Categories Menu

Wann könnte der Zinsabwärtstrend enden?

12. Oktober 2020 - Robert Z. in Gastbeitrag | 4 Kommentare

Die Kommentare zu den beiden vorhergehenden Beiträgen gaben Anregung nun Zins-Trends und deren Extrapolationen zu untersuchen. Manche Aspekte sind deutlicher in linearer und andere in logarithmischer Darstellung zu visualisieren; deshalb wird beides nebeneinander wiedergegeben.

(1) Ohne sehr viel nachzudenken und am wenigsten Aufwand ist es für die 6 bereits bekannten Datenreihen jeweils (d. h. also 6) Trendlinien (linear) durch das Computer-Programm ermitteln zu lassen.

Das Ergebnis ist im 1. Chart dargestellt. Die Trendlinien sind in Farbe und Struktur entsprechend den Datenreihen dargestellt. Also DE/EUR rot und USA blau.

Erwartungsgemäss weisen die gestrichelten Linien der Zentralbanken jeweils die niedrigsten Zins-Werte aus, dann folgen die kurzfristigen (dünn) und zuletzt die langfristigen (dick) Zinsen.

 

Im 2. (Log-)Chart gibt es keine Null-Linie aber der Schnitt mit der 0,01%-Linie sagt ja auch schon viel aus bei welchen Jahreszahlen die 0% zu erwarten wären.

(2) Um zu versuchen den langfristigen Trend der langfristigen Zinsen besser herauszuarbeiten wurden die Werte vor der 1980er Spitze weggeschnitten sowie auch die hohe Spitze der US-Daten. Bei der DE-Linie gab es anlässlich der Finanzkrise einen Ausbruch aus dem Trend zu niedrigeren Zinsen – auch dieser Teil wurde deshalb weggeschnitten. Der Ausbruchversuch der US- Zinsen ca. 2018 zu höheren Zinsen wurde belassen – weil es beim Versuch blieb.

In Summe verbleibt ein Bereich von 32 Jahren für die DE- Umlaufrendite und 35 Jahren für die US-Treasuries.

Der 3. Chart und der 4. Chart sind das Ergebnis. Gestrichelt sind zusätzlich Trendlinien manuell eingetragen. Mit Ausnahme der unteren Trendlinie der US-Zinsen laufen alle Linien in etwa um das Jahr 2027 bei 0% Zins zusammen.

 

(3) Das Thema Minus-Zins ist bis jetzt aussen vor geblieben. Dazu soll der 5. (Log-) Chart, der auf der Basis der um +1% verschobenen Werte beruht (siehe Beitrag „logarithmisch), noch vorgestellt werden:

 

Die korrekten „Originalwerte“ sind wieder auf der rechten Ordinate angegeben. Ansonsten entspricht der Chart genau dem obigen 4. Chart. Die gestrichelten Trendlinien wurden selbstverständlich auch um +1% mitverschoben – aber ansonsten genau beibehalten. Zusätzlich wurden dann die abgeschnittenen Werte im Interesse der vollständigen Übersicht wieder eingetragen. Die Computerlinien mussten deshalb weggelassen werden – sie würden sich auf die gesamten Daten beziehen.

Wenn man die untere Trendlinie der US- Treasuries davon ausnimmt ergibt sich folgendes Bild: Die 0%-Linie wird ca. 2027, die –0,5% ca. 2030 und die –1% bei ca. 2032 durchschnitten.

Lieber Raimund, das ist wohl das „Spannungsfeld“ für das Du Dich in Deinem letzten Kommentar besonders interessiert hast. Da hätte die DE- Umlaufrendite nun noch eine lange „Durststrecke“ vor sich um überhaupt zu ihren langfristigen Trendlinien zu gelangen – geschweige denn sie nach oben zu brechen. Nehmen wir an die Zinsen würden sich wie z. Zt. um etwa — 0,5% bewegen so wären ca. 10 Jahre nötig um zu den Trendlinien zu gelangen – schaffen sie es bis 0% wären es ca. 3 Jahre weniger. In ca. 5 Jahren wäre bereits die obere Trendlinie der US-Treasuries erreicht falls das derzeitige Zins-Niveau bestehen bleibt.

(4) Hat der abgeschnittene Teil seit der Finanzkrise bereits einen eigenen ausgeprägten Trend bis heute? Dies sind zwar nur 10 Jahre – trotzdem wird wenigstens die (mittlere) Computerlinie (Chart 6) hier der Vollständigkeit halber gezeigt.

 

Die gestrichelten Linien des langfristigen Trends wurden zusätzlich unverändert eingetragen. Im Fall der DE-Umlaufrendite entfernt sich die Mittellinie vom langfristigen Trend in Richtung negativerer Zinsen (auf ca. -3 bis -4% bis 2030) während die US-Treasuries sich in Richtung positiverer Zinsen vom langfristigen Trend entfernen (auf ca. +1% bis 2030).

Werden DE/EUR- und US-Zinsen weiter auseinander laufen oder sich dem parallelen Verlauf der zurückliegenden 40 Jahre wieder annähern. Sie waren einerseits selten mehr als 2% Zins (z. Zt. ca. 1,3%) auseinander und andererseits „– 3% in 10 Jahren“ ???

Heute wurde versucht objektiv Daten zu präsentieren und daraus Trendlinien abzuleiten. Dabei soll es mal bleiben und eine weitere Diskussion wird einschliesslich Schlussfolgerungen und/oder Prognosen zunächst eventuellen Kommentaren überlassen.

4 Kommentare

  1. Tja, was will uns der Prophet damit sagen? Steigen die Aktien, fällt das Gold, wird es morgen regnen?

    Auf jeden Fall bleibt es spannend. Und vielleicht wird China ja alle Zinsprognosen dieser Art durcheinanderwirbeln, wenn die chinesischen Bonds an Marktbreite gewinnen.

    Historische Entwicklungen lassen sich nicht mit dem an die Vergangenheit angelegten Lineal vorhersagen.

    • Das liest sich ja neckisch. Ich versuche mal den Ball aufzunehmen. “Steigen die Aktien, fällt das Gold, wird es morgen regnen?” Ja, es gibt Beziehungen Zins-Aktien-Gold. Sie wurden schon sehr oft diskutiert – aber nicht in diesem Beitrag – im Netz jedoch leicht zu finden! Die Beziehung zu “wird es morgen regnen?” scheint neu. Empfehlung: wetter.de bzw. weather.com klicken! Für 24 Std. sind die Vorhersagen ziemlich zuverlässig. Für morgen: Börse Frankfurt vormittags sehr geringer Nieselregen und Wallstreet bis 95% Regen den ganzen Tag. Kompliment zum Timing – in den heutigen Top News bei http://www.comdirect.de passt dazu der Artikel
      Heute, 12:23 Uhr Deutsche Institute haben sich wetterfest gemacht

      “Anlegen des Lineals” stimme ich 50/50 zu. Z. B. 30 Jahre Trend zurück und 30 Jahre Lineal voraus ergäbe in 2050 –10% Zins der DE-Umlaufrendite. Solange möglich müsste man den Sparstrumpf füllen – sonst wäre bei einer Anlage in Bundesanleihen ab 2050 evtl. das ganze Geld bis 2060 woanders (auf dem Sparbuch könnte etwas zurück bleiben). Irre !?!?! – Ja, das sind die 1. 50% zum Lineal, für die auch ich nichts übrig habe.

      Die 2. 50% lauten: Ist man an Zinsanlagen interessiert so kann man schon einen über 30-jährigen Zinstrend im Hinblick auf die nächsten 10 Jahre BEWERTEN WOLLEN – besonders wenn Minuszinsen ein Thema sind. Und natürlich beeinflussen die langfristigen Zinsen auch andere Vermögenswerte (s. o.). Manche würden sogar sagen BEWERTEN MÜSSEN – ohne sich durch Ungewisses (wie den möglichen Einfluss “chinesischer Staatsanleihen”) davon abhalten zu lassen. Das ist der Unterschied zwischen unseren beiden Ansichten. Ob da anstelle des Lineals auch mal ein nicht allzu breiter Daumen reicht sei geschenkt.

      Ich habe vor etwas (zur Sache) zum Kommentar von Raimund Brichta zu schreiben. Eine solche Diskussion sehe ich jedoch nicht als „Prophezeiung(en)“ an.

  2. Vielen Dank für die interessanten Charts, lieber Robert. Wenn ich Dein Zwischenfazit richtig interpretiere, könnten die Abwärtstrends zum Ende des nächsten Jahrzehnts gebrochen werden – plus/minus ein paar Jahre.

    Dies deckt sich mit meinem Szenario, nach dem zum Ender der 20er- oder zum Beginn der 30er-Jahre etwas wesentliches passieren könnte mit unserem Geldsystem (Zusammenbruch/Währungsreform o.ä.). Stay tuned!

  3. Der Zinsabwärtstrend endet mit dem Reset. Der Zeitpunkt dafür ist ungewiss und lässt sich weder mit linearen noch mit logarithmischen Chart feststellen.

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

wp-puzzle.com logo