegen – zum Beispiel beim (vorläufigen) Markttief im Spätsommer 2015 oder beim „Alles muss raus“ am 4. Januar 2016.

            Und ja, man kann sich auch einfach mal nicht festlegen. Auch dies habe ich schon des öfteren getan. Aber in dieser Situation erschien es mir angesichts der schlechten Stimmung einfach angebracht. Wie ich damit zur „Verwirrung“ beitragen kann, verstehe ich nicht. Es ist einfach eine dezidierte Einschätzung, die sich im Nachhinein als richtig oder falsch herausstellen kann. Mehr nicht. Und manchmal kann es auch erst einmal schlechter werden, bevor es besser wird 😉 Stay tuned!

          • mir fällt auf: wenn wir Depotvorschläge diskutieren, lassen Sie sich von Argumenten überzeugen und ggf umstimmen.

            Bei Markteinschätzungen halten Sie sich an ihre langjährigen Erfahrungswerte und sind sehr überzeugt davon, dass es mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder so kommt.

          • Grundsätzlich ist es doch nachvollziehbar, dass man sich an langjährige Erfahrungswerte hält. Aber ich postuliere diese doch nicht als alleinige Wahrheit. Es kann so kommen, muss es aber nicht. Die Börse entscheidet selbst.

  13. Ich habe gerade mein Depot gecheckt und musste feststellen, dass nicht wirklich viel passiert ist. Allerdings: Die deutschen Aktien wurden verhauen. Und interessant finde ich dabei, wie schnell bei uns Aktien einbrechen. Mit Fresenius verbuche ich meinen persönlichen Meisterflopp und ich gehe mal davon aus, dass sie heute nochmal richtig gehängt werden.

    Deutschland scheint ein Paradies für Bären zu sein oder es gibt dafür einen Grund. Der Handelskrieg kann meiner Meinung nach noch gar nicht in den Büchern sein. Er dient vermutlich nur als Ausrede für andere Probleme. Vielleicht sind wir einfach nicht wirklich innovativ genug und die Produktivitätsverbesserung der letzten Jahren waren nur ein Erfolg von Arbeitsverdichtung und Lohnsenkungen? Mir scheint es, als würden einigen Blasen zu platzen- aber nicht an der Börse sondern in den Bilanzen. Die Börse reagiert vielleicht nur.

    • Es ist wie immer: Gründe lassen sich im Nachhinein stets finden. Eines steckt jedoch meist dahinter: die Psychologie.

  14. Ich kenne da ein Zitat des ehemaligen Bundesbankchefs Karl Otto Pöhl: „Inflation ist wie Zahnpasta – ist sie erst mal heraus, bekommt man sie kaum mehr rein“.
    Ich schließe mich Ihrer Meinung an, dass die Geldmenge per se steigen muss. Sie haben das in Ihrem Buch „Die Wahrheit über Geld“ sehr gut dargestellt. Ich kann das Buch nur jedem empfehlen.
    Unabhängig dieser Tatsachen ist das oberste Ziel einer Notenbank die Preisstabilität. Und für dieses Ziel werden auch mal Rückgänge der Wirtschaftsleistung und der Aktienkurse in Kauf genommen. Daher ist die vorrübergehende Reduktion der Geldmenge notwendig und stellt mit Sicherheit nicht den Versuch dar, die zuvor erschaffene Geldmenge zu 100 % wieder einzusammeln. Aber einen großen Teil davon muss die Notenbank wieder aus dem Umlauf nehmen, will sie einer ausufernden Inflation vorbeugen.
    Und Insolvenzen, Börsenrückgänge, Rezessionen etc. sind gut für die Wirtschaft. Sie bereinigen die Dinge und bereiten den Weg für den nächsten gesunden Aufschwung. Das das Geldmengenwachstum gegen Unendlich geht und der Ausgang ungewiss ist, müssen wir in diesem System hinnehmen bis eine Alternative gefunden ist.
    Fazit: Die FED handelt richtig und eine Rezession mit einer gesunden Marktbereinigung ist kein Beinbruch.

    • Diese Einschätzung hört man häufiger, im Buch komme ich aber zu einem anderen Ergebnis.

      Auch früher schon sind Geld- und Schuldenmengen stetig angewachsen. Leute wie Karl Otto Pöhl haben auch damals schon allenfalls den Anstieg gebremst, indem sie vor allem an der Zinsschraube gedreht haben. Sie haben aber nicht die Geldmengen tatsächlich verringert. Folglich gab es damals keine Deflation.

      Eine Verringerung der Notenbank-Bilanzsumme läuft aber auf eine Geldvernichtung hinaus – sprich auf Deflation mit all ihren negativen Folgen. Das sehe ich als bedeutenden Unterschied an.

      Selbstverständlich könnte man auch dies ganz langfristig als „gesunde“ Marktbereinigung bezeichnen. Alle, die diese Bereinigung mitmachen – und das sind hunderte von Millionen Menschen -, würden sie aber ganz und gar nicht als „gesund“ empfinden. Und deshalb werden die Notenbanken nach meiner Erwartung eine solche Bereinigung nicht zulassen (oder diese sogar noch befördern), solange sie noch die Feuerkraft haben, sie zu verhindern.

      In Japan mag der Nikkei aus den hier mehrmals genannten Gründen noch weit unter seinem Rekordhoch liegen. Aber einen Systemzusammenbruch hat es dank des Eingreifens der Notenbank dort noch nicht gegeben. Eine ähnliche Reaktion erwarte ich von den Notenbanken in Europa und den USA – auch wenn es bis zur „Einsicht“ noch ein Weilchen dauern sollte.

      • „Alle, die diese Bereinigung mitmachen – und das sind hunderte von Millionen Menschen – würden sie aber ganz und gar nicht als „gesund“ empfinden. Und deshalb werden die Notenbanken nach meiner Erwartung eine solche Bereinigung nicht zulassen“

        Da haben Sie einen gewaltigen Denkfehler, Herr Brichta. Ihre Annahme ist, dass die Figuren hinter den Notenbanken Klone von Mutter Theresa sind, die zum Wohle der breiten Massen agieren.

        Wer sitzt denn in der FED? Wer sitzt denn an den Spitzen der EZB etc.?

        Ihre These ist, dass „der Spuk bald vorbei ist“ und setzen ihre Hoffnung in die Geldpresse der Notenbanken.

        Wie war es denn in Griechenland? Gut, dieses Land ist etwas komplexer, aber grob skizziert war der Ablauf wie folgt:
        1) In den EURO geholt (Unterstützung durch Goldman Sachs?)
        2) Schuldenorgie zugelassen
        3) Dann den Dampfhammer herausgeholt und in die Rezession gestürzt.
        4) Sparprogramme aufgesetzt und TAFELSILBER PRIVATISIEREN lassen.

        Wer kauft das Tafelsilber der Volkswirtschaften sukzessive ein?

        Weil hier auch viele über „die Griechen“ geschimpft haben: Vielleicht war das lediglich ein Testballon für Westeuropa und auch Deutschland. Hier gibts noch viel zu holen…

        • Ihre Annahme, dass es meine Annahme sei, „dass die Figuren hinter den Notenbanken Klone von Mutter Theresa sind, die zum Wohle der breiten Massen agieren“, erscheint mir einigermaßen absurd. Wie kommen Sie eigentlich darauf?

          Notenbanker sind vor allem eines: Von den Politikern ins Amt beförderte (Geld-)Politiker. Und als solche wollen sie auf keinen Fall im Nachhinein die Schuld an der Krise in die Schuhe geschoben bekommen. So einfach ist das. Mit Mutter Theresa hat das überhaupt nix zu tun.

          • „Alle, die diese Bereinigung mitmachen – und das sind hunderte von Millionen Menschen -, würden sie aber ganz und gar nicht als „gesund“ empfinden. Und deshalb werden die Notenbanken nach meiner Erwartung eine solche Bereinigung nicht zulassen“

            Denken Sie ernsthaft, dass sich die FED-Notenbanker um die „hunderte von Millionen Menschen“ (aus China, Europa, USA) sorgen? Meine Meinung: Sie denken hier sehr naiv.

            „Und als solche wollen sie auf keinen Fall im Nachhinein die Schuld an der Krise in die Schuhe geschoben bekommen. So einfach ist das.“

            Es zählt nicht, wer tatsächlich Schuld hat, sondern wen die Massenmedien zum Sündenbock erklären. So – und nicht anders – läuft Politik!

          • „Es zählt nicht, wer tatsächlich Schuld hat, sondern wen die Massenmedien zum Sündenbock erklären. So – und nicht anders – läuft Politik!“

            Genau, und jetzt denken Sie doch einfach mal weiter: Wenn die Notenbank eine Depression auslösen würde, würde sie mit großer Wahrscheinlichkeit von Medien und der Politik zum Sündenbock gemacht.

            Die Sache ist einfach: Das System ist darauf ausgelegt, von Zeit zu Zeit zusammenzubrechen, aber jeder Politiker (sei es in der Notenbank, sei es in der Regierung) will verhindern, dass dies in seiner Amtszeit passiert. Deshalb setzen beide Politiker-Kategorien alles daran, den Zusammenbruch aufzuschieben. Und solange die Notenbank noch die nötige Feuerkraft dazu hat, wird ihr es auch gelingen. Der Zusammenbruch kommt erst, wenn auch die Notenbanken pleite gehen. Wie das geschehen kann, habe ich im Buch beschrieben.

            Ein Unterschied zur letzten Finanzkrise ist übrigens, dass diese im Kern nicht von den Notenbanken direkt, sondern von der privaten Finanzindustrie ausgelöst wurde. Wenn aber in diesem Fall eine von der Notenbank selbst herbeigeführte Deflation der Auslöser wäre, stünde die Zentralbank von Anfang an im Kreuzfeuer der Kritik.

          • „Denken Sie ernsthaft, dass sich die FED-Notenbanker um die „hunderte von Millionen Menschen“ (aus China, Europa, USA) sorgen? Meine Meinung: Sie denken hier sehr naiv.“

            Auch hier ist die Antwort simpler, als Sie denken: Die Fed hat (schon von ihrem Auftrag her) die mehr als 300 Millionen US-Bürger im Blick. Die EZB die mehr als 300 Millionen Eurozonen-Einwohner usw. usw.

            Bei der EZB sorgen darüber hinaus die Bürger der Südländer für eine erhöhte Aufmerksamkeit.

          • Hier kommen wir langsam zum Wesentlichen. Trump gibt der FED die Schul für die Krise und die FED inklusive IWF machen den Handelsstreit von Drump zum Hauptschuldigen (die Festnahme der Huawai Managerin erfolgte vermutlich ohne Drumps Wissen. Damit konnte man ihm ein Bein stellen und den Konflikt auf eine höhere Ebene verlagern, wo Drump weniger Einfluss hat.) Anscheinend sind sich aber alle 3 Beteiligten einig, dass die Krise kommt.

            Ich sehe es so, das die FED ein Werkzeug der Finanzeliten ist. Und ich gehe stark davon aus, dass diese meine kognitiven Fähigkeiten übertreffen und absolut genau wissen was sie tun. Wer da für ein paar Jahre an der Spitze steht und ob er erfolgreich ist, ist unwesentlich. Die wirklichen Mächtigen bleiben im Hintergrund und entscheiden wohin die Reise geht. Ich kann nur versuchen zu vermuten was sie vorhaben. Drump ist anscheinend kein Mitspieler dieser Eliten. Das macht das ganze noch interessanter.

          • Ihre Einschätzng der Fed-Kompetenz in allen Ehren. Aber selbst Ben Bernanke musste eingestehen, dass er sich erst nach Beginn der Finanzkrise darüber unterrichten ließ, wie die damals im Zentrum stehenden Derivate funktionierten. Er lernte es von Wall-Street-Bankern. Peinlich, peinlich.

            Aber wir kommen jetzt irgendwie vom Thema ab: Mir geht es darum, dass die Fed nicht willentlich eine deflationäre Krise initiieren wird. Nicht mehr und nicht weniger. Wenn Sie glauben, dass sie es trotzdem tut, ist Ihnen das unbenommen.

          • Ich habe nie behauptet, dass die Fed willentlich eine deflationäre Krise initiieren wird. Ich glaube nur, wenn sie es tut dann mit Kalkül. Ich weiß nicht was sie machen wird und kann nur Vermutungen anstellen.
            Was die Menschen auf der Bühne von sich geben ist mir relativ egal. Das sind nicht die wahren Mächtigen. Das ist alles nur Show die von den Tatsachen ablenken. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die mächtigste Organisation der Welt von Stümpern kontrolliert wird. Hinter den Kulissen sitzen die kleversten Schachspieler. Dirk Müller denkt diesbezüglich genauso. Aber natürlich können wir uns auch irren. Wenn man sich unserer Regierungen anschaut dann sehe ich auch nicht viel Licht. (;

            Ich behaupte nur, dass die amerikanischen Zinsen auf einem Niveau sind, das Deflation auslösen wird. Wenn die Zinsen wieder fallen, dann können wir ein neues Kapitel aufschlagen.

          • Die Zinshöhe ist für die Frage einer Deflation gar nicht so aussschlaggebend. Was ich meinte, ist die TATSÄCHLICHE Deflation. Damit meine ich nicht fallende Preise, sondern ich meine monetäre Deflation im Sinne einer schrumpfenden Geldmenge. Diese Deflation findet durch die Verringerung der Fed-Bilanzsumme im Bereich des Zentralbankgeldes bereits statt. Die Zentralbankgeldmenge schrumpft. Diese Entwicklung kann die Fed nicht fortsetzen, ohne eine existentielle Krise heraufzubeschwören. Ich bin mir nicht sicher, inwieweit das die Fed-Oberen schon erkannt haben. Ich erwarte aber, dass sie es relativ zeitnah erkennen werden. Nur auf dieses Phänomen habe ich mit meinem Artikel hinweisen wollen.

            Im Klartext: Selbst wenn die Fed alsbald eine „Zinspause“ einlegt (was ich ebenfalls erwarte), aber gleichzeitig ihre Bilanzsumme stark schrumpft, würde sie eine Krise heraufbeschwören.

  15. Die Verschuldung der Welt (Staaten, Privatpersonen, Unternehmen) sind einfach zu hoch um Zinsen signifikant steigen zu lassen, die Notenbanken werden immer mal wieder die Zinsen steigen lassen um die gröbsten Schuldenekzesse schmerzhaft werden zu lassen, aber grundsätzlich wird Geld immer billiger werden bis der Systemcrash kommt.Hier in München sind soviele Private in die selbstgenutzte , häufig zu 80-90 % finanzierte Immobilie gezogen (die Zinsen sind ja so schön niedrig, was kümmert mich der Preis), stiegen die Zinsen ordentlich an, hätte sogar ich eine Chance auf eine Immobilie, bei dem Überangebot von geplatzte Finanzierungen, welche kommen würden.
    Ne ne, soweit kommts nicht, die Maschine wird weiter mit Öl überschüttet, bis sie bricht.

  16. Ja, man muss sich nur einmal die Zinsentwicklung für dt. Bundesanleihen seit 1990 ansehen. Unter Schwankungen ein kontinuierlicher Abwärtstrend der Zinshöhe. Ein neues Tief jagt das nächste…und das seit 28 Jahren…

  17. „Genau, und jetzt denken Sie doch einfach mal weiter: Wenn die Notenbank eine Depression auslösen würde, würde sie mit großer Wahrscheinlichkeit von Medien und der Politik zum Sündenbock gemacht. “

    Meine These: Den US-Bürgern (und uns) wird medial verkauft werden, dass Trump der Schuldige ist…

    …und die meisten Leute werden es glauben! Ihnen wird erzählt werden, dass Freihandel etc. pp. allen Menschen weltweit grenzenloser Wohlstand bescheren wird.

    Die Leute hier glauben ja mittlerweile, dass Putin demnächst in Osteuropa einmarschieren wird und demzufolge die Rüstungsausgaben europaweit massiv erhöht werden müssen. Hat nicht Macron eine Erhöhung des Wehretats beschlossen? Und nebenher erhöht er die Steuern, weil angeblich kein Geld in der Kasse ist…

    Die Spielchen sind leicht zu durchschauen. Und ein klares Signal, dass der Besitz von Aktien langfristig richtig ist.

    Mit dem Zusammenbruch beschäftige ich mich weniger, denn stellen Sie sich doch die einfache Frage: wenn hier wirklich alles zusammenbricht, ist das Leben dann noch lebenswert? Eine ähnliche Anekdote erzählt Kostolany in seinem Buch: obwohl er in der Rezession viel Geld gewonnen hat war er nicht glücklich, weil alle um ihn herum am Boden lagen.

    • 1. Zum Punkt „verkaufen“ sind wir eben gegensätzlicher Meinung. Schon die Politik wird der Notenbank die Schuld in die Schuhe schieben. Trump tut das ja jetzt schon. Und seine Anhänger glauben es ihm.

      2. Auch zum Zusammenbruch habe ich eine etwas andere Einstellung: Wenn er kommt, wird es danach wieder aufwärts gehen. So wie nach der letzten Währungsreform. Es wird eher ein Reset sein, bei dem allerdings die Eigentümer von reinem Geldvermögen besonders leiden. Deshalb auch die wahren Werte.

      Nur freiwillig wird die Politik diesen Reset nicht machen. Erst dann, wenn das Vertrauen in die Notenbanken verschwunden ist. Und bis dahin dauert es vermutlich noch ein Weilchen.

      • Auch wenn wir gegensätzlicher Meinung bleiben – danke für die Diskussion.:-)

        Ja, Trump zeigt richtigerweise auf die Notenbanken. Denn wie auch Sie schreiben wurden die Märkte mit dem Faktor Geld geflutet (Stichwort Bilanzsumme FED), was zu den besseren US-Wirtschaftsdaten geführt hat unter Obama und noch unter Trump.

        „Im Klartext: Selbst wenn die Fed alsbald eine „Zinspause“ einlegt (was ich ebenfalls erwarte), aber gleichzeitig ihre Bilanzsumme stark schrumpft, würde sie eine Krise heraufbeschwören.“

        -> Wichtiger Klartext: wenn ich schreibe, dass der Faktor Geld negativ ist, beziehe ich insb. die Schrumpfung der Bilanzsumme neben den Zinsen mit ein. Das war noch nicht deutlich. Wir müssen auch nüchtern festhalten, dass die EZB ihre Käufe im Oktober beendet hat, also auch hier fehlt mittlerweile Munition für die Märkte.

        Bei einem gewaltigen kontrollierten wirtschaftlichen Abschwung – ich rede nicht vom Zusammenbruch – werden Trumps Anhänger für seine Wiederwahl nicht ausreichend sein, denn in den USA zählt für die Präsidentschaftswahlen fast immer „It’s the economy, stupid!“

        Ein wirtschaftlicher Abschwung gepaart von medialem Dauerfeuer wird einen anderen US-Präsidenten ins Amt spülen. Dieser erklärt dann den Freihandel, bekommt neues Pulver von den Notenbanken – und die Leute werden es ihm glauben.

        Im selben Kontext spielt übrigens der BREXIT mit rein. Großbritannien hat schon länger wirtschaftliche Probleme, weil die Industrie abgewandert ist und gute Arbeitsplätze rar sind (Ausnahme: City of London). Jetzt heißt es: Freihandel rules, in der EU ist alles super. Völliger nonsens, aber die Leute glauben es. Und damit es auch ausreichend viele Leute glauben, BRAUCHT es ZWINGEND eine Rezession mit Schmerzen. Erst danach spielen die Notenbanken wieder Feuerwehr…

        Ich vermute auch, dass es keinen BREXIT geben wird…

        • „Und damit es auch ausreichend viele Leute glauben, BRAUCHT es ZWINGEND eine Rezession mit Schmerzen. Erst danach spielen die Notenbanken wieder Feuerwehr…“

          In diesem Punkt unterscheiden sich unsere Einschätzungen. Ich erwarte, dass die Notenbanken ihre Feuerkraft schon vorher ausspielen – zumindest werden sie damit drohen, wenn es ihnen nötig erscheint. Die Japanisierung lässt grüßen 😉

  18. Ich bin gerade am Grübeln. Ich habe bis jetzt keinen Bärenmarkt wirklich kommen sehen. Die einzige Warnung wäre gewesen, dass die Bullenmärkte alt sind. Kann man überhaupt einen Bärenmarkt kommen sehen? Bei allen Bärenmärkten, die ich erlebt habe, war es eher so, dass die Nachrichten erst 6 Monate später schlecht wurden.

    Mein Glaube, das wir noch keinen Bärenmarkt haben, begründet sich darin, dass der Ölpreis niedrig ist. Aber vielleicht ist Öl nicht mehr so wichtig wie früher.
    Ich denke, ich habe heute einen typischen Fehler gemacht und Sixt Vz. nachgekauft. Wenn jetzt doch ein Bärenmarkt eingetreten ist, mache ich es wie immer zuvor. Ich gehe ohne Cash Reserven in die Baisse. Auf Sicht von 10 Jahren ist das sicher nicht schlimm. Aber ich muss dann fest stellen, dass ich sicher nie ein Warren Buffett werde,

    • Aktien nachzukaufen, die gefallen sind, habe ich mir abgewöhnt. Naja ganz ausnahmsweise höchsten 1 mal. Dadurch vermeidet man Aktien zu erwerben, die sich in einen längeren Abwärtstrend befinden.Ist die Zeit für Käufe m. E. günstig, kaufe ich lieber einen ganz neuen Wert. Fördert die Diversifizierung. Aber nur persönliche Erfahrung bzw. selektive Wahrnehmung, kann im Einzelfall falsch sein…

    • Ich habe heute „einen Fehler“;-) gemacht und eine kleine Position in Fresenius aufgebaut. Hier gab es lauter Insiderkäufe…die EK-Quote bei 40% sind auch solide.

      Sixt Vz. wollte ein Freund kaufen, habe ich sein lassen. Hab schon zu viel Autos und Autoteile im Depot…:-)

      Cash halte ich trotzdem noch ausreichend, alles andere wäre fatal.

  19. Bye the way: Ich weise hier immer wieder auf die Bedeutung massenpsychologischer Faktoren für die Börsenentwicklung hin. Dass dies auch in Zeiten des maschinengesteuerten Handels gilt, zeigt ein Artikel in der heutigen FAZ. Darin wird ein Experte zitiert, der sich mit dieser Frage beschäftigt hat.

    Hier der entsprechende Ausschnitt aus dem Artikel:

    Einige Fachleute halten die wieder stärker gewordenen Schwankungen zudem für eine Konsequenz computerisierter Anlagestrategien. Marko Kolanovic, der bei der amerikanischen Großbank JP Morgan Chase die quantitative Marktforschung leitet, hält die Schwankungen und Rückschläge angesichts der immer noch robusten amerikanischen Konjunkturdaten sowie der soliden Unternehmensgewinne für übertrieben. Verantwortlich für die negative Stimmung seien eine steigende Zahl von Handelsprogrammen, die automatisch auf Nachrichten reagieren, sowohl auf echte Meldungen als auch auf Fake News. Kolanovic bezog sich in einem Bericht auf Publikationen im Internet, die eine Mischung aus echten und falschen Nachrichten sowie verzerrte Wiedergabe von Analystenberichten böten. Hinter diesen Seiten stünden einheimische politische Gruppierungen, Analysten sowie ausländische Akteure, die negative Schlagzeilen verstärkten, um Unfrieden zu stiften und das Vertrauen in die Märkte zu untergraben. „Wenn wir dazu die wachsende Zahl von Algorithmen addieren, die aufgrund von Schlagzeilen handeln, kann der Einfluss auf Preisbewegungen und Anlegerpsychologie bedeutend sein“, schrieb Kolanovic. Konkrete Beispiele für die fragwürdigen Websites nannte er nicht. Der Analyst räumte ein, dass die Erhöhung der Leitzinsen eine gewisse Abschwächung der Aktienbewertungen und stärkere Kursschwankungen rechtfertige. Die „aktuelle Abweichung“ sei aber übertrieben. „In gewissem Maße führen wir die Diskrepanz von negativer Stimmung und wirtschaftlicher Realität auf diese sich selbst verstärkende Rückkopplungsschleife echter und falscher Negativmeldungen zurück“, meint Kolanovic.

    Der amerikanische Präsident Trump spielt diesen Akteuren mit seinen häufigen Twittermeldungen möglicherweise in die Hände. Das Weiße Haus habe „diesen Akteuren mehr als genug Material (zum Beispiel Tweets et cetera) gegeben, das sie ausnutzen können, um Unsicherheit an den Märkten zu verbreiten“, hieß es in dem Bericht. In der vergangenen Woche waren die Aktienkurse deutlich abgesackt, nachdem Trump China auf Twitter mit Strafzöllen gedroht hatte.“

    Den vollständigen Artikel finden Sie hier:

    http://edition.faz.net/faz-edition/finanzen/2018-12-12/947a0d115c185e83cb543948f902b7b7/

    • Zum Artikel:

      1) Ja, auch die computerisierten Anlagestrategien wurden von Menschen konzipiert. Insofern stimme ich dem Artikel dahingehend zu, dass der Faktor PSYCHOLOGIE unverändert gilt.

      2) „Die „aktuelle Abweichung“ sei aber übertrieben. „In gewissem Maße führen wir die Diskrepanz von negativer Stimmung und wirtschaftlicher Realität auf diese sich selbst verstärkende Rückkopplungsschleife echter und falscher Negativmeldungen zurück“, meint Kolanovic.“

      Gute Frage: was ist die „wirtschaftliche Realität“, GLOBAL betrachtet?;-)

      3) Zum letzten Absatz: Trump twittert nicht erst seit gestern. Aber erst jetzt haben die Tweets größere Wirkung, weil der Faktor Geld nicht mehr sprudelt.

      Ergänzung zum Thema, ich zitiere gerne Kostolany: „[…] Man könnte auch sagen, das Geld ist das Lebenselixier des Aktienmarktes.

      Aber mit Geld allein kann der Markt sich auch nicht bewegen. Die zweite Komponente ist die Psychologie. Ist die Psychologie des Anlagepublikums durchweg negativ, so dass niemand Aktien kaufen will, kann die Börse auch nicht steigen. Wenn beide Faktoren, Geld und Psychologie, positiv sind, dann steigen die Kurse. Sind beide negativ, fallen sie. Ist ein Faktor positiv, der andere negativ, neutralisieren sich die Tendenzen, das heißt, es entwickelt sich eine farblose, uninteressante Börse ohne große Schwankungen. Daraus ergibt sich meine Gleichung, die zugleich mein Glaubenssatz wurde: Geld + Psychologie = Tendenz. […]“

      Der Faktor Geld wird erst wieder positiv, wenn die Notenbanken feuern. Schaun wir mal, wann es soweit ist…

      Der Faktor PSYCHOLOGIE ist unbestritten negativ, aber mal andersherum gefragt: Warum sollte der Faktor PSYCHOLOGIE kurzfristig betrachtet positiv werden? Die Rücksetzer dieses Jahr waren wunderschöne Schüsse vor dem Bug und haben die Euphorie beendet. Dieser Faktor KÖNNTE aber positiv werden, wenn die Notenbanken wieder feuern und zusätzlich die Nachrichten (Handelskrieg, BREXIT) positiv werden. Mein DAX-Anteil im Depot würde sich über dieses Szenario freuen, mein Anteil an der russischen Gazprom und Norilsk Nickel scheint das egal zu sein…:-)

      • Ich benutze auf Vorträgen gern dieses Bild:

        Die Aktienmärkte werden im Wesentlichen von den drei Gs bestimmt – Gewinne, Geld, Gefühle. Wobei ich dem Geld und den Gefühlen die größere Bedeutung beimesse. Natürlich beeinflussen sich diese Faktoren auch gegenseitig.

        Dass die Stimmung derzeit schlecht ist, ist – wie gesagt – für mich ein positives Zeichen. Auch dass Leute wie Sie sagen, sie sei noch nicht schlecht genug, beeindruckt mich wenig. Diese Äußerungen gab es selbst am Tiefpunkt der Finanzkrise.

        Und der Faktor Geld ist bisher nur in den USA negativ. Trotzdem aber hat sich die Wallstreet um Längen besser geschlagen als z. B. der DAX. Dies zeigt, dass sich dieses Phönomen bisher noch gar nicht in größerem Ausmaß negativ auf die Börse ausgewirkt hat. Im Gegenteil! Der S&P hat bis Anfang Oktober sogar Rekordstände erzielt.

        Und der DAX hat sein grottenschlechtes Ergebnis gemacht, obwohl der Faktor Geld in Europa noch positiv ist. Hier spielten also Gewinne (rückläufig) und Gefühle die Hauptrolle, vor allem im zweiten Halbjahr.

        Fazit: Der Faktor Geld hat dieses Jahr auf beiden Seiten des Atlantiks keine größere Rolle gespielt.

        Zusammen mit der Erwartung, dass die Fed demnächst den Fuß vom Bremspedal nehmen wird und dass die EZB das Bremsen weiter nach hinten verschiebt (bisher nimmt sie den Fuß ja nur vom Gaspedal), bin ich fürs nächste Jahr gar nicht so pessimistisch.

        • „Fazit: Der Faktor Geld hat dieses Jahr auf beiden Seiten des Atlantiks keine größere Rolle gespielt.“

          Naja, da die Angelsachsen ihr Kapital aus Europa abziehen und „nach Hause“ holen hat der Faktor Geld sehr wohl eine Rolle gespielt…

          Eine letzte Frage zum Thema:

          Wie schätzen Sie mittlerweile die Marktmacht / den Anteil der chinesischen Investoren ein? Gibt es hier Daten?

          Von den Chinesen weiß man bspw. von deren gescheitertes Engagement in die Deutsche Bank, dem Daimler-Investor und die KUKA-Übernahme. Was aber mit den vielen chinesischen Privatanlegern? Spielen deren DAX- oder EUROStocks-Engagements eine nennenswerte Rolle?

          Bei Asiaten ist mir auf meinen Reisen häufig deren Casinomentalität aufgefallen.

          • Ersteres ist ein Missverständnis. Der „Faktor Geld“ bezieht sich auf den Umstand, dass die Geldmenge (vor allem die Zentralbankgeldmenge) im Euroraum in diesem Jahr weiter gestiegen ist. Daran ändern auch mögliche Aktienverkäufe der Amerikaner nichts.

            Im Übrigen haben angelsächsische Investoren – nach allem, was mir bekannt ist – ihre Anteile an deutschen Unternehmen gar nicht wesentlich abgebaut. Es kann also sein, dass sie hauptsächlich über Derivate auf fallende Kurse spekuliert haben.

            Was chinesische Privatinvestoren anbelangt, so habe ich noch nie gehört, dass diese am europäischen Aktienmarkt eine größere Rolle spielen. Dagegen sprechen allein die Kapitalverkehrskontrollen, die es in China nach wie vor gibt. Die Chinesen zocken hauptsächlich im eigenen Land.

  20. Ich habe gerade ein neues all time High markiert und kapier das gar nicht. Das ist merkwürdig. Aber der Run in meine zerschossenen Fresenius und der nicht erklärbare Run in Mastercard, Mc Cormick und Unilever machen das einfach irgendwie. Gefühlt bin ich in einem Bärenmarkt, laut Zahlen habe ich gerade ein neues all time high markiert. Das hatte ich in den letzten 30 Börsenjahren nie. Ich bin im falschen Film.

  21. hallo herr brichta fresenius müsste doch ein guter wert zum einsammeln sein nach der korrektur.

    • Sofern dies ein Depotvorschlag sein soll, bitte ich Sie, diesen ausführlicher zu begründen. Weshalb ist Fresenius für Sie ein wahrer Wert?

  22. Schweiz & Franken ein sicherer Hafen für Ihr Geld? Mitnichten! Brexit, Italienchaos, Trump, Börsenbeben! Immer wieder und in letzter Zeit spürbar vermehrt stellen uns unsere Kunden in der Honorarberatung aber auch unsere Leser und Fans die Frage, ob es nicht besser sei, ihr Geld in die Schweiz zu bringen oder in den Schweizer Franken (CHF) umzutauschen, um es zu schützen vor den genannten Gefahren sowie vor Inflation, Eurocrash und Enteignung. Dies verneinen wir. Warum? Lange Zeit galt die Schweiz, völlig zurecht, als sicherer Hafen für Vermögen. Doch die Zeiten haben sich drastisch geändert und die Schweiz hat den Status des Weltsafes längst verloren. Zu viele Eingeständnisse mussten die Eidgenossen auf Druck der USA und anderen Ländern machen . Das schweizer Bankgeheimnis ist löchrig wie der berühmte Emmentaler Käse.

    https://www.youtube.com/watch?v=u7PWPD0Dxr0

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