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Greiffbar – CryptoCrashChancen

21. Mai 2021 - Volker Schilling in Gastbeitrag | 6 Kommentare

Welche Themen waren diese Woche am Finanzmarkt relevant?

  • CryptoCrashChancen
  • GenerationenGerechtigkeitsGegner
  • BörsenBlasenBoom

CryptoCrashChancen

Endlich mal wieder etwas los an den Kapitalmärkten. Insbesondere bei Bitcoin & Co., die eine rasante Achterbahnfahrt diese Woche hingelegt haben. Nachdem Elon Musk bereits letzte Woche durch die Ankündigung, Bitcoin doch nicht als Zahlungsmittel bei Tesla zu akzeptieren, die Talfahrt eingeleitet hat, beschleunigte sich die Korrektur zu einem Crash. Schuld waren die Bank of China, die ausdrücklich vor Bitcoinanlagen warnte und die amerikanische Börsenaufsicht SEC, die Bitcoinprodukte genauer unter die Lupe nehmen will. Von 65.000 Dollar in der Spitze brach der Kurs auf fast 30.000 Dollar ein. Wow. Besser kann man gar nicht vor Augen geführt bekommen, was es bedeutet, wenn die staatliche Aufsicht einmal richtig durchgreift. Staatliche Regulierung oder Verbote sind das größte Risiko für die Kryptoanlagen und ab sofort muss jedem klar sein, dass hier die größten Risiken lauern. Allerdings fast gleichzeitig wieder einmal auch die größten Chancen. Wer nämlich nicht daran glaubt, dass Staaten und Notenbanken den Bitcoin stoppen, der hat zugegriffen. Am Tief diese Wochen kamen massive Käufer in den Markt. Nicht zuletzt auch wieder Elon Musk, wenn man seinem Tweet dazu Glauben schenkt. Diesen Glauben jedenfalls hat die Generation Z und erhofft sich damit mehr finanzielle Gerechtigkeit. Egal wo man hinschaut, das Thema Generationengerechtigkeit scheint das neue Mantra zu sein:

GenerationenGerechtigkeitsGegner

Das Bundesverfassungsgericht hat die erste Fassung des Klimaschutzgesetzes kassiert wegen fehlender Generationengerechtigkeit. Das deutsche Rentensystem krankt seit langem, weil der demografische Wandel den nachfolgenden Generationen nicht mehr die gleichen Bezüge in Aussicht stellt. In der Coronazeit fordern die Altvorderen von den Jungen ihren Beitrag zur Eindämmung der Pandemie zu leisten. Ständig wird von der jeweils einen Seite eine Art von Gerechtigkeit für die andere Seite eingefordert. Jung gegen Alt. Egal ob in Politik, Klimaschutz, Rentenangelegenheiten, sozialer Leistungen, Mieten, Ressourcenverbrauch oder Erziehung und Bildung. Woher kommt dieser Gerechtigkeitswahn? Ist es gerecht, wenn erfolgreiche Unternehmer, die Arbeitsplätze und Wohlstand schaffen, stärker zur Kasse gebeten werden sollen? Ist es gerecht Menschen, die kein eigenes Bestreben nach Ausbildung und Arbeit haben, staatlich zu alimentieren? Ist es gerecht, dass inzwischen mehr als 50% der Menschen direkt oder indirekt von den Leistungen des Staates abhängen? Ist es gerecht, dass Börsenanleger so viel Geld verdienen können, während der Mittellose davon nicht profitiert? Ist es gerecht für alles Gerechtigkeit zu fordern? Ist es gerecht ein Gegner von Gerechtigkeit zu sein? Wie ist Ihre Meinung?

BörsenBlasenBoom

Apropos Börsenprofite, die sprudelten diese Woche wieder reichlich. Entgegen der gefühlten Sorgen um Inflation und Zinsen, markierte der Dow Jones Index bei 35.000 Punkten ein neues Allzeithoch und auch der DAX hat sich nahe an seine Hochs zurückgekämpft. Noch beeindruckender das Comeback des Goldpreises, welcher sich anschickt einen neuen Rohstoffzyklus einzuleiten. Und mittendrin der Börsengang des Hafermilch-produzenten Oatley, der trotz sehr ambitionierter Bewertung bei Erstnotiz nochmal 30% Zuwachs obendrauf legte. Besonders beeindruckend: Die Finanzindustrie hat den Influencer und Promimarkt wieder für sich entdeckt. Während meine Berufszunft bei jeder Empfehlung duzende von Disclaimern und Risikohinweise beachten muss, dürfen US Stars und Talkmaster wie Ophra Winfrey & Co, die im Pre-IPO schon Aktien bekommen haben, munter drauf los plaudern, um die Aktie zu empfehlen. Ist das erst der Beginn des Booms oder bereits die Blase an der Börse? Diese Woche Fragen über Fragen.

Ihr Volker Schilling

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6 Kommentare

  1. „Ist es gerecht, dass Börsenanleger so viel Geld verdienen können, während der Mittellose davon nicht profitiert? Ist es gerecht für alles Gerechtigkeit zu fordern?“

    Tja, das ist wohl eine Systemfrage. Die Börse erfüllt einen guten Zweck. Kapitalismus ist nicht gerecht, aber effizient, und am Ende können alle davon profitieren, wenn ihm Grenzen gesetzt werden.

    Die Liste der Gerechtigkeitsfragen lässt sich beliebig fortsetzen. Sind bspw. die Gehälter von Top-Managern oder Spitzen-Sportlern oder die Einnahmen von Künstler-Stars gerecht?

    Solche Debatten sind m. E. vielfach neidgetrieben. Würde man die Gehälter kürzen, hätten alle anderen auch nicht viel mehr Geld in der Tasche.

    „Gerechtigkeitswahn“ ist daher vielleicht ein treffender Ausdruck, und vielleicht ist das auch eine Eigenschaft der Deutschen. Warum gilt das deusche Steuerrecht als eines der kompliziertesten auf der Welt? Weil man es für alle gerecht machen will und daher tausend Ausnahmen und Absatzmöglichkeiten schafft.

    Das Gerechtigkeitsempfinden ist aber subjektiv. Selbst die besten Gesetzte können keine absolute Gerechtigkeit herstellen.

    Die Natur ist ungerecht. Ist es gerecht, dass manche Menschen mit Behinderungen oder dumm geboren werden? Manche mit Begabungen und andere komplett talentfrei? Könnten Gesetze das tatsächlich ausgleichen?

  2. Das hat nicht zwingend etwas mit Neid zu tun… bei Top-Managern ist es schwierig, es gibt welche, die machen wirklich einen guten Job, andere sind aber zweifelsohne wesentlich überbezahlt und haften für Fehler nicht mal persönlich…

    Für mich ein absoluter Dorn im Auge ist der Profi-Füßball (Männer), Formel 1 & Co… das ist doch der völlige Wahnsinn. Die leisten für die Gesellschaft in meinen Augen nichts und verdienen ein Schweinegeld… die Ablösesummen werden immer höher, TV-Gelder, neue Ligen damit noch mehr Kommerz.
    Es ist einfach nur beschämend, was eine Krankenschwester, Altenpflegerin, Paketbote, Reinigungskraft usw. verdienen und dann schau dir ein Profifußballer an, der ein paar Mal dumm gegen den Ball tritt… Ich boykottiere diesen völlig kommerziellen Profi-Sport und ziehe z.B. vor Menschen den Hut, die sich ehrenamtlich für die Tafel oder in anderen Dingen für die Gesellschaft engagieren, aber sicher nicht vor einem Profi-Fußballer, Formel 1 Fahrer oder völlig überbezahlten Investmentbankern…

    Man könnte die Debatte ewig führen und noch auf vieles ausdehnen, aber an vielen Stellen ist das System und die Gesellschaft inzwischen einfach nur krank…

  3. Noch eine Anmerkung zur Frage: „Ist es gerecht, dass Börsenanleger so viel Geld verdienen können, während der Mittellose davon nicht profitiert?“

    Wenn wir über Multimillionäre sprechen, erscheint mir das nicht gerecht. Aber viele Anleger sind keine Multimillionäre, sondern sorgen einfach nur für das Alter vor.

    Eigentlich will der Staat doch auch die private Altersvorsorge unterstützen. Von Bürgern, die das durch Aktiensparen machen, verlangt der Staat aber Kapitalertragssteuer, was dann an sich widersprüchlich ist.

    Stattdessen will der Staat, dass man zur Altersvorsorge bspw. einen Riester-Sparvertrag abschließt, der nicht besteuert und sogar staatlich gefördert wird. Darin sehe ich eine alberne und unsinnige Bevormundung des Bürgers. Zudem ist das eine überflüssige staatliche Subvention der Finanzindustrie.

    Vor vielen Jahren hatte ich auch einen Riester-Sparvertrag abgeschlossen, weil ich damals glaubte, so etwas müsse man haben. Die staatlichen Fördersummen werden allerdings durch die Verwaltungsgebühren und Fondskosten mehr als aufgefressen. Was für ein Unsinn! Viele Leute haben erkannt, dass ihre Riesterverträge nicht viel bringen und lassen sie daher ruhen. Ich habe mal in die Vertragsunterlagen geschaut. Für das „Ruhen lassen“ würden ebenfalls noch Zusatzkosten berechnet. Die hohen Provisionen beim Abschluss solcher Verträge sind zudem eine besondere Frechheit!

    Ich kann mein Geld selber viel besser verwalten und anlegen, als das die Riester-Versicherer und die vertraglich festgelegten Fonds machen – ohne Extragebühren. Warum will der Staat, dass die Bürger solche Schwachsinnsverträge abschließen anstatt echte Vorsorge zu betreiben?

    Also: Wenn der Staat das ernst meint mit der privaten Altersvorsorge, dann soll er doch die Riesterrente abschaffen und stattdessen die Freibeträge drastisch erhöhen. Bei sehr Vermögenden, bei denen es nicht mehr um Vorsorge geht, darf er von mir aus hingegen gerne abkassieren.

    • Sehr guter Beitrag Sandro, sehe ich 100 Prozent genauso. Ich habe nie Riester abgeschlossen, hatte nie eine Lebensversicherung… ich besitze nur zwei Rentenversicherungen, bei denen ich aber einen sehr hohen Garantiezins habe – sozusagen Glück gehabt beim Abschluss und deshalb lasse ich sie laufen.

      Früher habe ich mein Geld in Fonds angelegt (da gab es noch keine ETF bzw. waren nicht so bekannt). Ich stellte aber schnell fest bzw. stellte mir die Frage „wofür bekommen sie das Geld“? Die Performance war nicht zufriedenstellend und den Markt geschlagen, haben sie auch nicht. Sicher hatte ich nicht die beste Fondsgesellschaft rückblickend, aber seit 2007 sagte ich mir, ich brauche sie nicht, ich kann mein Geld auch allein verwalten und managen.

      Der einzige Vorteil von Altersvorsorgeprodukten und Riester, es wird nicht im Fall X bei Hartz IV angerechnet (glaube ich zumindest)… da ich aber nicht auf den Kopf gefallen bin und zudem arbeitswillig, ist bei mir Hartz IV ziemlich unwahrscheinlich. Einziges Risiko bleibt die Gesundheit, doch wenn es so ist, dass dies in Hartz IV mal mündet, fragt man sich dann auch, was nützt mir das Geld eh, wenn die Gesudnheit nicht mitspielt…

      Ich hoffe auch, dass gerade bei der Altersvorsorge die Aktienanlage wesentlich mehr gefördert wird… auch sollte Deutschland endlich mal ein Staatsfonds auflegen.

  4. Unsere Riesterverträge erfüllen mich mit kalter Wut. Sie verlieren jedes Jahr 5% wegen der Gebühren. Und wenn ich sie liquidiere, was ich aus Altersgründen könnte, komme ich noch weiter in die Steuerprogression. Ich könnte eine Bombe in dieses System werfen.

    Gegenwärtig habe ich mir vorgenommen, sie zu kündigen, wenn die Börse mal kräftig fällt. Aber das passiert ja auch nicht. Also kann ich nur dumm aus der Wäsche gucken.

  5. Zur Altersvorsorge:

    Wirklich etwas für die Altersvorsorge konnte ich tun, als in den 90ern Kursgewinne nach einem Jahr steuerfrei waren. Jetzt ist es wegen der Besteuerung der Kapitalgewinne wesentlich schwieriger, aus schon einmal versteuertem Vermögen mehr zu machen.

    Den Vorschlag, die Freibeträge wesentlich zu erhöhen, finde ich gut und richtig. Das muss dann aber in die Höhe von mindestens 10.000,- € pro Person und Jahr gehen. Sonst ist der Effekt für die Ergänzung der Altersbezüge zu gering.

    Immerhin ist die Besteuerung der Börsenerträge niedriger als die von Immobilieneinnahmen. (Kommt auf den persönlichen Steuersatz an.) Deshalb habe ich zu gegenwärtigen Preisen eine Mietimmobilie nach 10 Jahren Haltedauer verkauft. Seitdem muss ich keine Steuervorauszahlungen mehr leisten. – Ist ja auch schon was.

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