Categories Menu

Medienschelte

25. März 2020 - Sascha in Gastbeitrag | 24 Kommentare

Dies Vorweg: Ich bin kein Freund von Verschwörungstheorien, Expertenmeinungen oder anekdotischen Beweisen sondern halte mich gern an Fakten und Muster der Vergangenheit, weshalb ich Studienquellen lese. Was die deutschen Medien dieser Tage im Umfeld von Corona sich teilweise erlauben entbehrt für mich jeder journalistischen Gewissenhaftgkeit. Dass eine Katastrophe nach der Nächsten herbeigeschwört wurde empfand ich schon als wenig sachlich, aber durch die außergewöhnlich ernste Situation noch hinnehmbar. Anlass für diesen Beitrag waren die heutige Berichterstattungen zu Covid-19 in Deutschland. Ich war erstaunt. Während die morgendlichen Fallzahlen stets Breaking News wert waren (als würde das noch etwas bedeuten), bei N-TV, Spiegel und Co. plötzliches Schweigen im Walde zu Neuinfizierten im Land. Mehr noch: Grafiken mit einer zeitlichen Entwicklung für Deutschland waren plötzlich nicht mehr anwählbar – stattdessen voller Fokus auf USA, UK und Italien. Seltsam seltsam. Also direkt beim RKI nachgeschaut und was muss man feststellen?Zeitverzug hin oder her – die Zahlen der Neuinfizierten sind tendenziell stabil, wahrscheinlich rückläufig aber definitiv nicht mehr exponentiell wachsend. Dies ist kein Plädoyer dafür Maßnahmen zu lockern oder die Situation als weniger gefährlich einzustufen. Nur beschleicht mich das Gefühl, es gibt ein mediales Interesse an Angst und Panik, dass die Interessen an sachlicher Berichterstattung traurigerweise überstiegen hat. In Zeiten der Anklage von „gleichgeschalteten“ Medien insbesondere aus dem rechten Spektrum ein verheerendes Signal wie ich finde und eine Warnung auch hier nach „Wahren Werten“ zu suchen. Sie sind selten geworden.

24 Kommentare

  1. Zumindest was ntv betrifft, kann ich Deine Bedenken zerstreuen. Da ich in dieser Woche selbst die News zwischen 12 und 15 Uhr moderiere, bekomme ich es hautnah mit: Wir berichten über alle Aspekte, positive wie negative. Gestern habe ich zum Beispiel mehrmals darauf hingewiesen, dass die Sterblichkeitsrate des Coronavirus vermutlich viel niedriger ist, als es die offiziellen Zahlen nahelegen, weil die Zahl der geschätzten Infizierten um ein Vielfaches über den offiziellen Zahlen liegt. Die Zahl der offiziellen Corona-Toten dürfte aber ungefähr der Wahrheit entsprechen, weil es dort keine so große Dunkelziffer gibt.

    Wir haben auch über alle Hilfsmaßnahmen ausführlich berichtet – bis hin zur Kritik an den strikten Ausgangs- und Kontaktregeln und zur Forderung, diese möglichst bald zu beenden, um Wirtschaft und Gesellschaft nicht mehr zu schädigen als unbedingt nötig. Und ja, auch auf die besonders schlimme Situation in Italien und Spanien gehen wir ein, aber auch darauf, warum Länder wie Südkorea, Taiwan und Japan relativ glimpflich davonzukommen scheinen. Vollkommen umfassend also, wie es sich gehört.

  2. Zunächst einmal gilt: Die hiesigen Medienkonzerne befinden sich in den Händen weniger. Ein angestellter Journalist ist angestellt und befindet sich somit in einem Abhängigkeitsverhältnis. Er oder sie ist also nicht frei.

    Das sollte man wissen. Was kann man mit unseren aktuellen Freiheiten derzeit tun?

    – man kann die hiesigen Medien und Politiker als Kontraindikator nutzen. (Warum wurde es versäumt, Anfang Februar auf die logische Katastrophe hinzuweisen und entsprechende Vorkehrungen zu treffen?!)
    – man hat heute noch die Möglichkeit, die Medien anderer Länder zu nutzen und auf Plausibilität prüfen
    – man kann reisen und die Welt mit eigenen Augen sehen

    Zur Coronakrise: ich bin gespannt wie lange der Lockdown dauern wird. Was richtet grösseres menschliches Leid an: mehrere Monate Lockdown mit Massenverarmung und Verelendung, oder eine Lockerung mit ein paar mehr Grippetoten? Bin auf Antworten gespannt.

    • Objektiv magst Du Recht haben. Ich möchte nicht vom Arzt gesagt bekommen “ Sorry, kein Beatmungsplatz frei. Ich hab noch einen Angstlöser undMorphium“.

    • Ich glaube nicht an „Massenverarmung und Verelendung bei mehreren Monaten Lockdown“. Wenn uns eins von 1929 unterscheidet, zumindest in der „westlichen“ Welt, dann ist es das allgemeine Wohlstandsniveau. Und diejenigen, die wirklich Unterstützung brauchen, die können wir wirtschaftlich allemal durch die Krise bringen.

      Und auf der anderen Seite „ein paar Grippetote mehr“ zu sagen, ist nun wirklich zu salopp formuliert. Diese Formulierung wird der Schwere des Ereignisses nicht gerecht. Die ganze Frage ist von der Wortwahl her völlig unausgewogen.

      • Sämtliche kleinere Firmen und Selbstständige kämpfen bereits jetzt um ihre Existenz. Viele leben bereits in normalen Zeiten „von der Hand in den Mund“, da die Konkurrenz hohe Gewinn-Margen nur selten zulässt. mehrere Monate Lockdown kann sich der Westen de facto wirtschaftlich nicht leisten. (Es sei denn die Vernichtung der Kleinunternehmen ist politisch gewollt, denn de facto profitieren langfristig die Grossen).

        Und jetzt ein weiterer Punkt: In China und Asien läuft der Laden wieder, während hier alles runterfährt. In China wird also gewirtschaftet und Werte geschaffen, während hier Werte vernichtet werden. Was heisst denn das konkret?!

        Trump kann das für die USA eigentlich nicht zulassen.

    • „Was richtet grösseres menschliches Leid an: mehrere Monate Lockdown mit Massenverarmung und Verelendung, oder eine Lockerung mit ein paar mehr Grippetoten?“

      Diese Frage kann man nicht pauschal beantworten, und ich finde, sie sollte gar nicht erst nicht gestellt werden. Es ärgert mich, dass manche Politiker anscheinend so tun, als könne man diese Frage beantworten. Momentan entscheiden sie sich für den „Lockdown“, denn momentan ist das einfach und lässt sich gut begründen.

      Nach einiger Zeit wird es eine größere Anzahl an Geheilten (= Immune) geben, die sich nicht mehr einsperren lassen wollen. Man kann sie aber schwer von den Anderen unterscheiden. Außerdem wird es wärmer. Wer will schon bei 30°C zu hause in der Bude hocken. Dann lässt sich der „Lock-Down“ nicht mehr durchsetzen. Die Politik wird es aber damit begründen, dass jetzt die Wirtschaft wieder angekurbelt werden müsse, damit es nicht zu „Massenverarmung“ käme (s. o.).

      Mich kotzt es an, wie Vieh in einem Planspiel betrachtet zu werden. Zum einen darf es nicht zu viele Infizierte gleichzeitig geben, damit das Gesundheitssystem standhält. Es darf aber vielleicht auch nicht zu Wenige geben, damit die Krise schneller wieder vorbei ist und wirtschaftliche Schäden vermieden werden (die Menschen sollen schnell „durchinfiziert werden). Das wäre eine elende Betrachtungsweise, aber vermutlich wird manchmal von den Entscheidungsträgern genauso darüber nachgedacht. Und selbst wenn das nicht stimmt: Muss ich mir unbedingt vorschreiben lassen, wann ich bspw. wieder regulär zur Arbeit gehe, wie zuvor? Ich will selbst entscheiden dürfen und möchte kein „Vieh“ im Planspiel sein.

      Nehmen wir z. B. an, der Arbeitgeber sorgt dafür, das Infektionsrisiko am Arbeitsplatz zu senken. Was nützt Dir das, wenn Du auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen bist und diese wieder voll besetzt sind, so dass Du Dich mit hoher Wahrscheinlichkeit anstecken wirst. Der Arbeitgeber spielt dann ggf. mit Deinem Leben (oder dem Deiner Angehörigen). So einfach und so bitter ist das. Viele Risikopersonen (z. B. Vorerkrankte oder Alte) und Rentner (= Risikopersonen) würden wahrscheinlich wollen, dass der Lock-Down so lange wie möglich aufrecht erhalten wird, bis alles vorbei ist. Alles andere ist dann zweitrangig, solange die Rente regelmäßig überwiesen wird. Aber wer ist überhaupt eine Risikoperson? Gehören dazu bspw. auch Raucher, Ex-Raucher, Allergiker und Alkoholiker? Was ist, wenn der Arbeitgeber das anders sieht? Oder was ist, wenn ich mit einer Risikoperson zusammenlebe?

      Nach der ersten Lock-Down-Phase kann die Lösung daher nur sein, es dem Einzelnen freizustellen, inwieweit er oder sie am öffentlichen Leben teilhaben möchte oder sich lieber schützen möchte. Im Planspiel der Politik und in unseren Gesetzen gibt es diese Entscheidungsfreiheit des Einzelnen aber leider nicht. Unser Rechtssystem ist von Gleichmacherei und binären Entscheidungen (richtig oder falsch) geprägt.

  3. Es gibt noch ganz andere Probleme. Es gibt viele Jobs, die nicht zum Staat gehören, da meldet man sich nicht mit Grippe krank. Es werden Leute mit Grippe oder Corona arbeiten. Gerade im Krankenhaus, Handel passiert das sehr oft. Gerade wo Leute schlecht verdienen passiert es sehr oft. Das ist den meisten nicht klar. Wenig Gehalt macht auch erpressbar. Gerade bei Schichtdienst heißt es schnell, was machst Du, wenn die Ablösung nicht kommt und Du selber Halsschmerzen hast. Ich werde es Dir verraten. Du machst eine Doppelschicht. Corona wird länger dauern als viele denken. Weil wir Missstände haben, deren Schwächen jetzt offen gelegt werden. Natürlich mit dem Preis. Wenn Corona kein Frühjahrs Gag ist, werden wir in drei Monaten fordern, dass Leute Doppelschichten machen, die infiziert sind. Dafür klatschen wir jetzt auch. Dieselbe Propaganda wie 1945 um alte Flagg Helfer zu verheizen. Klingt polemisch? Dann wäre doch mal interessant, zu gucken, wo es die wenigsten krank Meldungen wegen Grippe gibt. Ich denke Unternehmensberater sind es nicht. Ich denke, es ist dort, wo Menschen wirklich gebraucht werden. Und das gilt auf kein Fall für Leistungsträger. Das macht die Sache auch kompliziert. Die, die gebraucht werden, werden mit Corona arbeiten. Das haben sie in den letzten 40 Jahren von uns so gelernt.

    Es endet nicht in drei Wochen, oder zwei Monaten. Corona wird die Fehlentwicklung bei uns herausfordern. Und denkt ja nicht, dass der Unternehmensberater zum Helfen ins Krankenhaus gehen wird, wenn alle dort zusammen brechen werden. Unternehmensberater sind überflüssig und werden sich auch so verhalten.

  4. Seit ihr Virologen? Stay at home.

    • Äh Seid… blödes Handy

    • @Peter: passender Spruch. Aktuell zeigt sich mal wieder die Massenpsychose und das Lemmingverhalten.

      Wieso schaffen es China, Japan und Südkorea, den Corona-Alltag mit deutlich weniger Einschränkungen zu meistern?
      Ganz einfach: weil dort
      – die Menschen von Klein auf GEBILDET werden,
      – die Menschen diszipliniert nach REGELN leben und sich homogen daran halten (ich empfehle eine Reise nach Japan)

      Wenn dem hier so wäre, gäbe es kaum Einschränkungen.

      Ich kann allen Mitforisten nur raten, sich einen Überblick über den Tellerrand zu verschaffen.

      • Na, dann erklär doch einmal bitte, was Du unter Massenpsychose im Zusammenhang genau verstehst. Meinst Du Hysterie? Oder vielleicht doch eher Ignoranz? Hat das viel mit Bildung zu tun? Haben wir eine höhere Analphabetenquote als China (wäre mit neu)? Ein Blick in die Mainstream-Medien zeigt auch, dass in China manches schief lief und offenbar auch jetzt nicht perfekt läuft (kannst ja mal nach „china corona“ googeln). Und ein echter Blick über den Tellerrand würde vermutlich noch weitaus mehr Unerfreuliches verraten. Einen völligen Lock-Down haben wir übrigens auch hierzulande nicht. Auch das gehört zur Wahrheit.

      • Komisch…in Japan nehmen die Fälle sprunghaft zu… Reise zurückgestellt …stayhome

      • Ich möchte nicht in einem Land leben, in dem ich mich homogen an Regeln zu halten habe.
        Ich bin keine Ameise!

        • Ich meine möglichst wenig Regeln. Ein paar Regeln bedarf es, ich genieße jedoch meine Freiheiten gegenüber autoritären Staaten wie z.B. China.
          Ich möchte keinen Blockwart haben

    • „Stay at home“? Gilt das auch für die Krankenschwester oder dem Supermarktkassierer? Vielleicht könntest Du diesen Satz etwas erklären?

      • … und für TV-Journalisten? 😉

        • TV Journalisten sind systemrelevant…die dürfen mit Mundschutz (wg. der Vorbildfunktion u. wg. der Infektionsgefahr via Bildschirm) weiter berichten.

        • Im Vergleich zu Krankenschwestern? Naja, sie können 2 Meter Abstand auch nicht einhalten, wie andere auch, aber im Gegensatz zu MC Donalds stehen nicht 6 Leute 2 Centimeter nebeneinander in der Küche, was ich eigentlich ganz witzig finde. Sie desinfizieren sich und alles und fahren dann zu MCD in eine lange Schlange. Sind die Leute eigentlich zu blöde, um zu kapieren, dass das einer alleine nicht schafft? Das wäre die Vorrausetzung für 2 Meter Mindestabstand. Und dann gehen diese Leute mit Desinfektionsspray in den Supermarkt und sind panisch? Echt jetzt? Dann nehmen sie Desinfektionsspray in die Hand und reiben die Tüte ab? Sind die Menschen nur noch blöde? Ich würde blind darauf wetten, dass die nächste große Infektionswelle von MCD oder einer Alternative ausgeht. Jetzt wird jeder sagen, wenn MCD das auch so sehen würde, würden sie schließen. Nun ja, haben sie genau deswegen in der Schweiz und Österreich auch gemacht. Aus Gründen, die keiner erklären kann: Hier nicht. Hier sagen sie, dass es sicher ist. Und die Idioten, die das glauben stehen dort Schlange. Warum ich mich aufrege? Nun ja, wer bei MCD Schlange steht, macht das freiwillig. Aber das machen nicht die Mitarbeiter. Das macht niemand im Krankenhaus oder bei Aldi. Es spiegelt eher die Dämlichkeit unser Gesellschaft wieder. Und an jeden, der mit einem Desinfektions Sterillium zu MCD fährt: Echt jetzt? Total verblödet?
          Ich möchte aber für gute Journalisten noch eine andere Frage aufwerfen:

          Wie sah es eigentlich für italienische Krankenhäuser letzte Jahr bei Grippe aus? Gab es da auch Lastwagenkonvois? und Krankenhäuser am Abgrund?

  5. Paar Einschränkungen gab’s in China schon…stay at home. Noch mehr Tests wären wünschenswert… insbesondere f. Immunisierte, die können dann raus u. die Welt retten. Was mir völlig unbegreiflich ist: Warum haben wir keinen ausreichenden Vorrat an Schutzkleidung f. Ärzte, Apotheken, Supermärkte etc. Wer war dafür zuständig?

  6. @Sandro: Der Faktenfinder der Tagesschau vom 03.02.2020:

    https://www.tagesschau.de/faktenfinder/coronavirus-faq-angst-berechtigt-101.html

    All die Experten…

    „Was mir völlig unbegreiflich ist: Warum haben wir keinen ausreichenden Vorrat an Schutzkleidung f. Ärzte, Apotheken, Supermärkte etc. Wer war dafür zuständig?“

    Der Gesundheitsminister? Spahn wird für seinen Einsatz in den MSM gelobt…

    „Komisch…in Japan nehmen die Fälle sprunghaft zu… Reise zurückgestellt …Stayhome“

    2.000 Fälle bei 127 Mio Einwohner…Wahnsinnsquote!

    Heute habe ich Ingwer bekommen. Die Versorgung ist gesichert. Die Welt geht nicht unter.

    • Schau mehr mal…der explosionsartige Anstieg der Fälle erfolgte wenige Tage nach Absage der olympischen Spiele… wie sichs wohl weiterentwickelt?

      • Irrelevant für die Märkte.
        Japaner locken ihre Firmen nicht down, das verträgt sich nicht mit deren Kultur.

        „Ich möchte nicht in einem Land leben, in dem ich mich homogen an Regeln zu halten habe.
        Ich bin keine Ameise!“

        Die meisten halten sich an Regeln, auch Du hoffentlich.

        • Nicht mehr als nötig und es sind mir jetzt schon zu viele! Keine Lust auf Blockwarte! Der stumpfe Egoismus der meisten Menschen bedarf leider mancher Regeln.

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

wp-puzzle.com logo