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Geld regiert die Welt. Regieren geheime Mächte das Geld?

24. August 2026 - Anton Voglmaier in Allgemein | 3 Kommentare

Wir reden ständig über Geld.

Wer es hat. Wer es braucht. Wer es verliert.

Aber wer regiert es eigentlich?

Die Zentralbanken?

Die Banken?

Die Staaten?

Die Finanzmärkte?

Niemand allein.

Natürlich gibt es Menschen, die das anders sehen.

Verschwörungstheoretiker suchen seit jeher nach finsteren Mächten hinter dem Geld. Und immer wieder mündet das in antisemitische Erzählungen von geheimen Finanzeliten, die Banken, Staaten oder gleich die ganze Welt kontrollieren sollen.

Das ist menschenverachtend.

Und Unsinn.

Die Wirklichkeit ist viel interessanter als jede Verschwörungstheorie.

Unsere Geldordnung hat keinen geheimen Architekten. Sie wurde nie als Ganzes entworfen.

Sie ist gewachsen.

Banken entwickelten neue Formen von Kredit und Zahlungsverkehr. Staaten schufen Regeln. Zentralbanken entstanden. Krisen veränderten das System.

Heute hängen unsere Wirtschaft und Gesellschaft daran.

Und trotzdem wissen erstaunlich wenige Menschen, wie diese Ordnung funktioniert.

Der größte Teil unseres Geldes ist Buchgeld. Geschäftsbanken genießen dabei ein Vorrecht: Sie können selbst neues Geld schaffen – vor allem, indem sie Kredite vergeben. Werden diese Kredite getilgt, verschwindet das dabei geschaffene Geld wieder.

Wie abhängig wir von dieser Geldordnung sind, zeigte sich 2008.

Banken vertrauten einander nicht mehr. Der Interbankenmarkt fror ein. Finanzinstitute brachen zusammen oder mussten gerettet werden. Staaten und Zentralbanken griffen ein.

Wäre das Finanzsystem tatsächlich zusammengebrochen, hätte es die Realwirtschaft mitgerissen. Unternehmen wären reihenweise in Existenznot geraten. Millionen Arbeitsplätze wären bedroht gewesen. Aus der Finanzkrise wäre eine Wirtschaftskrise geworden – und womöglich eine gesellschaftliche Krise.

Die Welt wäre trotzdem nicht untergegangen.

Fabriken, Häuser, Maschinen, Wissen und Menschen wären noch da gewesen.

Im Extremfall wäre eine Währungsreform nötig geworden – mit einer Neuordnung von Geldvermögen und Schulden.

Und danach hätte das Spiel von vorne begonnen.

Vielleicht beginnt der nächste große Umbruch aber ganz ohne Zusammenbruch.

Denn inzwischen entsteht Konkurrenz.

Bitcoin, Stablecoins und andere digitale Alternativen ermöglichen es, Werte außerhalb klassischer Bankeinlagen zu übertragen und zu speichern.

Noch ersetzen sie Dollar oder Euro nicht.

Staaten können sie regulieren, besteuern und den Zugang erschweren.

Was sie nicht mehr selbstverständlich können: allein bestimmen, welche Form von Geld die Menschen nutzen.

Unsere Geldordnung ist über Jahrhunderte gewachsen.

Jetzt verändert sie sich erneut – diesmal durch digitale Alternativen.

Nicht durch eine Revolution.

Nicht durch einen geheimen Plan.

Sondern durch neue Technologien wie die Blockchain.

Geld regiert die Welt.

Aber der Kampf darum, welches Geld die Welt regiert, hat gerade erst begonnen.

3 Kommentare

  1. Was Sie nicht ansprechen, mich aber sehr interessieren würde, ist was hat das für Auswirkungen auf die sogenannte Leitwährung US-Dollar? Wird der Stern des US-Dollars sinken und was bedeutet das für die USA mit ihrer Rekordverschuldung von ca. 40 Billionen US$?

    • Ich glaube nicht, dass der US-Dollar seine Leitwährungsrolle plötzlich verlieren wird. Dafür ist seine Stellung noch viel zu dominant. Im ersten Quartal 2026 entfielen noch rund 57 Prozent der weltweiten ausgewiesenen Devisenreserven auf den Dollar.

      Aber seine Stellung ist nicht unangreifbar.

      Für die USA wäre ein dauerhafter Bedeutungsverlust durchaus problematisch. Die internationale Nachfrage nach Dollar und US-Staatsanleihen verschafft ihnen Finanzierungsvorteile. Würde diese Nachfrage deutlich sinken, könnten die Finanzierungskosten steigen – bei einer Staatsverschuldung in der Größenordnung von 40 Billionen Dollar wäre das erheblich.

      Gleichzeitig passiert etwas scheinbar Paradoxes: Ausgerechnet Stablecoins könnten den Dollar zunächst sogar stärken. Viele von ihnen sind an den Dollar gekoppelt, und ihre Emittenten halten einen Teil ihrer Reserven in US-Staatsanleihen.

      Deshalb sehe ich derzeit weniger das Ende des Dollars als den Beginn eines neuen Wettbewerbs:

      Nicht nur darum, welche Währung die Welt nutzt – sondern auch darum, in welcher Form sie diese Währung künftig nutzt.

      Und genau das könnte für den Dollar zunächst sogar eine Stärke sein.

      • Noch eine Empfehlung zu dieser Kolumne:

        Wer sehen möchte, wie sehr Geld tatsächlich die Welt regieren kann, sollte sich die spannende ARTE-Dokumentation „Der Oligarch und der Kunsthändler“ ansehen.

        Insbesondere Teil 3 zeigt eindrucksvoll, welche Macht Milliarden entfalten können – und wie eng Geld, Einfluss, Kunst und Politik miteinander verwoben sein können.

        Manchmal ist die Wirklichkeit eben interessanter als jede Theorie.

        Hier geht es zur Dokumentation:
        https://www.arte.tv/de/videos/RC-027177/der-oligarch-und-der-kunsthaendler/

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