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Greiffbar – Keine Zeit zu sterben!

1. Oktober 2021 - Volker Schilling in Gastbeitrag | 11 Kommentare

Welche Themen waren diese Woche am Finanzmarkt relevant?

  • Keine Zeit zu sterben
  • Im Geheimdienst Ihrer Majestät
  • Die Welt ist nicht genug

Keine Zeit zu sterben

Die Handlung: In seiner letzten Mission befindet sich der Doppel-Null Agent Armin L. auf Jamaika. Er muss allerdings feststellen, dass dort alle Ampeln auf Rot stehen. Statt die Lage zu sondieren, muss er sich plötzlich neu sortieren. Der Gegner befindet sich Undercover in den eigenen Reihen. Um zu überleben, sucht er ein Quantum Trost bei den letzten Unterstützern im Casino Royal seiner Fraktion. Doch die wissen schon längst, dass die Lizenz zum Koalieren jetzt bei jemand anderem liegt. Am Ende wirkt Armin L. mehr geschüttelt als gerührt. Der Hauch des Todes liegt über dem Protagonisten, doch dieser sieht aktuell noch keine Zeit zu sterben. Nach dem Motto: „Man lebt nur zweimal“ wird das unvermeidliche Ende deshalb nur an einem anderen Tag sterben. Und so wie auch der aktuelle James Bond Darsteller seinen Hut nehmen wird, wird auch der aktuelle Kanzlerkandidatendarsteller Armin L. keine weiteren Folgen in der Hauptrolle mehr verwirklichen können. Darin gleicht er wohl mehr George Lazenby als Sean Connery oder Daniel Craig. Der Skyfall von Armin L. wird das  und mit Sicherheit einen Feuerball der Erneuerung entfachen. Doch dazu mehr im nächsten Teil dieses Thrillers.

Im Geheimdienst Ihrer Majestät

Der Brexit, der Lockdown und allfällige Coronamaßnahmen haben einem Berufsstand schwer zugesetzt, den Brummifahrern. Insbesondere im Vereinigten Königreich haben diese massenhaft ihre Arbeit im Dienste Ihrer Majestät quittiert. Die Folge: Versorgungsengpässe. An den Tankstellen geht das Benzin aus und besorgte Bürger, die schnell noch Tanken, sorgen diese Woche für den endgültigen Kollaps der Versorgung. Im Dienste Ihrer Majestät steht aber noch das Militär, welches jetzt aushelfen muss, um die Versorgung sicher zu stellen. Derweil treffen Liebesgrüße aus Moskau ein, die ihrerseits die Versorgung mit Gas nicht erhöhen wollen, so dass die nächste Energiekatastrophe über die Insel fegt. Die Gaspreise, seit Jahresbeginn um über 250% gestiegen, können in Großbritannien wegen der staatlichen Gaspreisbindung von den Versorgern nicht an die Verbraucher weitergegeben werden. Die Folge: Bereits zehn Anbieter sind pleite und melden Konkurs an. Die Gasversorgung ist damit ebenfalls in GB bedroht. Ein Krisentreffen jagt das nächste im Wirtschaftsministerium Englands. Eines ist sicher, diese Entwicklungen sprechen nicht für vorrübergehende Inflationssteigerungen, aber für Energieproduzenten. Und wer den Mann mit dem goldenen Colt im russischen Apparat nicht fürchtet, der sollte sich einmal die Gazprom Aktie ansehen. Eines aber zeigen die steigenden Lieferengpässe:

Die Welt ist nicht genug

Oder sollte es besser heißen: „Für die Welt ist es nicht genug“? Es geht um Verteilung, denn wenn Ressourcen knapp werden, dann steigen die Preise. So verwundert es kaum, dass diese Woche die Inflation in Deutschland erstmals seit 28 Jahren wieder über die 4% gestiegen ist. In den USA sind die Zinsen der zehnjährigen Staatsanleihen wieder über die 1,5% Marke gestiegen und sowohl Aktien als auch Anleihemärkte daher verunsichert. Auf der Suche nach dem Goldeneye half auch die Flucht in Gold und Kryptowährungen nichts, da fast zeitgleich die chinesische Regierung den Kryptomarkt verboten und unter Strafe gestellt hat. Alle Anlageklassen sind daher im Gleichklang. Gewöhnen Sie sich schon einmal an diese Korrelation, denn Zeiten mit Inflationszahlen jenseits der 4% haben auch in der Vergangenheit dafür gesorgt, dass Diversifikationseffekte bei Aktien und Anleihen verloren gehen. Vielleicht bricht dann ja wieder ein „Diamantenfieber“ aus, um auch noch diesen letzten Titel eines James Bond Filmes unterzubringen. Ich werde auf jeden Fall heute Abend den neuen Bond Film im Kino anschauen. Sogar in 3D. Wenn da mal nicht Fiktion und Realität verschwimmt. Fast wie im richtigen Leben.

Ihr Volker Schilling

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11 Kommentare

  1. „Ein Krisentreffen jagt das nächste im Wirtschaftsministerium Englands. Eines ist sicher, diese Entwicklungen sprechen nicht für vorrübergehende Inflationssteigerungen, aber für Energieproduzenten“.

    Zuletzt war zu lesen, dass in GB auch 15.0000 Mitarbeiter in der Metzgereibranche fehlen. Der Weihnachtsbraten doht auszufallen. Und im Juni war bspw. auch zu lesen: „Allein in der britischen Hauptstadt fehlen derzeit knapp 9000 Krankenschwestern und -pfleger. Seit der Entscheidung der Briten, die EU zu verlassen, haben rund 10.000 Pflegekräfte mit in der EU erworbenen beruflichen Qualifikationen das Berufsregister des Nursing and Midwifery Council (NMC) verlassen. „Dass ist alarmierend“, so ein Sprecher in London.“ (Quelle: Süddeutsche Zeitung: https://www.aerztezeitung.de/Politik/Brexit-schreckt-Pflegekraefte-aus-der-EU-ab-254547.html).

    Es fragt sich nun, was neben LKW-Fahren, Metzgern und Pflegepersonal in GB noch alles fehlt. Ganz zu schweigen von den aktuellen Problemen der Fischereibranche. Die Liste ließe sich vermutlich noch lange fortsetzen, weil ausländische Arbeitskräfte bzw. Personen mit Migrationshintergrund nicht mehr gewollt wurden.

    Nun werden vielleicht die Rechtspopulisten erkennen, dass in der heimischen Bevölkerung vielfach die Bereitschaft fehlt, solche Jobs zu Niedriglöhnen anzunehmen und sich der gewohnte Lebensstandard so nicht zu gleichen Kosten aufrecht erhalten lässt.

  2. Lieber Herr Schilling,

    allem Anschein nach sind Sie ein Bond-Fan und selbst wenn ich mit dieser Vermutung falsch liege möche ich an dieser Stelle einmal ein Lob für Ihre wöchentliche „Wortakrobatik“ aussprechen, die sich immer sehr amüsant liest (Hut ab: Da haben Sie wirklich eine Menge Bond-Filme in der Kolumne untergebracht… Fehlende Titel wie z.B. „Octopussy“ oder „Moonraker“ wären zur Kommentierung der aktuellen Finanzthemen verständlicherweise etwas zu sperrig gewesen ;-)).

    Hoffentlich hat Ihnen der neue Bond-Streifen gefallen… wir werden ihn morgen – nach gefühlt endlosen Corona-Verschiebungsorgien – endlich im Kino (und vielleicht auch in 3D) genießen.

    Herzliche Grüße

    • Lieber Herr Assmann,
      vielen lieben Dank für die netten Worte. Es freut mich, wenn ich mit meiner Kolumne die Finanz-, Politik- und Börsenwoche auch auf eine etwas unterhaltsamere Art darbieten kann und meine Leser daran Freude haben. Und natürlich freut es mich noch viel mehr, wenn sie es auch kundtun. Dafür Dankeschön. Ich hoffe der neue Bond hat Ihnen ebenso gut gefallen wie mir.
      LG Volker Schilling

      • Ja – „Keine Zeit zu sterben“ hat uns sehr gut gefallen. Hochwertig produziert, tolle Filmmusik von Hans Zimmer (sein erster „Bond“!) und eindeutig ein Film, den man mit der ganzen enthaltenen Wucht von Bild & Ton im Kino gesehen haben muss. Hoffen wir, dass uns dieses „Privileg“ (geöffnete Kinos, Restaurants, Konzerte, Oper, Theater, Hotels etc.) auch über den Winter erhalten bleibt (Stichwort: „Lockdown“).
        Liebe Grüße
        Steffen Assmann

    • Großes Kino: Gazprom steht bei 9 Euro und wird jetzt hier empfohlen. Warum nicht früher, Herr Schilling?

      Ich halte meine Gazprom und freue mich kommendes Jahr auf mutmaßlich 1 Euro Dividende pro ADR, bei meinem EK eine über 25 prozenzige Dividendenrendite.

      -> Die Entwicklung war absehbar, dazu benötigt es jedoch eigenständige strategische Denkweisen.

      @Sandro: es ist typisch deutsch, auf andere Länder mit dem Finger zu zeigen. Lieber im eigenen Laden für Ordnung sorgen. Britische Firmen müssen nun in Ausbildung investieren und bessere Löhne zahlen. Schlimm, oder? Nebenbei bemerkt haften die Briten nicht für die Eurobonds…;-)
      Die eigene Zeit kann sinnvoller verwendet werden als mit dem Finger auf andere Länder zu zeigen.

      Der neue Bond bietet ein paar interessante Dialoge. Genau hinhören!

      • „@Sandro: es ist typisch deutsch, auf andere Länder mit dem Finger zu zeigen.“

        Ach was! Ich glaube nicht, dass das typisch deutsch wäre. Ich glaube aber, dass es typisch MENSCH ist, politische Ereignisse, deren Folgen und Zusammenhänge zu beobachten und zu reflektieren, wie ich es versuchte. Vielleicht ist es aber typisch deutsch, anderen Leuten vorzuwerfen, ihr Verhalten sei typisch deutsch. Hierzulande habe ich vergleichbare Sätze jedenfalls schon häufig gelesen. Im Ausland oder einer fremden Sprache habe ich vergleichbare Einwände hingegen noch nie gelesen.

        „Lieber im eigenen Laden für Ordnung sorgen.“

        Wie darf ich das verstehen? Soll man keinen Blick ins Ausland werfen, wenn im Inland nicht alles rundläuft?

        „Britische Firmen müssen nun in Ausbildung investieren und bessere Löhne zahlen. Schlimm, oder?“

        Oh je. Habe ich behauptet, dass das schlimm sei? Wie kommst Du darauf? Wenn Du mich fragst, gibt es auch hierzulande stark unterbezahlte Berufe. Indirekt habe ich das ja thematisiert. Dir ist aber sicher bewusst, dass es dazu unterschiedliche Argumente von Politikern und Ökonomen gibt, die es abzuwägen gilt. Liberale wollen nicht gerne an der Lohnschraube drehen, Linke wollen die Niedriglöhne dagegen anheben. Was das Thema Ausbildung betrifft, muss sich GB wahrscheinlich keine großen Sorgen machen. Es ist eines der innovativsten Länder der Welt.

        „Nebenbei bemerkt haften die Briten nicht für die Eurobonds…;-)“

        Nun scheinst Du ja sogar selbst mit dem Finger auf GB zu zeigen – als vermeintliches Positivbeispiel. Eurobonds sind allerdings auch ein ganz anderes Thema. GB hatte den Euro auch nie. Wenn man über Äpfel redet, braucht man nicht mit Birnen zu kommen. Davon abgesehen hat das Bundesverfassungsgericht zunächst erst einmal gegen Eurobonds geurteilt. Akut also erst einmal kein so großer Sorgenanlass.

        Aber wo Du Eurobonds ansprichst: Das Thema ist komplex. Dummerweise haben wir den Euro nun mal – ich schließe mich der Meinung aus Raimunds Buch zum Euro an. Wenn man nun Eurobonds und Haftungsrisiken kritisiert, sollte man allerdings aber auch das ganze Bild im Blick haben. Z. B. auch mal auf die Handelsbilanz von Deutschland schauen (insb. Intra-EU-Handel) und die Vor- und Nachteile und mögliche Notwendigkeit von Eurobonds genauer auf den Prüfstand stellen. Vielleicht auch mal die politischen und wirtschaftlichen Auswirkungen der derzeitigen Dollardominanz in Überlegungen einbeziehen. Sich dabei vielleicht auch von stark vereinfachten Pauschalvorstellungen lösen, dass Deutschland einfach nur Zahlmeister der EU sei (mal auf das Netto-Ergebnis schauen), sofern man solchen Vorstellungen anhängt. Dann vielleicht mal über die Entwicklung des Geldsystems nachdenken und fragen, ob es am Ende überhaupt einen Unterschied macht.

        „Die eigene Zeit kann sinnvoller verwendet werden als mit dem Finger auf andere Länder zu zeigen.“

        Muss ich das als eine Art Maulkorb auffassen? Es gibt immer etwas Sinnvolleres, egal was man tut. Demnach braucht man nie über irgendetwas zu diskutieren. Siehe Wikipedia: Totschlagargument https://de.wikipedia.org/wiki/Totschlagargument

      • Lieber Michael K.,
        ich gebe generell keine Empfehlungen über eine Kolumne, sondern verweise nur auf Entwicklungen. Und ich finde es wunderbar, wenn Sie Ereignisse frühzeitig antizipieren und damit erfolgreich sind. Und das „Entwicklungen absehbar sind“ an der Börse halte ich nach meiner „eigenständigen strategischen Denkweise“ für ein Gerücht ;-)! Sagen Sie auf alle Fälle Bescheid, wenn wir das Hoch erreicht haben, damit ich diesmal rechtzeitig informieren kann.
        LG Volker Schilling

        • Jo,auch ich habe – wg. breiter Streuung- seit geraumer Zeit Gazprom im Depot durchgehalten. Es gab vielfältige Gründe für ein Gelingen u. dagegen. M.E. Glücksache…war schon eine Achterbahnfahrt. Die Geschichte v. Unternehmen ist wechselhaft. Mal sehn wie’s weitergeht. Es ist keineswegs so, daß alle politischen Kräfte bei uns die Sache unterstützen. Derzeit neige ich dazu weiter zu halten.

      • Noch eine Anmerkung zum Kommentar „Britische Firmen müssen nun in Ausbildung investieren und bessere Löhne zahlen. Schlimm, oder?“

        Hierzulande gibt es übrigens auch zu wenige LKW-Fahrer. Und einen Mangel an Pflegepersonal gibt es bekanntlich schon lange. Trotzdem hat sich das über die Jahre nicht viel verbessert. Und dafür gibt es auch Gründe. So einfach ist das also nicht, mal eben in Ausbildung zu investieren, und schon passt alles wieder. Das braucht wohl noch einige Zeit.

  3. Goldfinger hätte auch noch gepasst.

    • Stimmt. Aber bestimmt wäre mit der Erwähnung des Goldfingers irgendeine Octopussy nicht einverstanden gewesen und hätte sich über meinen kleinen Moonracker aufgeregt. 😉

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