Unser Bundeskanzler macht alles richtig
20. September 2026 - Anton Voglmaier in Allgemein | 2 Kommentare
Ausgerechnet an diesem Wahlabend.
Die CDU erlebt in Mecklenburg-Vorpommern ein Ergebnis, das Friedrich Merz selbst ein „Desaster“ nennt. Auch der Rückenwind aus Berlin sei ausgeblieben, räumt der Bundeskanzler ein.
Und was macht Merz?
Er verspricht nicht, jetzt vorsichtiger zu werden. Er sagt: „Ich möchte, dass unser Land wieder ein Land des Aufbruchs wird.“
Und: „Die Reformen müssen kommen.“
Richtig, Herr Bundeskanzler.
Deutschland braucht Veränderung. Und Deutschland muss wieder investieren.
Jahrelang galt die schwarze Null als Gütesiegel solider Finanzpolitik. Während wir uns für ausgeglichene Haushalte feierten, wurden Brücken marode, Schulen sanierungsbedürftig und das Schienennetz zum Sanierungsfall.
Wir haben den Haushalt geschont und die Substanz verschlissen.
Deutschland hat sich kaputtgespart.
Und ausgerechnet Friedrich Merz hat nach der Bundestagswahl mit einem der zentralen Glaubenssätze deutscher Finanzpolitik gebrochen.
Vor der Wahl hatte er noch gegen „immer neue Schulden“ argumentiert. Wenige Wochen später unterstützte die Union die Grundgesetzänderung für ein kreditfinanziertes Sondervermögen von bis zu 500 Milliarden Euro für zusätzliche Investitionen in Infrastruktur und Klimaneutralität.
Das war eine Kehrtwende.
Aber war sie deshalb falsch?
Nein.
Solide Finanzpolitik bedeutet nicht, um jeden Preis Schulden zu vermeiden. Wer notwendige Investitionen immer weiter verschiebt, spart heute und zahlt morgen umso mehr.
Doch auch 500 Milliarden Euro garantieren keinen Aufbruch.
Und damit sind wir beim vielleicht wichtigsten Satz aus Merz’ Rede:
„Wir erleben einen Staat, der zu kompliziert geworden ist.“
Genau das ist die zweite Baustelle.
Denn Milliarden allein bauen keine Brücken. Deutschland muss sie auch auf die Straße, die Schiene und in die Schulen bringen.
Dafür braucht es schnellere Planungen, einfachere Verfahren und klare Zuständigkeiten. Einen Staat, der nicht nur Geld bereitstellt, sondern wieder etwas zustande bringt.
Plötzlich passen die beiden großen Entscheidungen von Merz zusammen.
Schulden für Investitionen.
Reformen, damit sie auch umgesetzt werden.
Genau daran wird sich Merz nach diesem Wahlabend messen lassen müssen.
Nicht weniger Veränderung.
Mehr.
Deutschland hat sich lange genug kaputtgespart.
Jetzt darf es sich nicht kaputtverwalten.

Was, wenn Merz Erfolg hat? Uns fehlt die Fantasie für Deutschlands nächsten Aufschwung.
Und mit „uns“ meine ich Journalisten, Experten und die Bevölkerung. Es fehlt am Grips, Investitionen und Reformen konsequent zu Ende zu denken. Deutschlands Niedergang können wir uns offenbar leichter vorstellen als seinen Aufschwung.