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Woher soll der Strom für die KI kommen?

2. August 2026 - Anton Voglmaier in Allgemein | 5 Kommentare

Vor wenigen Jahren schien die Frage entschieden. Deutschland hat seine letzten Kernkraftwerke abgeschaltet und setzt auf erneuerbare Energien. Für viele war das Kapitel damit abgeschlossen.

Doch dann kam die Künstliche Intelligenz. Mit ihr haben sich auch die Rahmenbedingungen der Energiepolitik grundlegend verändert.

Künstliche Intelligenz ist keine Modeerscheinung. Sie wird die Industrie verändern, medizinische Forschung beschleunigen, die Verwaltung effizienter machen und völlig neue Geschäftsmodelle hervorbringen. Sie könnte zu einer der wichtigsten wirtschaftlichen Entwicklungen dieses Jahrhunderts werden.

All das hat jedoch einen Preis: Energie.

KI-Rechenzentren benötigen enorme Mengen an Strom – rund um die Uhr. Ihr Bedarf wird in den kommenden Jahren weiter stark steigen. Doch KI ist nur ein Teil der Entwicklung. Immer mehr Autos fahren elektrisch, Wärmepumpen ersetzen Öl- und Gasheizungen und zahlreiche industrielle Prozesse sollen künftig mit Strom statt mit fossilen Energieträgern betrieben werden. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht mehr, ob unser Strombedarf wächst, sondern wie wir ihn decken wollen.

Damit stellt sich eine unbequeme Frage: Wurde der deutsche Atomausstieg unter Voraussetzungen beschlossen, die sich inzwischen grundlegend verändert haben?

Es geht ausdrücklich nicht darum, Wind- und Solarenergie infrage zu stellen. Im Gegenteil. Sie werden auch künftig eine Rolle spielen. Doch genügt das allein, wenn Deutschland die Chancen der Künstlichen Intelligenz wirtschaftlich nutzen und zugleich ein wettbewerbsfähiger Industriestandort bleiben möchte?

Kernkraft liefert wetterunabhängig Strom, verursacht im Betrieb nur geringe CO₂-Emissionen und kann die Grundversorgung sichern. Gleichzeitig dürfen die Gegenargumente nicht verschwiegen werden: Neue Kernkraftwerke sind teuer, ihre Planung dauert viele Jahre, die Endlagerfrage ist ungelöst und die Sicherheit bleibt ein berechtigtes Anliegen.

Gerade deshalb sollte diese Debatte nicht ideologisch geführt werden.

Auch die Frage, ob einzelne bereits abgeschaltete Kernkraftwerke – soweit technisch, wirtschaftlich und sicherheitstechnisch überhaupt noch möglich – wieder genutzt werden könnten, sollte ohne Denkverbote geprüft werden. Ebenso sollte offen diskutiert werden, ob neue Reaktortechnologien künftig einen Beitrag leisten können.

Deutschland braucht keine Glaubenssätze in der Energiepolitik. Es braucht eine ehrliche Bestandsaufnahme.

Die Künstliche Intelligenz verändert gerade die Welt. Vielleicht ist deshalb jetzt der richtige Zeitpunkt, auch unsere Energiepolitik neu zu überdenken – ergebnisoffen, technologieoffen und frei von Ideologien.

5 Kommentare

  1. Ich stimme Ihnen voll zu.

    „Damit stellt sich eine unbequeme Frage: Wurde der deutsche Atomausstieg unter Voraussetzungen beschlossen, die sich inzwischen grundlegend verändert haben?“

    Ich bin der Meinung, dass Deutschland ganz bewusst deindustialisiert wird. Dazu gehört auch der falsche Atomausstieg von Frau Merkel, flankiert von den GRÜNEN und deren Sponsoren (ohne Sponsoren keine mediale Aufmerksamkeit).

    Jeder mit einem Funken Menschenverstand weiß, dass Atomkraft ein Bestandteil der Energieversorgung sein müsste in Deutschland.

    Im Rest der Welt gehört er dazu, und wird AUSGEBAUT.

    Die WESENTLICHE Frage lautet daher: warum schießen die hiesigen Medien gegen die Atomkraft in Deutschland?

    Sie selber wissen doch wie Medienkonzerne funktionieren: die Besitzer bestimmen deren ideologische Ausrichtung. Entsprechendes Personal, genannt „Journalisten“, werden eingestellt und bekommen monatlich ein Gehalt. Ergo müssen diese der ideologischen Ausrichtung ihrer Besitzer folgen (oder den Job kündigen).

    Nochmal: warum schießen die hiesigen Medien gegen die Atomkraft?

    Was mir ebenfalls aufgefallen ist: in vielen „Meinungsartikeln“ besagter Medien werden auch die extrem hohen Energiepreise hierzulande als notwendig für die „Transformation“ verteidigt.

    Eigentlich müssten lauter Artikel erscheinen, die als Zielsetzung haben, die Energiepreise hierzulande MASSIV zu senken (auch aus den von Ihnen hervorragend zusammengefassten Gründen).

    Denken Sie darüber in Ruhe nach, frei von Vorurteilen, sondern rein rational und logisch. Zu welchem Ergebnis kommen Sie?

    • Mir ging es in der Kolumne vor allem um eine Frage: Haben sich durch die Künstliche Intelligenz die energiepolitischen Rahmenbedingungen so grundlegend verändert, dass wir unsere bisherigen Entscheidungen noch einmal unvoreingenommen überprüfen sollten?

      Unabhängig davon, wie man die Vergangenheit bewertet, halte ich es für wichtig, diese Frage heute ergebnisoffen und ohne ideologische Scheuklappen zu diskutieren. Genau dazu wollte ich mit der Kolumne anregen.

  2. Ich teile Ihre Meinung erneut vollumfänglich, setze aber noch einen drauf: 😉

    Wieso „überprüfen“? Wieso „diskutieren“?

    Die Welt entwickelt sich sowas von rasend schnell, dass asap GEHANDELT werden müsste in Deutschland – sprich
    1) zurück zur Atomkraft,
    2) Kohlekraftwerke mindestens bis 2050

    Was gibt es da noch zu diskutieren? Es ist nicht 5 vor 12, sondern der Zug ist bereits abgefahren.

    Andere Länder entscheiden schnell, machen schnell, und das ganze ohne Ideologie – insbesondere China.

    Erfolgreiche Unternehmen in der Privatwirtschaft MACHEN, sie diskutieren nicht endlos.

    Zu meinem obigen Punkt bzgl der Rolle der Medien gibt auch heute wieder ntv sein Atomkraft-Bashing zum Besten:

    https://www.n-tv.de/wirtschaft/Osteuropaeische-Atomkraftwerke-versagen-in-der-Hitze-id31150272.html

    Hinter dieser „Berichterstattung“ steckt eine Strategie…

    • Ich kann Ihren Wunsch nach schnelleren Entscheidungen nachvollziehen. Gerade die rasante Entwicklung der Künstlichen Intelligenz erhöht den Handlungsdruck aus meiner Sicht erheblich.

      Ob am Ende Kernenergie, erneuerbare Energien oder andere Technologien welchen Beitrag leisten sollten, ist eine politische und gesellschaftliche Entscheidung. Mir ging es in der Kolumne vor allem darum, die Frage aufzuwerfen, ob sich die Rahmenbedingungen seit dem Atomausstieg so grundlegend verändert haben, dass wir unsere Energiepolitik heute noch einmal unvoreingenommen überprüfen sollten.

      Genau diese Diskussion halte ich für notwendig – technologieoffen, sachlich und ohne ideologische Vorfestlegungen.

  3. Das Kernargument für die Abkehr von fossilen Energieträgern war und ist in Deutschland stets die „Klimakrise“, und das Narrativ „Wir (Deutsche) müssen das Klima retten.“

    Es wurde argumentiert, dass Deutschland mit „grünen Technologien“ ein Wirtschaftswunder wie zu Zeiten von Ludwig Erhard schaffen würde – das kam von Olaf Scholz höchstpersönlich und wurde in den Medien nahezu widerspruchslos abgedruckt. Warum hat fast niemand diesen offensichtlichen Nonsens widersprochen?

    Nein, die KI hat die Rahmenbedingungen für Deutschland nicht geändert. Warum? Die Rechenzentren entstehen außerhalb Deutschlands – die Projekte sind bereits eingetütet.

    Dennoch schätze ich Ihre Anregungen zum Hinterfragen des Atomausstiegs sehr.

    Nach den Landtagswahlen in Berlin dürfte es eine von der sogenannten Linkspartei geführten Regierung mit den GRÜNEN und der SPD geben…Gesellschaftlich gewünscht.

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