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Ist Briefe-Schreiben ein wahrer Wert?

22. April 2019 - Raimund Brichta in Allgemein | 16 Kommentare

„Wer schreibt eigentlich noch Briefe?“ Das war eine Frage, die ich am Gründonnerstag in einer Sendung stellte, worauf ich folgende Zuschauermail erhielt:

„Sehr geehrter Herr Brichta,
Eigentlich kommen Sie ja relativ intelligent rüber, doch eben habe ich mir verwundert die Ohren gerieben…
Meine Mutter , neunzig Lenze jung, schreibt mangels fehlender Internetqualifikation regelmässig Briefe, und geht tatsächlich zu einem Menschen in die Bank.
Wie erhalten Sie eigentlich Ihre Steuererklärung, gestern flatterte bei mir eine Wahlbenachrichtigung zu Duden Europawahlen per Post ins Haus.
Versuchen Sie mal per App und Email eine Kur zu beantragen..
Und das Knöllchen kommt auch per Mail , der Widerspruch dagegen erfolgt wie.
Sonnige Osterfeiertage
Wernner S.“

Meine Antwort:
Hallo Herr S.,
schön, dass Sie mir zuhören. Dies beweist, dass Fernsehen nicht nur ins Auge geht, sondern auch ins Ohr 😉
Was meine Frage allerdings mit meiner Intelligenz zu tun hat, erschließt sich mir nicht. Vielleicht helfen Sie mir auf die Sprünge? Selbst Sie müssen doch auf Ihre neunzigjährige Mutter verweisen, um noch eine regelmäßige Briefeschreiberin ausfindig zu machen. Ist das nicht Beleg genug? Wahlbenachrichtigung oder Knöllchen zähle ich nicht zu Briefen, die man selbst schreibt. Es sind maschinelle Mitteilungen, die zu Ihnen ins Haus kommen. Und was meine Steuererklärung betrifft, so darf ich diese schon lange nicht mehr per Brief abgeben, sondern muss sie elektronisch ans Finanzamt übermitteln.
Ich freue mich also darauf, von Ihnen bessere Argumente zu lesen. Und noch mehr freuen würde ich mich, wenn Sie mir diese in einem ordentlichen Brief zukommen ließen statt in einer dahingeschluderten E-Mail 😉
Herzlicher Gruß
Raimund Brichta

16 Kommentare

  1. Hans A. Bernecker hatte mal vor Jahrzehnten einen Slogan bzw eine Werbung für seinen Börsenbrief der da lautete: „Wer etwas zu sagen hat, der schreibt einen Brief.“
    Dies hat mich so inspiriert und nachhaltig geprägt, daß ich bis heute als Wertschätzung der Personen gerne Briefe und handgeschriebene Postkarten mit Vorliebe versende.Einfach weil diese dem Empfänger zeigen, daß ich mir Zeit für Sie/Ihn genommen habe.
    Mangels postalischer Anschrift bediene ich mich in diesem Fall für die Antwort der Kommentar Funktion von Facebook.
    Bitte verzeihen Sie mir diese nicht absichtliche Abwertung Ihrer Person.
    😉 Frohe Ostern weiterhin.

  2. Der Herr S. ist ja ein ganz Heller 😀 Vielleicht schreibst du ihm mal einen Brief. So auf Papier und Tinte, 2x gefaltet…

    • Der Wernner Mitbürger Werner S. schreibt seinen Namen ja bezeichnender Weise gleich selbst ‚Wernner S.‘.
      Wenn schon in der elektronischen Post solche Rechtschreibung des eigenen Namens erfolgt, verzichtet man dann mit Wonne auf Briefe jeglicher Art.

  3. Hallo Herr Brichta,
    klar schreiben die Menschen kaum noch Briefe und das ist völlig normal und in vielen Lebensbereichen und Lebensalltag auch richtig.

    Doch ich muss Herrn Oliver Schwab zustimmen, auch ich finde es wesentlich schöner und handhabe es so, wenn ich zu einem Geburtstag eines Menschen, den ich nicht sehe und ihm persönlich gratulieren kann, z.B. eine Geburtstagskarte schicke oder zu Weihnachten usw.

    Finde aber die Entwicklung nicht positv und denke z.B. daran, dass viele Kinder in der Schule gar keine richtige ordentliche Handschrift mehr erlernen u.ä. und auch generell eine ordentliche Kommunikation in vernünftigem Deutsch fällt vielen Menschen schwerer. Nicht falsch verstehen, habe nichts gegen Smartphones, WhatsApp, Emoji usw. … aber die Entwicklung hat nicht nur positive, sondern auch negative Seiten.

    Und auch wenn Sie trotzdem Recht haben, Deutsche Post Aktien besitze ich trotzdem, damit wir wieder beim Thema Aktien sind… *schmunzel*

    Intelligent schätze ich Sie übrigens ein und tippe auf einen IQ über 135. *schmunzel*

    • Man mag es ja beklagen, dass inzwischen so wenig Briefe geschrieben werden. Aber es ist ein Fakt. Und ich bin ein Mensch, der sich weigert, vor Fakten die Augen zu verschließen – so, wie das der Zuschauer Werner S. offenbar tut.

      Meine Bemerkung machte ich übrigens im Zusammenhang mit der geplanten Erhöhung des Briefportos.

      • Die Regierung möchte den Menschen das Rauchen abgewöhnen.
        Wie? In dem es künstlich (per auferlegte Steuern) verteuert wird. Das klappt nicht bei allen, aber bei vielen. Den gleichen Effekt haben natürlich auch die Portoerhöhungen.

    • Die ordentliche Handschrift, die ich als Kind einmal gelernt hatte, habe ich mittlerweile wohl etwas verlernt. Beim letzten längeren handgeschriebenen Brief (adressiert an ältere Menschen) bekam ich einen Krampf in der Hand. 😉
      Aber wenn weniger Bäume für das Briefpapier sterben müssen, hat das doch vielleicht auch etwas Gutes. 🙂

  4. Schöne Reaktion Herr Brichta. Ich schreib noch zwischen zwei und fünf Briefen im Jahr. Hinzu kommen einige Postkarten, die bei mir aus deutlich mehr als zwei Sätzen bestehen.
    Und ich bin deutlich jünger als neunzig.
    Die Briefe werden wertvoller wahrgenommen. Selbst als eine Mail mit den gleichen Worten.
    Trotzdem werden sie von den Adressaten nur äußerst selten auch in Papierform beantwortet.

  5. Gut gekontert! 😀

  6. Man könnte auch sagen Brief schreiben setzt gewisse grundintelligenz voraus womit sich u.a. Leicht erklären lässt warum die neuen Generationen die nur singen klatschen und willkommen in der Schule haben sowas nicht mehr auf die Reihe kriegen

  7. Immer wenn die Rede von Papier und Bäumen ist, muss ich an Waldbrand u. Borkenkäfer denken. Naja Svenska C. hat ja wohl keinen Waldbesitz bei uns und in Nordeuropa regnet’s vmtl. 2019 ganzjährig.😇

  8. …und die dt. Post erhält ziemlich sicher einen warmen Geldregen, selbst wenn in Nordeuropa die Sonne scheint.

  9. Das eigentlich Lustige hier ist etwas anderes. Die Zusteller machen das bei jedem Wetter und oft mit dem Fahrrad. Ich würde gerne mal über moderne Sklaverei diskutieren und warum Menschen das freiwillig machen. Ich kapiere seit einer Ewigkeit nicht, warum Menschen bei Liefer- und Zustelldiensten arbeiten. Mal so gesagt, mit dem Fahrrad 8 Stunden lang, 80 KM pro Tag bei jedem Wetter? Warum gibt es solche Menschen? Ich meine, sie retten uns den Hintern, aber warum machen sie es freiwillig? Wir haben doch offiziell Sklaverei abgeschaffen. Trotzdem boomen Lieferservices. Das kapier ich nicht.

    • Andere machen die 80 km mit dem Fahrrad in ihrer Freizeit. Ganz ohne Bezahlung 😉

  10. Ich weiß, aber es ist ein Unterschied, ob man das machen darf oder muss. Ich glaube nicht, dass jeder mal so entspannt 80 KM mit dem Rad bei Regen macht. Ich glaube, dass das kaum jemand freiwillig macht. Allerdings bin ich auch kein Spitzensportler. Um ehrlich zu sein, den Job könnte ich nur als Geringverdiener machen. Mehr Power hätte ich vermutlich nicht. Aber es ist schön zu wissen, dass es Niedriglohnjobs gibt, die eigentlich nur Spitzensportler hinbekommen können. Es zeigt, dass wir nicht dekadent sind. Müssten es Menschen machen, die das nicht hinbekommen, dann würde Hart 4 sie dazu zwingen, nicht als Vollzeiter, das würden sie nicht packen. Aber wie wir es auch sagen wollen. Wer irgendwann diesen Job packt, ist genauso durchtrainiert wie eine alter römischer Sklave im Steinbruch. Oder ein Gladiator für die Arena. Ich finde ehrlich gesagt solche Trainingsprogramme super. Daher sollte sie jeder machen, mindestens 1 Jahr. Das spart den Fitnesskurs. Ich bin für ein Jahr Zustellerpflichtdienst für jeden. Wir wären echt viel schlanker und durchtrainierte. 80 Km bei Regen, das wäre mein Wohlfühlrekord. Den sollten wir uns alle gönnen.

    Ach ja, es gibt übrigens auch Menschen, die hohe Berge besteigen, mit einer Python knuddeln oder sich mit einem Messer mit einem Löwen anlegen.

  11. Wer Papier nimmt, um etwas darauf zu verewigen, macht sich in der Regel mehr Gedanken als jemand, der mal schnell etwas mailt. Und die Rechtschreibung – wozu ist de überhaupt noch wichtig?- wird auf Papier mehr beachtet. Außerdem schreibe ich grundsätzlich einen Brief, wenn ich eine Antwort haben möchte. Schicke ich eine Email, denkt der Angesprochene oft, er brauche sich gar nicht zu rühren!

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