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„Wer soll das bezahlen, wer hat das bestellt, wer hat so viel Pinke-Pinke, wer hat so viel Geld?“

18. August 2026 - Anton Voglmaier in Allgemein | 4 Kommentare

Aus New York erreichte mich in diesen Tagen eine bemerkenswerte Analyse über den KI-Boom. Und sie lenkt den Blick auf eine Frage, die in der ganzen Euphorie erstaunlich selten gestellt wird:

Wer bezahlt das eigentlich alles?

Allein die fünf größten Hyperscaler wollen 2025 und 2026 mehr als eine Billion Dollar in KI-Infrastruktur investieren. Rechenzentren, Chips, Stromversorgung – der Aufbau einer neuen digitalen Infrastruktur verschlingt Summen, die selbst für die größten Tech-Konzerne gewaltig sind.

Und genau hier wird die Geschichte interessant.

Denn ein wachsender Teil dieser Investitionen wird mit Schulden finanziert.

Nvidia hat gerade gemeinsam mit Apollo, BlackRock, Blackstone, Brookfield, Goldman Sachs und KKR Finanzierungsplattformen angekündigt, die im Laufe der Zeit mehr als 500 Milliarden Dollar Kapital von Dritten für KI-Infrastruktur mobilisieren sollen.

Noch erstaunlicher ist eine andere Zahl: Nach einer OECD-Schätzung, die auch die Bank of England zitiert, stieg der Anteil von Private Credit an der Finanzierung von KI-Investitionen innerhalb nur eines Jahres von 9 auf 34 Prozent.

Damit geht es plötzlich um mehr als überhöhte Aktienkurse.

Wenn Nvidia morgen 30 oder 50 Prozent fällt, verlieren zunächst die Aktionäre. Wenn jedoch Kredite ausfallen, wandert das Risiko weiter – zu Private-Credit-Fonds, Versicherern und anderen institutionellen Anlegern.

Und damit sind wir bei einer Lektion, die wir eigentlich kennen sollten.

2008 waren Häuser nicht das Problem.

Die Schulden darauf waren es.

Natürlich ist KI heute nicht der amerikanische Immobilienmarkt von damals. Aber die Mechanik dahinter verdient Aufmerksamkeit: Je mehr eine große Investitionswelle mit Krediten finanziert wird, desto entscheidender wird, ob die erwarteten Erträge tatsächlich kommen.

Was also passiert, wenn die Milliardeninvestitionen in Rechenzentren und Chips nicht schnell genug Geld verdienen – Zinsen und Schulden aber trotzdem bedient werden müssen?

Wenn die Rechnung nicht aufgeht, stellt sich plötzlich eine ganz andere Frage: Wer trägt die Verluste?

Die Tech-Konzerne? Die Kreditgeber? Private-Credit-Fonds? Versicherer?

Oder am Ende wieder der Staat?

Und genau hier hört KI auf, nur eine Technologie- und Börsengeschichte zu sein.

Je größer die Schulden hinter dem KI-Boom werden, desto wichtiger wird eine Frage, die wir aus vergangenen Krisen kennen:

Wer kassiert die Gewinne, solange es gutgeht – und wer bezahlt die Rechnung, wenn es schiefgeht?

4 Kommentare

  1. Die Rechnung (KI, i.w.V. Robotik) geht auf.

    Eingespart wird der Arbeitslohn an Menschen. 100e millionenfach.

    • Das kann durchaus ein wesentlicher Teil der Rechnung sein. KI und Robotik können menschliche Arbeit ersetzen und damit Arbeitskosten senken. Aber ob die Rechnung insgesamt aufgeht, hängt davon ab, ob diese Einsparungen groß und schnell genug sind, um die enormen Investitionen in Rechenzentren, Chips, Energie und Infrastruktur sowie deren Finanzierungskosten zu rechtfertigen. Erste Produktivitätseffekte sind sichtbar – ein gesicherter flächendeckender Produktivitätsschub aber noch nicht. Genau darin liegt für mich das Risiko.

      • Klar gibt es Risiken. Allerdings sind die Hyperscaler (Alphabet , Microsoft, Amazon, Alibaba) finanziell hervorragend aufgestellt und besitzen gemeinsam ein Quasi Monopol.

        Rücksetzer möglich und auch gesund, aber keine Finanzkrise a la 2008.

        Vor 2008 hat fast niemand die Finanzkrise sehen kommen. Jetzt spricht die halbe Welt von den möglichen Finanzierungsproblemen – ein großer Unterschied zu damals.

        Dennoch finde ich es sehr spannend dass Sie dieses Thema beackern.

        „Erste Produktivitätseffekte sind sichtbar – ein gesicherter flächendeckender Produktivitätsschub aber noch nicht.“

        Kann ich bestätigen. Das ganze Thema KI läuft in einem atemberaubenden Tempo ab…

        Wer sich in der Privatwirtschaft dem Produktivitätsschub verweigert geht unter.

        • Dass die großen Hyperscaler heute finanziell sehr solide aufgestellt sind, ist richtig. Und ich behaupte auch nicht, dass uns eine Finanzkrise wie 2008 bevorsteht.

          Mein Vergleich mit 2008 bezieht sich auf einen anderen Punkt: Hohe Investitionen allein müssen kein Problem sein. Entscheidend wird es, wenn ein wachsender Teil davon mit Schulden finanziert wird. Denn wenn diese Kredite ausfallen, können die Verluste auch bei Kreditgebern, Private-Credit-Fonds, Versicherern und anderen Investoren landen.

          Genau das beobachten wir inzwischen bei KI. Die Kreditfinanzierung wächst stark, Private Credit gewinnt an Bedeutung, und auch Off-Balance-Sheet-Strukturen nehmen zu. Gleichzeitig ist noch offen, wie schnell und in welchem Umfang die erwarteten Produktivitäts- und Ertragssteigerungen tatsächlich kommen.

          Wenn sie kommen, kann die Rechnung sehr gut aufgehen. Wenn nicht, stellt sich die entscheidende Frage: Wer trägt am Ende die Verluste?

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