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Greiffbar – Investments zum Anfassen

11. September 2020 - Volker Schilling in Gastbeitrag | 20 Kommentare

Greiffbar - Investments zum Anfassen von Volker Schilling

Welche Themen waren diese Woche am Finanzmarkt relevant?

  • Splendid Isolation
  • Battery Day
  • Indian Trade Company

Splendid Isolation

Da ist sie wieder, die Brexit-Schlagzeile. Wochenlang habe ich im letzten Jahr über den Brexit geschrieben, dann war alles vom Tisch, und jetzt geht’s wieder los. Die spinnen die Briten, möchte wohl der Verhandlungsführer der Gallier, Michel Barnier, gerade lauthals verkünden. Tory Führer und britischer Premierminister Boris Johnson stellt sich nicht nur quer bei den aktuellen Vertragsverhandlungen zum Austritt, nein, auch den mühsam ausgehandelten Austrittsvertrag selbst will er nochmal verändern. Pacta sunt servanda, möchte da der romanische Teil in Barnier dem lieben Johnson zurufen. Die Börsen beeindruckt das erneute Geplänkel um den Austritt Großbritanniens wenig. Allerdings scheint mir die Strategie von Boris Johnson, das Fass erneut aufzumachen, zu verkennen, dass es sich hier um ein Pulverfass handelt, auf dem er zudem selbst sitzt. Die Allmachts-Fantasien des Premierministers, die Briten wieder in eine Splendid Isolation zu führen, könnte sich als Supergau herausstellen. Boris Johnson sieht sich als Winston Churchill seiner Zeit: Standhaft, unkonventionell und querdenkend. Doch die Eigen- und Fremdwahrnehmung klafft weit auseinander: Die Abspaltung von der EU ist ein Teil, die Spaltung innerhalb der eigenen Bevölkerung ein anderer, und selbst in seiner Partei regt sich jetzt massiver Widerstand. Meine Vermutung: Fatale Folgen für die britische Wirtschaft wie rapider Verfall des britischen Pfunds, massiver Verkaufsdruck auf britischen Staatsanleihen (der wiederum von der britischen Notenbank durch Aufkäufe stabilisiert werden müssen) und ein Wirtschaftseinbruch, der Johnson das Amt kosten wird. Dann lebt er in seiner eigenen Splendid Isolation.

Battery Day

1993 warb die Firma Duracell mit dem Slogan: You can’t top the copper top! Und ein pinkfarbener Plüschhase trommelte unaufhörlich vor sich hin. Heute trommelt lauthals ein anderer bunter Hase der neuen Elektrowelt: Elon Musk. Am 22. September hat er den „Tesla Battery Day“ ins Leben gerufen. Dort wird er nach eigenen Tweets eine revolutionäre Ankündigung zur künftigen Batterietechnologie vornehmen. Darauf darf man gespannt sein, auch wenn Musk gerne den Superlativ ankündigt und dann nur den Komparativ liefert. Die Tesla-Aktionäre feiern schon im Vorfeld und wissen diese Woche nicht, ob sie die Aktie hochjubeln oder besser auf dem Niveau abverkaufen sollen. Die Tagesschwankungen waren diese Woche extrem hoch. Ich bin der Meinung, dass Sie auf diesen Wert derzeit nicht weiter spekulieren sollten. Schauen Sie sich lieber an, mit wem Tesla in der Entwicklung von neuer Batterietechnologie steht. Dort werden Sie schnell auf den Namen Panasonic stoßen, die am 22. September Teil des Battery Day sein werden. Mir scheint die Aktie von Panasonic deutlich attraktiver und auf dem aktuellen Niveau ohnehin viel spannender. In diesem Sinne schließt sich der Kreis wieder, denn 1993 steckten die Batterien noch in meiner Boombox der 90er, dem Ghettoblaster von Panasonic.

Indian Trade Company

Von einem Superlativ zum nächsten: Diese Woche kursierten Gerüchte, dass Jeff Bezos mit Amazon 40% an Reliance Industries Ltd. erwerben will. Reliance Industries ist Indiens größtes privates Unternehmen und im Besitz des reichsten Inders Mukesh Ambani. Der verhandelt anscheinend mit dem reichsten Amerikaner, um einen Handelskoloss zu erschaffen. 20 Milliarden will Bezos für den 40%igen Anteil ausgeben. Dass wäre nicht nur Amazons größter Deal, sondern auch das größte Geschäft, welches jemals in Indien umgesetzt wurde. Damit würde sich Amazon in einen der größten und stark wachsenden Märkte der Welt einkaufen. Diesen Deal sollten Sie im Auge behalten.

Ihr Volker Schilling

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20 Kommentare

  1. 1) Die Menschen vor Ort in Großbritannien werden wissen, warum sie mehrheitlich für den Brexit gestimmt haben.

    2) Großbritannien hat bereits einen Deal mit Japan geschlossen – also keine ’splendid isolation‘.

    3) richtig, der Brexit ist für die Börsen irrelevant. Da wir aktuell von den Medien mit dem Thema COVID-19 dauerbeschallt werden, findet sich der Brexit auch kaum in der Berichterstattung wieder.

    4) „Die Abspaltung von der EU ist ein Teil, die Spaltung innerhalb der eigenen Bevölkerung ein anderer“
    Lieber erst einmal die Spaltung der eigenen Bevölkerung kitten, und die katastrophale Verarmung der EU-Bevölkerung stoppen und umkehren. Es wird schlimmer werden, denn die „Coronarettungspakete“ müssen durch Einsparungen finanziert werden. In Griechenland gibt es neue Kürzungen der Sozialleistung, insbesondere der Renten. Ein Vorbote für Deutschland…

    5) „Meine Vermutung: Fatale Folgen für die britische Wirtschaft“
    Meine Vermutung: langfristig hervorragend für Großbritannien. Keine EU-Transferunion, sondern ‚GB first‘. Die Briten könnten dem Beispiel der Schweiz und Norwegen folgen – deren Bevölkerung weiß sehr wohl, warum sie der EU NICHT beitreten. Deren Wirtschaft floriert, deren Renten sind sicher.

    ABER: da Biden Trump besiegen wird, werden die Globalisten wieder unisono die Agenda bestimmen. Johnson verliert mit Trump einen Verbündeten.

    Panasonic: kein schöner Chart…und offensichtlich nicht mehr der erfolgreiche Player, der sie in der Vergangenheit mal waren…warum also auf Verlierer setzen?

    • Zur US-Wahl:

      Vor der letzten Wahl hätte ich nie gedacht, das Trump tatsächlich Präsident werden könnte. Diesmal meine ich, hat er gute Chancen die Wahl zu gewinnen. Trotz der Umfragewerte. Besonders aus zwei Gründen:

      1. Corona: Sehr viele Infizierte, aber relativ wenige Tote. Das Sozialsystem dort ist nicht mit Deutschland vergleichbar. Dort bedeutet Jobverlust für viele eine Katastrophe. Es gibt mehr Amerikaner die unter den wirtschaftlichen Folgen der Einschränkungen leiden, als am Virus. Auch wenn man nach Südamerika blickt, sieht man, das Länder mit besonders strengen Regeln ähnlich viele Infizierte / Tote haben wie Brasilien. Daher denke ich, das die Mehrheit keinen neuen Lockdown riskieren will.

      2. BLM: Es ist eine Sache, vor laufender Kamera Anti-Rassismus-Parolen aufzusagen. Ob die Begeisterung, künftig noch mehr Geld in Sozialprogramme für Schwarze zu stecken, bei einer anonymen Wahl, genauso Gross ist, würde ich bezweifeln. Und das die Polizei, aus Angst vor Konsequenzen, künftig Kriminelle lieber laufen lässt, sowie die sich wehren, dürfte auch vielen nicht gefallen. Die ersten Sportler, die niederknieten, waren mutig. Inzwischen ist das zu einem nervtötenden Ritual geworden. Ich denke viel mehr US-Bürger haben genug von den „überwiegend friedlichen“ Protesten, als das bei Umfragen sagen.

      Mal sehen ob ich wieder falsch liege. Ist aber auch egal. Denn wenn man die Rhetorik der Politiker ignoriert und nur auf die Fakten / Gesetze schaut, sind die Unterschiede eh nur minimal. Nicht nur in den USA. Schon vor Trump wurde die Grenze zu Mexiko geschützt. Auch unter Trump ist die Zahl der Einwanderer gestiegen, nicht gesunken. Und Friedensnobelpreisträger Obama hat weder Frieden gebracht, noch Guantanamo geschlossen. Reden bzw. Tweets sind das eine, die Realpolitik ist das andere. Das Thema „Dieser Irre darf niemals die Atomcodes bekommen“ wird diesmal wohl nicht wirken.

    • Zu deinem Kommentar: „1) Die Menschen vor Ort in Großbritannien werden wissen, warum sie mehrheitlich für den Brexit gestimmt haben.“

      Hm.. also ich habe noch ein bisschen die Debatten nach der Brexit-Abstimmung in Erinnerung – mittlerweile ist es lange her. Damals hatten viele Briten gar nicht mitabgestimmt und dies im Anschluss sehr bereut. Seitens Mitglieder der früheren UK Independence Party und späteren Brexit-Party mit Nigel Farage wurden alle Stammtisch-Parolen bedient, sehr populistisch die Werbetrommel für den Brexit gerührt, mit vielen frei erfundenen Märchen über die ach so schlimme EU. Nicht Wenige sind diesem Treiben auf den Leim gegangen. Das ERgebnis der Abstimmung war denkbar knapp 51,89 % der Abstimmenden ware für den Brexit. Wenn ich mich recht erinnere, war nach der Brexit-Abstimmung laut Umfragen hingegen tatsächlich die Mehrheit der Briten gegen den Brexit, nur haben eben viele nicht mitabgestimmt. Das war ja gerade das Debakel. Vielleicht ist Mehrheit der Briten mittlerweile aber längst für den Brexit. Dass die Menschen vor Ort in Großbritannien wissen werden, warum sie mehrheitlich für den Brexit gestimmt haben, halte ich allerdings für mehr als fraglich. Wussten sie es denn damals?

      Die EU mag ihre Schwächen haben. Aber schließlich leben wir in einer zusammengewachsenen Welt, in der alle kooperieren müssen, was freilich auch ohne EU geht, aber im Zweifelsfall nicht einfacher ist. Wenn jedes Land nur noch schreit: „America first“, „GB first“, „Germany first“, etc…, dann ist das m. E. ein Rückschritt. Das geht eher in die Richtung der Stammtischparolen von Leuten, die an einfache Lösungen glauben wollen, welche es aber oft nicht gibt. Wobei ich finde, dass auch ein Donald Trump in mancher Hinsicht recht hat, was etwa den Handelsstreit betrifft.

      Zu deinem Kommentar: „4) … Es wird schlimmer werden, denn die „Coronarettungspakete“ müssen durch Einsparungen finanziert werden. In Griechenland gibt es neue Kürzungen der Sozialleistung, insbesondere der Renten. Ein Vorbote für Deutschland…“

      Ich sehe das nicht ganz so dramatisch. Die Staatsschulden können im Prinzip erst einmal beliebig weiterwachsen – sie sind ohnehin erst einmal nicht so viel mehr als eine Zahl. Die Corona-Rettungspackete müssten also nicht zwingend durch Einsparungen finanziert werden. Zumindest nicht in allen Ländern. Früher hat man (beinahe willkürlich) behauptet, die Staatsschulden dürften 60% des BIP nicht übersteigen. Diese willkürliche Grenze wird ohnehin immer weiter nach oben verschoben werden müssen. Dass Staatsschulden auf Dauer nur steigen und niemals nachhaltig reduziert werden, erfährt man ja schließlich auch aus dem Buch „Die Wahrheit über Geld“. Problematisch wird es nur für einzelne Länder, wenn sie als einzige einen hohen Schuldenberg auftürmen, während die meisten anderen sparen (können). Insgesamt werden die Corona-Rettungspakete vielleicht den Weg bis zum Zusammenbruch bzw. Reset und Neustart des Geldsystems etwas beschleunigen. Dazu wird es aber ohnehin in ferner Zukunft kommen.

      • @Sandro: „war nach der Brexit-Abstimmung laut Umfragen hingegen tatsächlich die Mehrheit der Briten gegen den Brexit“

        Wozu brauchen wir noch Wahlen? Wenn doch die Umfragen alles regeln…Fakt ist: Johnson hat die letzte demokratische Wahl haushoch gewonnen.

        „Ich sehe das nicht ganz so dramatisch. Die Staatsschulden können im Prinzip erst einmal beliebig weiterwachsen“

        Das Drama ist bereits im Gange, nur die wenigsten kapieren es. Denn die Staatsschulden werden als Begründung dienen, bspw die Rentenleistungen zu kürzen. Und Privatisierungen durchzuführen – denn schließlich braucht das Kapital ja lukrative Anlagemöglichkeiten. Warum finden wir in unseren Medien fast nichts über die Kürzungen in Griechenland und die immer weiter steigende Arbeitslosigkeit?

        Ich hoffe Du besitzt ein schönes breit gestreutes Vermögen, dann kann es Dir prinzipiell egal sein.

        „Wenn jedes Land nur noch schreit: „America first“, „GB first“, „Germany first“, etc…, dann ist das m. E. ein Rückschritt.“

        Wir leben nicht in der rosaroten Welt. Der Schwache wird vom Starken gefressen. Die Naiven bzw Gutgläubigen werden abgezockt. War schon immer so und wird auch so bleiben. Oder kennst Du eine Auseinandersetzung aus der Geschichte, die die schwache und naive Seite aufgrund einer vermeintlichen moralischen Überlegenheit gewonnen hat?

        • „Wozu brauchen wir noch Wahlen? Wenn doch die Umfragen alles regeln…Fakt ist: Johnson hat die letzte demokratische Wahl haushoch gewonnen.“

          Na ja, so hatte ich das natürlich nicht gemeint. Aber Du hast doch vielleicht auch noch das Brexit-Drama von damals nach der Abstimmung damals in Erinnerung. Vielen war die Abstimmung offensichtlich sch…egal. Und danach hatten sich alle beschwert und konnten es nicht fassen.

          „Das Drama ist bereits im Gange,. ..Warum finden wir in unseren Medien fast nichts über die Kürzungen in Griechenland und die immer weiter steigende Arbeitslosigkeit?“

          Nur hat Griechenland ohnehin schon einen Haufen Probleme, die nicht auf Corona zurückzuführen sind. Corona kommt jetzt noch dazu. Da kommt eben alles zusammen.

          „Ich hoffe Du besitzt ein schönes breit gestreutes Vermögen, dann kann es Dir prinzipiell egal sein.“

          Ich gebe mir jedenfalls Mühe, ein breit gestreutes Vermögen aufzubauen. Egal wäre es mir trotzdem nicht, selbst wenn ich damit bereits am Ziel wäre. Und das es ein Problem mit der Rente gibt, wäre auch nicht neu. Corona ist da ein Beschleuniger.

          „Wir leben nicht in der rosaroten Welt….“

          Die Menschheit ist darauf angewiesen, dazuzulernen. Einst war ein Herrscher, der keine Kriege führte, ein sehr schlechter Herrscher. Heute ist die Welt kleiner geworden, alles ist vernetzt, und die Länder sind vielmehr zur Kooperation gezwungen. Ich sehe das eher pragmatisch und weniger in Kategorien wie Stärke, Schwäche und moralischer Überlegenheit/Unterlegenheit. Wenn alle „firster“ sein wollen als andere, hat am Ende niemand etwas davon. Das heißt selbstverständlich nicht, dass man sich im Umkehrschluss alles gefallen lassen müsste.

          • Wir sind uns weitgehend einig.

            Präzisierung meinerseits:
            – beschwert haben sich nach der BREXIT-Abstimming genau die Menschen, die interviewt wurden. Oder deren Meinungsartikel in den Medien veröffentlicht wurden. Das ist nicht repräsentativ! Eine demokratische Wahl ist repräsentativ. Die Demokratie wird bei uns immer mehr zur Farce, leider.

            „Die Menschheit ist darauf angewiesen, dazuzulernen“.

            Es entscheidet ja nicht „die Menschheit“, sondern nur ein paar wenige, die die Fäden der Macht besitzen. Beispiel: nicht „die Amerikaner“ haben den Irakkrieg begonnen, sondern die Machtbesitzer. „Die Amerikaner“ sind genau so friedliebende Menschen wie die Deutschen, Russen, Spanier, Inder…

            „und die Länder sind vielmehr zur Kooperation gezwungen“

            Sind sie nicht. Wir befinden uns im globalen Endspiel. Verträge zählen nichts mehr. Gerade die westlichen Länder halten sich an fast nichts mehr.

          • „Sind sie nicht. Wir befinden uns im globalen Endspiel. Verträge zählen nichts mehr. Gerade die westlichen Länder halten sich an fast nichts mehr.“

            Das ist aber auch nur eine Momentaufnahme. Eine geeinte Welt wäre derzeit natürlich utopisch. Sehr langfristig wächst die Welt aber vielleicht noch viel enger zusammen. Nehmen wir einmal an, man würde die EU rückabwickeln. Wo sollte man dann Schluss machen? Deutschland rückabwicklen und zu Fürstentümern zurückkehren (die alle „fürster“ sein wollten als andere)? Die USA ebenfalls rückabwicklen (zurück zu den Sezessionskriegen)? In der Geschichte wuchs eben Vieles langsam zusammen, entweder friedlich oder gewaltsam, natürlich auch mit Rückschritten. Warum sollte man das nicht als Errungenschaft anerkennen und alles wieder aufgeben wollen?

          • Da Du bestritten hattest, dass die Länder heute vielmehr zur Kooperation gezwungen sind, wie ich sagte (Du sagtest: „Sind sie nicht.“), noch ein Nachtrag dazu:

            Denk doch einmal daran, dass z. B. Deutschland auf den Import von Rohstoffen angewiesen ist, die es hier nicht ausreichend gibt. Denk doch mal an weitere benötigte Kooperation in Sachen Handel (inkl. Einhaltung ethischer Grundsätze), Kriminalitätsbekämpfung, Menschenrechte, Flüchtlichspolitik, Klimapolitik, Nachhaltigkeit, z. B. Vermeidung der Überfischung der Meere, Kooperation in Wissenschaft & Forschung, Festlegung von Standards und Normen, Krisenbewältigung (z. B. Hungerkatastrophen, Naturkatastrophen, Witschaftskrisen), etc…

            Das funktioniert alles sehr schlecht, wenn jedes Land „firster“ sein will als die anderen, also ganz egoistisch nur die eigenen Interessen verfolgt (Einigen narzistischen Wissenschaftleugnern als Präsidenten auf der Welt ist das freilich ziemlich egal. Bezahlt wird dafür später – und zwar von allen.)

  2. Ich denke wie Du über Corona, allerdings denke ich nicht, dass Trump verliert. Er hat eine Chance. Auch die Menschen in den USA haben Wut im Bauch.

    Ich denke, jeder sollte für die Corona Hysterie bezahlen, damit sowas nie wieder vor kommt. Wir haben Massen ruiniert, die in einer falschen Branche tätig waren. Dafür sollten alle einen Preis zahlen. Dass Menschen die Maßnahmen bejubeln, die viele ruiniert haben, die vermutlich absolut sinnlos waren, hat vielleicht nur einen Grund: Man hatte bezahlt frei und Hysterie. Für viele war es nur bezahlt frei, für viele war es der Ruin. Mit der nächsten Wahl oder übernächsten werden wir darüber diskutieren. Es wird kommen.

    • Neue Erkenntnis zu Corona: Das Virus bekommt man nur im Stehen!

      Ich war Samstag auf einer Demo für Selbstbestimmung. Anweisung der Polizei für die Kundgebung: Maske auf oder hinsetzen. Das ist alles so lächerlich (und gleichzeitig traurig).

  3. Zum Brexit:

    Die ganze Berichterstattung darüber ist ziemlich verlogen, weil die EU nicht die Wahrheit sagen kann. Grossbritanien ist Nettozahler, spart also künftig viel Geld. Die EU beschliesst vernünftige Gesetze / Verordnungen, dann kann GB die auch einführen. All das überflüssige / bürokratische brauchen die nicht mehr übernehmen. GB wird also in paar Jahren besser dastehen, als zu EU-Zeiten. Das würden dann auch die Bürger in Österreich, Deutschland, Niederlanden… sehen. Also darf das nicht passieren. Daher würde die EU am liebsten Strafzölle einführen. Da man aber für Freihandel ist, kann man das schlecht sagen. Nur DAS macht die Verhandlungen so schwierig. Die ganzen Schikanen muss man in die Verträge bekommen, ohne sie offiziell zu fordern. So wird auch aus Lapalien ein Drama gemacht: Die Grenze zu Irland. Nur zur Erinnerung: Wir haben eine EU-Aussengrenze zur Schweiz. Und? Kein Problem! Solange man keins draus machen will.

    Mir ist keine Forderung von Johnson bekannt, die ich für inakzeptabel halten würde. Trotzdem ist er der Böse.

    • Nun ja, die Schweiz mit einem okkupierten Land zu vergleichen hinkt, die Schweiz hat keine religiösen Fanatiker die Bomben legen und Leute töten sondern nur ein stures Bergvolk das allzu oft mit sich selber beschäftigt ist. Und im dramatiesieren sind die Schweizer auch sehr gut. 😁😁

  4. Warten wir einfach die US-Wahl ab und lassen uns überraschen…

    Bei der Wahl 2016 lag Rassmussen Report als einer der wenigen Umfrageinstitute richtig.
    https://www.rasmussenreports.com/public_content/politics
    Aber selbst dort liegt Trump in wichtigen Battlegroundstaaten zurück.

    Bei der letzten Wahl wurde Trump schlichtweg nicht ernst genommen. Diesmal wird dafür gesorgt werden dass sich der Unfall an der Urne nicht wiederholt. Eine fallende Börse hilft da ungemein. Und viele Länder spielen wieder die COVID-19 Panik. Das Drehbuch wird umgesetzt. Die Schauspieler folgen den Anweisungen der Regisseure hinter (!) der Kamera.

  5. Sandro, ich möchte bei der Wirtschaftspolitik bleiben. Wir leben de facto im Kapitalismus, trotz diverser medial inszenierten Themen, an denen sich Moralapostel gerne beweihräuchern können.

    Im Kapitalismus geht es um Leistungsfähigkeit, Schnelligkeit und Stärke. Der Stärkere diktiert die Regeln und gestaltet die Verträge. Ist bei jeder Vertragsverhandlung so. (Ich hoffe Du kannst ebenfalls gut verhandeln.)

    Ein starker Staat ist also nicht zwingend auf jedwede Kooperation angewiesen. Er kann ggf Probleme alleine lösen bzw soweit lindern, dass die eigene Bevölkerung kaum Schaden nimmt.

    Aktuelle Beispiele:
    Trump hat für sein Land gegenüber China einen Deal zum Thema TikTok herausgeholt. Glückwunsch!

    Was hat die EU denn aktuell gegenüber China verhandelt und erreicht?

    Kooperation: Trump hat Friedensverträge im Nahen Osten vermittelt. Glückwunsch! (Seine beiden Vorgänger haben dort Kriege angezettelt, Obama wird als moralischer Messias medial verkauft)

    Was erreicht denn die Regierung Merkel mit dem Heiko auf der Weltbühne?

    Evergreen: Der Schwache und wird global betrachtet einfach nicht ernst genommen – ein einfaches Naturgesetz seit Menschengedenken auf allen Gebieten.

    • „Wir leben de facto im Kapitalismus, trotz diverser medial inszenierten Themen, an denen sich Moralapostel gerne beweihräuchern können.“

      Mag ja sein. Ich denke aber nicht, dass die von mir angesprochenen anderen Themen nur etwas für Moralapostel sind, die sich gerne selbst beweihräuchern. Und nur weil einige Themen medial inszeniert werden, heißt das nicht, dass sie nicht wichtig sind. Sie sind mitbestimmend für unser Leben, unseren Alltag, und das wird sich weiter verstärken.

      Was das Übrige betrifft, will ich Dir ja auch gar nicht sehr widersprechen. Von seinen persönlichen Defiziten einmal abgesehen, hat Trump sicher nicht alles falsch und manches auch besser als seine Vorgänger gemacht. Er war in mancher Hinsicht offenbar mutiger als seine Vorgänger. Oder er ist einfach ein Draufgänger. Wie dem auch sei. Insgesamt ist seine Bilanz aber durchwachsen, wie bei allen Vorgängern. Und Vieles ist einfach auch nur Show, Selbstinszenierung. Obama war sicherlich ebenfalls meilenweit davon entfernt, ein moralischer Messias zu sein, auch wenn das viele gerne glauben wollten.

  6. @Michael: Da Du meintest, dass Corona zu Problem für die deutsche Rente wird (so hatte ich Dich verstanden), hierzu etwas, das sich gerade gelesen habe: Von Januar bis August sind die Beitragseinnahmen für die deusche Rente um 0,7% gestiegen, trotz Corona.

  7. @Michael

    Noch ein Nachtrag zu Deiner Bemerkung: „beschwert haben sich nach der BREXIT-Abstimmung genau die Menschen, die interviewt wurden. Oder deren Meinungsartikel in den Medien veröffentlicht wurden. Das ist nicht repräsentativ!“

    Bei Dir klingt das so, als hätten sich da nur mal so ein paar Interviewte beschwert und ansonsten die Medien ihr eigenes Ding daraus gemacht. So war es aber nicht. Das Riesentheater konnte Dir eigentlich kaum entgangen sein. Tatsächlich ist es sehr aufwändig, die Vor- und Nachteile des Brexits im Detail zu ergründen – viele einstige UKIP-Stammtisch-Parolen gingen m. E. an der Realität vorbei (für den Anfang, siehe z. B. Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/EU-Austritt_des_Vereinigten_K%C3%B6nigreichs#F%C3%BCr_das_Vereinigte_K%C3%B6nigreich ). Nachfolgend ein paar Wikipedia-Grafiken zu den Umfragen. Demnach waren die Briten offenbar bis zuletzt beinahe unentschieden bez. des Brexits. Ich finde, dass sich vor diesen Hintergründen Deine Anfangsbehauptung kaum aufrechterhalten lässt: „Die Menschen vor Ort in Großbritannien werden wissen, warum sie mehrheitlich für den Brexit gestimmt haben.“

    Ich erwarte dazu keine weitere Antwort von Dir, wollte es aber nicht so stehen lassen.

    Wenn GB geschickt ist, kann es vielleicht noch ein bisschen indirekt von der EU profitieren, solange diese zusammenhält. Sollte die EU auseinanderfallen, können sich die europäischen Staaten als Einzelkämpfer gegen die Großmächte zu behaupten versuchen oder untereinander mehr bekämpfen. Ein Trump würde sich wahrscheinlich darüber freuen – nicht umsonst stichelt er ja gelegentlich. Dies ganz unabhängig von den weiteren Ideen der Gründerväter der EU bzw. einstigen EWG (z. B. „Nie wieder Krieg in Europa“) und vielen anderen Dingen, die man wahrscheinlich nur gemeinschaftlich sinnvoll angehen kann.

    Vielleicht wollte die EU zu viel auf einmal – der EURO ist nicht das einzige Problem für den Zusammenhalt. Darüber können Bücher geschrieben werden – am Stammtisch oder auch hier im Internetblog lässt sich das wohl nicht alles mal eben aufarbeiten.

  8. @Michael

    Sorry, wenn ich jetzt noch einmal nachlege, aber zu Deiner obigen Bemerkung zum Modell Norwegen gibt es auch noch einiges zu sagen:

    Du hattest (oben im Blog, erster Beitrag) geschrieben:
    „Die Briten könnten dem Beispiel der Schweiz und Norwegen folgen – deren Bevölkerung weiß sehr wohl, warum sie der EU NICHT beitreten.“

    Also: Norwegen muss der EU jährlich ca. 850 Millionen € überweisen, schrieb das Handelsblatt (Quelle: https://www.handelsblatt.com/politik/international/brexit-norwegen-plus-modell-kaeme-london-teuer-zu-stehen/23915374.html?ticket=ST-2651103-sCvJqlwSyzCimaf1BCIL-ap2 ). Umgerechnet auf die Einwohnerzahl von Deutschland wären das ca. 13,17 Mrd. €. Umgerechnet auf die Einwohnerzahl des Vereinigten Königreichs wären es ca. 10,5 Mrd. €. Dazu muss Norwegen das „komplette Regelwerk zum Binnenmarkt in nationales Recht umwandeln, ohne dass man irgendein Mitspracherecht hat“, wie das Handelsblatt im o. g. Artikel ebenfalls schrieb. Hinzu kommen noch weitere Zugeständnisse. Anbei noch ein Link zu einem weiteren Artikel, der fragt, „warum Norwegen der EU nicht einfach beitritt“ ( https://www.dw.com/de/brexit-was-taugt-das-norwegen-modell/a-19371769 ).

    Zum Vergleich: 2018 überwies London 13,15 Mrd € nach Brüssel (brutto). Netto waren es 6,9 Mrd. €.

    Die o. g. jährlichen 850 Millionen lassen sich natürlich noch genauer aufschlüsseln. Der Wissenschaftliche Dienst des Bundestags beschrieb im Jahr 2016 die finanziellen Leistungen Norwegens im Rahmen des EWR-Abkommens mit den EFTA-Staaten unter Berufung auf Angaben der Vertretung Norwegens in der EU wie folgt (Akz: WD4 – 3000 075/16):
    – Kohäsionsbeiträge: Der Beitrag Norwegens zur sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung von 15 unterdurchschnittlich entwickelten EU-Staaten beträgt im Zeitraum 2014 – 2021 391 Mio. Euro jährlich.
    – Beteiligung an EU-Programmen (u. a. Erasmus +, Galileo und Kopernikus): Für den Zeitraum 2014 – 2020 beträgt der durchschnittliche jährliche Beitrag 447 Mio. Euro.
    – Zusammenarbeit in den Bereichen Justiz und Inneres: Die finanzielle Leistung im Rahmen dieser Zusammenarbeit belief sich im Jahr 2015 auf rd. 6 Mio. Euro.
    – INTERREG: Für den Zeitraum 2014 – 2020 steuert Norwegen rd. 25 Mio. Euro jährlich zu den Programmen der Europäischen Territorialen Zusammenarbeit INTERREG bei.

    Norwegen ist damit ein Zahlmeister mit wenig Rechten. Man könnte auch sagen, die Nichtmitgliedschaft Norwegens in der EU ist ein hoher Preis, um die Rechtspopulisten im Zaum zu halten. Somit sähe das Modell Norwegen nach einem ziemlich schlechten Deal für GB aus. Meinst du nicht auch? Auch die Schweiz leistet Kohäsionszahlungen an die EU, wenn auch weniger als Norwegen. Es gibt also nichts geschenkt.

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