Die schwarze Null war auch ein Medienversagen
Deutschland hat sich kaputtgespart. Darüber habe ich in meiner letzten Kolumne geschrieben. Aber Angela Merkel und Wolfgang Schäuble waren nicht allein. Sie hatten Helfer. Teile der deutschen Medien machten aus der schwarzen Null nicht nur eine politische Entscheidung, sondern eine Erfolgsgeschichte. Als Wolfgang Schäuble den ausgeglichenen Bundeshaushalt erreichte, wurde die schwarze Null in Teilen der Medien als großer finanzpolitischer Erfolg gefeiert. Heute wissen wir, wohin uns diese Mentalität mitgeführt hat: marode Infrastruktur, Investitionsstau, eine über Jahre vernachlässigte Bundeswehr und ein Staat, der inzwischen Hunderte Milliarden Euro mobilisieren muss, um Versäumtes nachzuholen. Natürlich waren nicht alle Journalisten blind. Schon damals gab es deutliche Warnungen vor den Folgen ausbleibender Investitionen und einer zu rigiden Sparpolitik. Das eigentliche Versagen beginnt dort, wo Journalisten eine politische Erzählung nicht mehr kritisch hinterfragen, sondern selbst zu ihren Verstärkern werden. Wirtschaftsjournalismus hat die Aufgabe, politische Erzählungen zu hinterfragen – gerade dann, wenn sie so wunderbar einfach klingen. Schulden schlecht. Sparen gut. Schwarze Null hervorragend. So einfach funktioniert eine Volkswirtschaft aber nicht. Die schwäbische Hausfrau funktionierte politisch...
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