Auch die Experten lagen daneben
Erst die Politik. Dann die Medien. Und jetzt wird es unangenehm für eine dritte Gruppe: die Experten. Denn die schwarze Null war keineswegs nur eine Idee von Angela Merkel und Wolfgang Schäuble. Prominente Ökonomen verteidigten diesen Kurs ausdrücklich. Hans-Werner Sinn verteidigte 2014 öffentlich die schwarze Null. Friedrich Heinemann vom ZEW erklärte im selben Jahr, sie sei wichtig für Deutschland und die Eurozone. Und auch der Sachverständigenrat drängte auf weitere Haushaltskonsolidierung und forderte Deutschland auf, mit gutem Beispiel voranzugehen. Das waren keine Stimmen vom Rand der Debatte. Das war ökonomische Rückendeckung aus dem Zentrum der deutschen Wirtschaftswissenschaft. Natürlich gab es Gegenstimmen. Auch damals warnten Ökonomen vor zu geringen Investitionen und davor, den ausgeglichenen Haushalt zum Selbstzweck zu machen. Aber genau deshalb stellt sich heute eine unbequeme Frage: Warum lagen so viele einflussreiche Experten mit ihrer Prioritätensetzung daneben? Denn während Deutschland seine schwarze Null feierte, wuchs der Investitionsbedarf bei Infrastruktur, Schulen, Digitalisierung und Verteidigung. Die schwarze Null war nie ein ökonomisches Naturgesetz. Sie war eine politische Entscheidung. Doch wenn renommierte Ökonomen...
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