Warum CIPS den Yuan nicht zum neuen Dollar macht
28. Juni 2026 - Anton Voglmaier in Allgemein | Keine Kommentare »
China baut mit CIPS ein leistungsfähiges System für das Clearing und die Abwicklung grenzüberschreitender Zahlungen in Renminbi aus.
Das erleichtert die internationale Verwendung der chinesischen Währung und stärkt den Yuan im Handels- und Zahlungsverkehr.
Doch wer daraus seinen Aufstieg zur neuen Weltwährung ableitet, verwechselt Zahlungsabwicklung mit Wertaufbewahrung.
CIPS kann Transaktionen effizienter abwickeln. Es kann aber aus einer politisch kontrollierten Währung keinen frei verfügbaren globalen Wertspeicher machen.
Der Renminbi ist die Währung eines kommunistischen Staates, in dessen Wirtschaftsordnung öffentliches Eigentum verfassungsrechtlich die Grundlage bildet und der staatliche Sektor eine führende Rolle einnimmt.
Privates Eigentum wird zwar anerkannt und gesetzlich geschützt. Es bleibt jedoch in ein System eingebettet, in dem die Kommunistische Partei die politische Richtung vorgibt und der Staat über weitreichende Eingriffsmöglichkeiten verfügt.
Für eine globale Wertaufbewahrungswährung ist das ein grundlegendes Problem.
Anleger und Zentralbanken müssen darauf vertrauen können, dass ihr Eigentum dauerhaft geschützt bleibt, sie ihr Kapital frei umtauschen und transferieren können und auch in Krisenzeiten darüber verfügen dürfen.
Diese Voraussetzungen erfüllt der Renminbi nur eingeschränkt.
Der Kapitalverkehr ist nicht vollständig liberalisiert, und der Wechselkurs bildet sich nicht uneingeschränkt frei am Markt.
Dass chinesische Bürger und Unternehmen Renminbi halten, beweist deshalb wenig. Sie erhalten ihre Einkommen in Renminbi, bezahlen damit Rechnungen und Steuern und unterliegen beim Umtausch und beim Transfer von Kapital ins Ausland staatlichen Regeln und Kontrollen.
Entscheidend ist nicht, welche Währung Menschen benutzen müssen.
Entscheidend ist, welcher Währung sie ihr Vermögen freiwillig anvertrauen.
China erlaubt Privatpersonen grundsätzlich, Devisen bis zu einem Gegenwert von 50.000 US-Dollar pro Jahr relativ unkompliziert zu kaufen. Darüber hinausgehende Transaktionen können zusätzliche Nachweise und Prüfungen erfordern.
Das steht im Widerspruch zum Anspruch, den Renminbi zu einer frei verfügbaren Weltwährung zu machen.
Auch die Zahlen sprechen eine klare Sprache:
Ende 2025 entfielen rund 56,8 Prozent der weltweit ausgewiesenen Devisenreserven auf den Dollar.
Der Anteil des Renminbi lag bei nicht einmal 2 Prozent.
Das ist keine ernsthafte Konkurrenz um die globale Rolle des Dollars.
Eine Währung, die benutzt werden muss, ist noch lange keine Währung, der man sein Vermögen freiwillig anvertraut.
CIPS kann die internationale Verwendung des Renminbi ausweiten.
Zum neuen Dollar macht es ihn nicht.
