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Greiffbar – Investments zum Anfassen

3. April 2020 - Volker Schilling in Gastbeitrag | 16 Kommentare

Welche Themen waren diese Woche am Finanzmarkt relevant?

  • Fisimatenten
  • Kinkerlitzchen
  • Verhohnepiepelung

Fisimatenten

Umgangssprachlich würde man Fisimatenten wohl als Unsinn oder Blödsinn bezeichnen. Und genau das tut die Bundesregierung, wenn sie die wiederholten Anstrengungen der Südeuropäer nach einer gemeinsamen Schuldenunion abtut. Dabei verkennt man wohl, dass der Begriff wahrscheinlich auf die mittelalterliche lateinische Amtssprache zurückgeht in der „Visea patentes“, ein ordnungsgemäß verliehenes Patent, darstellt. Also ein bürokratischer Akt, der aufgrund seiner übertriebenen Beschäftigung des Amtsschimmels und einem unnötigen Schutz ins lächerliche gezogen wurde. Hat es was genützt? Nein. Mit Humor mag das eine oder andere wohl besser zu ertragen sein, aber kommen wird es, so oder so. Und da man das große Übel von unbegrenzten Eurobonds auf alle europäische Schulden mit einer gemeinschaftlichen Haftung auf alle Fälle vermeiden will, wird das kleinere Übel plötzlich attraktiv. Das lautet: begrenzte gemeinsame Schuldenaufnahme mit speziellen Coronaanleihen! Der Name ist dabei wohl zweitrangig, aber wenn ich einen Vorschlag machen dürfte, fände ich Fisimatenten-Bonds gar nicht so schlecht.

Kinkerlitzchen

Ein Kinkerlitzchen dagegen ist die anhaltende Diskussion über den Mundschutz für die Bevölkerung. Dem ein oder anderen dabei den Mund zu verbieten reicht aber noch nicht aus. Vielmehr wechseln die Meinungen dazu derzeit schneller, als die Besitzer den selbigen. Kurzum: Mir sind keine Fakten bekannt, außer dem Vermummungsverbot, dass ein wie auch immer gebauter Mundschutz einen Schaden verursacht. Ja, das Küssen wird schwieriger und sollten sie den Mundschutz aus luftundurchlässigen Materialen bauen, wird es auch schwierig. Aber im Großen und Ganzen ersparen Sie wahrscheinlich sich und ihren Mitmenschen mögliche Übertragungen. Ungewohnt wird es für uns allemal, aber einen Versuch ist es wert. Kurzum: Es ist ein Kinkerlitzchen in Anbetracht der wirklich drängenderen Probleme im Zusammenhang mit Corona. Den Begriff „Kinkerlitzchen“ finde ich übrigens hier sehr passend. Warum? Es ist ein umgangssprachlicher Begriff des „Volksmundes“. Das passt also zu einem Mundschutz.

Verhohnepiepelung

Will uns dieser Mann ständig verhohnepiepeln? Die Rede ist von Donald Trump. Erst Corona verharmlosen, dann zaghaft agieren und jetzt mit der Zahl der Erkrankten und Toten an der Spitze rangieren. Apropos Zahl: Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosigkeit ist in den USA in den letzten zwei Wochen auf 10 Mio. gestiegen. Börseneinbruch und Massenarbeitslosigkeit: Wollte sich Trump nicht an diesen Ergebnissen messen lassen? Ich bin gespannt, wie die Wahlen in diesem Jahr in den USA ausgehen werden. Einerseits tauschen die Amerikaner keinen Präsidenten in Krisenzeiten aus, andererseits könnte das Vertrauen der Amerikaner schwinden, wenn die Krise noch härter wird. Man muss aber auch attestieren, dass die Gegenspieler Trumps auf Seiten der Demokraten derzeit wenig an Lösungen anzubieten haben. Was macht Trump derweil: Er widmet sich dem Ölpreisverfall und posaunt mögliche Lösungen zwischen Russland und Saudi-Arabien heraus, die wohl eher seinem Wunschdenken, als der Realität entlehnt sind. Einmal mehr fühlen sich wieder viele Beobachter der Szenerie verhonepiepelt. Dem schwer angeschlagenen Ölpreis allerdings gefällt die verbale Intervention und springt aus dem Stand 30% in die Höhe. Mal sehen, was sich Trump als nächstes einfallen lässt.

Ihr Volker Schilling

16 Kommentare

  1. „Die Rede ist von Donald Trump. Erst Corona verharmlosen,“

    Haben die hiesigen Politiker und Medien gemacht, schon vergessen? Einfach mal die Presseartikel und Statements von Anfang Februar nachlesen…in Deutschland wurde de facto verharmlost – bewusst? Ich habe Ende Januar hier im Forum vor Corona gewarnt („gamechanger“).

    Faktencheck: Die USA haben frühzeitig ein Einreiseverbot für Chinesen verhängt. In Deutschland hingegen durften noch alle einreisen, damit sie rechtzeitig auf die Faschingsfeiern kommen. Warum ist denn NRW ein Hotspot in Deutschland? Hat der künftige Kanzler Laschet toll gemacht.

    Klar, es ist hipp aus Deutschland auf den schlimmen Trump zu zeigen. Nur interessiert das in den USA niemanden, denn Europa verspielt mehr und mehr seine Wettbewerbsfähigkeit. Wer kann denn wen aufkaufen?

    Tja, und wenn Deutschland seine Schulden reduzieren muss aufgrund der Schuldenverallgemeinerung heisst es, PRIVATISIERUNGEN bspw von Autobahnen und weiterem Staatseigentum vorantreiben. Dann kaufen die Chinesen und US-Konzerne. Letztere können kaufen, weil Trump die Interessen seines eigenen Landes an erster Stelle setzt. So, wie übrigens China, Russland, Indien, Israel, Schweiz, die Türkei, Brasilien, Ägypten, und die meisten Staaten auch.

    Trump job approval:-)
    https://news.gallup.com/poll/203207/trump-job-approval-weekly.aspx

    • Na ja, das Virus wurde in so ziemlich jedem Land erst einmal verharmlost. Immer wieder wurden verharmlosende Vergleiche zur saisonalen Grippe gezogen. Dass das Corona-Virus aber viel ansteckender ist, wurde dabei ignoriert. Aus Deutschland wurden zunächst sogar noch Schutzmasken nach China geschickt, anstatt eine heimische Produktion von Schutzmasken anzukurbeln – sei es auch nur präventiv. warum die Epidemie in nahezu jedem Land der Welt erst einmal verharmlost worden ist, lässt sich vermutlich nur psychologisch erklären.

    • Oh, ich kann Trump sehr wohl als nüchterner Betrachter sehen und auf seinem Stuhl Platz nehmen, um die Perspektiven zu erkennen. In meinen Beiträgen geht es keineswegs um pauschales Trump Bashing. Aber in Sachen Verharmlosung und Revisionismus hat Trump leider auch hier wieder Maßstäbe gesetzt. Unbestritten hat keiner der westlichen Staatslenker mit besonderer Weitsicht geglänzt, aber Trump hat darüberhinaus in seiner ihm eigenen Art die Verharmlosung übertrieben. Der Spiegel hat heute dazu auch einen interessanten Beitrag am Start: https://www.spiegel.de/politik/ausland/usa-und-coronavirus-was-donald-trump-sagt-und-wie-es-wirklich-ist-a-324204e1-cae7-4500-8284-780e6bf6d71a

  2. Die Zahlen der Erkrankten und Toten sollten zuerst in Relation zur Bevölkerungszahl gesetzt und dann verglichen werden. Alles andere ist Polemik. Warum immer die „böse“ USA (Ungarn, Großbritannien) …)? Falsche Ideologie? Die links regierten Staaten Italien und Spanien liegen weit näher und wären ein wirkliches Thema!

    • Ja, da haben Sie recht. Und in dieser Hinsicht sind Italien und Spanien tatsächlich die Krisenherde. Die USA ist aber inzwischen auch in die Top Ten in dieser Statistik aufgerückt. Ich habe auch kein einziges mal die USA als „böse“ bezeichnet. Das liegt mir sehr fern, da ich selbst viele Freunde dort habe. Mir ging es vielmehr um das rethorische Verhalten des amtierenden Präsidenten, dem man wohl inzwischen jede Bemerkung, sei sie noch so absurd,einfach durchgehen läßt.

  3. Ich kann dazu nur sagen, wenn wir jetzt nicht begreifen, daß wir ein gemeinsames Europa brauchen, Schulden vergemeinschaften hin oder her, dann werden wir es nie begreifen.

    Deutschland ist jedenfalls alleine niemals ein Global Player.

    Eine starke, vereinte, gemeinsame EU könnte hingegen sehr wohl ein Global Player sein.

    „Umgangssprachlich würde man Fisimatenten wohl als Unsinn oder Blödsinn bezeichnen. Und genau das tut die Bundesregierung, wenn sie die wiederholten Anstrengungen der Südeuropäer nach einer gemeinsamen Schuldenunion abtut. “

    Dem kann ich nur zustimmen. Die Bundesregierung verspielt gerade die Chance die EU zu einem Global Player auszubauen.

  4. Es ist wieder so, wie jedes Mal.
    Deutschland war auf einem guten Weg, die Staatsverschuldung ging runter, usw.

    Jetzt schreien die nach Eurobonds, die ihren Laden in der langen guten Zeit nicht im Griff gehabt haben.

    So ist es beim Städtefinanzausgleich, Länderfinanzausgleich, und auch in Europa. Wer lacht zuletzt, die Briten?

    • Ich bin zwar auch nicht für Eurobonds… aber in diesem Fall halte ich Corona-Bonds in vorher festgelegtem und begrenztem Umfang für richtig!! Für diese Sache jetzt kann niemand etwas und es ist richtig und unsere Pflicht, dass Europa – JETZT WANN SONST – auch Solidarität zeigt und zusammenhält… einzelne Staaten selbst Deutschland spielen zukünftig keine wesentliche Rolle mehr, nur Gesamteuropa auftretend in vielen Bereichen kann noch eine entscheidende Stimme auf der Welt behalten.

      • Solidarität ist das eine, die dafür notwendigen Instrument das andere. Wenn wir uns einig sind, dass wir schnell, unkompliziert und wirksam helfen wollen, dann ist das Instrument der Eurobonds aktuelle zu langsam, rechtlich kompliziert und eher mittel bis langfristig wirksam. Ich denke, dass man in der aktuellen Lage effizienter, solidarischer und schneller helfen kann, indem man die Mittel für Krisen freisetzt, die die EU vorhält. Dazu ist der Einsatz des ESM als bereits etabliertes und bestehendes Instrument schnell verfügbar und im Einsatz erprobt. Ich plädiere dafür, das Thema Corona- oder Eurobonds in Ruhe nach der Krise zu besprechen. Jetzt erst einmal Feuer löschen mit den bereits installierten Vorkehrungen, danach den Brandschutz überdenken und Lösungen finden.

    • Was passiert eigentlich in unserem Geldsystem, wenn alle versuchen ihre Schulden zu verringern? Oder anders gefragt, wenn z. B. Deutschland Schulden abbaut, was sind die Folgen?
      A) Die Geldvermögen schrumpfen
      B) Es kommt zu Zahlungsausfällen
      C) Die Geldmenge sinkt
      D) Elon Musk fährt mit einem Tesla einmal um die Welt ohne nachzuladen
      Damit das nicht passiert, was müssen andere machen, wenn einer seine Schulden abbaut?

      • Die Antwort ist einfach: Das geht schlichtweg nicht. In diesem System können Schulden in großem Stil nicht abgebaut werden. Die Herleitung ist so simpel. Vermutlich ZU simpel für unsere hoch dotierten Wirtschaftswissenschaftler 😂

      • Jemand anderem Geld leihen.

    • Wie war, wie war.
      Da gab es mal ein Sprichwort, das hieß.
      Spare in der Zeit, dann hast du in der Not.
      Schade das so was in Europa keinen interresiert.
      Wie mann ja gut sieht ist sich bis auf verschwindend geringe
      Ausnahmen jeder sich selbst der nächste.
      Besonders auffallend ist es östlich und südöstlich von uns zu
      sehen . Europa ist halt doch nur ein geographischer und
      theoretischer Begriff wie mann unschwer erkennen kann und sich jeden Tag in den Nachrichten wieder bestätigt.

  5. Es geht darum, die größte humanitäre Krise zu bewältigen, die die Meisten von uns jemals erlebt haben.

    Reduziert doch die Krise nicht auf das Thema Schulden!

    Es geht um die Frage “Notdürftig retten oder kraftvoll gegensteuern?”

    Mario Draghi hat das verstanden, Hans-Werner Sinn offenbar nicht.

    Der folgende Artikel der Volkswirtin Friederike Spieker erklärt das.

    Der Sachverständigenrat glaubt an eine V-Entwicklung. Da der Kapitalstock vorhanden ist und die Produktionsfaktoren Arbeit und Kapital auch, näme die Produktion nach der Krise sofort wieder Fahrt auf.

    Das kann aber nur klappen, wenn “der monetäre Kreislauf möglichst auf Vorkrisenumfang fortgeführt wird”. Eine monetäre Brücke ist für alle so überlebenswichtig, wie es die Luftbrücke für Berlin war.

    Sonst wird “einzelwirtschaftliches Rationalverhalten in der Summe allen schaden”. Weil alle sparen, abwarten, Vorsicht walten lassen, anstatt sofort wieder auf Vorkrisenniveau zu schalten. “Aus Parallelverhalten „nach unten“ folgt überbordendes Sparverhalten mit drohendem Wirtschaftseinbruch und Deflationsrisiken”. Das kann nur mit “whatever it takes” bekämpft werden.

    Ob der Güterberg aber tatsächlich “nach”produziert werden wird, hängt eben von der Nachfrage ab. Und die hängt vom Geld ab, das die Menschen zur Verfügung und vom Vertrauen, das sie in eine schnelle Überwindung der Krise haben.

    “Nur wenn sich der Staat gegen den Einbruch der Finanzströme stemmt, können massive, völlig rationale Sparversuche der Privaten verhindert werden.”

    Details hier: Nicht vom lilafarbenen Kasten “Nichts schreibt sich von allein!” abhalten lassen. Alle Artikel sind derzeit für alle Leser freigeschaltet.

    https://makroskop.eu/2020/04/58060/

  6. So schlimm kann der Coronavirus nicht sein, wenn es das Robert Koch Institut nicht für nötig hält alle angeblichen Corona Toten, deren Zahl ständig in den deutschen Qualitätsmedien verbreitet wird, zu obduzieren. Man möchte meinen, dass sei höchste Priorität bei den wirtschaftlichen Schäden und Einschränkungen der Bürgerrechte

    https://youtu.be/gSn_YaOYYcY

    Auch gibt die Hamburger Gesundheitsbehörde geringere Todeszahlen für Hamburg bekannt als das Robert Koch Institut.

    https://youtu.be/EsAKe7frozI

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