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Greiffbar – Investments zum Anfassen

12. Juli 2019 - Volker Schilling in Gastbeitrag | 9 Kommentare

Welche Themen waren diese Woche am Finanzmarkt relevant?

  • Es war einmal eine stolze Deutsche Bank
  • Der tapfere Ritter aus Frankreich
  • Und wenn sie nicht gestorben sind, so haussieren sie noch morgen

Es war einmal…

Ich selbst hatte meine Ausbildung Anfang der 90er Jahre bei der Deutschen Bank begonnen. Stolz wurde uns Auszubildenden die Leistungskraft und das Selbstverständnis der Deutschen Bank vermittelt. Alfred Herrhausen hieß mein tapferer Held und Vorbild. Doch schon bald merkte ich, dass die Antagonisten meiner Helden das Ruder übernommen hatten. Das tapfere Schneiderlein war plötzlich ein skrupelloser Baulöwe, der anscheinend von den Rumpelstilzchen der Deutschen Bank mit Peanuts angelockt wurde, um aus Stroh Gold zu spinnen. Für mich war das der Beginn des Untergangs der ach so stolzen Bank. Vorbei sind die Zeiten des Tischlein deck dich, wo man sich ordentlich mit Boni bediente. Der Tisch wird aktuell um 18.000 Plätze verkleinert. Vorbei die Zeiten des Goldesels, der Eigenkapitalrenditen von 25% erwirtschaften sollte. Der aktuelle Quartalsverlust liegt bei 500 Millionen. Jetzt kommt der Knüppel aus dem Sack: Das US-Justizministerium hat eine weitere Untersuchung angestoßen im Rahmen des skandalträchtigen Malaysischen Staatsfonds. Mit anderen Worten: Die Deutsche Bank kommt nicht zur Ruhe. Aus dem einstigen Goldklumpen ist ein schwerer Schleifstein geworden, der Christian Sewing schwer um den Hals hängt.

Ritter Blaubart

Im gleichnamigen Märchen überreicht Ritter Blaubart seiner Frau einen Schlüssel mit dem Versprechen Ihrerseits, damit eine bestimmte Kammer im Schloss nicht zu öffnen. So ähnlich geht Ritter Emanuel Macron derzeit in Frankreich vor, nur, dass er die Kammer gleich selbst öffnet. Die Rede ist von einer Digitalsteuer für Internetkonzerne. Da er es nicht geschafft hat auf europäischer Ebene eine derartige Steuer durchzusetzen, öffnet er jetzt als einziger die Kammer in seinem Schloss in Frankreich. 3% will er einkassieren auf den Umsatz der Internetaktiven. Macron zeigt damit erneut, dass er ein Macher ist, einer der voran reitet und tapfer Signale der Gestaltung sendet. Gleichzeitig bleiben die anderen Ritter der europäischen Tafelrunde zögernd und abwartend. Wohl wissend, dass es den heiligen Gral nicht gibt, wollen Sie erst einmal abwarten, ob Macron damit durchkommt. Im gleichnamigen Märchen Blaubart ist der mächtige Ritter, dann doch selbst auf der Strecke geblieben. Bezeichnenderweise durch die angeheiratete Familie selbst ermordet.

Und wenn sie nicht gestorben sind…

Eine Börsenhausse stirbt in Euphorie und nicht in Selbstzweifel. In diesem Sinne haben die amerikanischen Börsen Dow, S&P und Co neue Höchststände erreicht ohne dass darüber groß berichtet, geschweige denn gefeiert wurde. Im Gegenteil, die “Mauer der Angst”, also all die Unsicherheiten an den Kapitalmärkten und den politischen Fronten bestimmen die Börsenberichterstattung. So endet kein Märchen. Fazit: Der aktuelle Börsenanstieg wird weitergehen, auch wenn es kleinere Korrekturen geben wird. Dafür sorgen vor allem die Protagonisten der Notenbanken, die als nächstes dem Börsenmärchen als gute Feen zur Seite stehen werden. Die böse Schwiegermutter Rezession oder Zinsanstieg dagegen sitzt noch hinter den sieben Bergen. Manchmal klingt eben doch alles wie ein Märchen. Zu schön, um wahr zu sein.

Ihr Volker Schilling

9 Kommentare

  1. Herr Schilling, vielen Dank für Ihr Posting und insbesondere zur Markteinschätzung. Contra gibt es von meiner Seite trotzdem…;-)

    1) „Macron zeigt damit erneut, dass er ein Macher ist, einer der voran reitet und tapfer Signale der Gestaltung sendet“

    Sie erinnern sich an den „tapferen“ Francois Hollande und seine angeblich geplante „Reichensteuer“ i.H.v. 75% – diese wurde sehr schnell einkassiert. Genauso ist die „Digitalsteuer“ lediglich ein Luftschloss zur temporären Steigerung der Popularitätswerte, ohne ernsthaften Nachdruck, wohl wissend, dass die Digitalsteuer scheitern wird wie die Reichensteuer. Durchschauen Sie dieses Spiel nicht?

    – Dass Trump am längeren Hebel sitzt als Macron versteht sich von selber,
    – dass die Wirtschaft und das Kapital dahin wandert wo die Steuern niedrig sind ebenso.

    2) „Fazit: Der aktuelle Börsenanstieg wird weitergehen, auch wenn es kleinere Korrekturen geben wird. Dafür sorgen vor allem die Protagonisten der Notenbanken, die als nächstes dem Börsenmärchen als gute Feen zur Seite stehen werden. Die böse Schwiegermutter Rezession oder Zinsanstieg dagegen sitzt noch hinter den sieben Bergen. “

    Die Zinssenkungsfantasien dürften bereits eingepreist sein im S&P 500. Ein saftiges neuen QE dürfte erst dann gestartet werden, wenn es einen saftigen Rücksetzer gegeben hat – also mehr als „eine kleine Korrektur“.

    • Die Niedrigzinsphase überlagert alles. Buy the dip. Woran machen Sie fest, dass die Zinssenkungsfantasien im S&P 500 eingepreist sind? Quasi KGV 10-jährige US Staatsanleihen ca. 50. Liegt das Durchschnitts-KGV im S&P 500 bei ca. 50? Was schlagen Sie als Alternative zur Aktienanlage vor?

    • Lieber Michael K.,

      nur so funktioniert ja die Börse. Es muss unterschiedliche Einschätzungen geben. Und schön, dass wir in solchen Foren darüber disskutieren können.

      Zu Macron: Ich muss da nichts durchschauen, denn meine Äußerungen zielten einzig und alleine darauf ab, dass Macron ein „Macher“ ist und keine Zögerer. Davon haben wir in der Politik, wie ich finde leider zu wenige, denn wer lange an der Macht bleiben will, der ist anscheinend besser beraten ein „Unterlasser“ zu sein. Nur das stößt keinen Fortschritt an. Ich glaube, auch Macron weiß, dass er mit seinem Alleingang nichts ausrichten wird, aber er weiß auch, dass er ein Signal sendet. Manchmal kann das entscheidend sein. Fragen Sie mal einen aus tiefster Not Geretteten.

      Zum Thema Zinssenkungen. Ja der Markt erwartet ganz klar als nächstes eine Zinssenkung von FED Chef Powell und er wird liefern, das hat er in der letzten Anhörung klar gemacht. Ja der Markt erwartet mit Frau Lagarde weiter „Easy Money“ von der EZB und nach Ihren bisherigen Äußerungen wird dies auch pasieren. Und ja, der Markt würde alles andere übel nehmen. Außer eines: Mehr Zinssenkungen und mehr Easy Money. Und je mehr Quartalsberichte aktuell schlechter ausfallen, die Ausblicke sich eintrüben und politische Scharmützel weiter ausgetragen werden, desto wahrscheinlicher wird dieses Szenario. Ich bleibe daher weiter bullisch.

      LG Volker Schilling

      • Charles de Gaulle war ein Macher.

        Macron wurde aus dem Hut gezaubert, weil die Franzosen den Sozialisten nach Hollande nicht mehr glauben und Francois Fillon von den Konservativen verhindert werden sollte.

        Francois Fillon wollte u.a. eine Annähreung an Russland und innerhalb der EU eine Stärkung der Nationalstaaten – deshalb wurde bei Fillion eine Affäre medial aufgebauscht.
        https://de.wikipedia.org/wiki/Fran%C3%A7ois_Fillon#Sieg_bei_den_Vorwahlen_der_Republikaner

        So funktioniert Politik.

        • Nur weil jemand aus dem Hut gezaubert wird, heißt das nicht, dass er nur untätig rumsitzt. Man kann Macron nicht vorwerfen, dass er nichts verändern will. Man kann ihm vorwerfen, dass er die anderen (politischen Mitstreiter, wie seine Bürger) nicht überzeugen konnte seine Ideen zu verfolgen. Jetzt verfolgen seine Ideen ihn.

  2. Dass die Rezession noch hinter den sieben Bergen sitzt, glaube ich nach den deutlichen Gewinnwarnungen einiger Unternehmen jetzt die Tage allerdings nicht… der Zinsanstieg sitzt noch weit hinter den sieben Bergen, da stimme ich zu…

    Zinssenkungen sind schon vorweg genommen und einen Einbruch der Aktienmärkte bei einer kleinen Rezession glaube ich allerdings auch nicht… denn die Korrektur bei einzelnen Werten innerhalb des letzten Jahres ist bereits massiv, die Zinssenkungen stützen zudem und wie Herr Schilling richtig vermerkt, von einer Euphorie sind wir noch weit entfernt…

    Glaube nicht das eine saftiges neues QE kommt…

  3. BASF, Aumann, Krones, Deutz, Washtec,Daimler Was vereint diese Aktien mit einander, man nennt es Gewinnwarnung und deutliche Kursrückgänge.
    Der Gesamtmarkt läuft so als ob die Gewinnwarnungen nicht
    vorhanden wären. Kein Anstieg und kein deutliches fallen des
    Gesamtmarktes. Ein Abstieg der Börsen wird wie immer schnell
    und abrupt erfolgen. Vermutlich August,September 2019.

    • Never fight the fed….

  4. Wir werden ja sehen, wohin der Markt sich bewegt. Ich halte es jedenfalls mit der Templeton-Kurve und glaube, dass ich da in guter Gesellschaft bin. (Bull markets don’t die of old age. They die in euphoria.)

    Dennoch halte ich auch Gold und Goldminen, um auch von der Mauer der Angst (Phase des Skeptizismus) zu profitieren. Dieses Jahr hat das sehr gut geklappt (bisher).

    Im Großen und Ganzen sehe ich das wie Herr Schilling. Leider hat er nicht verraten, wie er die Art seiner jetzigen Tätigkeit von der der Deutschen Bank unterschieden sieht.

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