Der wahre Streit hinter dem DGB-Bundeskongress Warum selbst sozialistische Systeme Ungleichheit nie beseitigen konnten
Beim DGB-Bundeskongress wurde in diesen Tagen wieder intensiv über soziale Gerechtigkeit, Verteilung und wirtschaftliche Macht gestritten. Friedrich Merz verteidigte seine Reformpläne, stieß dabei jedoch auf erheblichen Widerstand. Doch auch Lars Klingbeil und Bärbel Bas bekamen zu spüren, wie schwierig die Debatte inzwischen geworden ist. Denn hinter vielen politischen Konflikten unserer Zeit steht letztlich dieselbe Frage: Wie viel Ungleichheit hält eine Gesellschaft aus? Die Antwort darauf wird heute oft schnell gefunden: Der Kapitalismus sei die Ursache wachsender Ungleichheit. Aber genau an diesem Punkt lohnt sich ein Blick zurück. Denn die vielleicht unbequemste Erkenntnis der Wirtschaftsgeschichte lautet: Selbst Systeme, die den Kapitalismus weitgehend abgeschafft haben, konnten Ungleichheit nicht beseitigen. Die DDR ist dafür ein bemerkenswertes Beispiel. Dort gab es kaum private Großunternehmen, keine bedeutenden Aktienvermögen und nur stark begrenztes privates Betriebsvermögen. Große Teile der Wirtschaft waren staatlich organisiert. Aus klassisch kapitalistischer Sicht müsste man also erwarten, dass Vermögensunterschiede weitgehend verschwinden. Doch genau das geschah nicht. Auch in der DDR existierten erhebliche Unterschiede zwischen den Menschen: zwischen Eigentümern und Mietern, zwischen Haushalten...
Mehr