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Depotvorschlag: Lenzing

23. Oktober 2017 - Raimund Brichta in Allgemein | 13 Kommentare

Zur Abwechslung möchte auch ich mal einen Depotvorschlag zur Diskussion stellen: den österreichischen Zellulosefaserproduzenten Lenzing. Er stellt aus zerkleinertem Holz zunächst Zellstoff her und macht daraus dann Fasern, die in Klamotten, Teppichen oder Hygieneartikeln verarbeitet werden. Die Fasern finden sich zum Beispiel in Jeans- und Blusenstoffen, in Arbeitskleidung, in Unterwäsche oder als Vliesstoff in Kosmetikartikeln.

Fast alle vergleichbaren Unternehmen in Europa haben inzwischen ihren Betrieb eingestellt, Lenzing ist dagegen Weltmarktführer bei holzbasierten Zellulosefasern. Ein Grund dafür ist der Erfindungsreichtum der Österreicher bei der Weiterentwicklung der Fasern mit zahlreichen Patenten auf diesem Gebiet.

Noch ist der Anteil holzbasierter Zellulosefasern am gesamten Fasermarkt zwar gering, er liegt bei weniger als 10 Prozent. Aber er wächst stetig, weil zum einen die Weltbevölkerung und der Wohlstand wachsen und der Trend zu Naturfasern anhält und weil zum anderen die Baumwollproduktion nicht in gleichem Maße mitwachsen kann. Deren Anbauflächen sind begrenzt, weil sie auf Gegenden beschränkt sind, die bestimmte klimatische Voraussetzungen erfüllen. Holz dagegen wächst fast überall.

Seinen Herstellungsprozess bezeichnet Lenzing selbst als umweltfreundlich, was ich nicht nachprüfen kann, aber zunächst einmal glaube, solange mich hier niemand vom Gegenteil überzeugt. Neben Zellulose und Wasser wird bei der Herstellung zwar ein chemisches Lösungsmittel verwendet, aber Lenzing verweist darauf, dass dieses fast vollständig in den Produktionskreislauf zurückgeführt werde. Der Rest werde aus der Faser herausgewaschen und in eigenen Kläranlagen abgebaut.

Zudem gelten die Lenzing-Fasern als hygienisch vorteilhaft, weil Mikroorganismen darauf nicht so wachsen können wie auf anderen Materialien. Das macht diese Fasern besonders interessant für den Einsatz in Regionen, in denen die Hygienestandards nicht so hoch sind wie bei uns.

Vor Kurzem hat Lenzing in Paris eine neuartige Faser vorgestellt, die als Mischung aus Seide und Kaschmir bezeichnet wird und laut Lenzing weit ökologischer hergestellt werden kann als Seide. Sie soll vor allem in China und bei Luxusmodefirmen Anklang finden.

Die Geschäftsentwicklung von Lenzing war 2013 und 2014 unbefriedigend, befindet sich seitdem aber wieder im Aufwind. Die Eigenkapitalquote hat sich in den vergangenen Jahren stetig gebessert und liegt inzwischen deutlich über 50 Prozent.

Der Kurs der Lenzing-Aktie wird maßgeblich beeinflusst vom Preis der Baumwolle als Konkurrenzprodukt. Da der Baumwollpreis in den vergangenen Monaten fiel und zusätzlich der Eurokurs stieg, ist die Lenzing-Aktie vom Top im Sommer um mehr als 30 Prozent zurückgekommen. Dadurch hat sich das KGV auf ein moderates Niveau von 11 verringert.

Der Kurs ist nun genau auf das Hoch von 2011 zurückgefallen (siehe unten) und testet damit eine mögliche Unterstützung. Vielleicht bietet dies die Chance zum Aufbau einer Anfangsposition? Wenn die Unterstützung nicht halten sollte, würden wir dies relativ rasch mitbekommen und könnten uns mit relativ kleinem Verlust wieder verabschieden. Wenn sie hält, wäre es natürlich umso besser.

Meinungen?

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13 Kommentare

  1. Keine Antworten bisher, das zeigt, der Wert ist staubtrocken, langweilig. Dazu fair bewertet und ohne große Wettbewerber, dazu wird in neue Produkte investiert.
    Für mich ein Kauf wert!

  2. Ich finde den Vorschlag gut. Abgesehen von den soliden Fundamentaldaten und der charttechnisch einladenden Gelegenheit finde ich die kürzlich erfolgte Präsentation von neu entwickelten „Seidenfäden“ interessant.
    Mit dieser Erfindung will man in das Luxussegment vordringen („Drei-Milliarden-Euro-Markt“). Für mich bietet sich aktuell eine gute Gelegenheit für einen (Teil-)Einstieg.

  3. Sicherlich keine Aktie für kurzfristige Übergewinne. Bei dem KGV, der Dividendenrendite und (vielleicht auch) dem Chart sollte das Rückschlagpotential begrenzt sein –> auch für diejenigen von uns, die parallel mitkaufen, aber einen Ausstieg bei einem weiteren Rücksetzer (aus Kostengründen) nicht mitmachen würden. Die beschriebene Abhängigkeit vom Baumwollpreis bietet natürlich die Gelegenheit, faktisch gleichzeitig eine – für Wahre Werte eigentlich aus ethischen Gründen – nicht akzeptable Rohstoffspekulation mitzumachen. Also: Einsteigen mit halber Kraft.

    • Nahezu hundertprozentige Zustimmung, lieber Till – mit einer kleinen Einschränkung: Die Spekulation auf Lenzing wäre auch aus ethischen Gesichtspunkten m. E. nicht vergleichbar mit der direkten Spekulation auf den Baumwollpreis. Warum? Der Kauf von Baumwollkontrakten an der Terminbörse führt zu einer direkten Beeinflussung des Baumwollpreises. Und je mehr solcher Gelder weltweit in Baumwolle fließen, desto mehr wird die Preisbildung am Baumwollmarkt dadurch verzerrt. DAS ist die ethische Problematik, die m. E. hinter solchen Spekulationen steht.

      Schon die Spekulation auf den Aktienkurs eines Unternehmens, das Baumwolle produziert, wäre unter diesem Gesichtspunkt m. E. also ethisch unproblematisch. Denn diese beeinflusst allenfalls den Aktienkurs dieses Unternehmens, nicht aber den Baumwollpreis.

      In diesem Fall ist die Spekulation noch weiter nachgelagert, weil Lenzing nicht einmal Baumwolle produziert. Hier wäre eher ein Vergleich mit der direkten Spekulation in Holz und Wald angebracht, die ich aus ethischer Sicht wegen ihrer Preiseinflüsse ebenfalls ablehnen würde. Die Spekulation in Lenzing aber nicht.

  4. Vielen Dank für Deine sehr gute Darstellung der Firma / Aktie Lenzing AG, lieber Raimund.

    Ich finde, dass das ein interessanter Wert für unser Depot ist. Was mir an diesem Wert nicht gefällt sind die relativ geringen Stückzahlen, die an den Börsen gehandelt werden und der weitere Kursrücksetzer vom vergangenen Freitag.
    Wir sollten den Wert also weiter beobachten.

    • An der Wiener Börse wurden am Freitag 82.000 Stücke gehandelt. Ich finde, das ist eine vertretbare Größenordnung. Was die Kursentwicklung anbelangt, sollten wir selbstverständlich abwarten, bis sich besser abschätzen lässt, ob die Unterstützung halten könnte.

  5. Hallo Herr Brichta,
    nachdem wir am letzten Donnerstag über die „Wahren Werte“ sprachen, hatte ich vor nun einmal meinen derzeitigen Favoriten hier im Blog vorzuschlagen. Aber welche Überraschung: Sie waren mir schon zuvorgekommen und haben „Lenzing“ schon selbst vor einigen Tagen entdeckt :-). Ich bin überzeugt von dieser Aktie, allerdings bereitet mir der enorme Kursrückgang in der letzten Zeit einiges Stirnrunzeln. Die Nachrichten von Lenzing sind alle sehr positiv, so ist doch im letzten Quartal das beste Halbjahresergebnis in der Betriebsgeschichte bekannt gegeben worden. Und trotzdem hat die Aktie so viel an Wert verloren, das kann ich mir nicht so recht erklären. Ich bin überzeugt von dem Konzept Textilien aus Holzfasern herzustellen. Ich denke das ist durchaus bahnbrechend und dazu noch nachhaltig. Für mich ist die Aktie zu diesem Preis ein Kauf!!

    • Das muss Gedankenübetragung gewesen sein, liebe Ulrike 😉

      Grundsätzlich müssen Kursbewegungen nicht immer fundamentale Hintergründe haben. Nach meiner Erfahrung haben sie das sogar immer öfter nicht. Ein Kursrutsch kann zum Beispiel darauf zurückzuführen sein, dass größere Anleger sich von ihren Beteiligungen trennen – aus welchen Gründen auch immer.

      Im Fall Lenzing aber bieten sich der Baumwollpreisrückgang und die Eurostärke (letztere verstärkt die Konkurrenzsituation zu Ungunsten Lenzings noch) durchaus als nachvollziehbare Erklärungsmöglichkeiten an. Auf einem anderen Blatt steht dabei, inwieweit der Baumwollpreisrückgang wiederum fundamental gerechtfertigt ist und ob dieser einen so starken Kursrücksetzer bei Lenzing rechtfertigt. Hierbei muss man aber berücksichtigen, dass die Aktie zuvor stark zugelegt hat und die Börse keine Einbahnstraße ist. Kurskorrekturen sind in solchen Fällen also normal.

  6. Nun haben wir wohl zu lange gewartet:2.11.2017 –> 123 EUR

    • Nicht ganz 😉 Ich hatte am Montag den Auftrag zum Einbuchen in unser Depot losgeschickt. Früher hätten wir die Aktie also spätestens zum Eröffnungskurs der Wiener Börse am Dienstag eingebucht.

      Seitdem es den Fonds gibt, müssen wir aber warten, bis dieser zuschlägt. Nun war aber am Dienstag Feiertag bei uns und am Mittwoch in Wien und in Teilen Deutschlands. Folglich ist der Fonds offenbar erst heute zum Zuge gekommen. Hoffen wir, dass er recht früh war. In der ersten Handelsstunde gab es die Aktie noch günstiger. Aber auch am Ende lag sie nichtgsnz so hoch, wie Sie schreiben: nämlich „nur“ bei 121,65 €. Aber klar, sie wäre Mo, Di oder Mi noch günstiger gewesen. Blöd gelaufen wegen der Feiertage …

  7. Hallo,

    „Der Kurs der Lenzing-Aktie wird maßgeblich beeinflusst vom Preis der Baumwolle als Konkurrenzprodukt. Da der Baumwollpreis in den vergangenen Monaten fiel und zusätzlich der Eurokurs stieg, ist die Lenzing-Aktie vom Top im Sommer um mehr als 30 Prozent zurückgekommen. Dadurch hat sich das KGV auf ein moderates Niveau von 11 verringert.“

    Vor einigen Monaten hatten wir eine kurze Diskussion über Rohstoffaktien. Jetzt wird ein Wert ins Depot genommen, der u.a. am Baumwollpreis hängt und als Turnaroundkandidat gelten soll.

    Zudem hängt das Wohl und Wehe dieser Firma an ihrer Innovationskraft sowie der Hoffnung, nicht durch die Innovation anderer obsolet (= Totalverlust!) zu werden.

    Bspw. Shell und Norilsk Nickel waren vor einigen Monaten Turnaroundkandidaten – abgesichert zudem über eine extrem hohe und stabile Dividendenrendite sowie der Marktmacht als Multi (die Russen sitzen nun einmal auf den Rohstoffen – wenn Europa diese nicht will, greifen u.a. 1.3 Mrd Chinesen zu). Beide Titel hätten mit der o.a. Argumentation ins Wahre Werte Depot gepasst.

    Lenzing ist risikobehafteter, ohne Lobby und hat eine deutlich niedrigere Dividendenrendite.

    • Na, na, jetzt aber mal langsam, lieber Michael K.

      1. Rohstoffaktien sind doch nicht per se nichts für unser Depot. Wir haben uns zum Beispiel gegen Ölaktien ausgesprochen, weil fossile Brennstoffe zum ersten sehr umweltschädlich sind, zum zweiten zunehmend durch Öko-Energien ersetzt werden und weil zum dritten der gesamte Sektor fossile Brennstoffe aus diesen beiden Gründen zunehmend von Großanlegern weltweit gemieden wird (z. B. vom norwegischen Staatsfonds).

      2. Bei Lenzing handelt es sich auch nicht um einen „Turnaroundkandidaten“ im Sinne der Ölaktien. Letztere hatten eine jahrelange Baisse hinter sich. Lenzing befindet sich dagegen nach wie vor im Aufwärtstrend und hat nur in den letzten 5 Monaten eine heftige Korrektur einer zuvor gesehenen Übertreibung hinter sich gebracht.

      3. Lenzing als Kandidaten für einen „Totalverlust“ wegen möglicher Erfindungen anderer zu bezeichnen, halte ich für unangebracht, um es vorsichtig zu formulieren 😉 Es handelt sich schließlich um ein Traditionsunternehmen mit einer fast 80-jährigem Geschichte. Gerade durch SEINE Innovationen hat sich Lenzing in dieser Zeit gegen sämtliche Konkurrenz durchgesetzt und ist zum weltweiten Marktführer geworden. Natürlich bedeutet dies keine Garantie für die Zukunft – aber diese finden Sie nirgendwo.

      4. Die Dividendenrendite stellt für unser Depot kein Hauptkriterium dar. Schon deshalb nicht, weil zugeflossene Dividenden künftig auch von Fonds versteuert werden müssen, realisierte Kursgewinne dagegen nicht. Und wir orientieren uns mit unserem Depot – wie schon mehrfach betont – an den Regeln für Fonds und nicht an denen für Privatanleger.

      • Und noch etwas: Wir spekulieren mit Lenzing auch nicht auf den Bamwollpreis in dem Sinne, dass wir auf dessen Anstieg wetten. Der Baumwollpreis stellt nur einen von mehreren Faktoren für die Lenzing-Aktie dar. Zum Beispiel könnte sich die Aktie auch dann erholen, wenn der Baumwollpreis stabil bleiben und lediglich nicht weiter fallen sollte. Sie könnte sogar dann steigen, wenn der Baumwollpreis weiter fällt. Dann müssten nur andere Faktoren diesen Einfluss überlagern. Es gibt schließlich keine Eins-zu-eins-Koppelung des Lenzing-Kurses an den Baumwollpreis. Möglicherweise wurde der jüngste Baumwollpreisrückgang von einigen auch nur als Anlass genutzt, Gewinne mitzunehmen oder auf einen fallenden Lenzing-Kurs zu wetten. Börse besteht schließlich zu 90 Prozent aus Psychologie 😉

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